Hausgeburt, Geburt, Geburtsbericht

Hausgeburtstag

von Anja

Heute ist es also ein Jahr her, dass unser viertes Kind geboren wurde. Hier in unserem Haus geboren wurde. Alles erinnert mich daran. Schon in den letzten Tagen vor diesem ersten ersten Geburtstag sind mir ständig so viele kleine Momente eingefallen, die mich an diesen besonderen Tag erinnern.

Wenn ich die kleine Babytochter aufs Sofa krabbeln sehe, denke ich daran, wie ich gut drei Stunden vor ihrer Geburt dort kniete und die ersten Wehen veratmete. Noch in dem Glauben übrigens, dass diese ja noch gar nicht geburtswirksam wären. Ich meinte, es würde bestimmt noch ewig dauern. Christian und unsere Hebamme waren da schon ganz anderer Meinung.

Wenn ich dieses kleine Mädchen nun vor unserer Badewanne am Rand stehen sehe, denke ich daran, wie sie genau hier geboren wurde. Hier haben wir uns zum allerersten Mal gesehen. Und es war doch schon so vertraut, als ob ich diesen kleinen Menschen bereits ewig kannte. Mittlerweile kenne ich unser Kind noch ein bisschen besser. Aber viele ihrer Charakterzüge waren auch schon vor und unmittelbar nach der Geburt präsent und spürbar. Ihr ganzes Wesen hat den Raum erfüllt, als sie damals hier bei uns zu Hause nach wenigen Wehenstunden geboren wurde. Und auch jetzt ist ihre Präsenz überall spür- und sichtbar.

Diese schöne und kraftvolle Geburt

Es fängt beim Stillkissen an, das hier noch immer rumliegt. Unter der Geburt habe ich versucht, darauf eine bequeme Position zu finden, um den Druck im Becken zu lindern. Jetzt krabbelt unser Baby fröhlich darüber. An dem Tisch, an dem unsere Hebammen damals die Geburtspapiere und das Kinderuntersuchungsheft ausfüllten, steht nun ihr Hochstuhl. Darunter kullern aktuell meist ein paar Blaubeeren herum. Denn die liebt sie derzeit. Auch das Handtuch, mit dem wir sie direkt nach ihrer Ankunft gewärmt haben, ist so ein Erinnerungsstück. Sie wird noch immer nach jedem Bad damit abgetrocknet. Wie schon ihre drei Geschwister. Und mein Lieblingsneffe, für den ich dieses Handtuch vor über 14 Jahren meiner Schwester mal geschenkt habe.

Jedes Bad, jede angezündete Kerze und selbst das Wäschesortieren hier im Badezimmer erinnert mich in diesen Tagen an unseren Hausgeburtstag. Vor einem Jahr haben ihre Geschwister das neue Baby hier begrüßt. Sie ganz zart berührt und ihr erzählt, dass sie sich freuen, dass sie da ist. Heute tragen sie ihre kleine Schwester durch die Gegend. Sie spielen mit ihr und zeigen ihr täglich ihre Freude darüber, dass sie bei uns allen ist. Sogar wenn sie Legobauten zerstört oder gemalte Kunstwerke zerrissen hat.

Sie ist zwar schon ein ganzes Jahr bei uns, aber natürlich immer noch klein. Und ein Jahr ist wirklich kurz. Das spüre ich besonders in diesen Tagen, in denen sich alles so anfühlt, als ob sie erst gestern hier geboren wurde. Diese kurzen aber intensiven Geburtsstunden hier zu Hause, in denen jegliches Zeitgefühl verloren ging und ich einfach nur wartete und atmete. Dieses Gefühl zwischen euphorischer Vorfreude und phasenweiser großer Verzweiflung. Alles hier erinnert mich heute an diese schöne und kraftvolle Geburt. An die vielen kleinen Details, an die wir Eltern uns wohl ein Leben lang erinnern.

Geburt schmeckt für mich nach Cola

Schon bevor unser Mädchen komplett geboren wurde, hat sie angefangen zu erzählen. Ihre kleine Stimme zu hören, noch bevor ich sie in meine Arme nehmen konnte – was war das für ein besonderer Augenblick. Und auch heute krabbelt sie hier durch die Gegend und erzählt gerne vor sich hin, bevor sie dann zu einem von uns auf den Arm möchte. Und jedes Mal, wenn hier mal eine Flasche Cola im Kühlschrank steht, denke ich daran, wie mir dieses Koffein-Zucker-Gebräu unter der Geburt wieder neue Kraft gegeben hat, als ich dachte, dass ich nicht mehr kann. Geburt schmeckt für mich deshalb nach Cola.

Wenn ich heute mit unserem großen runden Holztablett das Frühstücksgeschirr in die Küche trage, denke ich daran, wie Christian mir das erste Essen nach der Geburt auf diesem Tablett serviert hat. Gefolgt von unzähligen Wochenbettmahlzeiten, die ich mit dem Dauerstillkind an der Brust auf unserem Sofa gegessen habe. Auf dem Teppich vor dem Sofa hockte unsere Hebamme, als sie das Babymädchen zum ersten Mal gewogen und gemessen hat und wir gespannt rätselten, wie schwer und groß unser viertes Kind wohl sein würde. Mittlerweile ist unser Baby drei mal so schwer und sitzt selbst auf diesem Teppich und spielt – gerne auch mit den Dingen aus meinem Hebammenkoffer, wenn sie diese zu greifen bekommt.

Statt dem Hausgeburtsequipment unserer Hebammen stehen hier heute Geschenke, Blumen und ein Kuchen für unser Babymädchen auf dem Tisch. Und doch kann ich die aufmerksame und liebevolle Präsenz unserer beiden Hebammen hier an diesem Ort immer noch fühlen. Wenn wir heute auf unser Babymädchen anstoßen, werden wir in Gedanken auch mit ihnen anstoßen, so wie wir das hier vor einem Jahr zusammen getan haben. Und wenn das Babymädchen müde wird nach dem ganzen Geburtstagstrubel, werde ich sie auf unserem Sofa in den Arm nehmen, stillen und sehr verliebt anschauen. So wie wir es an dieser Stelle schon vor einem Jahr gemacht haben.

Passend zum Thema

4 Kommentare

Katrin 26. März 2018 - 23:42

So schön. Ich hab mal wieder Tränen in den Augen und freue mich auf unseren ersten Hausgeburtstag in zwei Tagen!

Antworten
Claudia 26. März 2018 - 22:56

So schön geschrieben. Und ich bin da ganz bei dir….Wir hatten zwar keine Hausgeburt
aber trotzdem verliefen der erste Geburtstag sowie die Tage davor, unserer schon fast 15 Monate alten Tochter, genauso emotional wie du es beschrieben hast. Es ist schon manchmal total unwirklich wie schnell das erste Babyjahr vergeht. Und wie rasant die Entwicklung verläuft, Wahnsinn!
Alles Liebe zum Geburtstag.

Antworten
Ella 26. März 2018 - 22:39

So schöne Worte, ich bin ganz gerührt! Alles Liebe zum Geburtstag eurer Tochter!

Antworten
Insa 26. März 2018 - 22:23

So schön geschrieben! Herzlichen Glückwunsch auch an Euch beiden Eltern zu Eurem vierten Wunder! Alles Liebe, Insa <3

Antworten

Kommentieren