Lächeln und winken... und weinen

Lächeln und winken… und weinen

Die Intention war garantiert eine gute, die den jungen dänischen Supermarktverkäufer dazu veranlasste, dem Sohn auf den Schultern ein Fähnchen mit Micky-Maus-Motiven an der Kasse zu schenken. Weil die beiden großen Mädchen danach sofort etwas bedröppelt oder wahrscheinlich einfach nur vom Strandtag müde guckten, gab er beiden noch jeweils ein Päckchen Sammelkarten mit, obwohl wir mit unserem Minieinkauf bestimmt nicht die erforderliche Einkaufssumme erreicht hatten.

In Deutschland sind sie da, zumindest im Prenzlauer Berg, meist strenger, was die Sammelkartenvergabe angeht. Und das, obwohl es bei den Sammelkarten ja darum geht, die zahlenden Kunden, also uns Eltern, durch das Verlangen der Kinder nach diesen ollen Karten, als wiederkehrende Kunden zu gewinnen. Aber der dänische Verkäufer hat es garantiert einfach nur nett gemeint – ganz unter Hintergedanken in einem ohnehin sehr kinderfreundlichen Land.

Doch die Freude währte nicht lange, denn der sicherlich selbst noch kinderlose Verkäufer hatte einen entscheidenden Fehler gemacht: Nicht alle drei Kinder hatten exakt das gleiche bekommen. Und so dauerte es nur wenige Minuten, bis das Söhnchen aus seinem Autokindersitz heraus mehr souverän royal mit seinem Fähnchen winkte, sondern versuchte, seinen Schwestern damit zu hauen. Denn die hatten gerade demonstrativ ihre Disney-Sammelkarten aus dem glitzernden Tütchen geholt. „Ich das will auch haben“, schrie er die Schwestern zusammen, während wir in der Nachtmittagssonne die idyllische Küstenstraße entlang fuhren.

Die wirklich meist kooperationsbereiten Schwestern verständigten sich schnell darauf, das jede dem Bruder eine Karte abgibt. Prinzipiell sich ein guter Plan. Der Kleinste schrie aber mittlerweile lauthals „Alles meine“ und wir mussten ihm nun auch noch das Fähnchen abnehmen, das er nun als pieksende Waffe gegen die Schwestern einsetzte. Derweil stellte die jüngere Schwester fest, dass im Päckchen der großen Schwester ja die viel besseren Karten drin sind und dass diese nun auf der Stelle mit ihr tauschen müsse. Eigentlich nämlich habe der Verkäufer ja genau ihr das andere Kartenpäckchen gegeben.

Um nicht auf das Streitlevel der motzenden Rückbankbelegschaft einzusteigen, starrten wir stoisch auf das Meer zur rechten und die sonnengelben Felder zur linken. Ab und zu versuchten wir deeskalierende Vorschläge zu machen. Aber die Situation war längst so verfahren, dass es keine sinnvolle Lösung mehr gab, sondern nur den inneren Plan, in diesem Urlaub nicht mehr mit den Kindern zusammen einkaufen zu gehen. Und schon gar nicht in diesen Laden von eben. Zu groß die Angst vor weiteren nicht exakt identischen nett gemeinten Werbegeschenken…

Wieder im Ferienhaus angekommen, flogen Karten und Fähnchen schnell in die Ecke und alle drei rannten kurz darauf wieder fröhlich wiehernd als imaginäre Pferdeherde gemeinsam durch den Garten. Nur wir mussten abends beim aufräumen daran denken, dass uns das blöde Fähnchen nebst Glitzerkärtchen eine halbe Stunde entspannte Familienurlaubszeit geklaut hat.