Die fünfte Woche Wochenbett: Zwischen Alltag und Absagen

von Christian

Das Wochenbett geht vergangene Woche in die fünfte Runde – und die Herausforderungen an Vater und Mutter steigen wie bei einem Boxkampf an. Der Montag beginnt mit einem lauten Gong, und dazu sehr früh. Die Patentante der Großen ist zum Glück am Morgen noch da. Das erleichtert die Mission, gemeinsam um 7.45 Uhr am Bus zu sein, der die Mädchen auf die große Klassenfahrt schickt. Beide waren am Vorabend ziemlich aufgeregt, das Söhnchen auch spät im Bett und so schläft er morgens dann einfach weiter mit der Patentantenfreundin als „Babysitter“. Als wir wieder nach Hause kommen, sitzen die beiden auf dem Sofa und puzzlen. Wir trinken noch einen Kaffee, verabschieden uns bis bald, fahren den Kleinen in den Kinderladen und danach weiter, ein Wochenendgrundstück anschauen an einem Ort, an dem wir uns schon lange beworben haben. Dort ist es wunderbar, das Grundstück schön, aber das Haus komplett runtergerockt mit Asbestdach. Müsste wohl komplett abgerissen werden. Wir geben uns zwei Tage zum Nachdenken. Dem Babymädchen gefällt der Ausflug ins Grüne, es verschläft viel davon im Tragetuch. Wir holen den Kleinen zusammen aus dem Kinderladen ab, zuhause ist es echt still ohne Mädchen. Wir schlafen alle früh ein, geplättet von der vielen Frischluft.

Der Dienstag ist ein terminfreier Tag, wir versuchen uns daran, die To-do-Liste abzuarbeiten, die irgendwie täglich eher länger als kürzer wird. Das liegt daran, dass wir uns derzeit alles aufschreiben müssen, damit nix untergeht. Der Wunderlist-App sei dank behalten wir immerhin den Überblick, mit vier Kindern wird das nicht leichter – auch wenn es sich gerade mit zwei Kindern weniger erstaunlich viel ruhiger anfühlt. Am Nachmittag gibt’s Eis und Spielplatz – und abends als Belohnung mal keine Maschine Wäsche mehr.

Zwei Nächte haben wir darüber geschlafen und sagen schweren Herzens am Mittwoch das Wochenendgrundstück ab, weil es in diesem Jahr realistisch einfach nicht machbar ist. Dazu ist der Alltag mit Baby zu konfus, wir werden außerdem viel unterwegs sein. Wir hoffen einfach drauf, dass es kommendes Jahr eine Offerte gibt, die besser zu unseren Lebensumständen passt. Am Vormittag fahren wir gemeinsam zur U3 beim Kinderarzt. Alles gut, das Babymädchen wächst, nimmt gut zu und tut alles, was ein Baby in diesem Alter tun sollte. Ein kleiner Schnupfen bahnt sich allerdings an, mit Kochsalzlösung aus der Pipette und dem Nasenstaubsauger lässt sich aber gut Abhilfe schaffen. Am Abend dann Premiere: Anja bringt die beide kleinen Kinder alleine ins Bett, weil ich zum Deutschen Computerspielpreis eingeladen bin. Ich biete mehrmals an, nicht zu gehen, weil ist ja Wochenbett und so. Anja verspricht sich zu melden, wenn was doof ist. Ist es aber zum Glück nicht. Ich treffe viele Branchenfreunde, lasse den Alkohol weg (wie ohnehin in diesem gesamten Jahr), treffe noch einen Freund, den ich länger nicht gesehen habe und bin wie angesagt um 00.30 Uhr wieder zu hause. Alle schlafen.

„Endlich“ wieder riesige Wäscheberge

Am Donnerstagvormittag kommt die Hebamme und fast zeitgleich Anjas Freundin und Autorenkollegin Loretta, die gemeinsam das Breifrei– und Wochenbettbuch geschrieben haben. Ich kann leider nur kurz mit beidem quatschen, weil ich vormittags zu einer Veranstaltung des Bundesfamilienministeriums eingeladen bin. Anja hat noch keine Lust auf größere Veranstaltungen mit Baby – ist ja schließlich auch Wochenbett. Und wir merken gerade eh, dass uns auch so der normale Alltag mehr und mehr einholt und anstrengend genug ist. Da ist es gut, sich von unserem Baby immer wieder ausbremsen zu lassen. Ich habe den kleinen Sohn mit bei dem Termin dabei und genieße Exklusivzeit mit nur einem Kind, die wird nämlich definitiv weniger mit steigender Kinderzahl. Die Veranstaltung will derweil ausloten, was das Ministerium in der Zusammenarbeit mit Familienbloggern besser machen bzw. von ihnen lernen kann. SPD-Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek gibt sich persönlich die Ehre und nimmt hoffentlich einige verwertbare Anregungen mit. Dieses Jahr ist allerdings auch Wahlkampf für die Bundestagswahl…

Am Freitag kommen unsere großen Mädchen endlich zurück – wir holen sie zeitlich leicht versetzt von ihren Bussen ab. Große Freude, endlich wieder komplett. Und „endlich“ wieder riesige Wäscheberge. Ich bin ganz froh, dass Anja mittlerweile darauf besteht, wieder ein bisschen mitzuhelfen. Mehr Essen muss auch wieder gemacht werden, aber Freitag ist eh Pizzatag bei uns und als Pizzabäcker bin ich mittlerweile echter Vollprofi. Geht also schnell. Es ist plötzlich wieder ganz schön laut bei uns, wenn alle auf einmal reden – was beim Mitteilen sämtlicher Erlebnisse in Endlosschleife natürlich der Fall ist. Schön ist es trotzdem. Und es sind definitiv wieder spürbar mehr Arme da, die das Babymädchen unbedingt halten wollen – so kommt man immerhin zu mehr, selbst wenn es nur der Abbau des Wäschebergs ist.

Spontane Planabänderungen nötig

Der Samstag beginnt übermüdet. Das Baby und Anja hatten eine eher unruhige Nacht wegen des blöden Schnupfens. Ich übernehme ab 06.30 Uhr, Anja holt Schlaf nach so gut es geht. Eigentlich wollten wir aufs Land zu Susanne und Caspar, aber da sich das Baby am wohlsten aufrecht auf dem Arm, im Tragetuch oder an der Brust fühlt und offensichtlich lieber nicht eine Stunden in der Babyschale im Auto liegen will, sagen wir kurzfristig ab. Zum Glück haben die Beiden Verständnis, mit drei Kindern kennen sie spontane Planabänderungen ohnehin selbst zur Genüge. Fühlt sich trotzdem gut an, einfach so verstanden zu werden. Das Babymädchen hat derweil angefangen, uns bewusst anzulächeln. Und alle hier sind noch ein bisschen mehr von ihr verzaubert. Der Tag ist mit Ansage etwas chaotisch, als ob alle wieder ihren Platz nach den fünf Tagen finden müssen. Die großen Kinder sind nölig und noch kaputt von der Klassenfahrt, wir sind müde von der Nacht und dem zu frühem Morgen. Am Abend ist alles wieder entspannt, die Pfannkuchentorte der großen Tochter schweißt uns alle zusammen. Wie fast jeden Abend schläft Anja beim Seriengucken ein. Es ist das „Vorschlafen“ für die eigentliche Nacht.

Die Nacht zum Sonntag ist trotz Schnupfnase entspannter, allerdings kriegt Anja trotzdem weniger Schlaf als gehofft, weil sie diesmal nicht wieder einschlafen kann. Ich schnappe mir das muntere Babymädchen morgens um Sechs, wickele sie und „spiele“ 20 Minuten mit ihr, bis sie auf meiner Brust einschläft und ich mit ihr auf dem Sofa. Geweckt werden wir vom Gezanke der drei Großen um irgendwelche Playmobilteile, die alle gleichzeitig für ihr Projekt brauchen. Es handelt sich um ein Wellness-Hotel (kann ich da bitte buchen!!!), ein größeres Wohnhaus und offenkundiges Chaos-Irgendwas. Nach dem Frühstück bringe ich den Sohn zum einem Geburtstag. Die Mädchen backen gemeinsam Kuchen, das läuft allerdings nicht ganz so harmonisch ab, wie das klingt, sondern hat eher den Charakter von Chefköchin und Gehilfin im Sterne-Restaurant. Aber so ist das mit Geschwistern halt. Das Ergebnis kann sich am Ende sehen lassen und schmeckt so toll wie im Sterne-Restaurant.

Wir holen alle zusammen den Sohn von seiner Geburtstagsparty ab und fahren noch ein bisschen raus ins Grüne zum Spazierengehen. Die frische Luft tut uns allen gut und wir machen ein kleines Obst-Picknick auf einer sonnigen Wiese. Als wir zurück sind, flucht Anja, dass ihr die Brust weh tut. Ein Milchstau bahnt sich, weil Anja, wie sie selbst sagt, den „Anfängerfehler“ begangen und einen Still-BH angezogen hat, der derzeit noch nicht so ganz passt. Der zu enge Träger hat alles ein bisschen abgedrückt und nun einen Milchstau verursacht. Also Bettruhe und Schmerzmittel für sie und wir hoffen, dass der Spuk in spätestens 24 Stunden vorbei ist oder zumindest deutlich besser. Der 1. Mai ist zum Glück eh weitestgehend unverplant. Und dass sich Milchstaus und Feiertage irgendwie anziehen, kenne ich zur Genüge von Anjas Hebammenarbeit, die deswegen mehr als einmal ungeplant zum Hausbesuch losmusste.

Auch wenn diese Woche schon etwas trubeliger war als die letzten, versuchen wir immer noch die „Babyflitterwochen“ ein bisschen zu bewahren. Das Baby bestimmt unseren Alltag und gleichzeitig „läuft es einfach so mit“. Wir finden unsere Routinen oder scheitern auch immer wieder mal und müssen umplanen. Es stimmt schon, dass das Wochenbett auch genau jene Zeit ist, in der in der Familie jeder seinen Platz neu finden muss und ein gemeinsamer Alltag entwickelt wird. Mit Höhen und Tiefen geht das, aber es geht. Und am Ende jeden Tages bleibt die Erkenntnis, dass es genauso gut ist wie es gerade ist.

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5 Kommentare

Bianca 2. Mai 2017 - 11:15

Hallo, mich würde interessieren, aus
Welchem Grund man erst spät einen Still-BH
Anzieht?
Das höre ich zum ersten Mal…
Danke und weiterhin alles gute für euch!

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Anja 2. Mai 2017 - 11:25

Liebe Bianca,

nee nicht spät, einfach zu klein;) Den hatte ich schwanger gekauft und derzeit passt er einfach noch nicht. Die Brust wird nach den ersten Wochen ja meist wieder etwas kleiner. Alle passenden Still- BHs und Stilltops waren gerade in der Wäsche und ich dachte, es würde schon gehen mit dem etwas zu engen… hat sich leider gerächt. Liebe Grüße , Anja

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Bianca 3. Mai 2017 - 20:56

Hihi, dann hab ich’s kapiert. Danke 🙂

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Bea Foos 2. Mai 2017 - 10:36

Immer wieder schön von euch zu lesen, erinnert mich doch vieles an unsere Familie (13, 8, 4 Jahre und 9 Monate). Das geordnete Chaos, das ständige planen und umplanen, der Streit unter Geschwistern, einfach so wie es eben ist. Wenn ich dann lese nicht nur bei uns läuft es so ab, freue ich mich.
Wünsche euch noch weiterhin alles Gute und freue mich auf die nächsten Berichte.
LG, Bea

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Ina 2. Mai 2017 - 09:18

Der Montagmorgen gehört im Moment, während ich Miniman Nr 3 stille, Euren Wochenbettberichten Ihr seid uns eine Woche voraus und ich freue mich jedes Mal zu lesen, was mich in der kommenden Woche erwartet. Diesmal: auch hier die U3 und mehr Alltag statt Wochenbett. Unsere to-do-Liste wird auch jeden Tag länger und der Papierkram ist auch noch nicht ausgestanden, da wir erst letzte Woche endlich die Geburtsurkunden bekommen haben. Dass unsere beiden Großen etwas jünger sind als Eure (knapp 2 und 3,5 Jahre alt) macht die Tage nicht weniger laut und wuselig Die Wäsche habe ich die ganze Zeit übernommen (naja, Maschine einräumen, waschen lassen, ggf in den Trockner und dann im Wäschekorb “gelagert”), aber mein Mann musste einkaufen, was für ihn wohl Christians “Wäschethema” gleichkommt. Milchstraße und Feiertag hatten wir hier übrigens zu Ostern, zum Glück ohne Antibiotikum in den Griff gekriegt…
Ich wünsche euch auch für diese Woche alles Gute und freue mich auf weitere Berichte aus dem Wochenbett!

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