Mama, Papa

„Mama!? Mama!? Paaaapaaaa?!“

von Christian

„Mama!? Mama!? Paaaapaaaa?!“ Jeden Tag hören wir diese beiden Worte, viele Male. Manchmal sind wir genervt davon. Aber warum eigentlich? Die Kids wollen doch nur etwas. Und sie fragen jene Menschen, denen sie aktuell noch am meisten vertrauen: ihre Eltern. Eigentlich ist das ja ein ziemliches Kompliment. Allerdings eben auch immer wieder mal eines, für das Eltern ihre ganzen Nerven brauchen, um es zu würdigen.

Ich habe mir beim Schreiben dieses Textes mal wieder vorgenommen, einfach einen Tag lang zu zählen, wie oft „Mama“ und „Papa“ gerufen werden. Das erste Mal gärte dieser Versuch bereits vor Monaten im Sommerurlaub. Aber da gab ich schnell auf, irgendwann nach dem Frühstück. Ich hatte nichts, wo ich sinnvoll den Stand hätte notieren können. Und vermutlich wäre selbst das längste Stück Ostseetreibholz bereits mittags vollgeschnitzt gewesen mit „Mama/Papa“-Kerben. Und sowieso, da war ja auch Urlaub! Wer will sich da ernsthaft mit so einem Unfug beschäftigen.

„Mama/Papa“-Frequenz wird automatisch geringer

Und auch jetzt wird mir beim Schreiben dieser kleinen Anekdote schnell wieder klar, dass die aus dem Experiment zu extrahierende Statistik keine sinnvoll verwertbaren Zahlen oder gar Erkenntnisse liefern würde. Jedenfalls ganz sicher nichts, was ich nicht ohnehin schon wissen würde. „Mama“ und „Papa“ rufen Kinder nicht, weil sie nerven wollen, sondern weil sie etwas brauchen. Einen Rat. Ein Glas Wasser am Abend. Eine Wärmflasche. Hilfe bei Mathe oder Vokabeln. Jemanden, der den Monsterknoten aufkriegt oder die Haare in der Wanne wäscht. Oder jemanden, der die neusten Balancierkünste bewundert.

Mal ist es dringend. Mal wirkt es nur dringend. Und gelegentlich wird es auch einfach mal aus Langeweile genutzt. Es sind Rufe nach 1001 Aufgaben, von denen die Kinder nach und nach welche selbst übernehmen, während wieder neue hinzukommen. Es ist quasi eine Neverending Story. Und das ist toll, denn es bedeutet, dass die Kinder Teil unseres Lebens bleiben. Natürlich werden sie immer selbstständiger, je älter sie werden. Und damit wird die „Mama/Papa“-Frequenz automatisch immer geringer.

Und es kommt sicherlich irgendwann der Punkt, an dem wir uns als Eltern wünschen, dass mal wieder eines der Kinder „Mama“ oder „Papa“ ruft. Am liebsten natürlich, ohne das sie dann ein schlimmes Problem haben. Darum rede ich Anja auch immer gut zu, wenn sie sich fragt, ob sie mal ihre „Mamaaaaa“ wegen dieser oder jener kleiner Fragen und Sorgen anrufen soll. Soll sie machen, denn meine Schwiegermama freut sich bestimmt auch heute noch über ein „Mama, kann ich Dich mal was fragen?“. Und so sollte man doch eigentlich versuchen, jedes „Mama!? Mama!? Paaaapaaaa?!“ wahrzunehmen. Nicht als verbale Attacke, sondern als verbalen Ausdruck von Zuneigung und Vertrauen.

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