Vater im Wochenbett

Die dritte Woche Wochenbett: Erster großer Ausflug

von Christian

Die dritte Woche im Wochenbett war immer noch gekennzeichnet vom „langsam machen“. Wir haben aus eigener Erfahrung und Anjas beruflicher Erfahrung doch einigen Respekt gerade vor den Tagen nach der ersten Faszination. Es sind die Tage, in denen die Erschöpfung gerne mal zuschlägt und sich gerade die Mütter schnell darin verschätzen, was sie schon schaffen und was nicht. Auch wir haben am Montag zwei Ausflüge gemacht – und davon war einer dann doch zu viel. Anja fühlte sich abends ziemlich gerädert und ärgerte sich, nicht langsam gemacht zu haben. Sie hatte sich einfach ein bisschen „zu gut“ gefühlt, aber Wochenbett ist und bleibt Wochenbett – man sollte es wirklich locker angehen lassen und sich lieber drinnen eine gemütliche Wochenbetthöhle bauen. Die Sonne scheint in den kommenden Wochen und Monaten noch genug, hoffentlich.

Der Start in die Osterferien verlief erwartungsgemäß holperig. Die großen Kinder waren eher genervt, dass es kein großes Programm gab und sie auch nicht zu den Großeltern reisen konnten. Wir haben immer wieder versucht, kleinere Ausflüge rund um die Wohnung zu machen und haben einige nette Einkäufe in Ruhe gemacht. Auch die Spielplätze haben wir mal wieder ausgiebiger erkundet. Es gab diverse Diskussionen wegen gewünschten Übernachtungsbesuchen, die wir während der Wochenbettzeit aber nicht machen wollen. Ein paar Mal steht man nachts sicher auf, um Windeln zu wechseln oder auch mal das unruhige Baby durch die Wohnung zu schuckeln. Unsere Kinder werden von Babygeschrei in der Regel nicht wach, aber Übernachtungsbesuch will man in dieser Zeit dann doch nicht so richtig haben.

Dazu kam eine etwas verstopfte Nase der Kleinen, was zu schnorchelnden Stillmahlzeiten führt, gerade in der Nacht. Anja hat deshalb die eine oder andere Stunde nachts im Sitzen gestillt statt in gemütlicher Seitenlage. Da wird einem bewusst, wie intensiv so ein kleines Baby auf seine Eltern und gerade auf seine Mutter angewiesen ist. Die Nähe tut dabei sowohl Anja als auch der Kleinen gut. Mit etwas Kochsalz in die Nase träufeln und dem gelegentlichen Einsatz des Nasenstaubsaugers sind wir gut durch die Schnupfnasentage gekommen. Wenn bereits drei große Geschwisterkinder da sind, wird das Immunsystem des Babys schon früher vor kleine Herausforderungen gestellt.

Am Mittwoch haben wir den Sohn zusammen mit der Babyschwester im Kinderladen abgeholt und sie gleichzeitig unseren Erziehern vorgestellt. Als wir vor fast zehn Jahren mit unserem ersten Kind hierher kamen, haben wird nicht gedacht, dass es irgendwann mal vier sein werden. Wann das Thema Kita ganz genau relevant wird, wissen wir noch nicht, aber es ist so gut zu wissen, dass es einen Platz bei vertrauten Menschen geben wird.

Es ist immer noch Wochenbettzeit

Die Hebamme hat uns auch mal wieder besucht und attestiert, dass es dem Baby gut geht. Die Gewichtszunahme des Töchterchens ist bestens und auch sonst macht sie einen agilen und rundum zufriedenen Eindruck. Anja und ich kuscheln beide viel mit ihr, aber auch die beiden Mädchen möchten sie gerne andauernd auf dem Bauch liegen haben. Es ist toll zu sehen, wie großartig sie das im Alter von elf und neun Jahren bereits machen – und sie freuen sich über das Zutrauen ihrer Eltern. Besonders berührend ist es jedes Mal, wie vorsichtig der große Bruder mit seiner kleinen Schwester umgeht. Ganz behutsam streichelt er ihre Wangen und gibt ihr ein Küsschen – sogar ohne Mund abwischen wie bei uns sonst immer.

Nach dem etwas zu späten und dadurch erfolglosen Ostersüßigkeiteneinkauf (sollte man vielleicht nicht bestellen beim Abholservice des Supermarkts…), bin ich Samstagmorgens noch beim Lieblingssüßigkeitendealer Herr Nilsson vorbei und habe dort zwar nicht ganz so österliche, aber dafür leckere Süßigkeiten gekauft. Der Kleinste mag eh keine Schokolade. Ein kleines Ostergeschenk für jedes Kind hatten wir zum Glück schon früher besorgt. Mit einem Sack Ostergras aus der Drogerie habe ich dann spätabends vier Osternester gebaut und in der Wohnung „versteckt“ – die wurden dann am Sonntag sehr früh morgens sehr schnell gefunden.

Das frühe Aufstehen brachte den Vorteil, dass wir ausreichend Zeit hatten, den ersten großen Ausflug aufs Land zu unseren lieben Freunden vorzubereiten. Man vergisst, wie lange es mit Baby dauert, alles zusammenzuklauben und im Auto zu verstauen. Nicht eingerechnet solche Probleme wie das nicht mögliche Verstellen der Sitzgurte der neuen Babyschale (weil die Anleitung nicht aufzufinden ist) oder die Tatsache, nach dem Losfahren zu bemerken, dass das iPhone noch im Wohnzimmer am Ladekabel hängt. Ohne Navi fahren wir ungerne raus, nachdem wir neulich bedingt durch einen Sturm und gesperrte Straßen ewige Umwege durchs tiefe Brandenburg fahren mussten.

Auf dem Land bei den Mieraus haben wir nach zum Glück kurzer und fast ruhiger Fahrt einen wunderbar entspannten Sonntag erlebt. Wir haben direkt nach dem Ankommen ein echt leckeres Mittagessen aufgetischt bekommen, danach eine Kremserfahrt durch den Wald gemacht, nachmittags selbst gebackenen Kuchen verspeist und abends noch eine Pizza gebacken. Die Kids haben gespielt und sich ohnehin aufeinander gefreut, da sie sich eine ganze Weile nicht gesehen hatten. Und wir uns auch nicht, also gab es viel zu erzählen. Auf dem gemütlichen Sofa war auch das Stillen für Anja bequem und fast wochenbettmäßig. Denn auch unterwegs sollte man nicht vergessen, dass das Wochenbett immer noch die Regenerationszeit nach einer Geburt ist. Deshalb ist es gut, Freunde zu haben, bei denen man einfach sein kann, ohne große Erwartungen. Ein echtes Geschenk. Abends sind wir dann zurück nach Berlin gefahren und auch die zweite längere Autofahrt verlief zum Glück recht entspannt. Ein bisschen Anspannung ist ja mit Baby an Bord doch immer da.

Nach wie vor sind die (reichlich vorhandene) Wäsche, Einkaufen und Kochen sowie das Zubereiten etlicher Obstteller meine Hauptaufgabe im Wochenbett. Anja möchte sich zunehmend mehr „einmischen“, aber noch kann ich sie davon abhalten. Denn noch ist Wochenbett und nicht normaler Alltag, auch wenn der mit mehreren Kindern natürlich viel schneller wieder da ist. Und wenn Anja das phasenweise nicht einsehen will, drücke ich ihr einfach ihr eigenes Wochenbettbuch in die Hand. Da steht das nämlich alles drin.

Wer mehr von unserem Wochenbett lesen will:

Passend zum Thema

4 Kommentare

Susanne 20. April 2017 - 20:08

<3

Antworten
Kim 18. April 2017 - 19:53

Hallo! Mir leuchten ja durchaus viele Gründe dafür ein, dass Wochenbett mit „Bett“ zu tun hat und daher viel in diesem verbracht werden sollte. Mir fehlt aber oft die Aufforderung, sich doch bitte auch VOR der Geburt zu schonen. Denn dafür braucht man eben in vielen Fäeällen sehr viel Kraft und der Körper leistet mindestens so viel wie in den Wochen nach der Geburt, wen nicht mehr!?. Was mir nicht einleuchten will ist, ob es gar nicht schaden kann, nach der Geburt sehr lange zu liegen/still zu sitzen und vor allem nicht raus zu gehen? Was passiert in dieser Zeit mit Muskeln und Kreislauf? Nach anderen körperlichen Ereignissen wie Unfall/Op ist die herrschende Meinung, dass der Betroffene schnell „mobilisiert“ werden sollte. Vielleicht steht im Buch von Anja etwas zu Rückbildungsgymnastik im Wochenbett, im Blog (insbesondere auh Kommentaren) klingt es tatsächlich eher nach überwiegend „rumliegen „. Und: wir nicht auch für Neugeborene Tageslicht empfohlen? Was ist mit Vitamin D/Gelbsucht? Tageslicht in Wohnungen ist mit dem draußen doch nicht vergleichbar…… Viele Grüße, Kim

Antworten
Anja 18. April 2017 - 20:38

Liebe Kim,

sich auch vor der Geburt genug Ruhepausen zu gönnen ist auch ein wichtiger Punkt, der gerne vernachlässigt wird. Im häuslichen Wochenbett wird es auch bei Frauen, die wirklich viel Wochenbettruhe haben, nicht zum Muskelabbau und zu Kreislaufproblemen kommen, weil Du ja nicht wirklich 24/7 liegen wirst- allein für Toilettengänge und Körperpflege steht man diverse Male auf. Zum Wickeln und Versorgen des Babys ist man auch etliche Male auf den Beinen. Gerade aber bei vorhandenen Geburtsverletzungen oder auch Beckenbodenproblemen verläuft die Regeneration und Wundheilung besser, wenn genug Ruhe da ist. Nach einem Kaiserschnitt gilt das sowieso, weil es eine große Bauchoperation ist. Die Mobilisation nach solchen OPs besteht primär auch erst mal daraus, dass die Patientin selbständig zum Waschbecken und zur Toilette gehen kann. Kreislaufaktivierende Übungen kann man auch noch machen.
Was das Rausgehen angeht: kleine Spazierrunden nach dem Frühwochenbett sind auch völlig in Ordnung. Über lange Touren ist der Beckenboden meist gar nicht erfreut. Einkaufscenter und Co. stressen meist nicht nur die Mutter, sondern können auch das Baby schnell mit zu vielen Reizen überfluten, was sich gerne in vermehrtem Weinen und größerer Unruhe gerne am Abend bemerkbar macht.
Das Tageslicht in Bezug auf die Vitamin-D-Produktion wird auch meist überschätzt, da die Kinder ja in der Regel langärmelig und sogar mit Mütze eingepackt sind. Selbst das freie Gesicht bekommt im Kinderwagen oder im Tragetuch eher wenig Sonnenlicht ab, wenn diese denn überhaupt scheint.
Die ersten Rückbildungsübungen sind Aktivierungen des Beckenbodens, die ohnehin meist im Liegen ausgeführt werden. Nach und nach werden diese erweitert. Wichtig ist aber vor allem auch ein beckenbodenfreunliches Alltagsverhalten z.B. in Bezug auf Heben und Tragen oder beim Toilettengang. Hatte ich hier mal drüber geschrieben:
http://www.vonguteneltern.de/?p=5048

Es spricht also nichts dagegen, auf die Wochenbettruhe zu achten. Meist macht man eh schneller mal zu viel als gut tut;)

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
Natascha Shah 18. April 2017 - 11:41

Wie schön!
So eine große Freude ist euer Blog gerade für mich, vielen Dank für die tollen Einblicke in eure besondere Zeit.
Ich verfolge euch virtuell aus der Neuköllner Ferne schon ein bisschen länger, hab schon viele Bücher verschenkt und viele wertvolle Artikel geteilt.
Letzte Woche ist mein drittes Kind zur Welt gekommen, trägt nun auch das lenalieb Geburtshaus Mützchen, stillt und schläft den ganzen Tag auf uns.
Ich genieße jede Sekunde und bin voller Vorfreude. Schön, dass ihr zwei Wochen „voraus“ seid, so bin ich immer allerbestes vorbereitet.
Herzliche Grüße von Wochenbett zu Wochenbett,
Natascha

Antworten

Kommentieren