Übergangsphasen…

von Anja

Der Babysohn kann stehen – denkt er zumindest. Die Realität sieht so aus: Er stellt sich überall hin, vergisst sich festzuhalten, fällt um und weint. Und das gefühlte 500 mal pro Tag.

In den kurzen Pausen dazwischen räumt er alles aus, was er finden kann. Und in einem 5-Personen-Haushalt findet man so einiges. Jetzt könnte man meinen, der so aktive kleine Mann fällt abends um vor Müdigkeit. Doch wie immer in Phasen, in denen viel Neues passiert, kommt er abends nicht runter. Nix mit gemütlichem Einschlafstillen. Lieber krabbelt das kleine nölige Söhnchen trotz Schlafsack von rechts nach links über mich drüber, zwischendurch wird gestillt und dann weiter gekrabbelt. Und auch das geht gefühlte Ewigkeiten so, bis er irgendwann tatsächlich völlig fertig einschläft.

Außerdem laden ihn noch vier neue Zähne dazu ein, seine Mutter oder andere Familienmitglieder als Beißring zu benutzen. Zu den Mahlzeiten verteilt der kleine Selberesser noch großzügig sämtliche Essensbestandteile in der halben Küche – und auch auf seinen Tischgenossen. Die Ist-Situation markiert gerade also hier: eine leicht entnervte, ständig vollgeschmierte, angeknabberte Mutter, die in einer viel zu chaotischen Wohnung sitzt. Außer am Mittwoch, denn da kommt unsere Putzfee und die Wohnung sieht ein paar Stunden lang wie neu aus.

Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr…

Lange bleibt das nämlich leider nie so. Gerade ist viel zu wenig Zeit zum Aufräumen oder gar für elterliche Auszeiten da. Denn hier bei uns laufen drei mehr oder weniger kleine Kinder rum, die alle so ihre ganz eigenen Bedürfnisse haben. Die beiden großen Mädchen können zwar stehen und auch ganz manierlich essen mittlerweile, aber trotzdem bieten auch sie uns noch genügend elterliche Herausforderungen.

An einem dieser Tage, an denen hier irgendwie das Chaos pur herrscht, liege ich nun abends im Bett neben dem endlich schlafenden Babysohn. Es ist dunkel und ich sehe die Unordnung um uns herum gerade nicht und denke einfach nur, wie dankbar und voller Liebe ich für diese drei wunderbaren, kleinen Menschen in unserem Leben bin. Und dann denke ich an ihre Geburten zurück. Mal mehr, mal weniger leicht – aber in keinem Fall einfach. Selbst bei der faktisch unkomplizierten Geburt des Babysohnes im letzten Jahr gab es den Punkt, an dem ich dachte, dass ich nicht mehr kann, nicht mehr will und eigentlich nur noch nach Hause gehen möchte. Aber zu Hause waren wir ja gerade schon…

In dieser zwar recht kurzen Phase unter der Geburt, die ja auch so schön Übergangsphase heißt, hätte ich einfach nur noch alles hinschmeißen können. Ich wollte nicht noch eine einzige weitere Wehe ertragen, sondern einfach nur meine Ruhe, schlafen oder sonst was tun… Mann und Hebamme haben mir gut über diesen Punkt hinweg geholfen. Und auf einmal war die Kraft wieder da und es ging wieder mit neuer Energie voran. Als der Babysohn dann da war, war sowieso alles vergessen und es gab nur noch dieses große intensive Glücksgefühl. Ja, und genauso fühlen sich auch manche Tage mit den Kindern an. Ich zumindest komme immer wieder mal an den Punkt, wo ich denke, ich kann und mag nicht mehr. Aber irgendwie geht es immer wieder weiter und spätestens am Ende des Tages weiß man, wofür sich der ganze Aufwand, der Stress und das zeitweilige Zurückstecken der eigenen Bedürfnisse lohnt. Und zum Glück ist der Mann ja auch immer noch da, der mir nicht nur in schwierigen Übergangsphasen unter der Geburt zur Seite steht…

Passend zum Thema

9 Kommentare

Stefanie 13. Juni 2013 - 10:35

Huhu,
ich kann dem nur beipflichten, bei uns ist es grade ähnlich, nur dass der kleine Sohn noch nicht stehen will, aber auch so findet sich genug, dass man ausräumen kann und wenn man dann mal wieder sitzt und etwas Tolles entdeckt hat, dann fällt man vor lauter Neugier auch mal um- wahlweise über die Seite oder glatt nach hinten…
Ich mag und kann zur Zeit auch manchmal nicht oder nur schwer- vom Wohnungschaos ganz zu schweigen 🙁

LG

Antworten
Laura 11. Juni 2013 - 15:54

Viel Kraft wünsch‘ ich dir für diese Zeit. Uns steht sie alsbald bevor. Die Ruhe vor dem Sturm.

LG, Laura

Antworten
weib yvonne 11. Juni 2013 - 13:14

Du hast bestimmt grade bei mir eine Kamera installiert… 😀 😉

Danke für die Erinnerung und weiterhin viel Energie für Dich!

Antworten
katrin 11. Juni 2013 - 12:55

du sprichst mir aus dem herzen! unser kleine mann verhält sich im moment quasi exakt genauso. schön zu wissen, dass es überall das gleiche ist 🙂

Antworten
Uli 11. Juni 2013 - 12:50

Du schreibst mir aus der Seele, so geht es mir auch gerade. Diesen Übergangsphasen sind echt anstrengend und ich ahbe nur 2 Kids zu versorgen. Die Kleine zieht sich jetzt überall dran hoch weiß aber nicht wie sie wieder runterkommt oder meint eine Hand reicht zum festhalten… Das tut es aber meistens nicht und dann gibts Gebrüll. und die Große trotzt wo es nur geht…
Aber es gibt zum Glück immer diese schönen Momente in denen beide zufrieden und glücklich, die einem durch diese Phasen helfen.

Antworten
svenja 11. Juni 2013 - 12:05

einfach wundervoll geschrieben, so hab ich das noch nie gesehen. danke <3

Antworten
Ani 11. Juni 2013 - 11:35

Danke für diese Zeilen.
Ich hab heute auch einen „ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr Tag“. Nein, eigentlich war die Nacht schon so!
2 spucken de Kinder (9 Monate und 4 3/4) und der Mann auf montage . puh.

Antworten
Sabrina 11. Juni 2013 - 11:09

🙂 Das kommt mir gerade sowas von bekannt vor. Mein 9 Monate alter Sohn ist in der gleichen Entdeckungsphase.

Antworten
Dörthe 11. Juni 2013 - 10:25

Du schreibst immer so wunderbar warmherzig – aber heute ganz besonders!
Alles Liebe, Dörthe

Antworten

Kommentieren