"Wir sind keine Sorgenkinder!"

“Wir sind keine Sorgenkinder!”

Gestern war ich beruflich in Frankfurt und unterwegs sein ohne Kinder heißt auch endlich mal wieder etwas Zeit für Zeitungen. Auch wenn die ZEIT eher etwas unhandlich zum Lesen in der beengten Economy-Class der Lufthansa ist, musste sie mit. Die Überschrift „Die Lüge vom gestörten Kind“ war Argument genug. Der dazugehörige Artikel von Martin Spiewak ließ mich an vielen Stellen bejahend nicken.

So enttarnt er nicht nur Michael Winterhoffs These vom tyrannischen Kind, sondern zeigt auch immer wieder auf, dass es gar nicht so verkehrt ist, was wir heutigen Eltern so mit dem Nachwuchs veranstalten. Mit jeder gelesenen Zeile fühlt man sich ein bisschen entspannter.

Spontan musste ich an eine Passage aus diesem Artikel denken, als heute das erste druckfrische Exemplar des Breifrei-Kochbuches ankam, das ich mit Loretta Stern zusammen geschrieben habe.

„Die Flut der Erziehungsratgeber wird stets als Ausdruck einer Verunsicherung der Eltern interpretiert. Man kann aber auch sagen: Eltern halten Erziehung für wichtig. Sie sind lernbereit. Es gibt seit Jahren eine Flut von Kochbüchern. Niemand würde sie als Zeichen für den Verfall der Kochkünste anführen.“

Unser Buch ist ja nun sogar eine Mischung aus Elternratgeber und Kochbuch geworden. Und garantiert haben wir das Ganze nicht verfasst, weil wir denken, dass wir den Eltern nun den „richtigen Beikostweg“ erklären müssten noch gegen den Verfall der Kochkünste ankämpfen. Und so werde ich auch selbst weiter die Bücher von Jesper Juul, Renz-Polster und Co. lesen – einfach aus Interesse und Lernbereitschaft. Und wohl zukünftig auch immer wieder mal den guten ZEIT-Artikel, der mit dem schlauen Satz endet: „Wie wäre es, wenn man einfach aufhören würde, die Kinder und das Leben mit ihnen schlechtzureden?“.