Die Schattenseiten von Sonnencreme

Die Schattenseiten von Sonnencreme

Ich habe endgültig kapituliert, was mineralische Sonnencreme angeht. Noch einmal habe ich mich auch diesen Sommer erneut durch die Bezeichnung „Sonnenmilch“ verführen lassen, dann doch eine von den biologisch viel korrekteren Sonnencremesorten zu kaufen, die ihre Schutzfunktion nicht auf den umstrittenen chemischen UV-Filtern aufbauen.

Aber hier ist das Wort „Milch“ eine glatte Lüge, denn es ist die gleiche dicke weiße Paste, wie ich sie schon seit neun Sommern versuche, meinen Kindern immer wieder auf Armen, Beinen und im Gesicht zu verteilen. Hinterher sind sie kreidebleich und ich habe mir schon diverse eigene Klamotten eingesaut, weil das Zeug auch nach mehrmaligem Waschen oft nicht rausgeht.
Ja, wir kaufen bestimmt zu 85 Prozent im Bioladen ein und benutzen primär Naturkosmetikprodukte. Das finde ich persönlich sinnvoll und bin bereit, dafür auch etwas mehr zu bezahlen oder auch auf den „Seidenschimmerfeffekt“ der konventionellen Shampoos zu verzichten.

Aber mit der „Öko-Sonnencreme“ werde ich einfach nicht warm. Konventionelle Produkte, also die mit dem chemischen Filter, stehen im Verdacht, wie Hormone zu wirken. Hört sich natürlich nicht gut an, aber die Sonnencremes, die mit mineralischen Pigmenten schützen, haben einen großen Nachteil. Sie lassen sich nämlich schwer bis gar nicht verteilen. Gerade auf einem ohnehin nicht sehr geduldigen Kleinkid ist es eine Tortur, die weiße Spachtelmasse gleichmäßig zu verreiben. Das Kleinkind zappelt und dreht sich wie ein Fisch im Netz und das Zeug landet einfach überall. Selbst an unserem Auto sind mittlerweile nicht mehr abwischbare Handabdrücke der mineralischen Sonnenpaste verewigt. Da das Auto aber eh ein ungewaschener Brötchenkrümelbeförderer ist, stört mich das an der Stelle weniger. Sich den ganzen Tragesack damit vollzuschmieren, ist schon deutlich blöder…

Meine Neunjährige kann ich längst nicht mehr zum Penatencremelook überreden. Sie hat schon lange den Unterschied der “guten” und der “bösen” Sonnencreme entdeckt und hat sich gegen den Gespensterlook entschieden. So kaufe ich also doch die chemische Variante, um dann wieder mit schlechtem Gewissen in der aktuellen „Schrot und Korn“- Ausgabe (das ist diese Bioladengratiszeitung) zu lesen, warum man diese Produkte besser nicht verwendet.

140 Euro für zwei Tage Sonnenschutz

Der beste Sonnenschutz ist sicherlich, die direkte Sonne ganz zu meiden, was mit einem noch nicht mobilen Baby und entsprechender Kleidung und guten Schattenplätzen auch machbar ist. Die drei sehr aktiven Kinder hier müssen aber definitiv eingecremt werden. Und das überall und mit einer ausreichenden Menge Sonnencreme. Für Erwachsene werden übrigens 30 bis 40 ml pro Eincremevorgang empfohlen.

Neulich habe ich ja dann doch mal ein recht gut zu verteilendes, mineralisches Ökosonnenschutzprodukt entdeckt und kurz überlegt, mich damit einzudecken. Aber bei einem Preis von 13,90 Euro für gerade mal 50 ml ist das schlicht und einfach nicht finanzierbar. Unsere Familie braucht für zwei Erwachsene und drei Kinder durchschnittlich 120 ml Sonnenmilch pro Eincremvorgang. An einem sonnigen Wochenende wie dem kommenden ist mindestens zwei mal am Tag eincremen angesagt, das wären dann also knapp 500 ml. Ja, genau: Das Ökoprodukt würde uns rund 140 Euro kosten, damit wir ein Wochenende lang sonnengeschützt sind. Für einen ganzen Urlaub will ich das gar nicht erst ausrechnen…

Lange Rede, kurzer Sinn: Liebe mineralische, weiße Sonnenspachtelmasse – ich mache Schluss mit dir. Und wenn mich das schlechte Ökogewissen plagt, lese ich mir diesen Text einer Chemikerin und Mutter zum Thema Sonnencreme durch: Sonnenschein und so