Weltstillwoche, Stillkritik

Stillen ist Liebe. Stillen ist Stillen. Stillen ist bunt!

von Alexandra Jahnz

Heute gibt es einen Gastbeitrag mit den Gedanken von Alexandra Jahnz zu einem kritischen Artikel zur Weltstillwoche. Alexandra ist Medizinstudentin und Mutter, sie bloggt hier und ist auch auf Instagram zu finden. Ihre persönliche Stillgeschichte wird demnächst auch noch in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ zu lesen sein.

Seit 1991 findet sie statt, die Weltstillwoche. Eine Kampagne, die gemeinsam von großen Organisationen wie der World Alliance for Breastfeeding Action, der WHO und UNICEF organisiert wird. Letze Woche war es wieder so weit, unter dem Motto: „Stillen – Basis für das Leben“.

Gerade in den sozialen Medien haben viele Nutzer das Thema aufgegriffen. Viele Bilder und Beiträge wurden geteilt und wer auf Instagram unterwegs war, konnte z.B. unter dem Hashtag #stillenistliebe mit 20.300 Treffern mehr als nur fündig werden. 1500 weitere Postings wurden mit dem Hashtag #weltstillwoche markiert, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Stillen zu lenken. Stillen gibt es in vielen Farben und Formen, Stillen ist normal und Stillen sollte kein Tabuthema sein. So lautet die Botschaft.

Leider scheint diese Botschaft oder die Art und Weise, wie sie verbreitet wird, einigen sauer aufzustoßen. Zu diesen Menschen gehört Mareice Kaiser, Bloggerin (übrigens bin ich treue Leserin) und Autorin des Artikels: Stillen ist Liebe? Stillen ist Stillen!

Stillen verantwortlich für „Marginalisierung der Familienkonzepte“?

Sie stellt den „Hype“ um das Stillen an den Pranger, macht das Stillen verantwortlich für die „Marginalisierung der Familienkonzepte“ und „Zementierung der Geschlechterklischees“. Jeder darf natürlich seine Meinung haben und gerade das Thema Stillen/Nichtstillen bringt großes emotionales Konfliktpotential mit sich. Mareice Kaiser sagt, dass sie traurig und wütend ist. Beim Lesen ihres Artikels wird das auch ganz deutlich.

Ich kann sie gut verstehen. Wer ihren Blog verfolgt bzw. die Einleitung ihres Beitrags liest, weiß, dass sie selbst sehr einschneidende und schlimme Erfahrungen machen musste. Sie musste Sorgen und Ängste durchstehen, hat große Erschöpfung erlebt. Sie hat sich unter Druck gesetzt gefühlt und sich als Mutter selbst Druck gemacht. Nicht zuletzt des Stillens wegen. Ihre Stillgeschichte ist eindeutig eine voller Anstrengung, Müdigkeit und Frust. Ich hätte es ihr von Herzen anders gewünscht!

Das Stillen an sich und seine Unterstützer deshalb so zu verurteilen, finde ich dennoch nicht richtig. Daher möchte ich nun Mareices Kernaussagen genauer betrachten.

„Eine gute Mutter stillt“

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Dass Muttermilch das gesundheitlich Beste für das Baby ist, wurde durch viele Studien belegt. Nicht umsonst lautet die seit 2003 unveränderte Empfehlung der WHO: Vollstillen bis mindestens zum sechsten Lebensmonat, Stillen nach Bedarf bis mindestens zum zweiten Lebensjahr. Es sei hier noch einmal betont: Es handelt sich dabei um wissenschaftlich fundierte, auf die Gesundheit und Ernährung bezogene Empfehlungen. Kein Muss, kein Zwang. Nur die Möglichkeit jenen, die Rat und Informationen suchen, eben beides zu geben.

Daher ist es aus meiner Sicht auch in Ordnung, jeder frisch gebackenen Mutter zumindest einmal das Stillen nahe zu legen und sie über die Vorteile des Stillens aufzuklären. Besonders bei kranken oder zu früh geborenen Babys. Es versteht sich von selbst, dass es dennoch jeder Frau freistehen sollte, die Brust oder die Flasche zu geben. An dieser Stelle übt die Autorin jedoch Kritik aus. Sie persönlich fühlte sich genötigt, zu Stillen bzw. Abzupumpen. Mareice erzählt, dass sie von den Krankenschwestern „angeschnauzt“ wurde, sich nicht ausruhen konnte und als nichtstillende Mutter „vermutlich gekreuzigt worden“ wäre.

Hier stehen wir wohl alle voll auf ihrer Seite. Keine Mutter sollte so behandelt werden. Es ist schlichtweg falsch, Frauen auf diese Art zum Stillen zu bewegen oder ihr Bedürfnis nach Ruhe und Erholung nach der Geburt klein zu reden. Dennoch: Es bleibt eine persönliche Erfahrung. Und es ist vorschnell, aufgrund dieser auf den Rest oder große Teile der Gesellschaft zu schließen. Und dann gar einen Bogen zum Nationalsozialismus zu ziehen. Das Zitieren eines einzelnen Buches macht ihre Aussage auch nicht repräsentativer. Im Gegenteil liest sich ihr Artikel wie eine Zusammenfassung eben dieses Buches:

Nichts davon geht mit dem Kind an der Brust verloren

Diese kritische Kulturgeschichte macht anschaulich, wie das Stillen von der Antike bis in unsere unmittelbare Gegenwart von religiösen, politischen, ökonomischen und vor allem pädagogischen Interessen überlagert war, wie es im Zuge der Aufklärung von moralpädagogischen Erziehungsdoktrinen besetzt wurde und wie es in der Moderne und Postmoderne des 20. und 21. Jahrhunderts auch von politischen oder von feministischen Ideologien okkupiert worden ist. Immer wieder wurde gerade über die Art und Weise der frühkindlichen Ernährung das Idealbild der Frau und Mutter konstruiert, und der Streit über Brust oder Flasche entzündete sich nicht (nur) an der Alternative von mütterlicher Zuneigung und Liebe bzw. mütterlicher Gleichgültigkeit und Egoismus, sondern fokussiert(e) sich letztlich auf die Frage nach der richtigen Erziehung des Kleinkindes.

Es ist in Ordnung, seine persönliche Meinung und Gefühle auszudrücken. Weniger in Ordnung ist es, diese Meinung als allgemeingültig publik zu machen. Ohne belastbare Recherche, Zahlen oder belegende Verweise. Zumal die Autorin selbst sagt: Stillen ist Stillen. Nicht Feminismus. Nicht Nationalsozialismus.

Sich für das Stillen zu entscheiden, bedeutet auch nicht, mundtot gemacht zu werden oder seine feministischen Ansprüche über Bord zu werfen. Gleichberechtigung, Menschenwürde, Selbstbestimmung – nichts davon geht mit dem Kind an der Brust verloren. Der Frauenkörper ist nun mal in der Lage, Milch zu spenden. Diese Möglichkeit zu nutzen, heißt doch nicht gleich die Aufgabe der Gleichberechtigung. Weder in der Gesellschaft, noch in der Partnerschaft.

„Abschied von der Gleichberechtigung“

„Stillen manifestiert nicht-gleichberechtigte Partner*innenschaft“ und „Vorprogrammiert ist damit vor allem die ungleiche Verteilung von familiärer Sorgearbeit“.

Zwei Aussagen von Mareice, denen ich vehement widersprechen möchte. Die „Arbeit am Kind“ ist viel mehr als Stillen. Der Partner – welchen Geschlechts auch immer – kann trotzdem wickeln, tragen, kuscheln, spazieren fahren oder die Flasche abgepumpte oder angerührte Milch geben. Er kann morgens mit den Kindern aufstehen, nachts mit dem Baby auf dem Arm durch die Wohnung tigern, während die Mutter im Bett liegen bleibt. Auch die allgemeine Aufgabenverteilung innerhalb der Partnerschaft steht und fällt nicht mit der Entscheidung: Stillen oder Flasche. Ein Kind zu bekommen ist immer eine große Herausforderung für ein Paar. Ob es diesem gelingt, die anfallenden Verpflichtungen „gerecht“ zu verteilen, hängt von der Qualität und Kommunikationsfähigkeit der Partnerschaft ab. Nicht von der Art der Milch, die das Kind bekommt.

„Während sich selbst meine feministischsten Freundinnen die Nächte mir ihren Babys um die Ohren schlagen, schlafen ihre Partner durch.“

Hier möchte ich mich selbst als Gegenbeispiel nennen. Ich habe mit meinem Partner zwei Kinder. Beide Kinder bekommen seit über zwei Jahren Muttermilch. Meine Tochter aus der Brust, für meinen Sohn pumpe ich ab. Alle drei Stunden. Auch nachts. Zudem schläft meine Tochter sehr unruhig und möchte dabei auch noch am liebsten Dauernuckeln. Meine Nächte sind daher recht durchwachsen. Ich fühle mich deswegen aber nicht ungerecht behandelt, es ist schließlich meine Entscheidung und ich bin nun mal „die mit der Brust“. Natürlich freue ich mich auch wieder auf die Nächte, in denen ich durchschlafen kann und beneide meinen Mann um seine Tiefschlafphasen.

Das kann jedes Paar mit einer gesunden Beziehung

Aber: Zum Ausgleich steht der seit ebenfalls über zwei Jahren morgens um fünf oder sechs Uhr auf. Da wird nämlich der Sohn wach. Jeden Tag. Und ich bleibe liegen. Auch am Wochenende. Ich bekomme also meinen Tiefschlaf, nur eben von fünf bis zehn Uhr morgens. Damit sind wir alle glücklich und keiner von uns fühlt sich benachteiligt oder in eine Geschlechterrolle gezwängt, in der er sich nicht wohl fühlt. Außerdem hat mein Mann sicher den Löwenanteil der Windeln gewechselt. Das ist auch ein Teil unserer Absprache. Und das kann jedes Paar mit einer gesunden Beziehung – ganz unabhängig von der Stillfrage.

Auch die Rückkehr zum Arbeitsplatz ist durchaus möglich, wenn weiterhin gestillt werden möchte. Jeder Mutter stehen rechtlich zusätzliche Pausenzeiten zum Stillen oder Abpumpen zu. Ich selbst habe es drei Monate nach der Geburt des Großen so gemacht. Wer auf der Arbeit nicht abpumpen oder stillen möchte, der kann immer noch in Teilzeit Stillen. Der Tag hat schließlich 24 Stunden. Die Brust zu geben, stellt daher kein Muss für eine lange Elternzeit dar. Und keine (teilzeit-) stillende Frau ist gezwungen, länger daheim zu bleiben, als sie möchte.

Hier beginnt sogar das gegenteilige Problem: Frauen, die über den sechsten Lebensmonat, oder gar das erste Babyjahr hinaus stillen, werden keinesfalls bewundert und hochgelobt. Da ist keine Rede mehr von „eine gute Mutter stillt“. Viel eher haben diese Frauen das Gefühl, sich verstecken oder rechtfertigen zu müssen.

Der „Hype“ ums Stillen: Instagram vs. Realität

Der von der Autorin empfundene „Hype“ um die stillende Mutter ist sicherlich mehr subjektive Wahrnehmung als Realität. Hier dazu ein paar Auszüge und Zahlen aus dem aktuellen Themenheft „Stillen in Deutschland aus wissenschaftlicher Sicht“ des Bundesgesundheitsblattes:

„Die Quoten für ausschließliches Stillen für mindestens vier Monate lagen für die Geburtsjahrgänge 2012 bis 2016 bei 40 Prozent, für eine Stilldauer ohne Beikost über sechs Monate bei 12,5  Prozent. […] KiGGS Welle 2 zeigt, dass weiterhin Maßnahmen zur Stillförderung erforderlich sind.“

Von „Stillhype“ in Deutschland kann bei diesen Zahlen kaum die Rede sein. Die von der WHO empfohlene Stilldauer wird nicht einmal im Ansatz „eingehalten“. Gerade mal zwei Prozent der Frauen stillen bis zum zweiten Lebensjahr, noch viel weniger darüber hinaus. Babys die ersten Monate die Brust zu geben ist gesellschaftlich zwar gern gesehen, „Langzeitstillen“ aber eher ein Tabu.

Spiegelverkehrt zur Wirklichkeit

WHO und Studien hin oder her, es geistern viele Vorurteile durchs Netz: Die Mutter kann sich nicht vom Kind lösen, die Milch ist doch viel zu „dünn“, das Kind kann so keine Selbständigkeit entwickeln oder bis hin zu „das ist doch pervers“. Den 186.000 Einträgen zum #stillen, stehen nur 3700 Treffer für #langzeitstillen gegenüber, wenn ich diesen Vergleich bemühen darf. Genau aus diesen Gründen gibt es Aktionen wie die Weltstillwoche. Genau deshalb erheben Stillmamas ihre Stimme – um sich gegenseitig zu ermutigen. Um den Menschen zu verdeutlichen, dass das Stillen, in welcher Form auch immer, normal und natürlich ist, Liebe ist.

Und auf welchem Wege verbreitet sich diese Nachricht heutzutage am leichtesten? Über die sozialen Medien. Über Instagram und die Nutzung von Hashtags wie #stillenistliebe. Hier ballt sich die gesamte virtuelle Kraft der Mütter. Und genau hier ist die Autorin in die Falle getappt, in die wir alle nur zu oft geraten. Instagram ist eben genau das: virtuell. Instagram ist kein präziser Spiegel der Realität. Das müssen wir uns immer wieder klar machen.

In den sozialen Medien hat die Weltstillwoche hohe Wellen geschlagen. Die vielen Stillbilder und Hashtags können erschlagend wirken und hier gebe ich Mareice absolut recht! Zum Thema #nichtstillen gibt es einsame 28 Einträge, #flaschenbaby kommt ebenfalls „nur“ auf 6000. Hier herrscht ein paradoxes Ungleichgewicht. Spiegelverkehrt zur Wirklichkeit, wenn wir bei dem Bild bleiben wollen. Es kostet Kraft, sich davon nicht zum Narren machen zu lassen.

Und es sollte uns allen eine Lehre sein. Es ist nicht nur wichtig, wie wir Angesicht zu Angesicht miteinander kommunizieren. Es ist genauso wichtig, wie wir uns online präsentieren. Zu unbedacht legen wir einen Filter auf unsere Bilder und Geschichten und verklären die Realität. Schaffen ein verfälschtes Abbild und bauen uns auf diese Weise gegenseitig Druck auf. Ich bin mir sicher, dass Mareice mit ihrer Wut und ihrem Ärger in der letzten Woche nicht allein war. Ich glaube, dass es sehr vielen Frauen so ging. Das ist schade und ärgerlich, denn genau das war nicht Sinn und Zweck der Kampagne!

Bedürfnis nach Nahrung, Liebe und Geborgenheit stillen

Es liegt in unserer Hand, es in Zukunft besser zu machen. Damit meine ich nicht bloß den Umgang mit den Thema Stillen, sondern die Umsichtigkeit, die wir im Gebrauch mit den sozialen Medien an den Tag legen sollten. Ein absolutes Herzensthema für mich und tatsächlich auch der Grund, aus dem ich vor einigen Wochen über meinen Schatten gesprungen bin und mein eigenes Blog ins Leben gerufen habe. Weil ich persönlich die stilisierten Bilder auf Instagram & Co satthabe. Weil ich aufstehen und für mehr Realität in den sozialen Medien kämpfen möchte. Mareices Beitrag hat mir noch einmal eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig dieses Thema ist.

Daher zurück zu ihrem Artikel. Zwar stimme ich ihr (diesmal) in vielen Punkten nicht zu. Doch mit einer ganz essenziellen Botschaft hat sie recht: Frauen sollten sich niemals gezwungen fühlen zu stillen. Und niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, wenn das Baby mit der Flasche gestillt wird. Ja richtig, auch das liebevolle Milchgeben mit der Flasche gehört für mich zum Stillen dazu. Denn Stillen bedeutet doch genau das: Das Bedürfnis nach Nahrung, Liebe und Geborgenheit stillen. Und das kann jeder – ob hetero- oder homosexuell, ob jung oder alt, ob lang oder kurz, ob mit Flasche oder Brust. Stillen ist bunt!

Seid achtsam miteinander,
Alexandra Jahnz

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8 Kommentare

Jenna 12. Oktober 2018 - 15:47

Vielen Dank für diesen umsichtigen Kommentar, Alexandra! Ich bin so froh, dass dieser Artikel, der immerhin in der Zeit erscheinen dürfte, hier auf diesem Blog kritisch besprochen wird. Auch ich hatte den Eindruck, dass die Autorin einer virtuellen Wirklichkeitsberzerrung unterlegen ist. Denn ja, direkt nach der Geburt kann einer die enthusiastische Unterstützung für das Stillen schon mal wie ein Zwang vorkommen. Stillt eine jedoch über den 6. Monat hinaus, sieht es aber schon ganz anders aus. Erst gestern wurde mir selbst z.B. von meiner Chefin unmissverständlich vermittelt, dass sie nicht nachvollziehen kann, warum mein 10 Monate alter Sohn noch immer ab und an zum Stillen vorbei gebracht wird (er nimmt noch kaum Beikost an, aber das versteht sie nicht). Meine Chefin will, dass damit jetzt Schluss ist. Und das, obwohl ich meine Arbeit ansonsten unberührt weiterführe. Reaktionen aus dem privaten Umfeld will ich hier gar nicht nennen. Ich denke, dass nicht das Stillen das Problem ist, sondern der kinderunfreundliche Aufbau der Lohnarbeit in unserer Leistungsgesellschaft. Und dass Stillen nicht bedeutet, dass sich Eltern die Kinderpflege und den Haushalt gleichberechtigt aufteilen könnten, finde ich ebenso absurd. Letztlich ist es doch so, wie mit allen Themen, mit denen Eltern, insbesondere Mütter konfrontiert werden: es gibt viele hart umkämpfte Wege zum Ziel und jede muss den Richtigen für sich finden – auch wenn das manchmal bedeutet, gegen den Strom zu Schwimmen. Liebe Grüße, Jen

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Lisa 12. Oktober 2018 - 13:17

Ein sehr gelungener Artikel. Herzlichen Dank dafür!
Liebe Grüße, Lisa

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johanna_brln 11. Oktober 2018 - 23:34

Leider, leider begeht Mareice mit ihrem Artikel einen vor allem gesellschaftlich fatalen Fehler: Sie fühlt sich durch etwas angegriffen, das mit ihr weder zu tun hat, noch sie etwas angeht. Sie verwechselt da zwei Ebenen. Wenn ich stille, hat das nichts mit ihr zu tun. Mein Körper, meine Familie, meine Entscheidung. Wenn ich sie wegen ihrer Entscheidungen verurteile, dann hat das was mit ihr zu tun. Aber das ist dann keine inhaltliche Frage; es geht nicht darum, weswegen ich sie verurteile, sondern darum, dass es mir nicht zusteht, sie zu verurteilen. Für mich klingt das nach dem Wutbürger, der denkt, der Staat würde ihm was wegnehmen und an Flüchtlinge und Hartz IV Beziehende umverteilen.
Sich hinzustellen und in einem Atmenzug Entscheidungsfreiheit und Toleranz für sich zu verlangen und gleichzeitig die anderslautende Entscheidung massiv zu kritisieren (zum Beispiel als antifeministisch zu beleidigen) – das ist schon dreist.
Ich habe Mareices Einsatz für Inklusion, für Menschen, die Hilfe brauchen, immer bewundert und bin dankbar dafür, was sie da leistet. Aber der Artikel war unter ihrem Niveau.

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Susanne 11. Oktober 2018 - 21:38

Danke! Der Ursprungsartikel hat in mir mal wieder dieses komische Gefühl beim Begriff „Feminismus“ hervorgerufen. Wenn er bedeutet, derart aggressiv mit Mitmenschen umzugehen, möchte ich keine Feministin sein!
Warum greifen sich Mütter gegenseitig nur so gern an?

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Doro 11. Oktober 2018 - 14:21

Wir machen uns doch in der Realität auch oft falsche Bilder von der Umwelt. Ich hatte mir so sehr gewünscht voll stillen zu können und ich habe nur noch stillende Mamas gesehen. Es sah bei allen so wunderbar entspannt aus. Ich werde nie vergessen, wie ich einer andere Mama erzählt habe, dass das Stillen bei mir nicht klappt. Sie hat mich ganz groß angeschaut „Du stillst doch? Wie meinst du das?“ Das Fläschchen hinterher hat sie nie wahrgenommen.

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Alexandra Jahnz 11. Oktober 2018 - 14:26

Ja, da hast du recht. Ich weiß noch, wie ich sehnsüchtig auf die zweite Schwangerschaft gewartet habe. Da habe ich auch gefühlt 100 Babybäuche am Tag gesehen.

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Sindy 11. Oktober 2018 - 12:49

Danke für diese sehr reflektierte Auseinandersetzung mit Mareices Text. Ich selbst bin sehr wütend beim lesen geworden, denn ich gehöre eben zur Gruppe der „Langzeitstillenden“ und fühle mich nicht gerade gesellschaftlich gehypt. Dann auch noch zu behaupten, dass ich deswegen keine Feministin sein kann bzw. antifeministisch bin, ist ein richtiger Schlag gewesen, sodass ich gar nicht wusste, wie ich auf den Artikel reagieren sollte. Danke, dass du so zutreffende Worte gefunden hast. Ich hoffe Mareice liest sich deinen Text durch und überdenkt ihren eigenen.

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Alexandra Jahnz 11. Oktober 2018 - 13:11

Liebe Sindy,
es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt. Auch ich als Langzeitstillende habe mich zunächst sehr abgegriffen gefühlt. Ich hatte erstmal richtig Wut im Bauch. Dann ist mir klar geworden, dass er Mareice doch ganz genauso gegangen sein muss. Und dann mit all ihren Gefühlen diesen Artikel verfasst hat. So etwas passiert uns allen hin und wieder, nur dass wir vielleicht im Streit Dinge sagen oder tun, die wir mit etwas Abstand zur Situation nie so sagen/tun würden. Deshalb war es mir wichtig, es sachlich anzugehen und mit dem selbstverständlichen Respekt voreinander.

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