Kinderwunsch? Weniger Fragen, bitte!

„Naaa, wann ist es denn bei euch mal endlich (wieder) soweit?“
„Ist es nicht langsam mal Zeit für Nachwuchs, hm?“
„Und, wollt ihr noch mehr?“
„Sag, Kind, wünschst Du Dir etwa kein kleines Geschwisterchen?“

Es spricht grundsätzlich überhaupt nichts dagegen oder vielmehr ja sogar sehr viel dafür, sich für andere Menschen, deren Pläne, An- bzw. Absichten und Gefühle zu interessieren. Jedoch denke ich immer häufiger darüber nach, ob die Fragesteller bei dieser Thematik wirklich auf ehrliche Antworten gefasst wären.

„Aus verschiedenen Gründen möchten wir keine Kinder. Ich werde sie Dir mal kurz darlegen, während Du Dein Baby auf dem Arm schaukelst.“
„Wir hätten sehr gerne noch mehr Kinder gehabt, aber es sollte wohl leider nicht sein.“
„Ich hatte zuletzt mehrere aufeinanderfolgende Fehlgeburten, darf also gerade aus medizinischen Gründen nicht wieder schwanger werden.“

„Selbst die modernste Reproduktionsmedizin kann uns offenbar nicht helfen – wir versuchen das traurigerweise seit mehreren Jahren.“
„Vor zwei Wochen hatte ich einen Abgang.“
„Mein Partner möchte keine Kinder. Deshalb bin ich sehr verzweifelt.“
„Aufgrund einer Angststörung befürchte ich, bei der Geburt eines Kindes zu sterben.“
„Google doch mal Eileiterschwangerschaft, dann können wir weiterreden.“

Kinderwunsch kann schmerzhaft sein

Ich denke, diese Auswahl vermittelt sehr gut, worum es mir hier geht. Völlig klar – niemand, der in dieser Angelegenheit fröhlich gelaunt Erkundigungen anstellt, hegt die Intention, den oder die Befragten in irgendeiner Form zu brüskieren. Ganz im Gegenteil, steht doch dahinter der dringende Wunsch, die Kinderlosen bzw. mit offensichtlich noch nicht genug Kindern Ausgestatteten in der Zukunft vermutet glücklicher und erfüllter zu sehen. Eben darin liegt jedoch das Problem. Die eigene Realität und Lebenssituation mag einem noch so perfekt erscheinen – man kann sie aber trotzdem niemandem anderen einfach über verhelfen.

Und die noch so gut gemeinte Annahme, das Gegenüber könne ja nur glücklicher werden, wenn es sich in angemessener Summe fortpflanze, ist eben nur eine Vermutung und nicht mehr. Eventuell ja sogar durchaus auch die Wunschvorstellung des Anderen, nur schenkt ihm das Leben leider nicht die Möglichkeit, sie zu realisieren. Indem man sich spontan nach der potenziellen Vermehrungssituation seiner Mitmenschen erkundigt, riskiert man, in ungeahnten frischen oder eben auch schon lange schwelenden Wunden herumzustochern, was nachvollziehbarerweise schmerzhaft sein kann.

Oder auch ganz einfach demütigend: Wer gibt schon gerne zu, dass er etwas, was viele andere „können“, einfach nicht „hinbekommt“? Und Paare ohne Kinderwunsch werden in eine seltsame Rechtfertigungssituation genötigt, die sich selbst ad absurdum führt – warum um alles in der Welt sollte man detailliert darlegen müssen, warum man mit etwas zufrieden ist, was man nicht hat, wenn man es schlichtweg gar nicht will?

Mehr Sensibilität im Umgang mit diesem Thema

In den meisten Fällen versuche ich persönlich – um zu vermeiden, dass es dem Fragesteller selbst unangenehm wird – durch eine blumige Antwort wie „Ach, mal sehen, was die Zukunft uns noch so bringt“ aus der Sache heraus zu gelangen. Aber manchmal, je nach Laune und Frequenz der (wirklich häufigen) Nachfragen fällt es nun mal schwer, immer wieder die Verantwortung für einen weiteren beschwingten Gesprächsverlauf zu übernehmen und unverbindlich zu antworten, vor allem, wenn sich der andere der diesbezüglichen Anstrengung nicht einmal bewusst ist.

Außerdem stellt sich unterwegs irgendwann die Frage, warum man, selbst schon an einem empfindlichen Punkt touchiert, auch noch darauf achten sollte, rücksichtsvoll und wohldurchdacht zu reagieren. Oder eben – im Falle einer ehrlichen und offenen Antwort – warum man zu einem nicht selbst bestimmten Zeitpunkt das Visier öffnen und die eigene Verletzlichkeit präsentieren sollte.

Wohlgemerkt: Ich verstehe diese Neugier, ich bin alles andere als frei davon. Ich kann auch die überbordenden Emotionen frisch gebackener Eltern nachvollziehen, die nun der ganzen Welt die gleichen wunderschönen Erfahrungen mit niedlichen und gut riechenden Babys wünschen, die sie gerade selbst erleben. Aber Familienplanung ist nunmal ein sehr privates, intimes und häufig diffiziles Thema, dass man nur mit selbst ausgewählten Vertrauenspersonen besprechen möchte. Vor allem auch in selbst gewählten Momenten, und keinesfalls bei einer kurzen Plauderei auf der Straßse, beim Bäcker, auf einem Familienfest oder beim Grillen im Park.

Mehr Sensibilität gewünscht

Ich freue mich – und das meine ich sehr ernst – für jede einzelne Mutter und jedes Paar, das sich seinen Kinderwunsch direkt erfüllen kann, wenn er eines Tages auftaucht. Aber häufig funktioniert das eben nicht direkt bzw. stehen Erlebnisse, Emotionen und vor allem Komplikationen dazwischen, die sich so leicht nicht in Worte fassen lassen. Schon gar nicht aus dem Stand und im Anschluss an ein wenig Smalltalk über das Wetter oder pausenlos erhöhte ÖPNV-Preise.

Zwei Dinge wünsche ich mir also.

Erstens: mehr Sensibilität im Umgang mit diesem Thema. Und zweitens: deutlich weniger Fragen!

Wer darüber reden möchte, der tut das im richtigen Moment von selbst – und alle anderen haben das gute Recht, ihre Haltung, ihre Erlebnisse und ihre Gefühle zu potentieller Reproduktion genau so für sich zu behalten wie Informationen über die körperliche Interaktion, die theoretisch dazu führen könnte. „Wie machen Sie’s denn am liebsten?“ bin ich zum Beispiel noch nie an der Käsetheke gefragt worden.

Die Autorin dieses Gastartikels, Loretta Stern, ist 1974 geboren, lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter glücklich und erfüllt in Berlin und beantwortet auch im eventuellen Nachklang dieses Artikels ungern die Frage, „ob es das denn war bei ihr?“

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Kommentare

19 Antworten zu „Kinderwunsch? Weniger Fragen, bitte!“

  1. M
    Merle

    Hm, ich finde das auch so zwiespältig. Ich würde mir wünschen, dass es etwas normaler ist offen damit umzugehen, dass es eben nicht immer sofort klappt. Vielleicht könnte man damit auch die Menschen etwas sensibilisieren, eben nicht weiter zu fragen, wenn jemand zögerlich antwortet. Solange aber niemand offen über seine Schwierigkeiten beim Kinderkriegen spricht – sei es nun Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit oder schlicht und einfach der Unwille überhaupt Kinder in die Welt zu setzen – wie soll sich da etwas ändern? So bleiben alle diese Probleme ein Tabu und die Frage nach Kinder – ja oder nein, ein Eiertanz, bei dem sich die eine Seite angegriffen und die andere unverstanden in der freundlichen Neugier fühlt.
    Ich plädiere deshalb für die ehrlichen Antworten! Ich denke das birgt für beide Seiten das Potential etwas zu lernen – vielleicht teilt das freundlich fragende Gegenüber die eigenen Erfahrungen ja oder es versteht endlich mal weshalb es etwas vorsichtiger bei dem Thema sein sollte.

    1. K
      Karin

      Das sehe ich auch so. Ich denke in der Tat, dass alle darauf einfach ehrlich antworten sollten. Nur dadurch wkann meiner Meinung nach, die Sensibilität der Fragenden geschult
      Fragen wird es immer geben. Die Frage nach Familie und Kindern ist eben etwas zutiefst menschliches und soziales. Ich persönlich finde es sehr schade, wenn man immer und für alles auf Zehenspitzen gehen muss und von einem erwartet wird jede Empfindlichkeit meines Gegenübers zu ermahnen. So können meiner me nach nur sehr schwer Beziehungen mit anderen Menschen aufgebaut werden.
      Ich persönlich bin übrigens anders, aber mit ähnlichen Fragen konfrontiert. Ich habe Zwillinge…. Ein perfekter Nährboden für persönliche Fragen von wildfremden Menschen. Angefangen über Fragen zur Geburt (war sicher ein Kaiserschnitt), zum Stillen (Zwillinge kann man aber nicht stillen, oder), über weitere Familienplanung (wie praktisch, da bist du ja in einem Abwasch durch!) bis hin tatsächlich immer wieder zur Frage der Zeugung (sind die echt oder künstlich?).
      Kann man sich drüber aufregen, oder es einfach lassen. Und je nach Stimmung und Person mal ehrlich, mal unehrkich, mal freundlich oder unfreundlich und auch mal gar nicht beantworten. Gefragt wird. So oder so. Weil es ein menschliches Bedürfnis ist.

  2. A

    Vielen Dank für diesen großartigen Beitrag!

    Wenn man nicht im zwei-Jahres Rhythmus ein Kind werfen möchte, wird man in der Tat etwas schräg angeschaut…
    Dann habe ich noch die Extra-Pfunde von Numero Uno auf den Rippen und mein Bauch beginnt weiterhin kurz unter der Brust damit explosionsartig größer zu werden… so sehe ich seit gut 2 Jahren aus als wäre ich im 5. Monat schwanger.

    Da hilft dann nur konsequent abends in einer Runde laut und deutlich ein Bier zu bestellen, um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen…
    Naja, oder man hat dann den Assi-Muddi-Stempel auf der Stirn…

    Hach. Wie mans macht ne…

    1. A
      Anna

      Ich bin 46 und bis heute single( Hatte immer Pech mit Männern 🙁 Einige wollten keine Kinder, andere hatten schon und wollten nicht mehr. Ich war zufrieden mit meinem Leben ohne Kinder, ich arbeitete und reiste gern, es war mir nicht zum Kind, aber das letzte Jahr denke ich immer wieder an Kinder. Mein Kinderwunsch wurde nur viel stärker mit der Zeit und nun wünsche ich sehnlichst ein Wunder. Habe mich an den Arzt gewendet und leider sagte er mir, dass es auf meinen Eizellen sehr gefährlich ein Kind zu zeugen ist. Das Kind kann ungesund geboren werden. Also, kam hier Eizellspende zusammen mit der Samenspende in Frage. In De ist es aber verboten, deshalb flog ich ins Ausland. Die Ukraine war nicht fern, deshalb entschied ich mich für eine ukrainische Klinik(biotexcom). Im Großen und Ganzen war ich mit der Klinik zufrieden. Nun bin ich endlich schwanger!

  3. M
    MissyB

    Ich, Anfang 30, habe seit über 5 Jahre eine Beziehung mit einem 2. Jahre älteren Mann. Seit 4 Jahre haben wir eine gemeinsame Wohnung. Beide haben einen festen Job. Ich nehme seit 10 Jahre die Pille. Am Anfang der Beziehung sprach er immer über heiraten und Familie. Als zum 1. Mal meine Periode ausblieb, schrieb er mir er könnte keine Kinder bekommen. Ich war aber nivht schwanger. Nach 4 Jahre war ich aus Versehen schwanger und als ich ihm das sagte kam nur ein „du hast micht nicht gefragt ob ich Vater werden möchte“. Daraufhin folgte eine Fehlgeburt. Kurz vor meinem 31. Bekam ich eine Krise, alle wurden schwanger und heirateten und ich wusste immer noch nicht was er sich in die Zukunft vorstellt. Aus Verzweiflung habe ich ihm einen Ultimatum gestellt. 6 Monaten. Ich wollte dass er darüber nachdenkt ob er mit mir eine Familie möchte oder nicht. Mein KiWu ist gross, die Leute fragen immer mehr, es nervt in Ungewissheit zu leben. Heute nach 8 Monaten habe ich ihn wieder die Frage gestellt „wie siehst du unsere Beziehung in 2 Jahre“. Seine Antwort war sehr schmerzhaft „du setzst mich unter Druck, immer wieder die gleiche Diskussion, willst heiraten? Mach ein Termin. Willst Kind? Setz die Pille ab.“ Ich bin immernoch sprachlos wie er dabei ausflippt. Ich weiss nicht mehr was ich will, und ob ich bei ihm bleiben möchte. Ich liebe ihn sehr, aber sowas gefühlslos zu sagen hat mich verletzt. Hier geht es nämlich nicht um meinen Willen zu bekokmen, sondern eher gemeinsam was gründen. Ich bin verzweifelt. Xxx

    1. S
      Salome

      Ich bin schockiert& meine erste Gedanke war! ‚Wieso bleibt die Frau noch mit ihm zusammen‘! Das ist ja sowas von unter der Gürtellinie von deinem Freund!
      Das ist eine total bescheuerte Antwort&Reaktion von Ihm!
      Da würde ICH ihn verlassen, denn so einem Mann würde ich niiiiee Kinder auf die Welt bringen wollen! Auch wenn du ihn liebst, wenn er nicht das gleiche will& er nicht weiss was du willst&fühlst, magst du da echt bei Ihm bleiben?????

  4. J
    Johanna

    Ich kann mich hier nicht ganz anschließen, vielleicht liegt es daran dass ich selbst nicht belastet bin mit dem Thema. Da eine Frage auch eine Einladung sein kann, etwas von den eigenen Sorgen und der eigenen Lebenswelt zu teilen (die man natürlich nicht annehmen muss), wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der Fragen erlaubt ist. Auch auf die Frage: „Na, wie gehts?“ könnte man tausende verschiedener Antworten bekommen. Ob der/die Gefragte etwas von ihren aktuellen Sorgen mitteilen will, liegt dann in ihrem Ermessen. Und ich plädiere sehr für ehrliche Antworten, die helfen das Bild von der Rosa-Babywelt geradezurücken. Falls man nicht antworten will (was ja auch in anderen Kontexten vorkommt): „Ich mag Kinder gern/ finde Kinder wichtig, aber ob ich selbst welche haben will, das ist Privatsache.“

  5. D

    Loretta, der Artikel ist wirklich gut. Bringt’s voll auf den Punkt. Es nervt, diese Fragerei und ich fürchte, eine abweisende Antwort würde tatsächlich keiner verstehen, zumal in vielen Situationen – so mein Eindruck – diese Kinderfrage einfach Smalltalk ist. So wie „na wann heiratet ihr denn“, wenn man schon ein paar Jahre zusammen ist, und noch nicht verlobt. (Was allerdings harmloser ist, denn beim Heiraten ist nicht so viel potenziell tragisches involviert).
    Und in die gleiche Kerbe haut auch die Nachfragerei beim Thema geplanter Kaiserschnitt. Wenn man sagt, dass das schon feststeht, kommt immer die Frage nach dem „Wieso“. Manchmal direkt, manchmal nur impliziert, aber man steht unter Generalverdacht – also die Frau vielmehr – sich vor einer Geburt drücke zu wollen. Dabei sind die meisten Erklärungen für die Notwendigkeit eines geplanten Kaiserschnitts nun wirklich offensichtlich intim. Und trotzdem wird gefragt. Ist bei uns gerade aktuell, denn am 16. ist Stichtag. Und das ganze hier bringt mich gerade auf die Idee für einen Blogartikel. Ich werde deinen hier als Inspirationsquelle verlinken 😉

    1. D

      Mein Artikel zum Thema „Kaiserschnitt und die Frage nach dem Warum“ ist übrigens seit gestern auf http://www.dawnofthedad.de online. Und wie angekündigt habe ich auch diesen Artikel hier als Ideenquelle verlinkt.

  6. S
    Steffi

    Ja, das Thema ist mir nur zu gut bekannt… „Und, wollt ihr noch eines?“ „Das wäre schön – am liebsten noch drei. Aber was dir vielleicht nicht klar ist: Ich bin 45 und nicht unbedingt in dem Alter noch ein Kind zu planen…“
    Geklappt hat es dann übrigens trotzdem (auf natürlichem Weg). ET ist einen Tag vor meinem 46. Geburtstag… Und da es langsam (Ende 16. Woche) nicht mehr zu übersehen ist, mache ich mich langsam auf die ersten blöden Kommentare gefasst… Aber vielleicht wird es auch gar nicht so schlimm. Bei Nr 1 war ich 42 (ich wurd mit 41 völlig ungeplant schwanger) sind wir jedenfalls verschont geblieben. Könnte aber auch daran liegen, dass tatsächlich niemand, der nicht in meinen Ausweis schaut, ahnt, wie alt ich bin… 😉
    LG Steffi

  7. Z

    Ich bin einige Tage nach der Ausschabung gefragt worden, wann wir denn ein Geschwisterchen planen. In dem Moment nicht loszuheulen hat mich soviel Kraft gekostet, dass ich den restlichen Tag wohl sehr abweisend gewirkt habe. Es war mir initial schon schwer gefallen überhaupt zu dem Treffen zu gehen, da eine Schwangere anwesend war.
    Außer von engen Freunden mit denen ich alles teile sind solche Fragen also wirklich nie okay.
    Genau wie die Frage wie weit man denn schon sei in der Schwangerschaft. Denn auch nach einer Fehl/Totgeburt sieht man unter Umständen noch ziemlich schwanger aus.
    Es sei denn, man möchte es wirklich wissen – oder das Thema kommt gerade vom anderen gelenkt darauf. Wenn mir eine Frau sagt, dass sie gern Kinder hätte (und es mich interessiert) dann frag ich schon mal – aber ich kann eben auch mit Antworten wie „geht dich n Scheiß an“ oder „vermutlich nie, ich war bisher in 8 Jahren versuchen zweimal schwanger und habe beide Kinder verloren“ umgehen.

  8. C
    Carola

    Hm…kann die Liste der heiklen Antworten noch ergänzen. ..mein mann hat eine chronische krebskrakheit, muss Medikamente nehmen obwohl es ihm ihm gut geht wissen wird er wohl nicht wirklich alt werden. ..
    Tja und obwohl Freunde und Familie das natürlich wissen wird beständig nach dem 2. Kind gefragt. ..
    Bei Schwangerschaft, Geburt und Kinderdingen werden einfach viel zu leicht Grenzen überschritten. ..
    Lg Carola

  9. E
    Eva

    Danke für den guten Artikel!
    ALs (noch?) kinderlose Hebamme bin ich doppelt und dreifach mit diesem monsterlästigen Thema konfrontiert.
    Offenbar scheint mein PRIVATleben jeden etwas anzugehen, der mich einmal in einem Rückbildungskurs gesehen hat oder so. Selbst vor einer großen Gruppe )Geburtsvorbereitungskurs) bin ich während der Vorstellungsrunde schon vor Allen nach Kindern gefragt worden. Meine ausweichende Antwort „Ja, in etwa 850 sind es derweil schon!“ wurde mit einem nachbohrenden „NEIN ICH MEINTE DOCH EIGENE“ kommentiert. Ich fragte, warum das wichtig sei „na ohne Kinder ist man doch keine richtige HEbamme.“

    Im Zwiegespräch sagte ich ihr, daß Kinder nicht vom Himmel fallen würden. Da antwortet diese unsensible PErson doch echt mit „ALSO BEI UNS ging das GANZ SCHNELL.“
    Ist ja toll für Dich.
    Deinen ekligen Mann würd ich nicht nackt auf den Bauch gebunden haben wollen. Ich konnte meine Wut wirklich kaum zügeln, hab es aber geschafft, nichts weiter zu sagen.

    Daß mein Partner und ich aus gesundheitlichen Gründen noch keine Kinder haben, geht die dumme Nuss doch nix an!

    1. T
      Theresa

      Mir geht’s genauso. Eine meiner Freundinen, hat für solche Gelgenheiten die passende Antwort gefunden. „Warum glaubst Du dass das für Deine Betreuung/ für diesen Kurs von Bedeutung ist“ und „Glaubst Du ein Onkologe ist nur ein guter Onkologe, wenn er selbst mal Krebs hatte?“ Bisher habe ich mich aber noch nicht getraut so zu antworten…

  10. A
    Anja

    Ich fand es schockierend, in was für ein respektloses Paralleluniversum ich mit diesem Kinderdings geschleudert wurde! Alle, ob Fremde oder Familie, gebärdeten sich plötzlich, als ob sie eine tragende Rolle dabei hätten (z.B. die Lampe halten…). Es geht in der Tat keinen etwas an ausser das Paar.

    Und nicht nur vor/während der Schwangerschaften, auch mit dem 3. Kind. Da finde ich auch ein “Das reicht jetzt aber“ total daneben (zumal es nicht von Menschen kam, die helfen).

    Auf der anderen Seite bin ich auch traurig, wenn kinderlose Freunde, die mir anvertraut haben, dass sie seit längerem gerne schwanger würden, uns meiden. Es ist halt die Natur, dafür kann doch keiner was! Und “kommentarloses“ Kinderhaben ist kein Angriff auf Kinderlose…

    1. P
      Pamela

      Liebe Anja,
      Ich glaube nicht, dass deine kinderlosen Freunde, das „kommentarlose“ Kinderhaben als Angriff verstehen oder haben sie dir das so gesagt?
      Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es eine Weile dauert damit klar zu kommen, dass die „Natur“ für einen selbst keine Kinder vorgesehen hat. Trotz aller Bemühungen auch der Repro-Medizin. In dieser Trauerphase ist es nicht leicht, andere insbesondere Familie und Freunde mit Kindern zu erleben. In dieser sensiblen Phase ist das Meiden purer Selbstschutz und kein Angriff an die die Kinder haben. Das geht vorüber und irgendwann ist der Schmerz nicht mehr so groß. Wenn dir die Freunde wichtig sind, lass sie auch in der Trauerphase nicht alleine und signalisiere Ihnen, dass du dich freust von Ihnen zu hören, per SMS, whats App, Telefon etc. Es hilft zu wissen, dass man für die Feunde mit Kindern „trotzdem“ ein wichtiger Mensch ist, auch ohne Kind. Und vielleicht ergeben sich auch schöne Verbindungen/Beziehungen zwischen euren Kindern und den Freunden ohne Kind.
      Liebe Grüße,
      Pamela

  11. S

    Finde ich sehr gut, dass ihr über das Thema schreibt! Mein Kind ist zweieinhalb – und das ist wohl das klassische Alter, in dem viele Menschen meinen, ich könnte bald mal eins hinterherschieben. 😉 Aus verschiedensten Gründen passiert das gerade (noch) nicht. Diese Gründe erzähle ich aber wirklich nur guten Freunden und finde es auch oft anstrengend, von fast Fremden danach gefragt zu werden. Geht in die ähnliche Richtung wie damals, als ich mit 25 Jahren schwanger war: „War das geplant?“. Oh Mann! 😛

    Neben den Gründen „keine Kinder kriegen können “ oder „keine wollen“ gibt es übrigens ja auch noch viele andere, über die man aber auch nicht unbedingt mit jedem sprechen will. Zum Beispiel dass man gemerkt hat, dass Kind und Beruf sich schlechter vereinbaren lassen als gedacht, dass es mit einem zweiten Kind finanziell schwierig würde oder dass ein Kind manchmal schlicht schon stressig genug ist.

    Sensibel und vorsichtig nachzufragen, finde ich übrigens total OK. Nur dieses augenzwinkernde „Na???“ ist wirklich anstrengend!

  12. A
    Anna

    Danke für den Artikel.
    Bei Menschen mit kleinen Kindern dreht sich (verständlicherweise) häufig so sehr die Welt um die Kinder, dass sie eben auch ihr Gegenüber in dieser Welt glauben. Ich hätte am liebsten immer gehässig auf die nervigen Fragen geantwortet: „Ach, gut, dass du mich drauf ansprichst. Hätte ich jetzt glatt vergessen, dass ich nur noch wenige Jahre im gebärfähigen Alter sein werde.“
    Nein, ich hatte es natürlich nicht vergessen, im Gegenteil: Erst durfte ich aus medizinischen Gründen nicht, dann dauerte es, bis ich mit Hilfe von Hormonen schwanger wurde, nach einem gesunden Kinder eine Fehlgeburt, anschließend wieder nicht schwanger geworden, dann Entfernung von Gewebe im Uterus, wieder Fehlgeburt, dann – wieder mit Hormonen – Schwangerschaften mit Kind 2, dann 3.
    Würde man bei unserer Bilderbuchfamilie mit drei Kindern im Alter von 7, 3 und 2 nicht denken, was wir für eine Odysee hinter uns haben. Aufgrund meiner Erfahrungen halte ich mich deswegen – trotz Neugier – mit Fragen zu dem Thema zurück.

  13. K

    Diese Fragerei war einer der Gründe, warum wir irgendwann mit dem Thema nach vorne geprescht sind.
    Ich mag meine Schwiegereltern z.B. sehr gern, aber obwohl wir erst wenige Monate zusammen waren, kamen die Seitenbemerkungen doch recht schnell. Mein Mann war zuvor 10 Jahre in einer Beziehung gewesen und nun war ich da und alle freuten sich und dann kamen die sehr intensiven Berichte über das Enkelkind der Nachbarn und tja.
    Als wir dann nach nicht mal einem Jahr herausfanden, dass wir technische Hilfe brauchen, haben wir diese Tatsache seinen Eltern zeitnah über Bier und einer Runde Mexikaner serviert.
    Seitdem plagt zwar vor allem seine Mutter ein (unnötiges) schlechtes Gewissen (Hodenhochstände wurden eben in den 80ern noch relativ spät korrigiert und führen vermutlich dazu, dass unsere gesamte Generation reproduktiv herausgefordert ist, neben PCO und anderem Kram auf der weiblichen Seite) – aber wir müssen uns nicht mehr mit Fragen löchern lassen.
    Und wenn trotz all der Schreiberei doch mal irgendwann jemand fragen würde, dann bekommt er eben jene Wahrheit serviert. Das ist dann für den Fragenden sehr unangenehm und peinlich, und vermutlich viel zu viel Information auf eine eher dumm-nebenher gestellte Frage, aber wenn ich mit meiner Offenheit dafür sorgen kann, dass Mensch da in Zukunft etwas vorsichtiger ist, dann mach ich das gern.

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