Wir sind so glücklich wie auf Instagram!

von Anja

In letzter Zeit schwirrten immer mal wieder Artikel und Kommentare durchs Netz, die kritisierten, wie gestellt doch alles auf Instagram gezeigte sei und dass das alles nichts mit der Realität zu tun hat. Vor allem „authentische Elternblogger“ wären doch da in der Verantwortung, ein realistisches Bild zu zeigen, um andere Eltern nicht unter Druck zu setzen, dass ihre Kinder ebenso glücklich, ihre Wohnungen ebenso hübsch und ihr Essen ebenso lecker zu sein hat.

Nun, das Gute bei Instagram ist doch, genau wie bei Blogs und Zeitschriften, dass ich mir aussuchen kann, was zu mir passt. Und das an jedem Tag und zu jedem Zeitpunkt. Wenn ich gerade vom häuslichen Chaos genervt bin, kann ich die ordentlichen, weißen Wohnungen vielleicht nicht ertragen. Womöglich sind sie aber auch eine Inspiration. Wenn ich gerade eine Fehlgeburt erlebt habe, möchte ich die ganzen Accounts mit den glücklichen Babybildern nicht sehen. Womöglich sind sie aber auch ein Symbol der guten erneuten Hoffnung für mich. Das empfindet jeder Mensch anders – und das ganze ist zudem auch noch abhängig von der Tagesform.

Instagram ist ein kleiner Einblick in das Leben von Menschen, aber es ist kein Abbild ihres Lebens. Natürlich gibt es auch dort die primär kommerziellen, durchinszenierten Accounts, genau wie manchen Lifestyleblog oder die Vogue im Zeitschriftenbereich, aber die lasse ich hier jetzt mal außen vor. Generell aber hat Instagram sicherlich den Fokus darauf, die guten, schönen und vielleicht noch die lustigen oder nachdenklichen Momente festzuhalten.

Jeder sollte sich seine Erinnerungen schaffen dürfen

Doch das finde ich überhaupt nicht schlimm. Denn nichts anderes versuche ich auch jeden Tag. Ich bin nicht 24 Stunden am Tag entspannt und glücklich. Aber ich bin dankbar, für vieles. Primär für die Dinge, die ohnehin nicht bezahlbar sind wie meine Gesundheit, meine Familie, meine Freunde und eine Arbeit, die mich glücklich macht. Und egal wie doof ein Tag läuft und wie erschöpft ich mich gerade fühle: Diese Dankbarkeit ist ein tiefes Grundgefühl. Ein Gefühl, dass mich glücklich macht. Auch wenn die Wohnung manchmal aussieht wie von Einbrechern durchwühlt, wenn keines der Kinder auch nur ansatzweise auf mich hört und wenn die Work-Life-Balance schief hängt. Im größten Chaos sehe ich meist trotzdem das Schöne und das Gute und ich bin dankbar, denn das ist das Leben.

Sicherlich gibt es Ereignisse, die dazu beigetragen haben. Oder das Wissen, dass alles auch ganz schnell vorbei sein könnte. Christian hat seine Mutter ganz plötzlich von heute auf morgen verloren, als sie gerade mal 38 Jahre alt war. Auch wenn ich das schon lange weiß, hat es mich jetzt, wo wir Eltern sind, noch einmal ganz anders beschäftigt. Und demütig gemacht, denn das Leben ist nicht planbar. Dass unsere drei Kinder hier bei uns sind, ist für uns nicht selbstverständlich, auch wenn wir sie immer unkompliziert und ohne Wartezeit empfangen durften. Aber auch wir mussten schon ein Kind in der 12. Schwangerschaftswoche wieder gehen lassen und wissen es umso mehr zu schätzen, dass diese drei wundervollen kleinen Menschen hier bei uns sind und sie mit uns und wir mit ihnen wachsen dürfen.

Und wenn ich den Spielplatzmoment, das leckere Eis oder einfach die schönen Blumen auf Instagram oder fürs private Fotoalbum festhalte, dann tue ich das, weil ich es wirklich schön finde und glücklich darüber bin, hier und jetzt und meist zusammen mit lieben Menschen sein zu dürfen. Dreckige Esstische, Wäscheberge, Streitereien und bleierne Müdigkeit gehören auch zu unserem Alltag und sind manchmal auch ein Foto wert. Aber all das steht nicht im Fokus. Ich motze und meckere ebenfalls über Alltagsnervereien, aber komme immer wieder schnell zu dem Punkt, dass diese Dinge nicht wirklich wichtig sind. Es ist nicht das, woran wir uns später primär erinnern werden und wollen. Jeder sollte sich die Erinnerungen schaffen dürfen, die ihn persönlich glücklich machen. Ob auf Instagram, im Fotoalbum oder einfach in Gedanken.

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13 Kommentare

Jeannine 15. Januar 2017 - 23:22

Ich seh das, wie du. Ich finde diese „Erwartungshaltung“ völlig Fremden gegenüber auch wirklich fragwürdig. :-/ Als ich vor ein paar Monaten das Video zur letzten Berlinreise und einen Artikel übers „im Wagen schreien Lassen“ veröffentlichte, erhielt ich eine Mail. Ich könnte mich in eine Mama, deren Kind so viel Aufmerksamkeit braucht, doch gar nicht hineinversetzen. Die Leserin hatte das 2-minütige Video gesehen und folgerte: „Du hast ein so ruhiges Kind. Meine Kinder sitzen nie so still.“ Da griff ich mir echt an den Kopf. Natürlich werde ich keine Inhalte veröffentlichen, die für mein Kind in irgendeiner Art bloßstellend sein könnten – dazu gehören für mich zum Beispiel auch Wutanfälle. Also natürlich präsentiert man einen Ausschnitt aus dem Leben. Aber auch als Bloggerin ist man niemandem etwas anderes schuldig. Wer die Texte liest, wird wissen, dass die Bilder eben nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Aber dennoch: Wahrheit.

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Sabine 15. Januar 2017 - 12:08

Freude ist eben am Schönsten, wenn man sie teilen kann. Danke für den guten Beitrag dazu.

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Tanja Liebl 15. Januar 2017 - 06:18

Das ist schön geschrieben!
Ich habe Instagram vor einigen Wochen neu für mich entdeckt. Mit Hilfe von Instagram halte ich die kleinen (und großen) Glücksmomente meines Lebens und das meiner Familie fest. Dieses Festhalten und Dokumentieren unterstützt mich dabei achtsamer zu sein. Zu entdecken und zu bemerken, wieviele glückliche und dankbare Moment jeden Tag auftauchen.
Klar, auch meine Tage sind mal blöd, nervig und anstrengend. Die Achtsamkeit dann auf die Glücksmomente zu richten hilft mir ungemein. Und das find ich schön an Instagram. Fast so eine Art Mindfulness-Tool…

Liebe Grüße,
Tanja

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Quatsch Matsch 22. Juni 2016 - 20:56

Da gebe ich Dir absolut Recht 🙂 Das hast Du sehr schön geschrieben :-* Danke <3

Liebe Grüße

Anni

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Kerstin 22. Juni 2016 - 20:26

Schön geschrieben, ich bin auf viel auf Instagram unterwegs.Mir macht das total Spaß. Manchmal stelle ich Fotos, oft sind aber auch Momente, die ich mit dem Foto festhalte und gerne teile. Ich möchte zeigen, wie es halt bei uns so läuft…Nicht umsonst heiße ich tagaustagein…Liebe Grüße Kerstin

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alu 22. Juni 2016 - 20:03

ganz genau!

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Anja 22. Juni 2016 - 13:23

Wunderbar geschrieben ♡ wie immer!

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Denise 22. Juni 2016 - 13:09

Viele „Meckerer“ vergessen auch, dass wir in einer digitalen Zeit leben. Das Fotoalbum findet man nicht mehr verstaubt im Wohnzimmerschrank, sondern auf Facebook oder Instagram, der Austausch zwischen Menschen hat sich vom Stammtisch oder Kaffeekränzchen mehr und mehr auf digitale Plattformen verlegt, da man hier eine breitere Masse antrifft und so logischerweise auch mehr Input fürs eigene Leben bekommt. Selbst wenn es nur um die Befriedigung der eigenen Neugier geht, wir leben nun mal digital und das ist weder besser noch schlechter als die „alten“ Zeiten.
Kurzum: die Kritiker werden sicher auch nicht den Streit zwischen Tante Astrid und Onkel Alfons beim letzten Weihnachtsfest ins Fotoalbum geklebt haben, da darf auch bei analog lebenden Menschen die Kamera gerne ausbleiben :).

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A Bullerbü Life 22. Juni 2016 - 12:34

Genau. Es ist nämlich ein Stück weit auch wirklich eine persönliche Entscheidung, ob man Glas als halbvoll oder halbleer ansieht…

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Lena 22. Juni 2016 - 11:22

Genau❤️

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Lena 22. Juni 2016 - 11:22

Genau.

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Katharina 22. Juni 2016 - 10:28

Hach, schön geschrieben! Danke <3

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Frische Brise 22. Juni 2016 - 08:17

Punkt.

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