Die wollen doch nur spielen

Die wollen doch nur spielen

Vor ein paar Wochen hatte Pampers mich zu einem Blogger-Google-Hangout zum Thema „Freies Spielen“ eingeladen, an dem ich aus Zeitgründen leider doch nicht teilnehmen konnte. Neben den Bloggern war Prof. Dr. Malte Mienert als Experte anwesend. Aber braucht es wirklich Experten, die uns erklären, wie die Kinder spielen sollen? Tatsächlich schien mir diese Überlegung zunächst ein bisschen absurd, als ich den mit meiner Geldbörse konzentriert vor sich hinspielenden Babysohn neben mir betrachtete. Kinder spielen doch irgendwie immer und mit irgendwas.

Doch dann fiel mir ein, dass ich mir da bei unserem ersten Kind wesentlich mehr Gedanken gemacht habe und dass die Eltern in der Hebammenbetreuung und in Kursen ja auch immer wieder danach fragen, ob und wann und wie man mit Babys spielen soll.

Ein älteres Kind kommuniziert meist recht deutlich, was es gerade spielen will, aber so ein Baby und gerade das erste stellt seine Eltern immer wieder vor viele Fragen. Die Sorge, das Kind zu unter- oder überfordern ist gleichermaßen da. Und spätestens ab dem zweiten Kind stellt sich dann noch das schlechte Gewissen dazu ein, weil man denkt, man spielt ja viel zu wenig mit dem Kind. Dabei haben ja gerade nachkommende Kinder echte Spielexperten an ihrer Seite: ihre Geschwister. Mehr Anregung zum Nachahmen und selbst entdecken gibt es nicht. Diesen Input gibt es natürlich für Einzelkinder genauso – in der Krabbelgruppe, auf dem Spielplatz oder auch in der Kita.

Gekocht wird in richtigen Töpfen

Aber was muss ich meinem Kind nun also anbieten, wenn wir unseren Tag gemeinsam bestreiten? Ist es ausreichend, das Baby oder Kleinkind beim Wäsche machen die Wäscheklammern ein- und ausräumen zu lassen oder sollten wir nicht doch lieber das pädagogisch wertvolle Bio-Holzpuzzle zusammen bespielen? Schließlich ist Spielen enorm wichtig und unverzichtbar für Babys Entwicklung in allen Bereichen: körperlich, sozial und geistig. Und da spüren Eltern ihn gerne wieder – den Druck, alles richtig und das Kind wettbewerbsfähig für die Zukunft zu machen. Dabei ist es genauso wenig sinnvoll, ein Baby mit allerlei von Erwachsenen ausgedachten pädagogisch vermeintlich wertvollen Lernspielen zu überfrachten wie sich die ganze Woche von Babykurs zu Babykurs zu hangeln.

Babys brauchen Gelegenheit, sich und ihre Umwelt selbst zu entdecken – ganz spontan, unangeleitet und frei. Beim Spielen geht es darum, die Welt zu begreifen, in der sie irgendwann alleine zurecht kommen wollen. Deshalb ist wohl der richtige Autoschlüssel wesentlich spannender als das Spielzeugpendant aus Holz, womit sie Mama noch nie haben die Autotür aufschließen sehen. Gekocht wird auch in richtigen Töpfen, die schön laut klappern – nicht in der Plastikminiaturausgabe. Und auch das perfekt nachgeahmte Kinderwerkzeug wird nie die gleiche magische Anziehungskraft haben wie der Werkzeugkasten der Eltern. Alltagsgegenstände, unterschiedliche Materialien, also das, was die Kinder gerade interessiert sind das beste Zeug zum Spielen. Die Spielsachen, die wir als Eltern besonders wohlüberlegt ausgesucht haben, werden hier bei uns meist mit Nichtachtung gestraft. So dienen sie halt als schöne Deko im Kinderzimmer, während mit Klopapierrollen gespielt wird.

Tummy Time

Was braucht ein kleiner Mensch also neben Dingen, die ihn interessieren, nun zum spielen?
Eine Umgebung, in der er sich relativ frei bewegen und selbst aktiv werden können. Das heißt in den ersten Lebensjahren, dass Dinge, die einem wichtig sind und die vielleicht kaputt gehen können, besser eine Etage höher wandern, als das Kind ständig in seinem Explorationsdrang ausbremsen zu müssen. Für Babys, die sich noch nicht fortbewegen, ist die Krabbeldecke der beste Spielplatz. Ganz wichtig ist es den Kindern von Anfang an regelmäßige „Tummy Times“, also Zeiten in Bauchlage, zu ermöglichen. Denn aus dieser Lage wird die Kopfkontrolle und später der Unterarmstütz geübt. Der Anreiz in Bauchlage, den Kopf hochzunehmen, um etwas zu sehen und später zu erreichen, ist natürlich ungleich höher, als wenn das Kind aufgerichtet in der Babywippe thront. Tatsächlich trauen sich viele Eltern nicht mehr, die Kinder auf den Bauch zu legen, weil sie das ja in den Empfehlungen zur Prävention des plötzlichen Kindstods gelesen haben. Dies gilt aber für die Schlafphasen des Kindes. In den Wachphasen sollte ein Baby regelmäßig auf dem Bauch liegen dürfen. Ein Spiegel kann auch ein netter Anreiz sein, sodass kleine Babys in Bauchlage aktiv werden. Und natürlich ist es immer wieder sinnvoll, sich selbst in Lage und Höhe des Kindes zu begeben.

Weniger Spielzeug, weniger Hektik, weniger Regeln

Babys brauchen liebevolle Spielbegleiter, die sie einfach beobachten, in ihrem Tun bestärken und sich mit ihnen beim Welt entdecken freuen. Kinder haben eigene Ideen und oft einen anderen Plan als wir. Aber davon kann man sich als wohlorganisierter Erwachsener einfach mal inspirieren lassen. Kinder brauchen genug Zeit, um auch Dinge immer und immer wieder zu wiederholen oder auch etwas zu Ende bringen zu können. Ein zu voll gepackter Alltag mit zu vielen Kursen bremst also den Spieltrieb eher aus, als dass es das Kind wirklich „fördert“.
Wie bei so vielen Dingen im Baby- und Kinderleben gilt: Weniger ist oft mehr.

Weniger Spielzeug, weniger Hektik, weniger Regeln. Dafür Raum, Ruhe und Ungestörtheit, damit das Kind selbst erkunden kann. Als Eltern können wir da unterstützen, wo das Kind uns braucht und uns dort zurückziehen, wo wir vielleicht sogar stören oder überflüssig sind. Je kleiner die Kinder sind, umso mehr brauchen sie uns noch als sicheren Hafen in der Nähe beim Spielen. Später schmeißen sie uns ganz von selbst raus. Gerade, wenn andere Kinder dabei sind, merken sie ganz schnell, was für lausige Spielpartner wir Großen doch oft sind. Also eigentlich alles ganz einfach mit dem Spielen. Aber vielleicht trotzdem ganz gut, dass gelegentlich Experten uns Eltern als Experten fürs eigene Kind bestätigen.