Wir sehen im Kino : "Eltern"

Wir sehen im Kino : “Eltern”

Am 14. November kommt der neue Film “Eltern” von Robert Thalheim ins Kino. Christiane Paul und Charly Hübner spielen darin ein Elternpaar, daß sich den täglichen elterlichen Herausforderungen mal mehr oder weniger erfolgreich stellt. Ich durfte mir vorab schon ein paar Szenen anschauen, um als “Elternblogger” eine davon zu kommentieren. Der Film entspricht der elterlichen Realität und so erkannte ich uns doch in dieser Szene ein wenig wieder. Ich freue mich nun auf den ganzen Film. Hier aber erst mal meine “Weisheiten” dazu:

Da soll ich als „Elternexperte“ nun etwas Schlaues zu der im Film gezeigten Situation sagen… Das Schlauste, was ich dazu sagen kann ist, dass Konflikte dieser Art scheinbar unausweichlich sind im Chaos rund um Kinder, Küche und Karriere, in dem wir heutigen Eltern uns nun mal bewegen. Die Zeiten der klassischen Rollenverteilung sind vorbei – zum Glück. Trotzdem führt gerade das häufig dazu, dass sich jedes Elternteil zuständig für alles und damit bald am Limit fühlt.

Und dann geht es los, das Abgleichen, das Bewerten. Wer macht mehr? Welcher Job ist wertvoller? Was bringt mehr Geld in die Familienkasse? Was ist Arbeit und was ist pure egoistische Selbstverwirklichung, während der andere Elternteil zwischen Wäschebergen und Schlafmangel versinkt?

Auch beim dritten Kind kommen wir als Familie immer wieder in diese Konfliktsituationen. Nicht mehr so oft, wie nach der Geburt des zweiten Kindes, als sich erneut alles sortieren musste, nachdem wir uns doch gerade so gemütlich in das Leben mit einem Kind eingegroovt hatten. Wir streiten kürzer und konstruktiver – wahrscheinlich einfach auch, weil weniger Zeit da ist.

Aber gerade diese Woche kollidierte mal wieder vieles. Ich hatte eine Fortbildung und einen Vortrag vorzubereiten sowie zwei Fachartikel abzugeben. Dazu noch einige Hausbesuche. Da der Babysohn ja noch nicht in die Kita geht, ist Arbeiten jenseits der Hausbesuche also nur abends möglich, wenn die Müdigkeit alle Kreativität und allen Fleiß extrem verlangsamt. Christian saß der monatliche Redaktionsschluss im Nacken. Da kleine Kinder nun mal nicht denken „Mama und Papa sind gerade ein bisschen am Limit, wir verhalten uns mal unauffällig“, wird hier geschrien, eingefordert und „nicht kooperiert“, wie es Kinder nun mal tun. Aber es nervt, wenn man gerade keine Nerven dafür hat. So fange ich also an aufzuzählen, wie hart mein Tag ist. Christian versucht erfolgreich zu kontern – auch damit, dass er ja gerade das Hauptfamilieneinkommen verdient.

Warum machen wir das denn alles?

Und genau wie Christine in dem Film ihrem Mann erzählt, dass ihr Job als Ärztin härter sei, weil sie gerade eine Patienten verloren hat, ziehe ich den Joker und behaupte, dass meine Hebammentätigkeit bisweilen akut wichtiger ist, weil weder Wehen, noch Milchstau oder die weinende Wöchnerin warten können. Der Redaktionschluss aber irgendwie auch nicht…

Und dann kommt mein Totschlagargument „Ich stille ja noch“ – wozu mich natürlich weder mein Mann zwingt, noch empfinde ich es als permanente Belastung. Im Gegenteil sorgt wahrscheinlich der stetige hohe Prolaktinspiegel dafür, dass ich in dem Chaos hier manchmal nicht ganz durchdrehe. Aber Milchbildung ist schließlich auch Arbeit – dazu noch mit sehr unregelmäßigen und auch nächtlichen Arbeitszeiten. Was will mein Mann da noch kontern?

Christian macht mich dann noch darauf aufmerksam, dass er jeden Morgen um 6.30 (seit der Uhrumstellung auch gerne um 5.30) mit den Kindern aufsteht und außerdem viel häufiger kocht. Und plötzlich merke ich (manchmal auch er), dass das was wir hier tun, komplett unproduktiv, ja sogar destruktiv für ein Familienleben, aber auch für eine Beziehung ist.

Denn warum machen wir das denn alles? Weil wir beide dazu beitragen wollen, dass es allen in dieser Familie gut geht und manchmal sind zu viele Dinge auf einmal zu tun und der Druck steigt ins Unermessliche. Und er muss raus. In den Wald gehen und schreien oder Sport machen wäre sicher der Königsweg. Den Partner anmotzen ist immerhin besser, als es an den Kindern rauszulassen. Aber das ganze Gestreite muss zu Lösungen führen. Weglaufen ist keine. Sich mal kurz rausziehen kann helfen. In Eltern-Krisen zeigt sich gerne, ob die Basis, also die Beziehung stimmt.

Es hilft auch, den Kindern ehrlich zu sagen, dass man gerade etwas im Chaos versinkt, aber dass wir zusammen nach Lösungen suchen und diese auch finden. Und es hilft auch, zu sehen, wie gut es uns doch trotz Stress eigentlich geht: wir lieben uns, wir sind gesund, haben gutes Essen, ein schönes Zuhause. Die Dankbarkeit für dieses alltägliche Glück geht einem in Stresssituationen schnell verloren. Aber auch Konflikte gehören nun mal zu einem gesunden Familienleben dazu, denn die Bedürfnisse von zwei, drei, vier, fünf Menschen unter einem Dach und in enger Beziehung zueinander sind nun mal nicht immer exakt aufeinander abgestimmt. Diskussionsbedarf gibt es da fast immer…

Die To-Do-Liste ist auch nach so einem Streit immer noch lang, aber dann machen wir es wie bei den Geburten der Kinder: Zusammen Wehe für Wehe (Punkt für Punkt der To-Do-Liste) abarbeiten und nicht daran denken, was noch alles kommen kann und wird. Außerdem die Pausen maximal zur Erholung nutzen, egal wie kurz sie sind. Und was immer hilft: atmen und lächeln…