Lächeln und Wischen

von Anja

Neulich postete ich das obige Foto von dem Chaos, das unser zweijähriges Kind in meiner zweiminütigen Küchenabwesenheit veranstaltet hat. Eine Leserin schrieb unter den Beitrag: „Bitte! Bitte! Bitte! Verratet mir endlich euer Relaxundruhigbleib-Mantra!!!“ Und genau das will ich an dieser Stelle tun.

Es ist sehr tagesformabhängig, ob wir uns über so ein Chaos aufregen oder nicht. Es wäre gelogen, wenn wir behaupten, wir würden nicht auch motzen und meckern, wenn die Kinder hier gefühlt alles in Schutt und Asche legen. Aber nach dem Motzen und Meckern bleibt immer ein schales Gefühl zurück – und ein gekränktes Kind. Denn wenn man mal genauer hinschaut, hat das, was die Kinder da veranstalten, in der Regel nicht die Intention, uns Erwachsene zu verärgern. Meist entspringt es dem guten Ansatz, selbst die Welt zu entdecken und den eigenen Erfahrungsschatz zu erweitern. Das gilt vor allem für Kleinkinder, die noch so viel lernen wollen.

Das Kind lässt also nicht das Waschbecken überlaufen, damit ich genervt mit dem Putzlappen auf den Fliesen rumkrieche. Es wollte einfach nur sein Boot fahren lassen und freute sich über das sprudelnde Wasser aus dem „Wasserhagn“, was sein „Böötchen“ ganz von allein bewegt. Und wenn die Küchenfliesen mit Himbeerfarben gesprenkelt sind und die Schale sowie Stücke einer glitschigen Mango am Boden liegen, dann weil die gr0ßen Kinder uns einen Smoothie selbst mixen wollten. Das muss man sich in solchen Situationen ins Gedächtnis rufen, dann klappt es meist mit der inneren Ruhe.

„Gute Kindheit“ muss laut, chaotisch und dreckig sein

Das größte Chaos entsteht meist aus großer Begeisterung und nicht aus Boshaftigkeit. Je fantasievoller Kinder spielen, um so chaotischer sieht dann halt das Kinderzimmer oder die ganze Wohnung aus. An manchen Tagen haben wir dafür mehr oder weniger Geduld. Aber es ist gut, sich immer wieder daran zu erinnern, warum die Kinder all das veranstalten und warum eine „gute Kindheit“ laut, chaotisch und dreckig sein muss.

Einen Großteil ihres Alltags gestalten ohnehin schon wir Erwachsenen, sei es durch zeitliche Vorgaben oder Dinge, die wir geplant haben. Darum ist es auch gut und wichtig, wenn die Kinder immer wieder einfach mal ihr Ding machen. Auch wenn das nicht immer unser Ding ist. Und ja, es ist eine gute Übung in Gelassenheit, es einfach hinzunehmen und zu lächeln und zu wischen. Jede Mutter und jeder Vater hat da eine persönliche Schmerzgrenze – und es ist natürlich gut, auch auf diese zu achten.

Für uns kann ich hier nur sagen, dass sich das Gemecker im Nachklang immer schlechter anfühlt, als einfach staunend auf die Fantasie der Kinder zu schauen. Wenn die Kinder sich in ihren Ideen verstanden fühlen, ist meist die Kooperationsbereitschaft sogar ziemlich groß, das Chaos gemeinsam zu beseitigen. Manchmal motzen wir aber auch einfach nur unreflektiert rum, fühlen uns schlecht dabei und entschuldigen uns anschließend. Das ist auch okay, weil auch wir Eltern immer noch viel lernen können.

Gelassenheit und Humor machen den Alltag mit Kindern aber meist einfacher und schöner. Und fast immer schafft es zumindest einer von uns, den anderen daran zu erinnern. Und dann lachen wir zusammen über unser selbst verschuldetes Chaos, denn schließlich haben wir ja beide all diese Kinder von ganzem Herzen gewollt. Und auch wenn wir manchmal fluchen, lieben wir sie mit all dem Chaos, was zum Kinderhaben dazu gehört.

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9 Kommentare

Nina 20. Juli 2015 - 21:54

Guck mal hier, da poste ich nur solche Bilder: http://salibonani.org/
Viel Ommmm wünsche ich 🙂

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johnny 9. Juli 2015 - 17:54

Ein schöner Text mit viel Wahrheit.
Nur das Titelbild passt ja mal so gar nicht.
So sieht es doch immer aus, wenn Kinder essen, oder? Ich kann da beim besten Willen kein Chaos entdecken. ;D

Liebe Grüße,
Johnny

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Biene 9. Juli 2015 - 17:45

Ein sehr schöner Text!

Ein bisschen mehr Gelassenheit kann nie schaden, gerade im Umgang mit Kindern 🙂

Liebe Grüße, Biene

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Saskia 9. Juli 2015 - 12:36

Ich schimpfe mit meinen Kindern auch nicht, wenn sie Chaos veranstaltet haben. Allerdings versuche ich, der fast 3-Jährigen ein wenig Ordnung beizubringen. Die Jacke an die Garderobe, die Schuhe nicht einfach in den Flur werfen, das benutzte Taschentuch in den Müll, das Müsli-Schüsselchen in die Küche zurückbringen …. ich finde so einfache Regel sinnvoll, damit die Kindern Verantwortung in der Gemeinschaft übernehmen und auch, damit sie sich als verantwortungsbewusste Gemeinschaftsmitglieder respektiert fühlen.

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Hanna 21. Juli 2020 - 20:27

Vielen Dank für diese wahren Worte. Man nimmt es einfach so s persönlich, wenn die Kleinen „schon wieder“ irgendeinen Mist bauen…

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Melanie 9. Juli 2015 - 09:54

Ich finde das gar nicht schlimm!
Bestimmt wäre auch ich nicht besonders erfreut aber ich musste gestern schon bei dem Bild schmunzeln und auch jetzt denke ich nur, das es doch toll ist das die Kinder etwas selber machen möchten! Ich finde das klasse! Guten Appetit 🙂

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Sari 9. Juli 2015 - 09:30

Es gibt so Situationen die kann und muss man einfach mit Humor nehmen, wie du sagst, das Kind will dich ja nicht ärgern sondern hatte einfach Spaß und Forscherdrang in dem Moment und daran muss man sich halt immer wieder erinnern, denn genau das ist es doch, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Ein schöner Beitrag!

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Christine 9. Juli 2015 - 07:33

Guten Morgen,

erfahrungsgemäß hilft es immens beim ruhig bleiben wenn man das Chaos wie oben erst einmal fotografiert 🙂 Sei es das Baby lächeln und nackt in einer Pfütze aus K…, der 2jährige mit Schere und Barbie oder die „große“ 4jährige wie sie den Badezimmerspiegel mit Pocreme einschmiert und Kunstwerke malt.
Wenn man die Bilder dann auch noch dem Papa schickt uns schockierte Smileys zurück bekommt kann man meist selbst drüber lachen, denn beseitigen muss man ja sowieso….
Schönen Tag

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Hanni 9. Juli 2015 - 17:55

Da muss ich an folgendes Zitat denken: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ (Karl Valentin)
Versuchen kann man es zumindest immer wieder

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