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Wir unterwegs: Norddänemark von Vedersø Klit bis Fanø

von Christian

Der zweite Teil unseres Trip die dänische Nordseeküste entlang Richtung Deutschland führt uns zuerst nach Vedersø Klit in der Region Holstebro. Das liegt quasi fast genau auf halber Strecke zwischen Skagen und der Grenze zu Deutschland – und ist Nordseeküste pur. Herrliche Dünen mit feinem Sand, gespickt mit schönen Reetdach-Ferienhäusern. Unser tolles Ferienhaus liegt dieses Mal weiter vom Strand entfernt, durchaus üblich hier an der Nordsee. Scheinbar in diesem Jahr auch üblich: Als wir ankommen, regnet es in Strömen.

Wir huschen schnell ins Haus und stellen nach 15 Minuten fest, dass der Regen aber ebenso schnell wieder weggepustet wird. Sonne und Regen werden sich in diesen Tagen noch oft abwechseln. Die Kinder stromern gleich vors Haus, um die riesige Steineinfahrt nach Fossilien abzusuchen. Sie werden schnell fündig: ein Donnerkeil, ein Bernstein, eine Auster und zahlreiche interessante Steine.

Zum Strand sind es ungefähr 1,5 Kilometer. Aber es gibt in Vedersø Klit einen recht großen Parkplatz fast direkt am Strand. Nach einem Gang über die langgezogene Düne bläst uns der heute starke Wind den feinen Sand direkt ins Gesicht. Anja dreht mit der Kleinen gleich um und geht stattdessen lieber windgeschützt in den Dünen mit ihr spazieren. Schön ist es hier landschaftlich wirklich überall.

Die drei Großen rasen mit mir Richtung Nordsee. Die zeigt uns direkt, warum sie den Titel „echtes“ dänisches Meer reklamiert. Die Wellen türmen sich locker zwei Meter hoch auf. Der Strand ist eine einzige Gischt, in der nur ganz mutige Erwachsene den Weg ins tiefere Wasser wagen. Die Kinder genießen das Schauspiel fast ein bisschen ehrfürchtig, nachdem die letzten Wochen Ostsee und das erste bisschen Nordsee in Sachen Wetter eher ruhig waren.

Abends in die Sauna, im August, herrlich

Wir fahren zurück zum Ferienhaus und genießen das riesige, parkähnliche Grundstück, auf dem die Schaukel ziemlich verloren wirkt. In Berlin gehen solche Flächen schon als Bolzplatz durch. Nachdem es schnell wieder zu regnen beginnt, huschen wir ins Haus und schmeißen den Kamin an. Etwas komisch, so mitten im August, aber die muggelige Wärme finden alle super. Danach wird der Whirlpool gefüllt und wir planschen eben drinnen. Auch mal gut. Abends gehen wir alle noch in die Sauna. Das ist auch im August hyggelig.

Mangels Sonne und Strandwetter fahren am nächsten wir ins Museumsdorf Hjerl Hede bei Vinderup auf dem platten Land. Hier starten wir die 72 Stunden mit unserem AttractionPass, die Eintritt in viele Attraktionen in Mitteljütland bietet. Allerdings ist die Karte eher für den Raum um Aarhus interessant – und das liegt leider knapp zwei Fahrstunden entfernt auf der anderen Seite Dänemarks. Das Dorf gehört aber auch zum Angebot – und schnell wird klar: Es ist recht weitläufig.

Mit dem SUP Richtung Fjord paddeln

Es soll einen kleinen Eindruck des Lebens in Dänemark in unterschiedlichen Zeitabschnitten vermitteln. Wir schauen uns uralte Häuser mit komplett schiefen Böden an, in denen sehr kurze Betten in sehr niedrigen Räumen stehen. Auf dem Spielplatz mitten auf dem Gelände stehen uralte Hochräder, die wir alle zu bedienen versuchen. Kein einfaches Unterfangen. Dass diese Form der Fortbewegung ein Fortschritt gewesen sein soll damals, ist kaum vorstellbar.

Die kleine Parkeisenbahn, die eigentlich hier durch die schöne Heidelandschaft tuckert, ist leider schon im Ruhemodus. Aber die Hauptsaison und die Ferienzeit der Dänen ja auch bereits vorbei. Wir stromern trotzdem ein paar Stündchen durch den ganzen Park und fahren danach ziemlich ausgewandert zurück ins Ferienhaus. Nicht ohne ausgiebig das für den Nachmittag adoptierte und auf den Namen Flocke getaufte Schaf zu streicheln und mit frischem Gras zu füttern.

Am nächsten Tag startet trotz windigem Wetter morgens endlich die lang ersehnte SUP-Tour. Jakob von Outdoor Pilots empfängt uns nach problemloser Absprache an einer kleinen Brücke im Nichts. Dort fließt die Vonå zwischen zwei Fjorden, ein prima Einstieg gerade auch für Anfänger. Es ist dort etwas windgeschützer, pustet aber trotzdem noch. Jakob ist guter Dinge und motiviert die Mädchen und mich, einfach loszupaddeln. Es klappt ziemlich gut, so dass wir tatsächlich vorankommen.

Jakob ist sehr entspannt, spricht prima deutsch und englisch und kann gut mit Kinder agieren. Er hat selbst ein knapp einjähriges Kind. Und Kaffee und Kakao sowie heisses Wasser hatte er für eine kleine Pause unterwegs auch dabei. Ganz bis in den Fjord hinaus schaffen wir es nicht, aber wir nutzen den Rückenwind auf dem Rückweg für einige kleine Wettrennen von Ufer zu Ufer. Den Kids gehen die zwei Stunden viel zu schnell rum. Sie geben Jakob 10 von 10 Punkten und sprechen noch abends beim Zubettgehen davon, wie viel Spaß das gemacht hat. Richtig toll fürs Selbstbewusstsein so eine Tour!

Fragen zur Sicherheit von Fähren

Am Nachmittag machen wir noch einen Abstecher ins Strandingsmuseum St. George. Das Museum erzählt die beeindruckende und tragische Geschichte von gestrandeten Schiffen und Seeleuten. Ein bisschen gruselig fanden es die größeren Kinder. Wir mussten im Anschluss noch so einige Fragen zur Sicherheit von Fähren beantworten. Denn am nächsten Tag geht es weiter zur Insel Fanø. Und dort hin setzt man auch mit einer von zwei kleinen Fähren über. Der Spielplatz mit Seilbahn vor dem Museum hat einen tollen Blick aufs Meer. Den hätten wir in Berlin auch gerne, wenn man mal wieder neben dem Klettergerüst wartet.

Morgens geht es früh weiter nach Fanø. Die Nordseeinsel erreichen wir mit der kleinen Fähre Menja, die gemeinsam mit dem Schwesterschiff Fenja regelmäßig und zuverlässiger fährt als viele Strecken der Berliner S-Bahn. Wir kommen gleich aufs Schiff und fahren nach knapp 15 Minuten auf die Insel. Direkt am Hafen liegen, keine 20 Meter Luftlinie entfernt, faul ein paar Seehunde auf der Sandbank, als seien sie von der Tourismusbehörde extra dafür angeworben worden. Wir bestaunen sie vom kleinen Kai aus, holen dann unsere Bettwäsche ab und fahren zum Haus am anderen Ende der Insel. Die Fahrt dauert noch einmal elf Minuten. Als wir aussteigen, sind alle erstmal baff.

Das letzte Ferienhaus ist wirklich das schönste. Es ist riesig, wieder mit Reet gedeckt. Wir würden es gerne komplett mit nach Berlin nehmen. Wir werfen schnell die Sachen ins Haus und rennen erst einmal in die Dünen. Durch Sand und Gras spazieren wir nach Sønderho und bestaunen das idyllische Dörfchen mit verwinkelten Gassen und einem Charme, der fast schon zu perfekt wirkt. Gelegentlich denkt man, gleich kommt das Filmteam um die Ecke und ruft: „Schnitt!“. Wer dort ist, unbedingt das Eis bei Tre Sostre probieren. Soooo lecker!

In den Dünen verlaufen

Auf dem Weg zurück zum Haus verlaufen wir uns in den Dünen, zum Glück hilft uns die trigonometrische Peilstation Kåverbjerget dabei, das Ferienhaus in den Dünen wiederzufinden. Es ist echt wunderschön hier. Die kleine Insel macht sogar unserer Lieblingsinsel Bornholm ein wenig Konkurrenz.

Am nächsten Tag suchen wir den Strand und das Meer, das ist hier auf Fanø aber irgendwie immer wieder mal weg. Wir sind offenkundig eher Ostseeprofis, aber lernfähig und kommen dann zum Baden am frühen Nachmittag nochmal wieder. Im Watt finden wir Muscheln, große und vor allem viele. Wir genießen die relative Einsamkeit, den viel los ist auf der Insel nicht, was wohl auch am begrenzten Angebot an Häusern liegt. Ein Umstand, den wir auch an Bornholm schon seit Jahren schätzen. Wir verlaufen uns natürlich nochmal in den Dünen. Ich habe den „Kleinen“ am Ende halb schlafend auf den Schultern, Anja muss Tragebaby und Kinderwagen gleichzeitig durch den Sand bewegen.

Nachmittags müssen wir mal wieder einkaufen. In Sønderho gibt’s nur einen kleinen Laden, in Nordby einen großen. Anja hatte gelesen, dass man hier unten im Süden an der Westküste den Strand entlang fahren darf, mit dem Auto! Nun, schauen wir mal, wie weit wir kommen. Und tatsächlich verlässt man hinter dem Ortsschild die geteerte Straße und fährt auf dem Strand. Und kann dass machen bis ganz hoch in den Norden. Zwar mit maximal 30 Stundenkilometer, aber dafür einen besonderen Aussicht. Und da der Strand irre breit ist, regelt sich der Verkehr zwischen Fußgängern, Radfahrern, Kite-Geschossen, Wohnmobilen und wem auch immer irgendwie von alleine.

Mit dem Auto am Strand lang

Man fährt hier übrigens durchaus einfach mit dem gesamten Auto und allem was man so braucht zum Strand, um Badetag zu machen. Gewöhnungsbedürftig, aber für Familien zugegebenermaßen auch sehr, sehr bequem. Wir halten an, laufen noch ein bisschen am Strand rum und fahren auch den Rückweg vom Einkaufen gemütlich am Strand entlang zurück in den Süden der kleinen Insel. Auch eine Form der Entschleunigung.

Damit wir nicht zu sehr zur Ruhe kommen, verlassen wir tagsdrauf die Insel in Richtung Billund. Denn nur knapp 50 Minuten von Fanø entfernt liegt das Legoland. Wir hatten den Kids den Besuch am Anfang des Urlaubs versprochen – und sie haben uns quasi jeden Tag danach gefragt. Wir hatten eine Einladung für eine Übernachtung im Hotel Legoland und zwei Tage im Park. Wenn das Budget es hergibt, ist das die perfekte Lösung, denn ein Tag ist eigentlich fast zu wenig, um alle Attraktionen im Park zu nutzen und zu bestaunen. Man kommt vom Hotel aus schnell in den Park und kann auch das Auto dort in unmittelbarer Nähe bequem parken. Frühstück ist im Preis mit drin, Abendessen kostet extra. Es gibt Buffet und Essen à la carte, beides gut gemacht, aber wie in Dänemark üblich, nicht ganz günstig. Und überall stehen Legofiguren zum Knuddeln rum.

Wir kommen nachmittags an und gehen gleich mal in den Park rüber. Er ist eine Mischung aus Nostalgie und zeitgemäßer Integration der Lego-Marken. Das Miniland steht schon seit vielen Jahren dort. Ich habe es als kleiner Junge mit meinen Eltern schon bestaunt, Teile davon stehen noch immer. Man kann das an den aus heutiger Sicht ziemlich retro-mäßigen Autos im Miniaturland sehen. Und den damals verwendeten Steinen. Die neuen Modelle etwa der höchsten Gebäude der Welt sehen deutlich moderner aus. Aber gerade die ziemlich präzisen Nachbauten faszinieren und inspirieren große und kleinen Menschen – schon seit vielen Jahrzehnten.

Toller Ausflug ins Legoland Billund

Auch die Fahrgeschäfte und Attraktionen sind zum großen Teil mittlerweile modern. Es gibt ein 4D-Kino, Achterbahnen und Mitmach-Bahnen. Aber auch hier verstecken sich alte Perlen, die schon seit Jahrzehnten ihren Reiz behalten. Die Wartezeiten sind am Donnerstag und Freitag außerhalb der dänischen Ferien mit maximal 10 Minuten absolut erträglich. Am „schlimmsten“ Fahrgerät wollten die Mädchen ohnehin nur einmal und „in diesem Alter jetzt heute bestimmt nicht noch mal“ fahren. Mir reichen auch zwei Achterbahnfahrten für heute. Anja traut sich derweil immerhin mit dem Kleinsten ins „Riesenrad“.

Abends fallen alle komplett fertig ins Kingdom-Bett. Das Zimmer ist für sechs Leute recht klein, was aber auch sicher daran liegt, dass die Lego-Kiste zum Spielen hier sofort großflächig auf dem Boden verteilt wird. Man kann aber bequem zu sechst hier schlafen. Das große Königsbett haben sich die drei Kleinen geschnappt. Ein Töchterchen muss für eine dringende Misiion nochmal schnell in die Hotel-Lobby – im Vorbeigehen wird noch dem riesigen Lego-Drachen an der Zunge gezupft.

Am nächsten Morgen wartet an den Infowand eine große Überraschung: Der Kleinste gewinnt beim Lego-Bauwettbewerb im Hotel einen Hauptpreis: ein großes Ninjago-Set. Die Kinder sollten einen Drachen bauen aus Legosteinen, die überall im Hotel zum Bauen herumliegen. Hatte er irgendwann zwischendurch noch gemacht und die Mädels haben den Drachen dann eingereicht. Der abends noch schnell gebaute Drache „Drobo“ vom “kleinen Christian” hat übrigens leider keinen Preis gewonnen. Wir huschen nochmal für ein paar Stunden ins Legoland und genießen das gute Wetter und die Action.

Finale Runde Kofferraum- und Dachbox-Tetris

Spätnachmittags fahren wir zurück nach Fanø. Und freuen uns auf die letzten Stunden im wunderschönen Dünen-Haus.
Wir genießen abends gemeinsam Riesenwhirlpool und Sauna – und schlafen alle quasi umgehend danach ein. Am nächsten Morgen packen wir in Ruhe die Taschen zusammen und spielen die finale Runde Kofferraum- und Dachbox-Tetris. Mittlerweile sind wir Profis und alles geht rein. Schon erstaunlich, was man mit schlauen Taschen und ein bisschen Geschick alles unter bekommt.

Danach fahren wir noch zum nahegelegenen Waldspielplatz, der wirklich sehr schön ist. Man muss aber erst durch einen großen Wald laufen (wenn man wie wir den falschen Eingang nimmt). Es gibt als Belohnung lustige Spielgeräte für kleine und große Menschen, und etwas abseits auch absurde Holzkunst eingebettet in schöne Natur. Es gibt viele Picknickmöglichkeiten, die auch gut genutzt werden. In der Hauptsaison könnte es eventuell recht voll hier sein. Aber der Wald selbst ist schön weitläufig und wir nutzen die Gelegenheit zum Laufen, bevor noch die gut sechs Stunden Rückreisezeit nach Berlin anstehen.

Wir sagen Dänemark für diesen Sommer endgültig „Farvel“ und machen uns abends auf den Heimweg nach Berlin. Der ist lang, aber zum Glück schaffen wir die fast 560 Kilometer mit drei Pausen einigermaßen entspannt. Nachts um kurz nach Zwölf sind mir wieder in Berlin, nach fünf Wochen unterwegs. Wir fallen müde ins Bett und freuen uns schon auf die nächsten Abenteuer, die am Horizont warten…

Wer über den ersten Teil der Reise lesen will, schaut hier vorbei.

Vielen Dank an VisitDenmark für die Einladung zu dieser Reise. Die Unterkünfte wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Bewertungen und Meinungen in diesem Artikel spiegeln unsere persönliche Meinung wider. 

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