Rollkoffer, Spielzeug, Reisekoffer

Lieblingsspielzeug Rollkoffer

von Christian

Verehrte Helikoptereltern, ich habe ab gerade Verständnis für euch alle. Hier lebt nämlich ein Kleinkind, das ein neues Lieblingsspielzeug hat. Es ist ein schwarzer, stinklangweiliger Rollkoffer. Und ich habe Angst. Denn sie lässt ihn seit Stunden nicht mehr los und zieht in überall hin mit durch die Wohnung. Ich ahne, warum verzweifelte Eltern den Klositz ihres Kindes anwärmen am Morgen…

Niemand weiß, woher diese Kofferliebe kommt. Sie fummelt minutenlang in aller Ruhe die Reißverschlüsse auf und zu. Schiebt den Henkel oben rein und raus. Wieder und wieder. Guckt sich den Koffer von allen Seiten an. Und zieht ihn dann ein Stückchen hinter sich her zum nächsten Point of Interest. Das geht jetzt schon den ganzen Abend so.

Ich habe versucht, ich Narr, ihr den Koffer abzunehmen, damit sie in die Badewanne gehen kann. Der kreischende Aufschrei dürfte sämtliche Nachbarn über, unter und neben uns vom Sofa gerissen haben. Nein, wirklich, nix passiert. Ich wollte ihr nur sanft den Koffer aus der Hand nehmen. Die kurzfristige Lösung war dann: Koffer neben der Badewanne parken, damit sich die Kleine mit einer Hand daran festhalten kann, während wir Eltern sie kurz gemeinsam waschen. Dann ein erneuter unerträglich schriller Aufschrei, weil es wieder aus der Wanne rausgeht hinein in den Bademantel. Dann wieder Koffer. Und Ruhe. Kofferruhe.

Keine Touristin, sondern echte Berlinerin

Wir einigen uns dann drauf, dass sie den Koffer zum Anziehen des Langarmbodys mitnimmt, was erstaunlich gut klappt. Ihren Schlafsack kann ich ihr leider aktuell nicht anziehen, weil sie noch mit Kofferrumfahren beschäftigt ist. Nun, es könnte wohl ein langer Abend werden. Aber solange niemand den Koffer anfasst außer dem kleinen Mädchen, ist alles entspannt. Aber wehe, Anja oder ich deuten an, das jetzt die Kofferspielzeit vorbei sein könnte. Aufschrei, naja, wir lassen das jetzt lieber erstmal.

Irgendwann wird sie mit dem Koffer in der Hand schon einschlafen, denke ich mir. Ich habe allerdings etwas Respekt vor morgen, wenn wir rausgehen zum Spielplatz und Brötchen holen. Mit Rollkoffer sieht das bestimmt doof aus. Es könnte peinlich werden. Wir wohnen ja in Prenzlauer Berg. Immerhin mag ich keinen Latte macchiato. Und sitze nicht auf der Bordsteinkante. Ich mag Galao. Und sitze gerne auf einem Stuhl. Ich bin übrigens der neben dem kleinen Mädchen mit dem schwarzen Rollkoffer. Sie ist keine Touristin, sondern echte Berlinerin. Nur ein Kleinkind mit einem neuen Lieblingsspielzeug.

Übrigens: Wer über unsere wirklichen Lieblingsspielzeuge lesen will, schaut hier vorbei

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3 Kommentare

Petra 9. Oktober 2018 - 10:16

Oha, ich sollte schnell den Koffer verschwinden lassen, der bei uns in der Wohnung steht und der auch manchmal gerne herum gefahren wird. Unser Krümel ist ja nur ein bisschen jünger 😀

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Doro 9. Oktober 2018 - 09:58

Galao. Ich musste erstmal googeln was das ist. Ich muss unbedingt mal als Touristin nach Berlin und mich durch die Hipstercafés probieren.

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Julia 8. Oktober 2018 - 10:41

Unser 2jähriger hatte heuer auch wochenlang nach dem Urlaub seinen Rollkoffer (allerdings einer für Kinder) überall mit. In der Krabbelstube, beim Abholen der großen Brüder in der Schule, beim Einkaufen, beim Friseur… Ich fand das voll süß, wenn auch etwas umständlich. Aber ich denke so hat er sich das Urlaunsfeeling ein bisschen mitgenommen!

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