Mama läuft weg !

Mama läuft weg !

Ich küsse unseren kleine Sohn auf Christians Arm und sage ihm auf Wiedersehen. Dann jogge ich los, Richtung Park. Zusammen gehen sie in den Kinderladen und ich höre den Sohn sagen: „Mama läuft weg.“ Mir fällt prompt ein Artikel ein, in dem ich neulich von der These las, dass Väter um die 40 mit dem Joggen anfangen, um vor ihren väterlichen Verpflichtungen davonzulaufen.

Laufe ich also vielleicht vor meinen mütterlichen Verpflichtungen davon? Schließlich könnte man die fürs Laufen investierte Zeit mit den Kindern verbringen oder die niemals endende Hausarbeit erledigen. Oder drei Hausbesuche mehr in der Woche machen, um das Familieneinkommen zu erhöhen. Aber ich laufe stattdessen einfach „weg“ wie der Sohn behauptet.

Aber dieses „Weglaufen“ tut mir sehr gut. Und dass es mir meistens gut geht, ist mit jedem Kind wichtiger geworden. Denn man muss lernen, seine Energie sinnvoll einzuteilen, wenn man immer mehr davon verbraucht. Und man muss die Akkus viel regelmäßiger aufladen, als das mit noch einem Kind der Fall war. Denn da gab es immer mal spontan kinderfreie Erholungspausen. Mit drei Kindern muss man sich diese schon richtig organisieren. Und auch sonst kann einem diese ganze Organisation rund um die Kinder schon mal über den Kopf wachsen. Ständig muss man an irgendwas denken. Hier drei Euro für die Klassenkasse, dort neue Gummistiefel für die Kita. Und immer wieder Termine, Termine, Termine…

Ich laufe darum auch, um den Kopf frei zu bekommen. Oder um mal ganz in Ruhe über etwas nachzudenken. Auch viele Blogartikel fallen mir beim Laufen ein. Ich laufe aber auch ganz einfach, um gesund zu bleiben. Denn sowohl am Schreibtisch, aber letztlich auch im Hebammenjob bewegt man sich meist zu wenig. Ein Sprint durch den Kreißsaal oder Gezappel am Wochenbett sind schließlich nicht das, was den Müttern Ruhe und genug Zeit für alles vermitteln würde. Auch das Spazierentstehen mit Kindern hat keinen wirklichen Fitnesseffekt und ich gehöre auch nicht zu den Eltern, die mit Klimmzügen auf dem Spielplatz ihre Kinder beeindrucken könnten.

Ich möchte gesund bleiben, damit es mir gut geht, aber auch in der Hoffnung, noch eine lange Zukunft mit meinen Kindern erleben zu können. Ich möchte weiter mit meinen Kindern toben und rennen können oder beim Fahrrad fahren lernen hinterherkommen. Es gab auch durchaus schon sehr unsportliche Phasen in unserem Elternleben. Die merkte ich immer spätestens dann, wenn ich keuchend beim Hausbesuch im 5. Stock ankam. Gesund zu bleiben, ist mir noch wichtiger geworden, seit wir Eltern sind. Wohl auch wissend, dass sonst schnell das ganze ausgeklügelte Familiensystem ins Wanken gerät. So wie es vor vier Jahren der Fall war, als ich mir das Knie bei einem Arbeitswegunfall recht schwer verletzt hatte. Die damit verbundenen Einschränkungen mit zwei kleinen Kindern waren eine nicht ganz einfache Zeit. Und ich weiß, ich muss regelmäßig etwas für die Beinmuskulatur tun, um meine Knie zu entlasten.

Ich schlafe auch besser, wenn ich regelmäßig laufe. Und vor allem habe ich bessere Laune, als wenn ich gar keinen Sport mache. Sämtliche Sportkurse sind nur schwer mit dem Berufs- und Familienleben zu vereinbaren. Aber Joggen lässt sich einfach und zeitlich flexibel umsetzen. Also, mein lieber Sohn und alle die auch denken, dass joggende Eltern vor irgendwas weglaufen: das Gegenteil ist der Fall. Ich laufe, weil es mir gut tut und um fit zu bleiben für all die kleinen und großen Herausforderungen im Familienalltag.