War es das endgültig mit den Hebammen?

War es das endgültig mit den Hebammen?

Ich habe am 9. Juli einen Text über die Aussage von Ann Marini geschrieben, die als GKV-Pressesprecherin nicht der Ansicht ist, dass Deutschland freiberufliche Hebammen braucht. Was wir bei Von Guten Eltern von dieser Sicht einer Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit des „Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen“ auf das Hebammenthema halten, geht aus dem Text ganz gut hervor.

Was aus dem Text nicht hervorgehen kann, ist der Umgang von Marini mit eben jener Kritik, die ihr nicht nur von uns entgegen geschlagen ist. Die Auseinandersetzung erinnert an das Verhalten kleiner Kinder beim Versteckspielen oder ihre Strategie, wenn sie bei irgendeinem Unfug auf frischer Tat ertappt wurden. Kinder halten sich dann nämlich gerne die Hände vor die Augen in der Hoffnung, dass niemand sie sehen wird oder das Unglück einfach an ihnen vorbeiweht. Frau Marini, seien Sie sich gewiss, dass wir (und nicht nur wir) Ihnen diese elterliche Güte nicht gönnen. Wir nerven so lange weiter, bis eine Reaktion kommt. Mal schauen, von wem…

GKV-Pressesprecher Florian Lanz verhält sich übrigens nicht besser als seine Mitarbeiterin. Auf diverse Tweets unterschiedlicher Menschen direkt nach der NDR-Sendung und in den Tagen danach gab es keine Reaktion, obwohl er Twitter offensichtlich verfolgt hat. Auch eine direkte E-Mail unserseits mit Nachfrage blieb bis heute unbeantwortet. Natürlich ist kein Pressesprecher in Deutschland gesetzlich verpflichtet, eine offizielle Anfrage zu beantworten. Aber die Taktik, einfach sämtlichen Gegenwind aussitzen zu wollen, erinnert an Kommunikationsstrategien aus Diktaturen. Und sie darf und wird nicht aufgehen. Denn: Wir lassen Sie nicht in Ruhe, Frau Marini. Wir pusten Ihnen weiter Ihre unangemessenen Aussagen ins Gesicht, bis Sie endlich die Größe haben, sich entweder zu entschuldigen oder andere Konsequenzen zu ziehen. Ersteres wäre das mindeste nach derart unreflektierten Sätzen wie jenen, die Sie öffentlich im NDR gesagt haben.

Wir haben nun wirklich mehr als ein paar Tage auf eine Reaktion gewartet, die bis heute nie kam. Offenkundig ist Nichtkommunikation die bevorzugte Taktik des GKV, denn auch Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, hat bis heute nicht auf die Aufforderung einer Stellungnahme seitens des Deutschen Hebammenverbandes geantwortet.

Vielleicht muss ja erst jemand in der für den Verband zuständigen Aufsichtsbehörde tätig werden, dem Bundesministerium für Gesundheit. Allerdings ist diese Hoffnung auch eher gering, wenn man sich anschaut, wie dort öffentlich mit den Hebammen verfahren wird. Vorgestern fand in Berlin ein Bürgerdialog zum Stand des Gesundheitssystems mit Ministeriumschef und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe statt. Unter anderem war dort auch meine Frau Anja eingeladen, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. Sie wird dazu noch getrennt etwas schreiben, derweil bleibt als Resultat nur eine Pressemitteilung zu dieser Veranstaltung, die sehr deutlich Auskunft über den Stellenwert gibt, den Hebammen im Ministerium genießen. Sie sind nämlich einfach mit keinem Wort erwähnt.

Zwei Sätze allerdings stehen in der Mitteilung: „Das deutsche Gesundheitssystem kann insgesamt zuversichtlich in die Zukunft blicken. So gibt es in Deutschland 357.252 berufstätige Ärztinnen und Ärzte, rund 977.000 Pflegekräfte, 1.996 Krankenhäuser und 104.018 Arztpraxen (Stand: 2013).“ Und das Zitat von Gesundheitsminister Gröhe, der „die Erfahrungen und Eindrücke aus den Gesprächen vor Ort, die Anregungen und Wünsche mit ins Ministerium“ nimmt. Sie seien „wichtig für meine Arbeit. Es ist die Arbeit an einem guten, zuverlässigen Gesundheitssystem.“ Es ist offenbar ein Gesundheitssystem, in dem Hebammen keinen Platz mehr finden sollen. Wie sonst lassen sich offizielle Erklärungen wie die von GKV-Sprecherin Marini oder die Pressemitteilung aus dem Bundesgesundheitsministerium interpretieren?