Willkommen, Kids, Respekt, respektierte, Kindheit

Filmprojekt: „Die respektierte Kindheit“

von Alexandra Jahnz

(Werbung / Crowdfunding) Die Kritik zum Film Elternschule reißt nicht ab. Aber etwas zu kritisieren ist das eine, sinnvolle Alternativen aufzeigen das andere. Von vielen Menschen habe ich in der letzten Zeit gehört und gelesen, dass sie sich einen Film wünschen, der zeigt, wie es anders gehen kann. Schon vor knapp zwei Wochen auf dem Attachment Parenting-Kongress in Hamburg bekam ich eine Mail von Melanie, die genau dieses Projekt angehen möchte. Zusammen mit anderen wurde in den letzten Wochen viel geplant und Pläne konkretisiert. Auch Alexandra, die hier ja schon einen Gastbeitrag zur Elternschule schrieb, ist mittlerweile Teil eines Projektteams, das den Film mit dem Arbeitstitel „Die respektierte Kindheit“ realisieren will. Mehr dazu erzählt sie euch selbst:

Letzte Woche habe ich mit euch meine Gefühle und Gedanken über die „Dokumentation“ namens „Elternschule“ geteilt. Auch danach haben mich das Thema und die Diskussion, die dadurch entstanden ist, einfach nicht mehr losgelassen. Vielen von euch ging und geht es ganz ähnlich, denn Gewalt hat bei dem Umgang mit Kindern – ob krank oder gesund – einfach nichts zu suchen!

Sarah von Lotte & Lieke hat hier sehr lesenswert über ihren Einblick als ehemalige Angestellte der besagten Klinik geschrieben. Susanne von Geborgen Wachsen hat zusammen mit einigen anderen einen wunderbaren Kurzfilm gedreht und ihre klugen Gedanken noch einmal in Worte gefasst.

Doch „Elternschule“ hat nicht nur für Empörung gesorgt. Er hat auch erschreckend viele Unterstützer der Klinik bzw. der im Film gezeigten Methoden auf den Plan gerufen. Bei vielen, vielen Kommentaren musste ich schwer schlucken und konnte es kaum fassen, dass sogar einige Kindergarteneinrichtungen den Film empfehlen!

Ein Mann, zwei Gesichter?

Isabel von mamapsychologie hatte die Chance, Dietmar Langer nach der Kinovorführung persönlich zu sprechen. Sie teilte ihre sehr interessanten Eindrücke in ihrer Instastory. Scheinbar fühlt Herr Langer sich und seine Klinik durch die Dokumentation in ein falsches Licht gerückt. Viele Kürzungen hätten ein verzerrtes Bild von seiner Arbeit gezeichnet. Es gäbe durchaus auch Therapiestunden mit den Eltern und sein Konzept sei nur für kranke Kinder gedacht. Zudem würde er das Festhalten der Kinder nicht als Gewalt sehen, da es nicht aus Wut heraus geschehe, sondern sieht es als „Halt geben“. Auch vom Titel der Dokumentation wolle er sich distanzieren. Es handle sich bei dem Gezeigten um eine Therapie und nicht um ein Erziehungskonzept.

Es ist anhand der mir zur Verfügung stehenden Informationen nicht möglich, ein abschließendes Urteil darüber zu fällen, ob dies alles wirklich stimmt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Filmemacher vieles aus dem Zusammenhang gerissen und wichtige Szenen der Dramaturgie zuliebe herausgekürzt haben. Über diese zumindest vermutete Manipulation des Zuschauers hatte ich ja in meinem Kommentar bereits geschrieben.

Die meisten Aussagen von Dietmar Langer kaufe ich ihm persönlich nicht ab. Dazu habe ich im Zuge meiner Recherchen zu viel über seine Lehren und Konzepte gelesen. Ich verweise an dieser Stelle bewusst nicht noch einmal die entsprechenden Seiten. Im Grunde kommt es nicht darauf an, ob er hinter der Botschaft des Filmes steht oder nicht. Oder ob er nur zurückrudert, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen oder einfach falsch dargestellt wurde.

Verantwortung übernehmen

Am Ende steht er aber aus meiner Sicht ganz eindeutig in der Verantwortung. Als Leiter der Klinik und „Hauptakteur“ des Dokumentation hätte er den Film in seiner aktuellen Fassung nie absegnen dürfen. Auch hätte er darauf bestehen können, einen anderen Titel zu finden. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass er darauf keinerlei Einfluss gehabt haben soll.

Selbst wenn ihm erst bei der Premiere und der Reaktionen der Zuschauer klar wurde, welche Wirkung die Bilder tatsächlich haben, wäre doch der erste Schritt der in die Öffentlichkeit gewesen. Um dort proaktiv klarzustellen, dass „Elternschule“ nicht die Realität widerspiegelt. Er hätte sagen können, dass keinesfalls alle Kinder von dieser Art der Behandlung profitieren. Dass es sich hier um die Therapie von erkrankten Kindern und ihren Familien am Ende der Kräfte handelt – wobei ich die gezeigten Szenen trotzdem als Gewalt an Kindern und Überschreitung ihrer Rechte ansehe! Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. hat sich ebenfalls ausführlich dazu geäußert.

„Fest steht, dass der Film eine gefährliche Botschaft sendet“

Dass es „positive“ Erfahrungsberichte betroffener Eltern gibt, lässt sich übrigens auch einfach erklären. Die Familien, die sich an diese Klinik wenden, sind am Ende ihrer Möglichkeiten. Sie greifen dort nach dem für sie sich letzten bietenden Strohhalm, bevor das Kind „ins Heim gegeben“ werden muss. Und die „Behandlung“ der Kinder ist ja in gewisser Hinsicht effektiv, wenn man den Blick allein auf die Verhaltensmodifikation richtet.

Die Kinder unterwerfen sich dem Druck und Zwang, dem sie ausgeliefert sind. Nicht die ursächlichen Probleme werden behandelt, sondern reine, gewaltbesetzte „Verhaltenstherapie“ betrieben. Der Leidensdruck seitens der Eltern mag dadurch zeitweise sinken, doch was mit den Kinderseelen geschieht, ist schlicht ungewiss.

Fest steht, dass der Film eine gefährliche Botschaft sendet: Das strategisch handelnde Kind darf und muss mit Druck und Gewalt erzogen werden. Eltern mit herausfordernden Kindern sind gut beraten, am besten von Anfang an präventiv gegen „aufmüpfiges“ Verhalten vorzugehen. Jedes Kind, jede Familie profitiert davon.

Aufklärung! Information! Vorbilder!

Gemeinsam stark! So könnt ihr uns unterstützen! Ich meine: „Den Film zu stoppen, den Kinderschutzbund ins Boot zu holen, es ist ein Anfang. Wichtig ist jedoch auch, den Hilfesuchenden die Alternativen zu zeigen. Es braucht Kinderärzte, Psychologen und Psychosomatiker, denen eine Plattform gegeben wird. Damit sie Aufklärung leisten und eine Anlaufstelle für Eltern am Limit bieten können.“

Viele von euch hatten die Idee, einen weiteren Film zu drehen. Einen Film, der mit den falschen Informationen aufräumt. Einen Film, der die Alternativen zeigt. Der Wissenschaftler und Familien zeigt, die beweisen, dass es einen liebevollen Weg gibt Kinder beim Aufwachsen zu begleiten und zu unterstützen. Dass Gewaltanwendung verboten und gefährlich ist. Und dass die Begegnung mit dem Kind auf Augenhöhe und mit Respekt wichtig und effektiv ist – auch und besonders bei Kindern, die krank oder mit besonders starken Bedürfnissen ausgestattet sind.

Nun, ich will euch sagen: Wir produzieren diesen Film. Seit ein paar Tagen darf ich der „vierte Kopf“ eines großartigen Teams sein. Unser gemeinsames Projekt ist die Dokumentation mit dem Arbeitstitel: „Die respektierte Kindheit“. Was genau wir im Sinn haben, wer dahintersteckt und wie ihr uns unterstützen könnt, könnt ihr auf folgender Seite erfahren.

Passend zum Thema

Kommentieren