Tragevater, Vater, Papa

Alles nur Mama

von Christian

Das Babymädchen und ich, wir beide verstehen uns eigentlich sehr gut. Zwölf Monate Elternzeit haben unsere Bindung sicherlich intensiviert. Und auch jetzt bin ich eher präsent als abwesend in der Vaterrolle. Es ist mir und uns wichtig, dass wir zusammen als Eltern für unsere Kinder und all ihre kleinen und großen Bedürfnisse da sind. Somit sind die elterlichen Aufgaben hier wohl recht gleichmäßig auf uns beide verteilt.

Trotz intensiver und noch immer anhaltender Stillzeit darf ich die Kleinste in der Regel auch trösten, wenn sie hinfällt oder sie sich wehtut. Es ist dann meist egal, ob Mama oder Papa helfen. Ist sie aber krank, wie gerade jetzt, bin ich komplett abgeschrieben. Absolut. Nur „Maaaaammmmmaa, Maaaaammmmmma“.

Und Anja ist dadurch auch komplett abgeschrieben, für alle und alles andere. Wenn wir uns sonst manchmal darum „streiten“, wer das Baby tragen darf, würde Anja gerade gerne mal abgeben. Geht aber nicht, obwohl Arme und Rücken schmerzen. Denn zeitweise will die Kleine auch nicht mal ins Tuch, sondern einarmig herumgetragen werden. Anja wird stündlich ein bisschen schiefer.

Niemand außer Mama

Nur der Versuch des Abgebens macht deutlich klar, dass unsere jüngste Tochter derzeit nur Mama will. Sie brüllt dann dermaßen laut und schrill, dass ihre Signale sehr deutlich verständlich sind. Auch in Richtung ihrer Geschwister, die sie auch trösten oder ein bisschen rumtragen wollen. Niemand ist „gut“ genug. Niemand außer Mama. Die gerne mal alleine aufs Klo gehen würde…

Ich nehme die Ablehnung natürlich nicht persönlich. Aber sie wundert mich schon ein bisschen. All die Stunden, die ich die unser Baby bzw. Kleinkind auf dem Arm, im Tragetuch, in der Trage und zuletzt vermehrt auch auf den Schultern getragen habe, sie sind nichts wert, wenn sie krank ist. Fühlt sich blöd an, aber was soll MANN da machen? Einfach nichts, fürchte ich.

Wäre es anders, wenn das Stillen nicht wäre? Vielleicht, aber die Frage ist müßig. Denn sowohl Anja als auch ich sind froh, dass sie immerhin weiter Muttermilch trinkt in dieser appetitlosen Krankphase. Und so schleppt Anja weiter das schlecht gelaunte Kind durch die Gegend und ich übernehme die restlichen Aufgaben hier. Da natürlich die anderen drei Kinder auch so ihre Bedürfnisse haben, kommt dabei eher selten Langeweile in Sachen Elternsein auf.

Arme, Schultern, Rücken – alles wird laaaaaannnng und schmerzt

Aber ich vermisse meine Kleinste schon ein wenig. Anderseits ist es für Anja ja beim besten Willen auch nicht toll im Gegenzug. Wie gesagt: Arme, Schultern, Rücken – alles wird laaaaaannnng und schmerzt. Doch wenn sie auch nur dazu ansetzt, die Kleine absetzen zu wollen, wird lautstark „Maaaaammmmmaa, Maaaaammmmmma“ skandiert. Manchmal kurz unterbrochen durch ein heiseres „Nee, nee, nee“ in meine Richtung.

Bleibt sie also bei Mama auf dem Arm oder in der Trage. Und beim Rumtragen wird die dann „kommandiert“. Noch ohne präzise Gegenstandsbeschreibung sind die kindlichen Wünsche nicht immer einfach zu entschlüsseln. Irgendwie ist dann alles „Mama“. Die Wasserflasche, die Weintrauben, das Brot, die Möhre, das Spielzeugmännchen. Alles Mama. Und nichts Papa.

Die aktuell einarmige Mama gibt derweil ihre Kommandos an mich weiter. Zum Glück kann sie das alles etwas präziser benennen, aber sich mit einer Hand halt doch kein Brot schmieren. Oder mit Kind auf dem Arm etwas oben aus dem Regal holen. Unser Sohn fragt mich derweil, ob seine kleine Schwester das „Drei ???-Fieber“ hat. Er hatte das mit dem Drei-Tage-Fieber im Sommerurlaub wohl nicht so ganz verstanden. Da war die Situation quasi identisch. Und als die Kleine nach drei Tagen wieder fit war, war auch ich wieder angesagt zum Tragen, Trösten und Spielen. Hoffen wir also mal das Beste, dass wir uns bald wieder etwas gleichberechtigter beim Rumeltern aufteilen dürfen.

Passend zum Thema

1 Kommentar

Katharina 3. September 2018 - 09:09

Wie wunderbar beschrieben. Ich als Mama muss das auch akzeptieren. Denn bei uns ist es umgekehrt: jedes Mal, wenn sich unsere Tochter erschrickt oder weh tut, ist Papa der Tröster Nr.1… und manchmal ist es gar nicht so leicht. Denn sonst sind wir ein Herz und eine Seele.

Antworten

Kommentieren