Ein Vater wird geboren

Ein Vater wird geboren

Da kriegt die Frau ein Kind – und was macht der Mann? Früher und in dummen Filmen muss der Erzeuger während der Geburt vor der Tür warten, egal ob es die eigene im idyllischen Bauernhaus ist oder die vom Geburts- bzw. Krankenhaus. Aber früher und dumme Filme sollte man beim Thema Geburt tunlichst ausklammern aus einem modernen und selbstbestimmten Leben – und dafür gibt es ein paar gute Gründe. Denn jeder Vater darf bei der Geburt seiner Kinder mit dabei sein.

Es klingt, gerade in den Ohren jener Männer, die noch nicht Vater geworden sind, sicherlich kitschig – aber es ist wahr: Zuallererst ist es einfach mal ein unglaubliches Gefühl, vielleicht das unglaublichste Gefühl überhaupt, miterleben zu dürfen, wie sein eigenes Kind das Licht der Welt erblickt. Es gibt nichts, was einen Menschen emotional mehr bewegen dürfte. Keine sportliche Höchstleistung. Kein dicker Deal mit irgendwem über irgendwas. Kein 3-2 in der Nachspielzeit, um in der Champions League eine Runde weiter zu kommen. Kein Fallschirmsprung. Kein noch so toller Sandstrand in noch so fernen Ländern. Das ist alles toll, keine Frage. Aber sein eigenes Kind bei der Geburt in Empfang zu nehmen, es ist einfach einzigartig. Jetzt ist man also wirklich Vater…

Respekt vor der Leistung Geburt

Ich habe drei Geburten miterlebt – und es war quasi alles dabei. Die abgebrochene Hausgeburt wegen überraschender Beckenendlage mit natürlichem Geburtsende im zum Glück vorher für den Notfall gut ausgewählten Krankenhaus. Die Badewannengeburt im Geburtshaus. Und zuletzt die wunderbare Hausgeburt auf dem beigefarbenen Wollteppich im Wohnzimmer. Alles war für sich toll, natürlich anstrengend, aber eben auch unfassbar intensiv.

Man lernt dabei neue Seiten seiner Partnerin kennen, ihre enormen Kräfte, mit denen sie unter der Geburt agiert. Das sorgt für Respekt, schweißt sicher auch zusammen und das schadet in den kommenden Monaten danach sicherlich nicht. Denn die werden für den Vater im Regelfall anstrengender als sein Anteil an der Geburt. Ich jedenfalls war unglaublich stolz auf Anja und ihre für mich fast übernatürlich anmutende Leistung, unsere Kinder zu gebären.

Geburtsvorbereitungskurse auch für Hebammenmänner

Natürlich ist eine Geburt ein bisschen blutig, aber es hält sich wirklich in Grenzen und ist in aller Regel kein Grund, den Termin platzen zu lassen. Auch das Gefühl, seine Frau in einer komischen Lage zu erleben, wird fast immer von der Vorfreude auf das Baby überlagert. Außerdem gilt hier, dass man sich vorher fürchterlich viele Szenarien ausmalt, die unter der Geburt dann völlig an Relevanz verlieren. Der großartige Moment, in dem man dann mit seiner Frau und dem gerade angekommenen Baby im Krankenhaus-bzw. Geburtshausbett oder auf dem heimischen Sofa kuschelt, ist ohnehin unvorstellbar…

Was ein Mann unter der Geburt beachten sollte, sind wenige, aber zentral wichtige Punkte:

  • der Mann muss sich zurücknehmen und voll auf die Bedürfnisse seiner Partnerin eingehen. Manche Frau will viel Zuwendung, intensive verbale Unterstützung oder Massagen. Manche Frau will einfach nur, dass ihr Partner in der Nähe ist. Und das alles kann sich natürlich jederzeit spontan ins völlige Gegenteil drehen.
  • die medizinischen Aspekte sollte man der Hebamme bzw. dem Arzt überlassen, denn auch technisch versierte Männer können letztlich keine Herztonkurve auswerten oder eine Nachblutung stillen.
  • man sollte vorher absprechen, ob der Vater bei Komplikationen nach der Geburt oder einem Kaiserschnitt beim Kind oder bei der Frau bleibt, wobei die meisten Mütter sich da wohl fürs beim Kind bleiben entscheiden.
  • man sollte als Mann ehrlich genug sein, zu sagen, wenn man sich die Anwesenheit bei der Geburt nicht so ganz zutraut. Dann kann man nämlich zum Beispiel auch eine gute Freundin als Auswechselspielerin mitnehmen.
  • ein guter Geburtsvorbereitungskurs ist sinnvoll – selbst für einen Hebammenmann war er das.