Erziehung, Elternschule

Eine „Dokumentation“ namens „Elternschule“

von Alexandra Jahnz

Dieser Text ist ein Kommentar und Gastbeitrag von Alexandra Jahnz, Medizinstudentin und Mutter. Sie bloggt hier und ist auch auf Instagram zu finden. Sie hat sich den Film „Elternschule“ gestern angesehen und teilt an dieser Stelle ihre klugen Gedanken dazu.

Seit dem 11. Oktober 2018 gibt es den Film „Elternschule“ in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen. Gedreht wurde der Film in der psychosomatischen Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen. Hinter der Kamera standen die Dokumentarfilmer Jörg Adolph und Ralf Bücheler, die ihr Werk als Dokumentation kennzeichnen sowie als „maximal seriös“ und „reine Betrachtung“ bezeichnen. Gezeigt wird nach ihrer Auffassung das Erlernen einer „liebevoll konsequente[n] Erziehung“ von Familien, deren Zusammenleben außer Kontrolle geraten ist.

Soweit so gut, könnte man meinen, zumindest wenn man einigen Pressestimmen glaubt:

  • „Für jeden, der selbst Kinder hat, ist der Film ein Muss.“ (Süddeutsche Zeitung)
  • „Das Geheimnis guter Erziehung“ (WDR)
  • „Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst?“ (BR)
  • „Welche Erziehungskompetenzen brauchen Eltern, was ist und wie geht „gute Erziehung“? Diesen Fragen geht der Film nach.“ (Badische Zeitung)

Doch allein der Trailer hat zu einem medialen Aufschrei geführt. Auf Facebook, Instagram, im Fernsehen und auf Blogs ist das Erschrecken über die brachial anmutenden Methoden groß. Mittels einer Petition soll sogar die Ausstrahlung der Dokumentation gestoppt werden.

Die Produzenten zeigen sich überrascht und bestürzt über die Empörung. Sie interpretieren die Reaktionen als Beweis für die „gesellschaftliche Relevanz“ ihres Filmes, meinen „einen Nerv“ getroffen zu haben. Sie sehen sich missverstanden und haben sogar per Unterlassungsklage eine sehr kritische Rezension des renommierten Kinderarztes und Autors Dr. Herbert Renz-Polster aus dem Netz nehmen lassen. Nachfolgend hat er einen abgeschwächten Beitrag auf seinem Blog veröffentlicht, der dennoch ausführlich die wesentlichen Kritikpunkte zusammenträgt. Außerdem hat Mathias Voelchert, Gründer und Leiter von familylab, ebenfalls einen sehr umfassenden Kommentar verfasst.

Sind die Gerüchte wahr?

Zunächst wollte ich mich daher nicht auch noch dazu äußern. Doch als Medizinstudentin und Mutter zweier Kleinkinder – eines davon ein High-Need-Kind – hat mich das Thema nicht losgelassen. Zu viele Gefühle schwirren in meinem Kopf herum und die Erinnerungen aus neun Monaten Dauerschreien kämpfen sich wieder an die Oberfläche. Und ich bin neugierig. Sind die Methoden der Klinik wirklich so schlimm? Vielleicht scheinen die Szenen viele nur deshalb abzuschrecken, weil sie den Kontakt und den Umgang mit psychisch kranken Kindern und die sich ergebenen Extremsituationen nicht gewohnt sind. Ich muss mich selbst überzeugen.

Es ist wie ein Unfall – schrecklich, doch ich kann nicht wegsehen

Ich habe im Vorfeld nur die gekürzte Fassung des Trailers gesehen. Der erschien mir gar nicht so schlimm und ich konnte mir nicht so recht erklären, weshalb der Film so einen Aufruhr verursachte. Ganz unvoreingenommen habe ich den Film angesehen. Bereits die ersten Minuten haben mich eines Besseren belehrt. Mir laufen die Tränen das Gesicht runter.

Unfassbar, was dort gezeigt wird. Unhaltbar die brachialen Methoden, die dort zur Anwendung kommen. Eine Frechheit, wie der Film mit stilistischen Mitteln den Zuschauer zu manipulieren versucht. Herr Renz-Polster, sie lagen mit ihrem ersten Artikel richtig. Ich bin eine große Verfechterin der Objektivität. Hier und heute muss ich mich aber unglaublich zusammenreißen, um mich daran zu halten. Ich gehe daher erst einmal kurz an die frische Luft, bevor ich mich meinen Notizen zuwende.

„Unsere Dokumentation ist maximal seriös und reine Betrachtung“

„Unsere Dokumentation ist maximal seriös und reine Betrachtung“, es ist eine Aussage der Filmemacher, der ich ganz klar widerspreche. Wie schon die Selektion der Patienten lagen auch die Auswahl und der Zusammenschnitt der Szenen in den Händen der Filmemacher. Hier aber wurde sichtbar nicht einfach „draufgehalten“. Es braucht keine Kommentare aus dem Off, um den Zuschauer zu manipulieren. Von „reine Beobachtung“ kann hier jedenfalls keine Rede sein!

Nahaufnahmen zeigen Fratzen ziehende Kindergesichter, versteinerte Mienen der Erwachsenen, Kratzer in Gymnastikmatten. Die Liste dieser Bilder ist schier endlos, die gewünschte Wirkung auf den Zuschauer vermutlich keineswegs ohne Hintergedanken.

Nach „erfolgreichem“ Selbstständigkeitstraining hüpfen eben noch vor Angst weinende Kinder über den Flur – in Slow Motion und mit Heileweltmusik untermalt. Kaum einem fällt auf, dass das vor Angst schreiende Kind nicht darunter ist. Kaum einer stellt infrage, ob diese Szenen überhaupt in zeitlichem Zusammenhang stehen. Kinder werden für alle Welt zugänglich in Situationen größter Vulnerabilität und Verzweiflung gezeigt. Ihr Persönlichkeitsrecht wird übergangen.

Die Einstimmung der Eltern sollten hier nicht zählen, nicht zu Unrecht spricht sich der Kinderschutzbund gegen den Film aus: „Der Kinderschutzbund stellt in Bezug auf den Trailer „Elternschule“ fest, dass der Zusammenschnitt von dramatischen Filmsequenzen zu einer gewollten Zuspitzung von problematischen Situationen und zu einer Verzerrung der Darstellung der kindlichen Persönlichkeit und zwar zum Nachteil der Kinder führt. Die Rechtsstellung des Kindes als Subjekt mit eigener Persönlichkeit und eigenen Menschenrechten wird nach Meinung des DKSB missachtet.“

Voyeurismus ist das. Ein Wolf im Schafspelz.

„Sie kriegen hier 30 Jahre Erfahrung vor den Kopf geknallt“

„Sie kriegen hier 30 Jahre Erfahrung vor den Kopf geknallt“, so werden die Eltern eingangs begrüßt. Die Wortwahl spricht für sich. Es klingt wie eine Warnung, doch die Verzweiflung der Eltern ist wohl zu groß, als dass sie sich davon abschrecken ließen. Vielleicht klingt der Satz in ihren Ohren vielmehr nach: Hier werden Sie geholfen. Wir heilen ihr Kind in drei Wochen. Genau genommen wirbt die Klinik mit eben diesem Versprechen. Hier ein paar Auszüge der Seite Allergie – und umweltkrankes Kind e.V., hinter der sich Dietmar Langer mit seinem „Elternführerschein“ verbirgt, auch wenn er im Impressum der Website nicht genannt wird, wohl aber in den Tags auftaucht.

„Wenn die betroffenen Familien das erlernte Wissen liebevoll und konsequent umsetzen, haben sie Erfolg. Die Kinder werden gesund. Woher ich das weiß? Wir haben es alle, die wir dem Verein angeschlossen sind, erlebt: Wir haben gesehen und aktiv mitgewirkt, dass die Selbstheilung funktioniert. Lesen Sie nur einen unserer zahlreichen Erfahrungsberichte betroffener Familien.“
[…]
„Wenn die Kinder im Dreiwochenprogramm Schlafen gelernt haben, hat sich das Thema übrigens in 99 % der Fälle erledigt. Die Eltern sind sooooo dankbar. ,Allein, zu Hause hätte ich das nie geschafft‘, heißt es dann sehr oft. Oder: ,Ich bin soo froh, dass wir Schlaf und Lebensqualität gewonnen haben‘.“

Die Suche nach wissenschaftlichen Untersuchungen oder gar (Langzeit)-Studien bleibt vergebens. Seriös ist das nicht. Es klingt wie eine billige Waschmittelwerbung aus den 1970ern. Mehr ist es meiner Meinung auch nicht, obwohl ich mir zwei Tage intensiver Recherche gegönnt habe. Sollten irgendjemand in dieser Hinsicht mehr wissen, bitte teilt die Quellen in den Kommentaren mit uns.

„Wertvolle Erfahrungen müssen immer auch eine schlechte Komponente haben“

Es folgen Szenen, in denen eine Mitarbeiterin einer Handvoll Mütter und deren Kinder über die Regeln der Mahlzeiteinnahme aufklärt. Die Essenszeit beträgt 20 Minuten, jedes Kind hat solange sitzen zu bleiben. Auch, wenn es bereits fertig ist. Trinken ist erst nach dem Essen erlaubt, da das Kind damit absichtlich die Essensdauer verlängern könnte. Loben ist verboten, denn: „Ich werde ja auch nicht gelobt, weil ich so toll atme“. Was waren das für Kinder in diesem Raum? Nun, Säuglinge und maximal Zweijährige. Ich muss dem wohl nichts weiter hinzufügen.

Anschließend sieht man, wie die Eltern etwas über die mutwillige Manipulation lernen sollen, die ihre Kinder angeblich an den Tag legen. In einer Ecke hängt ein Fernseher, der einen kleinen Junge am Tisch sitzend zeigt. Vor ihm ein Teller mit Essen. Es gibt keine Informationen darüber, warum genau dieses Kind in seinem Verhalten nicht altersgemäß sein soll. Es weiß scheinbar selbst nicht genau, ob es essen möchte oder nicht. An sich nichts Ungewöhnliches für einen knapp Zweijährigen. Er lehnt den angebotenen Löffel ab und weint, sagt Aua.

Der Kommentar des Kursleiters dazu: „Also ich weine nicht bei dem Anblick einer Nudel auf dem Löffel.“ Und: „Was auch immer Aua mit dem Essen zu tun hat – die wissen, damit kriegen sie Sie“. Die Anwesenden brechen in Gelächter aus. Erst recht, als der Junge sich erbricht. „Hier ist das Essen wohl beendet. Jetzt kann ich nicht mehr gewinnen“, sagt der Leiter. Als ob es bei der Beziehung oder Erziehung um Gewinner und Verlierer ginge. Als ob man ein Kleinkind mit einem Erwachsenen vergleichen kann. Als ob ein Kind in dem Alter den Wortschatz hätte, seine Not mit etwas anderem als „Aua“ auszudrücken.

Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Spätestens hier stellt sich die Frage, welche Ausbildung diese „Fachleute“ genossen haben. Und warum es möglich ist, sich über einen Menschen so lustig zu machen. Tatsächlich wird das Verhalten der Kinder mit einer mathematischen Formel verglichen. Möchte man den Weg abkürzen, streiche man einfach einen Teil. Schon ist das Problem gelöst.
Wenn sich das Kind dann trotzdem nicht an diese Logik hält, wird es einfach vom Personal festgehalten und zum Essen gezwungen. Ich frage mich, ob das nicht schon ein Grund zur Anzeige ist! Und was sollten uns die letzten Minuten eigentlich lehren? Welche hilfreichen Tipps werden den Eltern an die Hand gegeben? Sind wir hier nicht in der Elternschule? Es kommt mir eher vor wie der Kinderknast!

„Wenn Kinder Mama und Papa dressieren“ lautet die Überschrift eines Zeitungsartikels, der dort an der Wand hängt. Der Film wendet sich dem Thema Schlaf zu. Schlafen und Kleinkinder, ein schwieriges Thema für die meisten Eltern. Babys und Kleinkinder haben einen ganz anderen Schlafrhythmus und das evolutionsbedingte Bedürfnis nach Nähe und Schutz. Zumindest letzteres wird den Eltern erklärt. Allerdings machen die wenigen „vernünftigen“ Aussagen den Film für Hilfesuchende so gefährlich, da sie ihn auf diese Weise in einem seriöseren Licht dastehen lassen. Glaubhaft.

Und fatal, denn was dann folgt, ist nichts anderes als das Ferbern von Babys und Kleinkindern. Dass diese Methode bewiesenermaßen keine gesunde Lösung darstellt, sollte dem ausgebildeten Personal bekannt sein. Dem ist aber scheinbar nicht so. Vielmehr vertreten diese die folgende Sichtweise:

„Natürlich gibt es gerade am Anfang immer wieder Zweifelszeiten, in denen junge Mütter, gerade beim ersten Kind, unsicher sind – aber im Großen und Ganzen sollten Kinder mit sechs Monaten durchschlafen können – spätestens aber nach einem Jahr. Alles war darüber hinaus geht, ist weder gesund für die Entwicklung der Kinder noch für den Zustand der Mutter bzw. Eltern.

Wenn Eltern ehrlich zu sich sind und ihrer Intuition folgen können, hätten sie gern ruhige Nächte, Zu-Zweit-Zeit mit ihren Partnern, wären gern ausgeschlafen, haben schnell durchschlafende Kinder. Und das ist eigentlich auch natürlich und ganz normal. Und möglich!

Natürlich können sie die Kleinen auch einmal schreien lassen. Dadurch lernen sie, erste kleine Krisen selber zu bewältigen. Unser Kinder würden sagen: „Lass mich doch einfach einmal in Ruhe: wenn ich mal nicht direkt in den Schlaf komme, muss ich halt zusehen, dass ich es allein schaffe – wie toll, wenn ich Eltern habe, die mir das auch zutrauen.“

Ich bemühe an dieser Stelle bewusst keine Vergleiche zu gewissen Erziehungsmethoden aus der deutschen Geschichte zu ziehen. Aber ich frage mich: Seit wann sind Einschlafbegleitung, Einschlafstillen und das Müdewerden um 22 Uhr pathologisch? Warum werden das traumatisierte Flüchtlingskind und seine scheinbar depressive Mutter nicht hinsichtlich des Traumas, sondern nur des Schlafens wegen „therapiert“? Zumindest hat es den Anschein, denn Hintergrundinformationen werden uns Zuschauern einmal mehr vorenthalten. Zurück bleiben bei mir viele Fragezeichen, Unverständnis und Erschrecken ob der veralteten, radikalen Herangehensweisen und das Gefühl, dringend eingreifen zu müssen.

Die Mäuseburg

Für mich eher ein Kerker. Die Mäuseburg ist ein Spielraum, in dem die Kleinkinder und Säuglinge lernen sollen, dass die Trennung von ihren Bezugspersonen nichts Gefährliches ist. An sich kein schlechter Ansatzpunkt, was die Theorie betrifft. Die Umsetzung ist allerdings schwer mitanzusehen. Teilnahmslos und alles andere als den Kindern zugewandt sitzt eine Mitarbeiterin auf dem Boden, während sich die Kinder vor Angst die Seele aus dem Leib schreien. Wenn eines verstummt, wird das als Erfolg verbucht. Das Kind habe nun Selbstständigkeit erlernt.

Keine Rede von Resignation und erlernter Hilflosigkeit. Im Gegenteil: Es folgt die weiter oben beschriebene Szene vermeintlich glücklich hüpfender Kinder über den Stationsflur. Mir ist nicht begreiflich, wie die man die Kinder in ihrer Verzweiflung und den Hilferufen so allein lassen kann. Worin besteht der Vorteil, ihnen jegliche Zugewandtheit zu versagen?

Gefährliche Botschaft und ein Widerspruch in sich

Ich bin gleichzeitig geschockt und erleichtert, als sich die Dokumentation dem Ende neigt. Ich frage mich auch: Wie kann ein solcher Film von der Presse so gelobt werden? Von dem „liebevollen“ Aspekt beim Grenzen setzen habe ich nicht viel gesehen. Ich habe psychische und physische Gewalt gesehen. Auch die Reduktion von Stress, die durch die Methoden der Elternschule erzielt werden soll, sucht man bei dem Anblick der Bilder vergebens. Das Schlimmste jedoch ist die folgende Aussage: „Die liebevoll-konsequente Erziehung beeinflusst nicht nur das Leben der Familien positiv, die ein chronisch erkranktes Kind haben – sie wirkt auch präventiv bei gesunden Kindern. Erwiesenermaßen sind die Kinder, die diese Erziehung genießen, weniger krank.“

Wir brauchen eine Gegenbewegung

Allein das Vorführen verzweifelter Eltern, erkrankter Kinder und die Anwendung von Gewalt an diesen ist fast schon kriminell. Doch die Botschaft ist es auch: Unsere Methoden sind allgemeingültig. Jedes Kind profitiert davon und sollte am besten schon präventiv so behandelt werden – das ist gefährlich! Ich habe die oben verlinkte Petition unterschrieben. Zum Schutz der Kinder im Film. Zum Schutz der Kinder verunsicherter Eltern, die auf der Suche nach Hilfe die Elternschule als ihre Rettung wähnen.

Den Film zu stoppen, den Kinderschutzbund ins Boot zu holen, es ist ein Anfang. Wichtig ist jedoch auch, den Hilfesuchenden die Alternativen zu zeigen. Es braucht Kinderärzte, Psychologen und Psychosomatiker, denen eine Plattform gegeben wird. Damit sie Aufklärung leisten und eine Anlaufstelle für Eltern am Limit bieten können.

Jetzt stille ich meine zweijährige Tochter in den Schlaf und bringe sie in unser Familienbett. Da schlummert schon mein Vierjähriger, der sich mittlerweile ganz allein ins Bett bringt. Weil er weiß, dass Mama und Papa direkt nebenan sind – und immer auf ihn aufpassen.

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16 Kommentare

Magdalena 4. April 2020 - 20:40

Einfach sehr traurig!
Gleichzeitig zeigt es die Hilflosigkeit vieler Eltern und den Wunsch nach Unterstützung. Ich hoffe sehr, dass Bindungstheorie, Systemtheorie und Bedürfnisorientiertheit immer mehr Einzug halten in psychatrischen und psychotherapheutischen Einrichtungen.

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Celine 1. Februar 2019 - 15:15

Liebe Alexandra,
völlig naiv habe ich es gewagt, auf das „Gern hören wir Ihre Meinung.“ nach einem Text auf den Seiten XXXX e.V. (Anm. der Red.: Name unkenntlich gemacht) tatsächlich meine Meinung kundzutun. Nun, was darauf folgte war die Androhung einer von Frau XXXX (Anm. der Red.: Name unkenntlich gemacht) und dem Scheinverein beauftragten Anwältin, eine strafbewährte Unterlassungserklärung unterzeichnen zu müssen oder andernfalls wegen Verleumdung, übler Nachrede oder Kreditgefährdung verklagt zu werden…
Die Heftigkeit dieser Reaktion auf eine Meinungsäußerung zeigt, wie unheimlich viel Geld hier auf dem Spiel steht, das auf dem Rücken zahlreicher Kinder und ihrer verzweifelten Eltern mit autoritärer, längst überholter schwarzer Pädagogik verdient wird. Sobald du es schaffst, Eltern als „Spezialist“ oder „Expertin“ mithilfe völlig überzogener Erwartungen wie z.B. „aber im Großen und Ganzen sollten Kinder mit sechs Monaten durchschlafen können –spätestens aber nach einem Jahr.“ von der „Schlafstörung“ ihres Kindes zu überzeugen, verdienst du dir als „Therapeut dieser angeblichen Regulationsstörungen eine goldene Nase. Es ist ein Skandal, wie durch Krankenkassenbeiträge solche fragwürdigen, schwammigen Diagnosen und die entsprechend okkulte stationäre „Therapie“ finanziert werden. Ach, übrigens, der Verein, der sich scheinbar als „Selbsthilfe“ leistend darstellt, erhielt bspw. im Jahr 2017 von der AOK 15.000€ als Projektförderung. Kein Wunder, der AOK-Regionaldirektor war selbst jahrelang 1. Vorsitzender des Vereins…

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Christoph 19. November 2018 - 14:19

Was soll ich dazu sagen? Zufällig erfuhr ich (Opa) von meinen Kindern, das dieser Film existiert und vollkommen unreflektiert der Öffentlichkeit präsentiert wird. Ich bin traurig und auch leider sehr ungehalten ob der Tatsache, dass Menschen (in diesem Fall Ärzte und Pflegepersonal) die ihnen anvertrauten kleinen-, zerbrechlichen und hilflosen Menschen unter dem Deckmantel (pseudo)wissenschaftlicher Erkenntnisse und offensichtlich selbst vollkommen hilfloser Betreuungspersonen behandeln können (dürfen).
Ich bin seit über 40 Jahren in der Krankenpflege tätig und täglich begegnen mir Situationen in denen es um Macht und Gewalt gegenüber den vermeintlich Schwächeren (Kranken) geht. Dies findet oftmals unter subtilsten Verhaltensweisen der Personen statt und man erkennt es oftmals gar nicht oberflächlich. Nun möchte ich jedoch nicht ausschweifen und vieles bereits geschriebenes, gesagtes und erlebtes wiederholen. Mensch sei wachsam und höre auf deine innere Stimme. Stärke dich nicht an belanglosen oder giftigen Dingen, sondern biete deinem Geist richtige und gesunde Nahrung an, damit du auch in schweren Zeiten genug Reserven hast. Hört sich vieleicht etwas heroisch an, aber warum auch nicht. Mensch, sei dein Held, für dich, für Andere und besonders für die Schwächsten.
Diesen Film zu zeigen ist absolut unverantwortlich, da viele (verirrte) Menschen ihn tatsächlich als Vorbild nehmen könnten und noch mehr Kinder unter noch mehr Macht- und Gewalteinfluss leiden müssten. Ich hoffe, dass die Mehrzahl darüber aufwacht und in ihrem Umfeld deutlich ihre Meinung vertreten.

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Ulrike 22. Oktober 2018 - 21:10

Bei mir werden sämtliche Knöpfe gedrückt und ich bin fassungslos, dass es so einen Ort in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft überhaupt noch geben darf!!! Zum Einen bin ich in den neuen Bundesländern geboren und aufgewachsen – in einer Zeit, in der es „normal“ schien Babys ihren Müttern direkt nach der Geburt wegzunehmen, sie schreien zu lassen etc. Ich bräuchte diesbezüglich gar nicht erst von Studien anfangen, die bezeugen wie verheerend das für das weitere Leben ist – ich habe diese Erfahrung selbst in mehreren Aufstellungen/ Therapien aufgearbeitet.

Zudem habe ich einige Zeit in der stationären Jugendhilfe gearbeitet – mit schwierigen Kindern, die sicherlich das „Resultat“ ihrer überforderten Eltern sind. ABER sowohl im Umgang mit den Kindern als auch mit den Eltern ist die Gesetzeslage eindeutig. Allein deine Beschreibungen des Films zeigen, dass die Klinik Kindeswohlgefährdend handelt und es macht das nicht besser, wenn die Eltern dabei zusehen bzw die Kinder dabei gefilmt werden!

Wofür man ‚dankbar‘ sein kann, dass dieser Film das wahre Gesicht der Klinik zeigt und es sollte eine Petition geben, damit diese ihre Pforten schließt!!

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Caro M. 20. Oktober 2018 - 09:49

Die im Film thematisierte Klinik hat übrigens schon eine umstrittene Vergangenheit: Hier ein Spiegelartikel aus dem Jahr 2005(!) über selbige Klinik, der sehr kritisch beleuchtet, wie auf seltsamer fachlicher Grundlage chronisch erkrankte Kinder durch „Trennungstraining“ geheilt werden sollten.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39613469.html
Auch interessant:
http://www.klinikskandal.com/
Ernst-August Stemmann ist Dietmar Langers Vorgänger in der Klinik in Gelsenkirchen:
https://www.psiram.com/de/index.php/Ernst_August_Stemmann

Dietmar Langer ist übrigens laut seiner Webseite seit 2002 als TV-Experte für ZDF-Volle Kanne tätig, über deren vollkommen einseitigen und unkritischen Bericht zum Film (und Thema), den ich zufällig gesehen habe und über den ich total entsetzt war. Ich habe die Redaktion kontaktiert und ihr meine Bedenken mitgeteilt. Ihre Antwort: „ Wir haben uns redaktionell und fachlich mit den Inhalten des Films auseinandergesetzt und können Ihre Kritik nicht teilen.“ (Zitat)
Mag sein, aber wenn es kritische Stimmen zum Thema gibt, sollte sie Eingang in die Berichterstattung finden! Journalistische Grundlagen, Lektion eins.

Es ist wirklich wichtig, dass dem, vor allem aus fachlicher Sicht, etwas entgegengesetzt wird. Danke an alle, die sich hier engagieren und hinsehen. Und für alle ein Hinweis auf den von @fraumierau @geborgenwachsen ins Leben gerufenen Hashtag #herzenschule inklusive Kurzfilm mit vielen Stimmen aus der Bindungsorientiert-Community als Gegenbewegung.

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Danielle 19. Oktober 2018 - 21:48

So, so furchtbar :-(.

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Nadine 19. Oktober 2018 - 20:21

Danke an die Kommentatorinnen mit dem Vergleich zur Altenpflege, und wieso Kinder mit einem halben Jahr durchschlafen sollen, wenn selbst Erwachsene erwiesenermaßen bis zu 28mal nachts wach werden, das verstehe ich einfach nicht. Wenn ich bei meinem Sohn gefragt wurde, ob er schon durchschläft, habe ich immer zurück gefragt, ob sie denn selbst durchschlafen würden. Ja, und die meisten verneinten…
Zu den anderen Sachen kann ich gerade nichts schreiben, ich finde es unfassbar, dass solch eine schwerwiegend gefährliche Erziehung in einem Film als positives Beispiel gezeigt werden darf, und wie unkritisch scheinbar Journalismus ist (!).

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Sina 19. Oktober 2018 - 19:42

Dieser Film ist absoluter Irrsinn! Man kann diese Kinderseelen nicht zerstören & sich dafür feiern lassen!!!

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Miriam 19. Oktober 2018 - 18:59

Dieser Podcast („Weinen hilft dir jetzt auch nicht“ – über Gewalt in der Geburtshilfe) nähert sich dem Thema nochmal aus einer ganz anderen, aber nicht minder beängstigenden Richtung. Ich habe ihn vorgestern gehört und musste bei deinem Beitrag nochmal anders an die Zusammenhänge von Geburt und Erziehung in medizinischen Systemen nachdenken.

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Marie 19. Oktober 2018 - 18:29

Vielen Dank!

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Theresa 19. Oktober 2018 - 14:07

Vielen Dank für den Artikel, nur beim lesen kommen mir schon fast die Tränen. Ich könnte weder Trailer noch Film ansehen, umso dankbarer bin ich, dass du es getan hast um uns zu berichten.
Ich sehe die Gefahr vor allem darin, dass suggeriert wird, das hier wären normale Erziehungsmethoden.
Wenn ich als Krankenschwester Menschen mit Gewalt zum Essen oder schlafen zwingen würde, würde ich gefeuert werden.
Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung!

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Lena 19. Oktober 2018 - 12:26

Mir kommen schon beim Lesen dieses Artikels die Tränen. Undenkbar, dass ich diesen Film anschauen könnte, ohne völlig durchzudrehen. Mein Baby ist fast drei Monate alt, es schläft natürlich nicht durch, es ist oft anstrengend, aber noch viel öfter ist alles wunderbar. Niemals würde ich meinem Kind und mir so etwas antun. Ich verstehe, dass verzweifelte Eltern sich Hilfe suchen, aber wenn sie dann an so eine “Klinik“ geraten füchte ich, dass alles nur noch schlimmer wird. Vor allem innen drin, in den Seelen der Kinder.

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Jo 19. Oktober 2018 - 12:02

Danke für diese klare Sicht der Dinge.
Übrigens habe ich in meiner Ausbildung zur Altenpflegerin gelernt, dass man sich, wenn man Schutzbefohlene zu etwas zwingt, strafbar macht. Egal, ob es dabei ums Essen oder Trinken handelt oder ob man sie in Not allein lässt. Nach meinem Verständnis gilt das für Menschen jeden Alters. Allein deswegen gehören die Betreiber dieser Klinik zur Rechenschaft gezogen.

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Christin 19. Oktober 2018 - 19:29

Dem ist leider nicht ganz so. Die meisten dieser Methoden würden rechtlich sicherlich unter „Erziehungsrecht der Eltern“ laufen. Da die Eltern als Sorgeberechtigte dem Ganzen eine Einwilligung geben, wird es schwer sein da Straftatbestände zu finden.

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Angela 19. Oktober 2018 - 23:48

Das war auch einer meiner ersten Gedanken, dass hier ja potenziell ein Strafbestand vorliegt. Auf der Seite von Dr. Renz-Polster hat sich in den Kommentaren eine Strafverteidigerin zu Wort gemeldet, die angekündigt hat, die Vorgänge bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige zu bringen. Für ihre Darstellung in den Kommentaren auf https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/die-elternschule-geht-weiter/ nach Christina Gavric suchen.

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Lea 19. Oktober 2018 - 11:38

Bin ich froh, dass es endlich Kommentare zu dem Film gibt, von Leuten, die ihn gesehen habe. Und gleichermaßen froh wie traurig bin ich, dass der Eindruck, den ich vom Trailer hatte, bestätigt wird. Ich habe just gestern schon nach Stimmen zum Film gesucht und war erstaunt, die oben erwähnten positiven Pressestimmen zu finden. Ich finde schon den Trailer schwer erträglich und dachte mir, dass – selbst wenn der Film inhaltlich doch nicht so furchtbar sein sollte, wie er offenbar ist – ja schon mit der Auswahl der Filmszenen für den Trailer eine gewisse Richtung gesetzt und eine bestimmte Stimmung evoziert wird („fürchterliche, grenzenlose, dreiste Kinder). Einige Trailerszenen waren dann schon genug, mir den Schlaf zu rauben – der kleine Fratz, der in einem komplett vergitterten (!) Hochbett von fremden (!) Klinikmitarbeitern in einen Raum geschoben wird, wo das Schlaftraining (dieser Begriff verursacht mir schon Übelkeit) stattfinden soll – was soll dabei denn bitte herauskommen? Die Ausgangssituation ist doch schon so beängstigend, dass an Schlaf überhaupt nicht zu denken ist! Ich finde es auch hochgradig problematisch, dass so etwas a) überhaupt noch propagiert wird b) im Namen einer Klinik geschieht, was dem ganzen Seriosität verleiht c) die Bühne von Kino und TV und d) auch noch positive Pressestimmen bekommt. Man sollte dagegenhalten, mit allem was man hat. Und das Angebot von echter Hilfe dringend verbessern und gut sichtbar machen! Ich gehe jetzt jede Petition unterschreiben, die ich finden kann.

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