Die werden echt viel zu schnell groß

von Christian

Verdammt. Ich hab’ mich mal wieder dabei erwischt, diesen Satz zu sagen, den nur Eltern sagen, die schon ein Kind jenseits des Kindergartenalters haben. „Die werden echt viel zu schnell groß“, sagte ich gestern Abend zu Anja. Gemeint war der kleine Sohn, den ich gestern mal wieder ins Bett gebracht habe, wie so viele Abende davor auch. Er ist mittlerweile drei, bald schon vier Jahre alt. Ich genieße diese mal ruhigen, meist aber aufgedrehten 20 Minuten am Abend, in denen wir gemeinsam den Weg in den Schlaf suchen.

Meist lese ich ihm etwas vor, manchmal quatschen wir auch nur oder spielen mit den Kuscheltieren Tigie und Kroki lustige Unfugspiele. Ich muss dann immer Tigie sein, der seinen Freund Kroki sucht und sich dann mit ihm rauft und gegenseitig auskitzelt, bis sich Tigie dann wieder versteckt. Manchmal schlafen wir danach beide zufrieden ein. Manchmal nur der kleine Mann. Und manchmal kriegt er richtig schlechte Laune, weil ihm mal irgendjemand erzählt hat, dass man beim Schlafen wächst. Und er will nicht groß werden gerade, auf keinen Fall!

Der kleine Mann, der nicht groß werden will

So war es auch gestern Abend. Ein Riesengezeter, weil das mit dem Schlafen nicht geht. Wildes Rumturnen im Bett, dann mit den eigenen Haaren in Papas Füßen hängen bleiben, an denen er gerade total schnell vorbeiklettern muss. Dann große Vorwürfe darüber, dass das meine Schuld ist und er mir jetzt auch seine Füße in die Haare stecken darf. Ich lehne ab, woraufhin die Stimmung nicht besser wird. Ich versuche, einigermaßen freundlich im Chaos zu vermitteln zwischen uns beiden.

Dann sagt er plötzlich, wie aus dem Nichts, dass er ja noch nie alleine eingeschlafen sei. Ich verstumme. Gucke ziemlich verdutzt. Echt jetzt, da hat er schon recht. Eigentlich liegt immer jemand bei ihm: Mama, Papa, die Schwestern oder alle auf einmal. Ich sage dem Kleinen, dass er gerne alleine einschlafen kann, wenn er das denn will. Müsse er nur nach oben aufs Kopfkissen krabbeln, sich zudecken und dann schlafen. Er krabbelt hoch, unter die Decke – und guckt mich müde an. Ich gebe ihm einen Kuss, er greift sich meinen Hals und drückt mich. Ich frage, ob ich rausgehen soll. Der kleine Mann, der nicht groß werden will, dreht sich um und schläft quasi dabei ein. Ein bisschen traurig gehe ich raus und ziehe leise die knarzende Altbautür hinter mir zu. „Die werden echt viel zu schnell groß“, sage ich zu mir. Und danach dann zu Anja.

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6 Kommentare

Pia 14. April 2020 - 09:13

Danke fürs Erinnern.

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Mona 21. Juni 2016 - 16:45

Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich denke genauso, wenn ich mal wieder Schlaf-lern-Tipps bekomme weil mein Kleiner nur mit Schaukeln, endlosen Touren im Kinderwagen oder auf meiner Brust seinen Mittagsschlaf halten will und abends auch seine 20 Minuten mit Kuscheln und Streicheln braucht, ehe er schläft. Die anderen Muttis haben ja iiiimmer sooo viel zu tun, das müssen sie aaalles erledigen wenn ihre Kinder schlafen. Da ich noch von niemandem gehört habe, der als alter Mensch auf sein Leben zurück blickt und sagt „Ach, hätt‘ ich doch mal mehr geputzt!“, bleibe im die Vormittage auch weiterhin die halbe bis Stunde auf dem Sofa sitzen, meinen schlafenden Sohn auf mir drauf und werde später sagen: „Ach, zum Glück hab ich meinen Sohn so viel gehalten“.

In diesem Sinne: genießen! Und wenn die Akkus leer sind, die lieben Kleinen mal abgeben zum Kraft sammeln. Nach einem Abend ausgehen und einer Nacht nicht stillen weil Papa die Flasche gegeben hat, sieht die Welt gleich wieder besser aus.

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Christina 10. Juni 2016 - 20:46

Komisch, ich habe dem Großwerden immer entgegen gefiebert in der Hoffnung dann wieder mehr Freiheiten zu haben. Nun ist unser „Großer“ schon 12 und so selbständig, dass es mir manchmal wehmütig ums Herz wird. Man sollte wirklich das Jetzt und Hier mit den Kindern genießen.

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A Bullerbü Life 8. Juni 2016 - 21:18

Das Groß-Werden geht wirklich unglaublich schnell, aber es ist auch unglaublich spannend. Bisher ist es mir gelungen, das ohne Wehmut anzunehmen. Und ich hoffe, dass ich das auch weiterhin kann – denn ich selbst fand als Kind und Jugendliche nichts so schlimm wie sentimentale Eltern.

Ich versuche „einfach“ mir so viel Zeit wie möglich für die Kinder zu nehmen – dann besteht ja eigentlich kein Grund für Sentimentalitäten.

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Sandrahh 8. Juni 2016 - 13:03

Ich habe Gänsehaut, denn Du hast so Recht!

Werde an dich und deine Worte heute Abend beim zu Bett bringen denken

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marion 8. Juni 2016 - 12:42

Siehst du und ich kann mir unseren einjährigen nicht einmal im traum ohne stillen oder tragen einschlafend vorstellen. Deine worte nehm ich mir jetzt zu herzen und genieß das gemeinsame in den schlaf finden nochmal so richtig! !

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