Wir lesen: Anders als erwartet

Wir lesen: Anders als erwartet

Alle Eltern erwarten sicherlich kleine und große Veränderungen und Herausforderungen, wenn ein Kind in eine Familie geboren wird. Doch wie sieht es aus, wenn diese frühe Familienphase zusätzlich belastet ist? Wenn ein Elternteil oder ein Kind schwer erkrankt ist? Wenn man in dieser Zeit mit seinen Kindern aus seinem Land vor dem Krieg flüchten muss? Wenn Eltern ihr Kind schon nach kurzer Zeit wieder gehen lassen müssen? Wie fühlt sich der Alltag mit Drillingen, mit einem “Schreibaby” oder mit einer Wochenbettdepression an? Was bedeutet es, von Anfang an alleinerziehend zu sein?

Von diesen und anderen Herausforderungen erzählen zwölf Familien in Interviewform in dem Buch Anders als erwartet. Anders als vielleicht erwartet ist dies aber kein durchgehend trauriges Buch, sondern eines, das durch die Worte der betroffenen Familien immer wieder Mut und Hoffnung für schwierige Zeiten macht.

Vor allem der Bericht über das Leben mit einem behinderten Kind hat mich persönlich berührt, da ich vor wenigen Tagen im Kreißsaal Eltern bei der Geburt ihres Kindes begleitet habe, die ein Baby mit der exakt identischen Diagnose (Tuberöse Sklerose Complex) erwarteten. Obwohl klar war, dass das Kind nicht gesund ist und es auch unmittelbar kinderärztliche Unterstützung benötigen würde, war eine freudige und glückliche Atmosphäre nach der Geburt im Raum. Einfach große Freude über den kleinen Menschen, der da gerade auf die Welt gekommen ist – zu Eltern, die dieses Kind und die damit verbundenen Herausforderungen so annehmen, wie es ist.

Genau dieses Annehmen von besonderen Lebenssituationen zieht sich auch durch das ganze Buch und die Eltern zeigen immer wieder die Normalität in der besonderen Lebensphase auf. Natürlich berichten sie auch ehrlich und offen von den Ängsten, Sorgen und Schwierigkeiten, die sie in dieser Zeit erlebten oder zum Teil noch immer erleben. Oft wird auch deutlich, dass das Umfeld eine Situation zum Problem macht – wie im Fall der späten Eltern. Eine Mutter bekam ganz unerwartet nach langem Kinderwunsch mit 53 Jahren das erste Kind. Dabei war dies nicht die eigentliche Herausforderung, die noch auf diese Familie wartete.

Diese Buch ist sicher keine leichte Unterhaltungslektüre, aber es zeigt das Leben in all seinen Facetten – auch in der frühen Familienphase. Gerade für Menschen, die mit Familien in dieser Lebensphase arbeiten, ist es ein wichtiges Buch. Die interviewten Eltern erzählen ehrlich, wie sie aus Krisen wieder herauskamen und welche Unterstützung dabei für sie persönlich sinnvoll war.

Anders als erwartet – Von besonderen Herausforderungen in der frühen Familienphase. 12 Interviews von Alexandra Gaida-Steingaß
245 Seiten, Accepta Kommunikation
24 Euro

Das Buch wurden uns freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt. Die Bewertung in diesem Artikel spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Der Text enthält Affiliate-Links zu unserem Amazon-Konto.