Nach warm kommt heiß...

Nach warm kommt heiß…

Meine älteste Tochter wurde Ende Juni geboren, aber nicht in so einem kalten verregneten Sommer wie letztes Jahr, sondern es war richtig heiß in den ersten Wochen nach ihrer Geburt. So entstand folgendes Bild: eine sehr leicht bekleidete Mutter mit Schweißperlen auf der Stirn hält ein rotwangiges Baby mit einer schönen warmen Wolljacke nebst aufgesetzter Kapuze auf dem Arm. Das unter der Kapuze noch ein Baumwollmützchen war, sieht man zum Glück nicht.

Ich glaube, mein Mann hatte mehrmals Einspruch erhoben, aber in unserem Fall bin doch schließlich ich die Babyexpertin…

Die Frage, was man dem Baby also anzieht, kommt bei wirklich jeder Wochenbettbetreuung auf. Nein, meistens fragen Eltern schon in der Schwangerschaft danach. Aber neben dem Wetter draußen spielen ja viele Faktoren eine Rolle. In der leicht zugigen Altbauwohnung im Erdgeschoss braucht es sicher eine Schicht mehr als in den überhitzten Dachgeschosswohnungen im Sommer.

Außerdem scheint es da auch Trendphasen zu geben. Vor ein paar Jahren waren noch alle Babys im Wochenbett in mehrlagigen Woll- oder Woll-Seide-Schichten plus wolligem Mützchen verpackt – das Ganze zusätzlich eingewickelt in die handgestrickte Puckdecke. Dann wurde im Kontext des plötzlichen Kindstods noch mal ganz klar vor Überwärmung gewarnt, so dass heute wieder ein Teil der Babys manchmal ein bisschen zu kühl angezogen wird. Dazu äußere ich mich als Hebamme zwar konkret, aber entsprechend vorsichtig, damit das Ganze nicht wieder ins komplette Gegenteil umschlägt. Besonders Mütter sind da ja sehr empfänglich…

Eltern sind die besten Wärmflaschen

Es ist schließlich auch eine große Verantwortung dafür zu sorgen, dass dieses kleine Menschlein, welches bisher eine konstante Körpertemperatur von 37 Grad gewohnt war, weder schwitzt noch friert. Am Anfang können die Kinder die Temperatur noch nicht selbst regulieren bzw. geht es auf Kosten ihrer Gewichtszunahme, wenn sie dafür ständig Energie aufbringen müssen. Die Händchen fühlen sich meist kälter an als der restliche Körper und so wird schnell mal eine Lage Stoff mehr ums Kind gewickelt. Also fühlt man besser im Nackenbereich nach. Wenn das Kind da angenehm warm, aber nicht schwitzig ist, passt es meist. Die beste Wärmflasche für kleine Babys sind ohnehin Mama oder Papa. Im direkten Körperkontakt können Neugeborene ihre Temperatur am besten regulieren.

Aber auch, wenn die Kinder dann älter werden, hört die „Zu kalt, zu warm“-Sorge nicht auf. So habe ich schon Ende August hier Kleinkinder im Schneeanzug rumlaufen sehen. Vielleicht aber musste auch nur der recht hohe Kaufpreis des Designerstücks abgetragen werden? Da muss man halt ein bisschen früher anfangen. Außerdem scheinen Mütter eher immer zu warme Kleidung auszuwählen, während die Väter hingegen zu kühleren Outfits neigen.

Grob kann man sagen, dass man Babys etwa eine Schicht mehr als sich selbst anzieht. Bei sehr kalten Temperaturen ist ein Baby am besten unter der elterlichen Jacke im Tragetuch oder in der Komforttrage aufgehoben, mit einer Jacken-Erweiterung kann man auch die bisherige Winterjacke dafür nehmen. Dort profitiert es von der Körperwärme und ist gleichzeitig windgeschützt.

Erkältungen kommen nicht durch Kälte

Wenn man mit älteren Kindern selbst frierend auf dem Spielplatz steht, muss man aber nicht gleich wieder gehen. In der Regel bewegen sich die Kinder einfach viel mehr und kühlen nicht so schnell aus wie wir Eltern, die maximal versuchen, die eingefroren Finger am heißen Coffee-to-go-Becher aufzuwärmen.

Im Sommer verlagert sich das Bekleidungsproblem in Richtung Sonnenschutz. Da Sonnencreme für die empfindliche Babyhaut nicht unbedingt die erste Wahl ist, kann dünne, aber lange Kleidung für draußen sinnvoll sein. Kleidung mit entsprechendem UV-Schutz ist natürlich auch eine gute Option- gerade für schon mobilere Kinder. Kleine Babys gehören auf jeden Fall im Sommer immer in den Schatten, wo sie aber trotzdem vor der Sonnenstrahlung geschützt werden sollten, da diese auch dann genauso wie bei bewölktem Himmel die Haut erreicht. Ein Sonnenhütchen auf dem Kopf sollte selbstverständlich sein.

Eine Erkältung kommt übrigens nicht durch Kälte, sondern Viren zustande. Natürlich ist ein Körper, der ständig viel Energie zum Warmhalten aufbringen muss, anfälliger für Infekte. Aber in der Regel hat der Schnupfen des Babys nichts mit der vom Vater nicht angezogenen Merinowollfleecejacke zu tun. Und schon gar nicht mitten im Juni. Das eingangs beschriebene erste Kind reißt sich übrigens heute beim ersten Sonnenstrahl die Sachen vom Körper und würde am liebsten auch im Winter Sandalen tragen. Aber noch bestimmen wir Eltern die Kleidung in den Jahreszeiten mit und mittlerweile bin auch ich da etwas treffsicherer geworden bzw. höre ich häufiger auf das Urteil meines Mannes.