Von guten Freunden

von Anja

Neulich las ich einen Text, in dem sich jemand ohne eigene Kinder Gedanken darüber machte, warum das Zusammenleben von Kinderlosen und Eltern so kompliziert ist. Ich verstehe manche Gedankengänge dazu, aber vieles dazu kann ich nur schwer nachvollziehen. Unsere kinderlosen Zeiten sind nun schon über ein Jahrzehnt her. Aber natürlich weiß ich noch, dass wir unser Leben zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich anders gelebt haben als heute: viel mehr Spontanität, mehr Reisen, mehr Ausgehen, aber auch mehr Arbeiten. Das ist alles relativ unkompliziert möglich, wenn man sein Leben nicht um die kleinen Lieblingsmenschen und ihre Bedürfnisse herum organisieren muss.

Freunde mit Kindern gab es auch in dieser Zeit schon. Ich habe es aber nie als so anders oder befremdlich wahrgenommen, dass damals natürlich manche Dinge nicht gingen oder einfach anders abliefen. Wir konnten im Restaurant essen gehen. Oder mit unseren Freunden erst die Kinder zusammen ins Bett bringen, dann gemeinsam kochen und bei ihnen zu Hause am Esstisch essen. Ich habe nichts davon als besser oder schlechter wahrgenommen. Die Kinder waren einfach da, so wie unsere Kinder heute einfach da sind und dazu gehören. Das inkludiert, dass manche Dinge zumindest für eine gewisse Zeit nicht mehr gehen. Es aber auch nicht völlig unmöglich, eine gute Zeit mit Freunden zu verbringen – ob mit oder ohne Kinder.

Kinder gehören einfach zu unserem Leben

Einen unserer besten Freunde ohne Kinder sehen wir regelmäßig einmal die Woche zum Essen – mal mittags ohne Kinder, meistens abends bei uns zu Hause. Mal schlafen die Kinder schon, oft sind sie noch wach. Wir essen mal gemeinsam, mal alleine. Es gibt immer wieder Chaos am Esstisch mit mehr Spielzeug als Teller und Besteck auf der Platte. Mal reißen Gesprächsfäden ab, weil die Kinder gerade andere Bedürfnisse haben. Genauso können wir einen Abend auch mal in Ruhe durchquatschen. In jedem Fall gilt: Die Kinder gehören einfach zu unserem Leben. Und ich denke, das tun sie auch für unsere Freunde.

Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich mir tatsächlich wenig Gedanken darüber gemacht, was jetzt anders wäre, wenn unsere Freunde mit Kindern keine hätten. Denn die Kinder waren und sind einfach da. Kleine Kinder, große Kinder und auch die damit verbundenen kleinen und großen Sorgen. Es ist sicherlich so, dass man auf einer emotionalen Ebene manche Dinge erst verstehen kann, wenn man selbst Eltern ist. Aber genauso geht es mir im beruflichen Kontext oft so, dass es Dinge gibt, die wahrscheinlich wirklich nur meine Kolleginnen nachvollziehen können, die das auch mal selbst erlebt haben. Trotzdem erzähle ich auch meinen Nicht-Hebammen-Freunden, was mich beruflich gerade bewegt. Und höre mir an, was sie gerade beschäftigt – ob das nun Themen aus dem Elternbereich sind oder nicht.

Freundschaft dauert nicht nur eine Baby- und Kleindkindzeit lang

Und dieses Ding mit der zu wenigen Zeit für Freunde kenne ich von allen Freunden – egal ob sie Kinder haben oder nicht. Oft haben wir doch alle aus ganz verschiedenen Gründen weniger Zeit als wir gerne hätten, um sie mit Freunden oder was auch immer zu verbringen. Umso schöner ist es doch dann, wenn es klappt. Ob beim Kaffee zwischen Spielzeug auf dem Kinderzimmerfußboden oder beim Besuch des neuen In-Restaurants. Eine Freundschaft dauert doch im besten Fall nicht nur eine Baby- und Kleindkindzeit lang. Es kommen immer auch wieder andere Zeiten mit mehr Raum und Zeit. Genauso verkraftet eine Freundschaft doch auch den langen Auslandsaufenthalt der kinderlosen Freundin.

Freunde sind im besten Fall genau wie unsere Kinder einfach da. Sie gehören dazu und sind ein wichtiger Teil in unserem Leben, egal wie unterschiedlich der Alltag gerade aussehen mag. Was einen mit wirklich guten Freunden verbindet, ist nicht die hohe Deckungsgleichheit der Aktivitäten des täglichen Lebens. Sondern es ist so ein Gefühl, das einfach da ist. Dieses Gefühl, den anderen einfach sehr gerne zu mögen, ganz egal, wo oder wie derjenige im Leben gerade unterwegs ist.

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6 Kommentare

Antje 2. Dezember 2016 - 14:03

Das ist wirklich schön geschrieben. 🙂 So sollte es sein.

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Franziska 26. November 2016 - 20:38

Bei uns ist das „lustigerweise“ eher andersrum. Wir sind die einzigen in unserem Freundeskreis mit Kindern, und obwohl die Große mittlerweile 3Jahre ist kriegen wir bzw mein Mann immernoch Anfragen die einfach nicht mehr so in unser Leben passen. ZB bei gleichzeitigem Urlaub endlich mal wieder zusammen PlayStation zocken zu können- allerdings bezieht sich die Vorstellung dann auf den Nachmittag, weil Abends ja die Partnerin auch wieder da ist- daran das bei uns Nachmittags zwei Zwerge durch die Gegend hopsen, Betreuung brauchen und nicht stundenlang auf den Fehrnseher starren sollen, wird zwar nach Erklärung durchaus verstanden, aber in der nächsten Situation ist es meist trotzdem wieder aus den Gedanken verschwunden.
Wir haben zur Zeit einfach völlig unterschiedliche Lebensrhythmen, und da bleibt in unserem Fall zwar nicht die Freundschaft, aber doch die Häufigkeit und der ich nenne mal der pysische Kontakt stark auf der Strecke. Man telefoniert regelmäßig, aber auch nur noch alle drei Wochen, da wir häufig totmüde zwischen 8und 9mit den Kindern einschlafen und die anderen erst um 9 anfangen zu Abend zu essen und erst danach Zeit zum quatschen haben. Früher haben wir uns bis auf wenige Ausnahmen einmal pro Woche gesehen, jetzt schaffen wir es vielleicht alle drei Monate alle zusammen zu kriegen.
Dabei würde ich nicht sagen, dass unsere Freunde unsere Kinder nicht mögen, oder soe nicht finden das sie einfach zu uns gehören- sie stecken einfach noch in dem „ich hab Zeit und muss nur auf mich und ggf meinen Partner Rücksicht nehmen“- Rhythmus. Und irgendwie haben wir alle noch nicht gelernt den mit unserem Familien-Rhythmus zu synchronisieren. Vermutlich hat das auch immer was mit dem Verhältnis zwischen Paaren mit Kindern und Kinderlosen Paaren in einem Freundeskreis zutun…

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Steffi 22. November 2016 - 19:34

Aus unserer Perspektive kann ich das voll und ganz nachvollziehen. Hier in unserem Freundeskreis am Dorf waren wir die Letzten, die Kinder bekamen, aber egal ob mit oder ohne Kinder – es fand sich immer Zeit für gemeinsames Essen / Grillen / Kaffeetrinken oder einfach Ratschen am Spielplatz / Gartenzaun. Meine beste Freundin allerdings hat, obwohl sie jetzt auch Mutter ist, noch immer „Probleme“ damit, dass wir nicht immer jedes Wochenende ausgehen wollen, da wir eben nicht die Oma als Babysitter überstrapazieren wollen…

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Ina 22. November 2016 - 14:02

Bravo! Genau so empfinde ich es als kinderlose Freundin mit meinen „Kinder“Freunden:)

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Volki 22. November 2016 - 11:04

So einfach ist das.

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Kathrin 22. November 2016 - 10:44

So wahr! Kinder sind da, wie Freunde da sind, wie das Leben da ist :-)!

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