Geburtsfreundinnen

von Anja

Als Hebamme durfte ich schon viele Geburten begleiten. Jede war einzigartig, berührend und wundervoll – auf ihre eigene Art. Aber dann gibt es da noch diese ganz besonderen Geburten, bei denen ich dabei und nicht nur Hebamme war. Die Geburten von Menschen, die mir besonders nahe stehen.

Nie werde ich vergessen, wie ich meinen Neffen auffangen durfte. Gerade noch rechtzeitig hatten wir es geschafft, von Berlin nach Niedersachsen zu meiner Schwester zu düsen, nachdem sich die Geburt mit den ersten Wehen ankündigte. Ich weinte schon, als gerade mal das Köpfchen in meine Hände geboren war. Schließlich war dieses Kind mein Neffe. Und die wunderbare Frau, die ihn gerade zur Welt brachte, meine Schwester. Mehr Emotion geht fast gar nicht…

Mein erstes Patenkind hatte es damals so eilig, dass es schon geboren war, als ich am Geburtsort ankam. Doch der Zauber der ersten Stunden nach einer Geburt lag noch in der Luft. Dann die wunderschöne Hausgeburt an einem sonnigen Frühlingsmorgen meiner lieben Freundin, die so schnell ging, dass ich dankbar war, dass wir nur um die Ecke wohnten. Die gemeinsame aufregende Fahrt mit meiner Freundin ins Geburtshaus, wo der kleine Junge unmittelbar nach der Ankunft geboren wurde. Da war meine Freundin, die ihr zweites Kind statt im Geburtshaus dann doch erneut im Operationssaal geboren hat, aber diesmal mit einem intensiven Bonding gleich nach der Geburt. Was für berührende erste gemeinsame Stunden.

Besondere Zeiten

Dann war da die Geburt meines anderen Patenkindes im gemütlich vollen und ziemlich warmen Badezimmer in Anwesenheit der gespannten Geschwister. Und zuletzt die lange aber schöne Geburt des Sohnes einer Freundin in der Klinik, nachdem ich sie bereits die ersten Geburtsstunden zu Hause begleiten durfte.

Es waren alles Geburten von Kindern, die jetzt kein Neugeborenes, kein Kleinkind und sogar schon kein Kind mehr sind. Winzig kleine Menschen, die jeden Tag ein Stück mehr wuchsen und wachsen. Menschen, deren Weg ich hoffentlich lange mitgehen darf. Es sind Geburten, an die ich mich wohl ein Leben lang erinnern werde. An die kleinen, feinen Details, die man nicht vergisst, weil man immer wieder mal darüber spricht. An das Wetter an diesem Tag, was wir gegessen haben oder was gut tat während der Geburtsarbeit. Dinge, über die wir trotz aller Anstrengung gemeinsam in diesen Stunden lachen konnten. Und dann natürlich an diesen Moment, an dem das Kind in die Welt, in seine Familie und den Freundeskreis seiner Eltern hineingeboren wird.

Besondere Situationen

Auch ich hatte bei drei Geburten meiner Kinder neben Christian noch Freundinnen mit dabei – meine Geburtsfreundinnen. Meine Freundin, die extra 350 Kilometer weit gefahren ist, als die Geburt mit einem Blasensprung begann. Und die, die ganzen 36 Geburtsstunden an unserer Seite blieb und in den ersten chaotischen Tagen unsere Wochenbettfee und vor allem Vertraute für all unsere Anfängerelternsorgen war.

Meine Freundin, die bei der zweiten Geburt mit ins Geburtshaus fuhr, um an der Seite unserer großen kleinen Tochter für sie, aber damit auch für mich und uns da zu sein. Sie hat entspannt und geduldig mit unserer Erstgeborenen auf dem Schoss neben der Gebärwanne gewartet. Durch ihre ruhige Präsenz hat sie mir das Gefühl gegeben, das alles gut ist und wird. Und meine Freundin, die mich die die ganze Nacht durch die Wehen begleitet hat und am frühen Morgen mit unseren gerade erwachten Töchtern im Arm dabei war, als unser Sohn vor unserem Sofa das Licht der Welt erblickte.

Mit Freunden erlebt man sicher viele besondere Situationen, die einen für immer verbinden werden. Aber für mich sind die Geburten noch einmal etwas ganz besonderes und etwas absolut unvergessliches. Ich muss oft an diese besonderen Stunden denken, wenn ich so auf all unsere wundervollen Kinder blicke. An diese zeitlosen Momente, die wir als Freundinnen unter der Geburt miteinander verbracht haben. Als Geburtsfreundinnen.

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6 Kommentare

Luise 19. Oktober 2016 - 21:56

Du bist meine Geburtsfreundin… deine Hand auf dem Kreuzbein im Endspurt und meine Erkenntnis „Platz ohne Ende“ – „ich kann das“. Danke 🙂

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Anja 20. Oktober 2016 - 10:15

<3 Und auf dem Rückweg in der Sonne der Familie schon Brötchen und Pasteis aus der Bekarei mitbringen, weil Du so schnell warst... ich denke so oft an diesen schönen Tag, wenn ich da lang radel:)

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Angela 7. Juli 2016 - 22:35

Ich stehe mehr oder weniger knapp vor der Geburt unseres zweiten Kindes und habe leider keine solche Geburtsfreundin… Die Oma wird sich um den Erstgeborenen kümmern, aber bisher kann sie sich nicht vorstellen, dann auch mit ihm dabeizusein – ich hoffe noch, dass es sich in der Situation dann doch so ergibt! Meine Schwester war bei der ersten Geburt dabei und auch eine große Hilfe – aber irgendwie meint sie, das habe ihr gereicht… (zugegeben, es waren einige stressige Minuten dabei, und das am Muttertag!) Ich wünsche mir sehr, selbst mal eine Geburtsfreundin sein zu dürfen, vielleicht passt es ja mal! Ich würde sehr gern diese magischen Momente als nicht-Gebärende erleben.

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Susanne 5. Juli 2016 - 20:25

meine geburtsfreundin <3

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Inka 5. Juli 2016 - 14:10

Liebe Anja! Wir sind auch heute noch sehr froh, dass du damals bei uns warst! Angefangen bei den vielen aufbauenden Telefonaten zwischen Geburtshaus und Klinik … bis hin zu den schönen Stunden nach der Geburt, die du gemeinsam mit uns verbracht hast!
An dieser Stelle auch noch ein Dankeschön an Christian, der sich – gemeinsam mit deinen beiden Töchtern – so lieb um den großen Bruder gekümmert hat …

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Anja 5. Juli 2016 - 09:56

Ach ist das schön 🙂

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