Elternbedürfnisse

Elternbedürfnisse

Wir Eltern sind ja mittlerweile ziemlich bedürfnisorientiert unterwegs – zumindest was die Bedürfnisse unserer Kinder angeht. Da wird gekuschelt und getragen, wenn diese ein Nähebedürfnis haben. Gestillt und gefüttert, wenn die Kleinen erste Hungeranzeichen zeigen. Und es wird auch sonst auf Schlafbedürfnis, Spielbereitschaft, Explorationsdrang und die Autonomiephase (früher auch Trotzphase genannt) mit entsprechender Zuwendung unsererseits geantwortet.

Am Wochenende habe ich auf dem wirklich tollen Attachement Parenting Kongress in Hamburg zusammen mit vielen anderen Experten genau zu diesen ganzen Themenbereichen referieren dürfen. Die Bedürfnisse von Babys und Kindern standen hier im Mittelpunkt. Es wurde in vielen bewegenden und sehr interessanten Vorträgen erklärt, was Kinder wirklich brauchen und weshalb es so wichtig ist, die Kinder darin auch ernst zu nehmen. Doch wie sieht es denn so mit den eigenen Bedürfnissen aus? Mein Fazit: Da haben die meisten Eltern und gerade die Mütter noch viel Lernbedarf. Ich schließe mich da an, denn manchmal kommen selbst einfachste Dinge wie Nahrungsaufnahme oder Toilettengänge zu kurz. Der Schlaf sowieso.

So auch heute morgen. Ich bin kein Frühstücker, weshalb ich in der Regel immer nüchtern aus dem Haus gehe und den Tag mit einem Kaffee beginne, nachdem die Kinder in der Schule und Kita angekommen sind und ich meine kleine morgendliche Laufrunde durch den Park absolviert habe. Der Kaffee wird natürlich schon für parallele Schreibtischarbeit genutzt. Der große Frühstückshunger erwacht bei mir erst gegen zehn Uhr.

Nur noch schnell…

Heute standen nach dem morgendlichen „Pflichtprogramm“ ein Zahnarztbesuch, zwei Hausbesuche und frühes Abholen in der Kita an, weil wir mittags einen Termin zur U-Untersuchung mit dem Jüngsten hatten. Meine Idee, nach dem Zahnarzt etwas auf dem Weg zu essen, scheiterte an der dort länger als gedachten Wartezeit. Zwischen den beiden Hausbesuchen musste noch ein Rückruf getätigt werden und dann war es auch schon Zeit, nach Hause zu hetzen und das Untersuchungsheft zu suchen.

Mit kurzem Zwischenstopp im Bioladen, da der Tag heute sonst keine Zeit zum Einkaufen lässt. Weil ich nicht besonders gut darin bin, einhändig auf dem vollgepackten Rad zu fahren, kam ich auch hier immer noch nicht zum längst überfälligen späten Frühstück. Zu Hause angekommen war der Hunger entsprechend groß… aber erst wollen die Einkäufe verpackt sein und dann bat die Waschmaschine auch noch laut piepsend darum, dass ich ihren Inhalt doch bitte auf der Wäscheleine verteilen möchte.

Nur noch schnell das machen und dann endlich „in Ruhe frühstücken“. Das Abhören des Anrufbeantworters auf dem Weg in die Küche war auch nicht schlau, weil ich gleich wieder überlegte, wie ich zeitlich nun den Rückruf einbaue. Doch in der Küche erwartete mich ja auch noch das Geschirr von heute morgen. Obstfliegen umkreisten bereits begeistert ein Stück Banane auf dem Tisch. Okay, also noch schnell das hier wegräumen… aber Stop! Hatte ich nicht gerade beim Hausbesuch den zwei Müttern noch erzählt, dass sie gut darauf achten müssen, für sich selbst zu sorgen? Den Kindern kann es doch immer nur so gut gehen, wie es uns selbst geht. Allein deshalb sollte man auch auf die elterlichen Bedürfnisse achten.

Theorie und Praxis

Und jetzt schaffe ich es seit drei Stunden nicht mal, etwas zu essen? Aber so ist das mit der Theorie und der Praxis. Zum Glück fiel mir noch ein, dass Hunger bei mir extrem schlechte Laune macht und ein Kinderarztbesuch um die Mittagszeit mit müdem Kind ohnehin kein Spaß werden wird. Und überhaupt weiß ich doch genau, dass man ohnehin niemals mit allem fertig ist, so dass man sich wirklich mal ganz entspannt zum Essen hinzusetzen könnte. Irgendwas ist doch immer noch zu tun. Aber ich weiß mittlerweile auch, dass Geschirr, Wäsche und Staub geduldig sind. Nur manchmal muss ich mich da selbst wieder dran erinnern. Also fand das späte Frühstück doch noch statt. Irgendwann hörte auch die mahnende Waschmaschine auf zu piepsen und die Obstfliegen freuten sich, dass sie heute ein bisschen länger über dem Küchentisch schwirren durften. In diesem Sinne: Denkt auch an euch und eure Bedürfnisse und vergesst nicht im Alltagschaos, auch mal anzuhalten zum Durchatmen oder Essen oder was auch immer…