Ostholland, Twente, Fahrrad, Feldrand

Wir unterwegs: Mit dem Fahrrad in Ostholland

von Christian

(Werbung / Pressereise) Von Berlin nach Holland, das klingt ganz schön weit, weil man ja einmal quer durch Deutschland muss. Doch seit unserem Besuch im Efteling-Park wissen wir, dass man mit der Bahn in unter viereinhalb Stunden dort ist. Und es gibt sogar eine Bahnverbindung aus Berlin, bei der man nicht mal umsteigen muss, was wir als Eltern von vier Kindern und mit entsprechend viel Gepäck besonders zu schätzen wissen.

Darum haben wir auch gerne die Einladung angenommen, uns das „andere Holland“ an einem Wochenende anzuschauen. Anders meint eigentlich nur die Region Twente in Ostholland. Was eben direkt hinter der deutschen Grenze liegt. Ausgestiegen sind wir in Hengelo, knapp 15 Kilometer hinter der deutschen Grenze. Von dort geht es im vorbestellten Großraumtaxi weiter zur Unterkunft. Der Villapark Eureka liegt knapp zehn Kilometer vom Bahnhof entfernt, so dass wir nach kurzer Fahrt dort ankommen.

Der Ferienpark besteht aus 55 Häusern unterschiedlicher Größe, wobei wir in einer Familienvilla Wellness Superior eingezogen sind – einem Haus für eigentlich zehn bis zwölf Personen. Diese großen Ferienhäuser bieten sich also auch für einen Urlaub mit der erweiterten Familie oder Freunden an. In dem dreigeschossigen Haus gab es fünf Schlafzimmer mit Doppelbetten, eine Sauna und zwei Bäder. Und rundherum viele Bäume und Natur, die geschickt die zwangsläufig immer etwas enge Bebauung eines solchen Parks verstecken. In den Kiefern stromern reichlich Eichhörnchen rum, die uns auch auf der Terrasse besuchen zur Freunde der Kinder.

Gut ausgebautes Radwegesystem

Wir erkunden den Park und finden überall kleine Outdoor-Spielplätze und einen großen, überdachten Retro-Spielplatz direkt beim Rezeptionshaus. Dort drinnen gibt es auch einen kompletten Indoor-Spielplatz mit Bällebad und unterhaltsamen altholländischen Spielgeräten. Draußen wartet eine Minigolfanlage auf Spieler und mehrere Trampoline auf hüpfende Kinder. Es gibt eine kleine eingezäunte Wiese mit Ziegen und Hasen zum Streicheln. Auch Tischtennis, Volleyball und Fußball kann im Ferienpark gespielt werden. An der Rezeption bekommen müde Eltern einen Kaffee oder Tee und können sich in Massagesesseln ein bisschen durchkneten lassen, während die Kinder die Spieloptionen nutzen.

Im Park kann man auch Fahrräder leihen, mit denen wir uns die nächsten Tage hier fortbewegen wollen. Am Morgen sind schnell Räder nebst passendem Kindersitz für uns Eltern und Rädern für die großen Töchter gefunden. Nur beim Sohn ist es etwas schwieriger, obwohl die Auswahl an Kinderrädern wirklich groß ist. Er hat gerade so eine Zwischengröße und ist für die eher kleinen Kinderräder schon zu groß, aber für die größeren waren die Arme irgendwie nicht lang genug. Schließlich finden wir ein Rad, dass ganz okay passt und unsere kleine Tour kann beginnen.

Durch das gut ausgebaute Radwegesystem und die fast durchgängig platte Landschaft lässt es sich hier auch mit einer größeren Gruppe Kinder prima radeln. Eigenartig ist, dass man in Holland mit einem (von uns mitgebrachten) Fahrradhelm ziemlich auffällt. Weder Erwachsene noch Kinder tragen Helme. Auch nicht das Kleinkind im Fahrradsitz auf dem E-Bike. Selbst auf Motorrollern sieht man nur selten Menschen mit Helmen herumdüsen. Im Gespräch mit einer Holländerin wird uns dieser Eindruck bestätigt. Sie erzählt, dass es sich derzeit schon ein bisschen wandelt und mehr Eltern ihren Kindern Helme aufsetzen. Da es aber so unüblich ist, sei es spätestens ab der Schule schon wieder vorbei mit den Helmen.

Kletterpark mitten im Wald

Heute ist unser erstes Ausflugsziel der Kletterpark Avatarz, der nur wenige Kilometer vom Ferienpark entfernt liegt. Klettern dürfen Kinder ab sechs Jahren, aber man kann dort auch sehr schön in der Natur spazieren gehen, den Kleinkindkletterpfad erkunden oder eine Runde mit der Spielplatzeilbahn fahren. So ist es für Anja und die kleinste Tochter nicht langweilig, während ich mich mit den drei großen Kindern die Kletteranlage entlang hangele. Die liegt wunderschön mitten im Wald und hat auf dem Einsteigerkurs eine durchlaufende Sicherung, so dass sich der Sechsjährige nicht die ganze mit Karabinern ein- und ausklinken muss. Nur auf dem anspruchsvolleren Kurs ist das gelegentlich nötig. Nach dem Klettern verdrücken wir noch schnell einen Sandwich-Snack und wollen dann weiter.

Vom Kletterpark soll es nämlich zu einem weiteren Ausflusgziel gehen, aber nach dem ausgiebigen Gekletter machen Arme und Schultern des Sohnes auf halber Strecke schlapp. Das doch letztlich etwas zu große Fahrrad fordert seinen Tribut und so müssen wir sein und unsere Räder größere Strecken schieben. Das findet das Babymädchen im Fahrradsitz aber leider total blöd, weshalb wir dann kurzerhand zurück zum Ferienpark radeln bzw. schiebend laufen. Da es im Ferienpark so viel zu entdecken und erleben gibt, sind die Kinder sehr einverstanden mit der spontane Entscheidung.

Das Problem mit dem zu großen Rad lösen wir für den nächsten Tag, indem wir einen weiteren Fahrradsitz auf das andere Erwachsenenrad montieren. Der Sohn freut sich, so auch noch mal in den Genuss des Mitfahrens auf dem Rad zu kommen. Und ich betrachtet das sportlich als zusätzliches Workout. Wer längere Radtouren für seinen Hollandaufenthalt plant, sollte sich tatsächlich bei den Kinderrädern vorab erkundigen, welche Größen vorhanden sind oder vielleicht auch gleich das eigene Kinderfahrrad mitnehmen. Ein Fahrradanhänger wäre auch noch eine Option gewesen, diesen gibt es aber leider nicht im Ferienpark. Dafür ist die Auswahl an E-Bikes, Tandems und normalen Rädern wirklich groß.

Lieferbrötchen und Croissants an der Türklinke

Für den Abend kommen wir den luxuriösen Genuss, einen Catering-Service ausprobieren zu dürfen, der den Park auf Wunsch beliefert. Wer jetzt an Pizzakartons denkt, liegt ganz falsch. Pünktlich zur angekündigten Zeit kommt ein sehr netter junger Mann von R & R Catering, der zahlreiche Schüsseln, Schälchen und Warmhaltebehältnisse aus dem Auto räumt und auf unserem großen Esstisch aufbaut. Das gelieferte vegetarisch-vegane Menu ist sehr umfangreich. Es gibt vegane Burger, Reis, Pilze, diverse Salate, frisches Obst und leckeren Nachtisch. Das große Mahl lässt uns alle pappsatt in die Sessel und Betten rutschen.

Zum Glück müssen wir nichts wegräumen und abwaschen (eine Spülmaschine gibt es im Haus auch), ein echtes Geschenk für uns Eltern, die im Alltag ja immer kochen müssen. Müde von der vielen frischen Luft und der Fahrrad-Kletter-Tour verschwinden die Kids zeitig ins Bett. Anja und ich schaffen sogar noch je einen Saunagang, während der jeweils andere das Baby schuckelt.

Der nächste Morgen beginnt mit frischen Lieferbrötchen und Croissants an der Türklinke. Wir frühstücken und fahren los zum Busbahnhof in Oldenzaal. Der ist knapp sechs Kilometer entfernt, aber die Strecke zieht sich und das Baby reklamiert unterwegs eine Still- und Fahrradsitzpause. Wir wollen vom Busbahnhof weiter nach Denekamp ins Naturkunde- und Landschaftsmuseum Natura Docet Wonderryck Twente fahren, verpassen den auf die Minute pünktlichen Bus aber knapp. Also eine komplette Stunde warten. Die großen Töchter haben darauf keine Lust und wollen die verblieben Kilometer lieber selbst radeln. Eigentlich geht es nur geradeaus, also lassen wir sie fahren. Wir nicht ganz sicher, aber so ist das mit den Wurzeln und Flügeln. Loslassen können gehört zum Elternsein auch dazu – und sie haben ihre Handys dabei.

Alle ausnahmslos freundlich

Wir warten mit den beiden Kleinen auf den nächsten Bus und als wir nach der kurzen Fahrt im Museum ankommen, werden wir von der freundlichen Yolanda begrüßt, die dort gemeinsam mit ihrem Sohn seit kurzen ein feines Museumscafé betreibt. Leider stellt sich heraus, dass die Mädchen nicht dort sind und sie irgendwo unterwegs innerorts verfahren haben. Nun sind sie ziemlich erschöpft, weil es sehr sonnig und damit ziemlich heiß geworden ist.

Wir schlechten „Rabeneltern“ hätten vielleicht doch darauf bestehen sollen, dass sie warten und gleich mit uns mitkommen. Aber man muss sie ja auch Dinge ausprobieren lassen, das gilt für kleinere Kinder ebenso wie für Teenager. Wir überlegen, was wir jetzt machen und wollen sie per telefonischer Ferndiagnose auf den richtigen Weg lotsen. Yolanda bekommt das mit und bietet spontan sofort an, die Mädels mit dem Auto einzusammeln.

Wir sind sehr dankbar für diese unkomplizierte Lösung und danken ihr. Sie sagt nur: „Ach wir Eltern müssen uns doch gegenseitig helfen. Ich habe drei Kinder, ich weiß, wie ihr euch fühlt. Man muss die Kinder machen lassen, auch wenn es dann manchmal nicht klappt.“ Wie recht sie hat. So schön und so einfach kann es manchmal sein. Die zwischenmenschlichen Begegnungen hier in Holland waren ohnehin alle ausnahmslos freundlich und entspannt. Vielleicht ist das die Urlaubsblase, vielleicht ist es aber einfach wirklich ein bisschen entspannter, wenn man sich einfach hilft statt Menschen in einer ohnehin schon verfahrenen Situation zu verurteilen.

Vorbei an weiten Feldern

Wieder vereint genießen wir im Museumsgarten ein superleckeres Mittagessen. Wir trinken noch einen Kaffee, während die Kleineren am Bachlauf im Garten spielen. Draußen findet heute eine kleine Ausstellung mit Wollschafen und alten Spinn-, Strick und Filzmethoden statt. Außerdem kann man Bilder malen oder mit dem Seit über den Bachlauf schwingen. Im Museum schauen wir uns die teils interaktive Ausstellung und spannende an und nehmen dann den Bus zurück nach Oldenzaal. Auf dem Rückweg zum Ferienhauspark radeln wir eine andere Strecke durch den Wald, vorbei an weiten Feldern ohne viel Verkehr auf den Nebenstraßen. Das genießen alle sehr, wir sind ja leider das hektische Fahrradfahren in Berlin gewohnt.

Ich bin dann nachmittags noch schnell mit der großen Tochter zum nächsten Supermarkt geradelt, eine nette Tour von drei Kilometern. Allerdings haben wir etwas zu viel eingekauft. Und dann zum Glück zufällig einen Mann getroffen, der uns aus dem Park erkannte und anbot, die Einkäufe kurz in seinem Auto mitzunehmen und später beim Haus vorbeizubringen. Wie nett, wir sagen sofort ja. Als er später die Einkäufe zum Haus bringt, stellt sich heraus, dass er der Besitzer des Parks ist. Wie toll, wenn Menschen nicht abgehoben sind, sondern stattdessen einfach hilfsbereit.

Im Ferienhaus kann man natürlich selbst hervorragend kochen, es ist sehr gut und komplett ausgestattet. Ein Abendessen haben wir uns aber erradelt und sind ins Pan gefahren. Das ist ein offensichtlich sehr beliebtes und damit eher lauteres All-You-Can-Eat-Restaurant, in dem es unterschiedliche Speisestile mit deutlich asiatischem Einschlag gibt. Es ist aber für alle etwas dabei und auch das vegetarische Angebot passt. Eigentlich kann man sich das Essen per Tablet am Tisch zusammenklicken, bestellen und dann abholen, was aber primär für gegrilltes Fleisch und Fisch gilt. Die Kids kümmert das wenig. Sie genießen Gurken-Sushi ohne Ende, Pancakes bis zum Umfallen und düsen draußen auf dem Restaurant-Spielplatz rum. Nach dem eher trubeligen Abendessen radeln wir im Sonnenuntergang über die leeren und weiten Feldwege zurück zu unserem Häuschen. Herrlich hier.

Blogleserin rettet im Chaos

Unsere Zeit in Holland verfliegt trotz der eher gemütlichen Fortbewegung wie im Fluge. Ebenso schnell soll es dann wieder in knapp 4,5 Stunden nach Berlin zurück gehen. Alle einschließlich Anja haben sich ein Hörbuch herunter geladen und die Kleinste ist am Bahnhof in Hengelo kurz vor der Abfahrt in der Trage eingeschlafen. Das Abteil ist reserviert. Beste Voraussetzungen für eine entspannte Rückfahrt also. Leider kommen wir nur bis Bad Bentheim, die nächste Station direkt hinter der Grenze. Da es dort keine deutsche Trieblok und kein deutsches Zugpersonal gibt, endet unsere Fahrt hier und der Zug fährt mit dem holländischen Personal und der holländischen Lok zurück nach Amsterdam. Und wir stehen zusammen mit vielen anderen ausgestiegenen Gästen am Provinzbahnhof und wissen auch nicht so richtig weiter.

Es soll eine Regionalbahn nach Osnabrück geben und von dort aus dann einen IC nach Berlin. Allerdings ohne Reservierungen, was generell, aber besonders mit vier Kindern im Gepäck keine besonders erquickende Aussicht ist. Gerade als Anja zu mir sagt: „Vielleicht verliere ich gleich ein bisschen die Nerven“… oder jedenfalls so ähnlich, spricht uns eine freundlich lächelnde Frau an und fragt ob wir die Von guten Eltern sind. Gerade sind wir wohl eher von gestressten Eltern, die noch nicht so genau wissen, wie es jetzt weiter geht.

Doch gemeinsam mit der netten Blogleserin, die selbst auch auf dem Heimweg zu ihrem Stillkind unfreiwillig gestrandet ist, finden wir eine Route. Einziger Haken sind die drei Minuten Umsteigezeit. Doch mit ihrer Hilfe finden wir nicht nur Sitzplätze in der Regionalbahn nach Osnabrück, sondern schaffen auch den Sprint zum anderen Zug, da sie uns einen der Koffer abnimmt. So kann Anja mit dem Tragekind schneller laufen. Und wir finden im IC sogar noch ein paar Plätze in einem Abteil mit netten Mitfahrern. Am Ende sind wir dann nur eine gute Stunde später als geplant in Berlin. Und das mit dem guten Gefühl, dass man die netten und hilfsbereiten Menschen nicht nur in Holland in seiner Urlaubsblase, sondern überall treffen kann.

Vielen Dank an Visit Twente für die Einladung zu dieser Pressereise. Die Unterkunft und Zugang zu den Aktivitäten wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Bewertungen und Meinungen in diesem Artikel spiegeln unsere persönliche Meinung wider. Wer mehr über unseren Umgang mit Werbung, Sponsored Postings und unsere inhaltliche Unabhängigkeit lesen will, schaut hier vorbei.

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