Chaos beim Couchkino

von Christian

Auch als Eltern gehen wir gerne ins Kino, zumindest theoretisch. Denn wer bereits ein Kind hat und keinen Babysitter will oder bekommt, dem bleiben alternativ nur Filme und Serien als Blu-rays oder via Streaming von der Couch aus. Das ist natürlich mit einem anständigen Fernseher auch super – aber wer eine Schwangere oder frisch gebackene Mama neben sich auf der Couch sitzen hat, muss als männlicher Cineast und Serienfan zusätzlich noch mit ganz anderen Problemen kämpfen. Und damit meine ich nicht, dass man ständig aufstehen muss, um Obstteller zu machen, Getränke zu holen oder zum Kiosk geschickt wird, weil Eis und Chips aufgefüllt werden müssen. Nein, das Problem fängt schon viel früher an: bei der Auswahl des gemeinsamen Unterhaltungsprogramms.

Sobald Anja schwanger wurde, schränkte sich ihre Programmauswahl nämlich massiv ein. Und nach der Geburt ist es nun nur noch schlimmer geworden. Vieles von dem, was sozusagen gerade eben noch total interessant und spannend war, kommt nun niemals nicht mehr auf den Bildschirm. Nachdem wir gerade alle Staffel der harmlosen Hamptons-Exklusivarztserie Royal Pains geschaut haben, hatten wir mal wieder Einigungsprobleme. Ein Beispiel des Auswahlprozesses gefällig?

Ich mache den Fernseher an, wir können bei uns wählen zwischen den Streamingangeboten von Netflix und Amazon Prime, die wir uns als Eltern statt regelmäßiger Kinobesuche gönnen. Und beide bieten Angebote in 4K-Auflösung, man muss den TV ja ausreizen. Ich zappe also so durch und schicke „Designated Survivor“ ins Rennen, eine tolle Serie über einen Politiker aus der zweiten Reihe, der durch eine Katastrophe zum US-Präsidenten wird. Geht natürlich gar nicht, weil Katastrophen nicht gehen, wenn Anja schwanger ist. Hatte ich vergessen, sorry. „Stranger Things“, so top die Serie auch ist, schenke ich mir als Vorschlag dann auch gleich, weil es um ein Kind geht, das irgendwie verschwunden ist. Will ja auch keiner sehen, das kann ich verstehen. Auch die neue Amazon-Serie von Matthias Schweighöfer scheidet inhaltsbedingt vorzeitig aus – zu brutal, zu viel Dystopie. Ich schlage „Feuerwehrmann Sam“ vor und darf sofort als Strafe zum Kiosk gehen, während Anja die Auswahl übernimmt.

Als ich wiederkomme, läuft „Friends“. Nun, Anjas niedlicher Vorschlag, einfach noch einmal alle Staffeln unserer ehemaligen Lieblingsserie zu schauen, scheitert nach den ersten zwanzig Minuten. Es wird selbst ihr („Ich sehe keinen Unterschied zwischen DVD und Blu-ray!“) umgehend klar, dass die Auflösung auf dem 4K-Fernseher zu mies ist und weder Outfits noch Humor aus den 90ern im aktuellen Kontext noch funktionieren. Also wieder vor vorne starten. Mittlerweile sind 30 Minuten vergangen. Durch Zufall (und zum Glück) stoßen wir auf „Please like me“, eine wirklich wunderbare australische Serie über einen 21-Jährigen, der sein Coming-Out erlebt und mit seiner verrückten Familie klarkommen muss. Charmant, relevant und unterhaltsam… nun ist erstmal drei Staffel lang Ruhe, bis das Problem vom vorne beginnt. Alle eigentlich interessanten Serien gucke ich momentan sowieso einsam und alleine – in der Badewanne, beim Kochen oder wo auch immer sonst ich mal ein paar Minuten Ruhe habe…

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12 Kommentare

KriMaEm 7. Mai 2017 - 10:03

Also, auf KEINEN Fall die Serie you are wanted anfangen! Zu brutal wäre nicht das Problem, aber ständig wird der kleine Sohn der Familie mit rein gezogen, dem zwar nie körperlich wirklich was passiert, aber der immer wieder Bedrohungen unf Situationen ausgesetzt wird, die man nicht mal im entferntesten im Bezug auf Kinder haben möchte(ich schwanger und Kind 1 ist 3… ;-).) und irgendwann nur noch relativ verstört durch die Gegend guckt.. Am Ende wird ihm sogar eine Splitterbombe umgebunden… … .. .
Aber für den Vater allein EVTL. Sehr spannend. Mein Mann mochte es, nur das mit der Bombe war selbst ihm zuviel.

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Constanze 22. April 2017 - 12:15

Und wenn mal nur noch wenig Zeit bleibt weil der Gang zum Kiosk und die Vorauswahl so lange gedauert haben, kann ich auch eine Folge „Tatortreiniger“ empfehlen. (30 Minuten)

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Lena 20. April 2017 - 18:17

Übrigens ohne zuviel zu spoilern wird Please like me später auch etwas ernster. Leute (keine Kinder) sterben. Würde dem Vater evtl empfehlen vorab die Zusammenfassungen der Folgen zu lesen um Dramen zu vermeiden 🙂

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Lena 20. April 2017 - 17:49

Please like me ist der Hammer! Als wochenbetttauglich fällt mir sonst noch Grace & Frankie (auch Netflix) ein.

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Klara 20. April 2017 - 12:35

Modern Family geht gut. Außer die Folge, in der das Baby geferbert wird. *Schluchz*
Wir haben zum Glück bis jetzt BigBangTheory irgendwie verpasst. 10 Staffeln! Hurra!

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Katrin 20. April 2017 - 11:28

Suits fand ich schwanger super.

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Leni 20. April 2017 - 11:05

Ich schicke mal noch „Black List“ ins Rennen…:-)

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Mailin 20. April 2017 - 10:10

Alpha House geht gut (leider nur eine Staffel). Und Shameless (7 Staffeln, 6 auf Prime). Viel Spaß!

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CarpeClaudiem 20. April 2017 - 10:08

Hahhaahaaa
Wir haben die gleichen Probleme auch ohne schwanger und Wochenbett… Mein Mann guckt beim Kochen, Wäscheaufhängen und Baden, wie du, allein. Wenn männl. pubertierende Kinder im Spiel sind, wird die Auswahl für mich noch unerträglicher
Wir haben es gerade fertig gebracht alle Bücher der Outlander-Highlander-Saga hintereinanderweg fast zeitgleich zu lesen… dazu gibt es auch eine Serie…aber ich hinke ja noch 2 Bände hinterher…

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Natascha 20. April 2017 - 10:03

Life in Pieces schon gesehen?
Oder alle 20 Staffeln von The good Wife?
Das geht ganz gemütlich schwanger und im Wochenbett… 😉

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Theresa 20. April 2017 - 09:15

Also die Serienabende im Wochenbett mit Stillkind im Arm sind wirklich wunderbare Momente. Zum Glück konnte ich sowohl TheWalking Dead als auch Homeland Staffel 5 und 6 vertragen, wobei ich oft weggucken musste. Nur „Call the midwife“ musste ich ganz alleine gucken. Das wär nichts für den Mann im Wochenbett.

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Katharina 20. April 2017 - 09:08

Same here! Uns hat Modern Family gerettet. Fünf Staffeln bei Netflix, die man (und vor allem auch frau) auch gut mehrmals hintereinander kucken kann.

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