„Wir feiern nicht, wir eskalieren“

„Wir feiern nicht, wir eskalieren“

Man macht sich ja über vieles Gedanken, was einen zukünftig so an Aufgaben erwartet, wenn man zum ersten oder wiederholten Male Eltern wird. Aber man denkt wahrscheinlich nicht über Kindergeburtstage nach. Damit meine ich nicht, den schönen Teil der Kindergeburtstage: mit den Geschwisterkindern den Geburtstagskuchen backen, Geschenke einpacken, den Geburtstagskreis bestücken… um dann am nächsten morgen dem aufgeregten Geburtstagskind um sechs Uhr morgens ein Lied zu singen und sich von ganzen Herzen zu freuen, dass dieser kleine große Mensch vor x Jahren geboren wurde…

Nein, ich meine den anderen Teil. Den mit den vielen anderen Kindern…

Erst einmal die große Diskussion mit dem eigenen Kind darüber, wer und wie viele Kindern denn nun kommen dürfen. Elterliche und kindliche Vorstellungen sind da nicht immer identisch. Meistens nicht. Die Anzahl der Gäste nach dem Alter des Kindes zu richten, ist schon mal eine ganz gute Orientierung. Aber dann gilt es noch, sich einen mehr oder weniger guten Plan für die Geburtstagsparty auszudenken – möglichst einen, der allen gefällt und bei dem keiner weint. Doch genau das ist eigentlich schon vorher zum Scheitern verurteilt. Ziel ist es wohl also besser nur, die jährlich steigende Anzahl Geburtstagsgäste so zu bespaßen, dass sie drei, vier Stunden später halbwegs gut gelaunt und unverletzt wieder abgeholt werden kann.

Bei zwei Sommerkindern können wir zumindest schon mal den Geburtstag nach draußen verlegen, was die Situation ja meist sehr entspannt. Allerdings ist auf Wetterprognosen da auch nicht immer Verlass, so dass es im Juni vor drei Jahren genau dann losschüttete, als die Tafel im Kitagarten just fertig dekoriert war. Zum Glück konnten wir in die Kinderladenräume nebenan ausweichen…

Mit einem Märzkind kann man noch weniger den Draußengeburtstag planen. In einem Jahr war an eine Schatzsuche bei minus zehn Grad einfach nicht zu denken. Das als Notlösung ausgedachte Kasperletheaterstück in Kooperation mit dem Patenonkel wurde damals zuerst vom ständig hinter den Vorhang krabbelnden Babysohn torpediert. Und dann stoppte Klein-Luis mit den Worten „Ich muss kacken!“ die Vorstellung. Zum Schluss weigerte sich unsere Tochter, die vom Kasper geretteten und von der Gretel an sie übergebenen Zuckererdbeeren mit den anderen Kindern zu teilen.

„It’s my party and I’ll cry if I want to…“

Teilen ist überhaupt so ein Thema an Geburtstagen. Wir hatten das Drama schon beim 4. Geburtstag, als das neue Riesenschaukelpferd auf Wunsch des Geburtstagskindes von allen Gästen doch bitte nur angeschaut werden sollte. Daran wollten sich die anderen, auch Pferde liebenden Vierjährigen verständlicherweise gar nicht halten.

Der Kindergeburtstag, der zehn Tage vor dem ET des dritten Kindes stattfand, ist mir auch noch in lebhafter Erinnerung. Hochschwanger rannte ich japsend hinter einer viel zu schnellen Schatzsuchermeute davon, die sämtliche verteilte Zettelchen mit den Aufgaben viel zu schnell fanden und lösten. Und dann verriet die kleine Schwester auch noch den Ort des Schatzes, was zum Nervenzusammenbruch der Großen führte. Ich war in diesem Sommer sehr froh, dass unser Baby dann doch erst acht Tage nach dem ET kam und wir somit ein bisschen Luft zwischen unseren sommerlichen Kindergeburtstagen haben.

Meine weise Freundin Mone hat sich in der Schwangerschaft beim vierten Kind dann einen „All-Inclusive“-Geburtstag auf einem Bauernhof gegönnt, weil sie nicht hochschwanger mit acht Achtjährigen im November einen ganzen Geburtstagsnachmittag zu Hause verbringen wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ja bereits über zwanzig Kindergeburtstage ausgerichtet – und das immer mit viel Engagement.

Kindergeburtstagsfeierei liegt einem… oder eben nicht

Wir haben uns den Luxus eines organisierten Kindergeburtstags schon früher gegönnt und im letzten Jahr den sechsten Geburtstag der jüngeren Tochter im Kindermuseum gefeiert. Was soll ich sagen? Für uns war es der entspannteste Kindergeburtstag aller Zeiten. Während wir uns um den Einjährigen kümmerten, ein bisschen Kaffee tranken und uns einfach mit dem glücklichen Geburtstagskind freuten, gab es ein gut durchdachtes Unterhaltungsprogramm mit der richtigen Mischung aus Schatzsuche, basteln, klettern und Kuchen essen. Wir wurden irgendwie gar nicht gebraucht, was sich anfangs etwas komisch anfühlte, wir aber innerhalb kürzester Zeit genießen konnten. Deshalb haben wir auch sofort laut Ja gesagt, als die Kleine fragte, ob sie in diesem Jahr nicht wieder dort feiern könne. Die Kindergeburtstagsfeierei liegt einem… oder eben nicht.

Wir haben auch Freunde, die noch lächelnd 20-Stunden-Geburtstage mit Übernachtung und Co. absolvieren. Dazu sind mindestens zehn oder noch mehr Kinder eingeladen (die eigenen drei bis vier nicht mitgezählt). Und wenn wir unsere Kinder dann am nächsten Tag dort abholen, lächeln sie immer noch und schicken einen Tag später Dankeschön-Fotos. Wir dagegen sind bei selbst organisierten Geburtstagen meist so gestresst, dass wir das Fotografieren auch mal glatt vergessen. Aber es wäre ja auch irgendwie langweilig, wenn alle Eltern die gleichen Stärken hätten. Unsere Stärke ist ganz sicher NICHT die Organisation und Durchführung von Kindergeburtstagen…

Deshalb ist an solchen Tagen für uns immer der beste Augenblick, wenn alle Eltern da sind und man nur noch für drei Kinder verantwortlich ist – herrlich! An solchen Tagen liege ich dann abends im Bett und rechne hoch, wie viele Kindergeburtstage uns noch bevor stehen. Die errechnete Zahl verdränge ich dann schnell wieder, aber beschließe gleich am nächsten Tag, schon mal etwas Geld für den nächsten „All-Inclusive“-Geburtstag zur Seite zu legen. Zum Glück haben wir ja ein Berlin ein wirklich breites Angebot, so dass es für die Kinder mit Kletterwald, Porzellanmalworkshop, Skaterhalle, Seifenwerkstatt, Naturkundemuseum oder Kindertheater nicht langweilig werden wird…