Wochenbett, 40 Tage, Partner

Fragen an die Hebamme: Wie sage ich es meinem Partner?

von Anja

Nein, hier geht es nicht darum, kreative Wege aufzuzählen, wie ich meinem Partner sage, dass ich schwanger bin. Es geht um ein Thema, das mir als Hebamme so oft begegnet, dass ich es einen eigenen Artikel wert finde. Ein Großteil der werdenden Eltern, die ich kennenlerne, überlegt sich bereits vor der Schwangerschaft, wie das alles mit dem Baby am besten aufgeteilt werden kann, damit es dem Baby und den Eltern gut geht. In den ersten Tagen nach der Geburt legen sich auch viele Väter sehr ins Zeug und kochen, wickeln und servieren den Tee mit selbstgemachten Stillkugeln dazu.

Aber irgendwann kippt dieses Engagement und nicht selten „beschweren“ sich Mütter bei mir darüber, dass er „zu wenig macht“. Dass er „das Chaos rundherum nicht sieht“ oder „er sich für seine persönliche Freizeit zu viel Raum“ nimmt, während die Mutter selbst kaum zum Haare waschen kommt. Vor allem, wenn die Aufteilung so angelegt ist, dass die Mutter Elternzeit und der Vater nach ein paar freien Tagen oder Wochen wieder arbeiten geht, kommt es nicht selten zu Frust auf der mütterlichen Seite.

Ich lasse die Frauen sich dann beim Hausbesuch ausheulen und auch mal ordentlich über ihre Männer schimpfen. Auch dann, wenn ich diese bisher als ganz nette Menschen kennengelernt habe. Denn es tut immer erst mal gut, sich etwas Luft zu machen. Das gilt gerade auch in dem anstrengenden ersten Babyjahr. Aber dies allein wird nichts ändern. Auch darauf zu hoffen, dass der Partner das Problem erkennt, wenn ihn seine Frau jeden Tag schlecht gelaunter an der Haustür empfängt, wird nichts ändern. Es ist also unabdingbar, miteinander zu sprechen, wenn sich einer nicht mehr wohl fühlt. Und das besser heute als morgen. Denn wenn man ein Baby oder mehrere kleine Kinder zu versorgen hat, kommen täglich neue Herausforderungen auf einen zu. Ein kleiner Sorgenhügel kann da schnell zu einem großen Problemberg werden.

Krisen kündigen sich an

Viele Mütter trauen sich nicht zu sagen, dass sie mehr Unterstützung brauchen. Häufig passiert das aus der Sorge heraus, dass ihr Partner oder auch andere im Umfeld denken, dass sie es alleine als Mutter nicht schaffen. Und ja, manchmal schafft man es nicht alleine. Oder zumindest nicht so, dass es einem gut damit geht. Aber es ist auch überhaupt nicht vorgesehen, dass wir das mit unseren Kindern immer alleine schaffen. Das heute meist vorhandene Kleinfamilienkonstrukt ist leider ein bisschen zum Scheitern verurteilt. Denn die gesamte „Last“ wird auf viel zu wenigen Schultern verteilt. Wenn es dann dort auch noch ungleichmäßig verteilt ist, kommt es schnell zu Frust und Überforderung auf der einen Seite. Überforderung heißt aber nicht, dass jemand eine schlechte Mutter ist. Es bedeutet, dass die gestellten Ansprüche – ob von einem selbst oder der Gesellschaft – einfach zu hoch sind.

Die meisten Krisen kommen nicht von heute auf morgen, sondern kündigen sich an. Wenn ich also schon mit Magengrummeln zustimme, dass mein Partner sich mit Freunden trifft, sollte ich überlegen, weshalb das gerade so ist. In manchen Betreuungsverläufen kann man fast zusehen, wie sich die Krise nach und nach zuspitzt. Es ist zu sehen, wie immer noch ein bisschen mehr dazu kommt, bis das Fass irgendwann überläuft.

Deshalb empfehle ich Eltern – Müttern wie Vätern – wirklich ehrlich und direkt miteinander zu reden. Schon allein, weil man im Elternleben weniger Zeit hat herauszufinden, was der Partner wohl mit einer subtilen Andeutung gemeint haben könnte. Man sollte sein Unbehagen mit der aktuellen Situation schnell äußern. Umso größer ist die Chance, dass ein Gespräch konstruktiv verläuft und nicht in einer einzige Anhäufung von Vorwürfen endet. Immer wieder heißt es doch, dass wir Eltern auf unser Bauchgefühl hören sollen. Damit ist nicht nur das Baby gemeint, sondern auch immer wieder die Frage: „Wie geht es mir gerade mit dieser Situation?“.

Elternsein lernen

Wie es sich anfühlt, Mutter oder Vater zu sein, weiß man immer erst hinterher. Ebenso, welche Stärken und Schwächen man hat, wenn es darum geht, sein Kind durchs Leben zu begleiten. All dies lässt sich nicht planen. Darum kann eigentlich auch erst hinterher die vermeintlich beste Rollenaufteilung der Eltern ausgehandelt werden. Die zweite große Unbekannte ist außerdem das Baby. Eltern wissen vorher nicht, wie intensiv ihr Baby sie nach der Geburt brauchen wird. Manche Kinder machen es ihren Eltern leicht, andere fordern sie sehr heraus – das ist selbst innerhalb einer Familie mit mehreren Kindern oft der Fall.

Die Sorgen, Ängste und Probleme müssen deshalb dann angesprochen werden, wenn sie sich auftun. Ohne miteinander zu reden, wird es in jedem Fall schwierig werden. Denn egal, wie lange man bisher schon als Paar gemeinsam unterwegs war – als Eltern lernt man sich nochmal von einer ganz anderen und neuen Seite kennen.

Das beginnt bereits in der Schwangerschaft. Viele sehen in der Geburt dann den Höhepunkt dieser Veränderung. Doch die Geburt ist einfach mal erst der Anfang. Genau wie ein Kind so vieles jeden Tag lernt, lernen wir nach und nach das Elternsein. Dabei sind beide Partner nicht immer unbedingt am selben Punkt. Umso wichtiger ist es, miteinander zu reden und im Gespräch zu bleiben. Wenn Mütter (gilt natürlich auch für Väter) mich also fragen, wie sie ihrem Partner klarmachen können, was sie stört oder ihnen fehlt, kann ich nur immer wieder folgendes empfehlen:

• Sage Deinem Partner konkret, was Du Dir wünscht oder was Dich momentan stört. Erzähle ihm, wie es Dir geht. Um Hilfe zu bitten oder sich überfordert zu fühlen, ist kein Zeichen von Schwäche.

• Höre ihm auch zu. Ausreden lassen ist gerade im Babyalltag manchmal eine ganz schöne Herausforderung, aber umso mehr erfahrt ihr voneinander.

• Manchmal kann man an einem „neutralen“ Ort entspannter miteinander reden, als in der chaotischen Wohnung. Vielleicht kann Euch sogar jemand das Baby für eine kleine Weile abnehmen, so dass die Konzentration noch besser bei Euch bleiben kann.

• Sucht gemeinsam nach einer Lösung, mit der es allen gut geht. Macht Euch klar, dass manche Dinge vor der Geburt noch nicht absehbar waren und ihr erst jetzt überlegen könnt, wie ihr damit umgehen wollt.

• Holt Euch Hilfe, wenn ihr es gerade nicht alleine schafft, etwas zu verändern. Holt Euch auch externe Hilfe (Haushaltshilfe, Putzfee, Babysitter), um eine Situation zu verbessern.

• Und um es aus Sicht des Babys zu sagen: „Bitte hegt und pflegt auch Eure Beziehung zueinander, weil diese mein Nährboden ist und mir zeigt, wie man Menschen liebhaben kann.“(Auszug aus Brief eines Babys an seine Eltern)

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5 Kommentare

Johanna 15. August 2017 - 11:36

Toller Artikel! Hilfe in Anspruch nehmen muss man teilweise wirklich lernen. Ubd ist sooo wichtig! Ich finde man darf sich auch beim kommunizieren helfen lassen, sprich einen supervisor Inanspruch nehmen wenn nötig. Uns hat das irrsinnig geholfen. Für das bisschen Überwindung haben wir so viel bekommen! Im Umfeld sehe ich dass Beziehungen gerne um den ersten Geburtstag des Kindes herum ins Wanken geraten. War bei uns auch so. Hilfe annehmen hat geholfen;-)

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helen 5. Januar 2017 - 19:11

Mir fiel es unglaublich schwer, zuzugeben, dass ich nicht mehr konnte. Ich bin mit dem dritten Kind schwanger, die großen sind 4 und 2. An sich war alles kein Problem, nur hatte ich nicht mit dieser extremen Form der Übelkeit gerechnet. Den ganzen Tag, inklusive Übergeben, richtig schlimm. Ich hatte Schüttelfrost und war zu nichts mehr in der Lage. Ich war dreimal beim Arzt und musste dann irgendwann zugeben; es geht nicht mehr. Da hat mir der Arzt dann endlich ein Beschäftigungsverbot (ich bin Grundschullehrerin) gegeben. Da wurde es viel besser! Und jetzt, in der 20. Woche geht es endlich langsam weg 🙂

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jungeMami 1. Juli 2016 - 11:15

Toller Artikel!
Hier hatten wir das Problem auch gerade wieder, Kind Nummer zwei ist jetzt neuneinhalb Monate alt und trotzdem merke ich: die Erfahrung kann einem bei noch so vielen Tipps niemand abnehmen. Man IST erst hinterher schlauer! Deshalb ist es wirklich so: zuhören und sprechen. Wertschätzend. Ich weiß, viele Männer haben nach ihrem langen Tag vermeintlich keinen „Bock mehr“ dazu. Und genau das sind die Männer: AUCH MÜDE! Bei uns hat sich der Teufelskreis umgekehrt, als ich ihn in den Arm nahm und sagte: „Dein Job ist gerade echt hart, oder? Anstrengend gewesen heute? Bei mir auch. Lass uns was Schönes machen.“ Oder so ähnlich.

Mit „DU MUSST ABER…“ kam ich nie weiter. Wenn ich bei mir bleibe und ihn auch noch sehe, kann er es auch viel leichter (bzw wir beide natürlich in beide Richtungen, nur rede ich jetzt nur von mir selbst). Wir waren vorher eine Einheit und plötzlich so „getrennt“…Sich wirklich SEHEN und aneinander festhalten (im wahrsten Sinne!) gibt uns mehr Kraft als der murrend runtergebrachte Müllsack. Das machen wir dann zusammen. Bzw macht es der andere dann viel lieber für den anderen.

Das sind meine Erfahrungen dazu. Hat aber auch wiedermal gedauert. Da „durch“ mussten wir selbst. Aber mithilfe solcher Seiten wie dieser fühlte ich mich bei Kind 1 einfach nicht so allein mit dem Problem. Inzwischen habe ich genau dieses Netzwerk aus Familie, Freunden und Hilfen aufgebaut und angenommen! <3

Und die ZEIT arbeitet auch für uns. Es WIRD wieder leichter! 😉

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Sanne 30. Juni 2016 - 15:12

Danke – sehr schöner Text.
Obwohl ich festgestellt habe, das der Satz zum Papa: „Ich möchte dass du mehr im Haushalt machst“ nicht wirklich hilft. Manche Leute haben einfach nicht den „Blick“ dafür ohne das böse zu meinen. Was hilft ist (und was auch nicht zu verstimmungen führt ist) „Stelle bitte morgen die Waschmaschine mit den Windeln an“ „Räum den Geschirrspüler ein und stell ihn an“ „Räum das kinderzimmer auf und fege es bitte aus“ … Das brachte zumindest uns entspannung, weil ich nicht stänig genervt war, weil der Papa die Arbeiten „nicht sieht“.

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martje 29. Juni 2016 - 10:22

Für das „auf den Punkt bringen“ mag ich eure Seite so gern.

Danke für die vielen tollen und hilfreichen Beiträge.

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