Nur ein kleiner Schnitt?

von Anja

Vielleicht hat es tatsächlich persönliche Gründe, dass ich an dieser Stelle noch keinen Artikel zum Thema Dammschnitt geschrieben habe. Vielleicht wünsche ich mir insgeheim auch, dass dieser Eingriff mittlerweile so selten durchgeführt wird, dass er für viele Mütter hoffentlich gar kein Thema mehr ist. Aber das ist leider ein Wunschdenken. Denn noch immer erleben zu viele Frauen einen routinemäßigen Dammschnitt ohne wirkliche Indikation. Und noch viel zu oft ohne ihre wirkliche Einwilligung.

Meinem Dammschnitt vor fast zehn Jahren habe ich zugestimmt. Ich glaube, ich habe damals sogar dafür unterschrieben. Aber auch nur, weil die Episiotomie eine Art Eintrittskarte für die spontane Beckenendlagengeburt war. Als wir nach vielen Wehenstunden die Hausgeburt wegen einer vermeintlichen Gesichtslage abgebrochen hatten und ich mich gedanklich bereits wegen dieser meist geburtsunmöglichen Lage auf dem OP-Tisch liegen sah, hätte ich wohl alles unterschrieben. Als sich die Gesichtslage im Ultraschall als Beckenendlage entpuppte und die damit erfahrene Klinik mir trotzdem die Spontangeburt als Option anbot, hätte ich mir wahrscheinlich auch den kleinen Finger dafür abschneiden lassen. Denn ich hatte einfach Angst. Angst vor einem Kaiserschnitt. Große Angst um mein Kind. Angst um mich. Angst vor was auch immer…

Die Geburtshelfer hatten scheinbar auch Angst. Angst vor rechtlichen Konsequenzen, wenn sie diesen damals noch in ihren Leitlinien stehenden Schnitt in den Damm nicht vollziehen bei einer Geburt, bei der das Baby mit dem Po zuerst geboren wird. Als Hebamme verstand ich dieses Dilemma. Ich war einfach froh, dass ich überhaupt die Chance zum spontanen Gebären bekam. Wahrscheinlich hätte sich keine andere Klinik in Berlin überhaupt darauf eingelassen. Denn mit einer abgebrochenen Hausgeburt hat man schnell den Stempel „verantwortungslos und esoterisch“ auf der Stirn. Und sowas bekämpft man am besten mit Maximalmedizin.

Den Damm und die Frau schützen

Wie oft habe auch im Kreißsaal das „Geläster“ über Frauen mitbekommen, die nach einer abgebrochenen Geburtshaus- oder Hausgeburt in die Klinik kamen. All das habe ich zum Glück in dieser Klinik nicht erfahren. Vielleicht habe ich auch deshalb diesem „Dammschnitt gegen die Angst“ zugestimmt. Ich hatte sonst nicht das Gefühl, dort gegen alles kämpfen zu müssen, wie es nicht wenige Frauen in dieser Situation erleben. Mittlerweile ist zum Glück die spontane Beckenendlagengeburt wieder „normaler“ geworden. Und auch der Dammschnitt wird dabei nicht mehr routinemäßig eingesetzt.

Als Hebamme ist es auch unsere Aufgabe, den Damm vor Verletzungen bei der Geburt zu schützen. Und damit sind nicht nur warme Kaffeekompressen gemeint. Es geht vor allem darum, die Frau darin zu bestärken, die für sie passende Position zu finden und in ihrem Rhythmus mit den Presswehen umzugehen.

Wie sinnvoll das Halten des Dammes ist, ist nicht ganz klar erwiesen. Das Bremsen des Köpfchens in der Austrittsphase kann dazu führen, dass der Damm sich etwas besser anpassen kann und deshalb nicht reißt. Letztlich entscheidet die jeweilige Geburtssituation über das entsprechende Vorgehen. Auch hier ist oft weniger mehr. All diese Maßnahmen sollten natürlich immer in Absprache mit der Gebärenden geschehen. Jede Berührung und jede Intervention bedarf ihrer Zustimmung.

Gab es wirklich eine Wahl?

Als Hebamme weiß ich natürlich, wie so ein Schnitt aussieht und auch wie er sich anhört. Den ganzen Geburtsverlauf über kam immer wieder kurz die Panik davor auf. Angst und Panik sind leider die schlechtesten Geburtsbegleiter. Klar, ich bekam immerhin eine Betäubungsoption vor dem Dammschnitt angeboten. Aber genauso viel Angst machte mir die Idee, eine lange Nadel in diesem Bereich zu spüren. Die Hebammen und Ärzte waren respektvoll und freundlich. Aber trotzdem wurde da etwas getan, das ich absolut nicht wollte. Und vor allem etwas, das überhaupt nicht sein musste. Es kann Geburtssituationen geben, in denen eine Episiotomie angebracht ist. In meinem Fall war sie es nicht, sondern schlicht eine damals in den Leitlinien vorgesehene routinemäßige Intervention.

Unser erstes Kind war lang und schlank und mit seinen 3500 Gramm fast ein Kilo leichter als etwa der kleine Bruder. Alles hat und hätte so gepasst – ganz ohne diesen Schnitt. Ohne das lange und schmerzhafte Nähen danach, was unsere ersten Bondingmomente beeinträchtigte. Ohne diese starken Schmerzen im Wochenbett, mit denen ich anfangs kaum sitzen konnte. Und auch ohne die Wut auf Christian, der das nicht verhindert hat. Als Hebammenmann hatte ich ihn doch so gut aufgeklärt, was ich wollte und was nicht. Wir hatten auch über Episiotomien gesprochen. Und dann saß er einfach stumm daneben, während genau das Gegenteil passierte?

Doch schließlich hatte er auch meine Zustimmung vorher mitbekommen, war komplett übermüdet und wusste natürlich nicht, was wirklich in meinem Kopf vorging. Gab es wirklich eine Wahl? Vermutlich schon, wenn ich konsequent Nein gesagt hätte. Aber ich konnte diese Option in der Situation nicht sehen und durchsetzen. Seit diesem Erlebnis verstehe ich einmal mehr, warum Frauen eben nicht unter der Geburt ihre Vorstellungen und Wünsche klar äußern können. Warum sie nicht „einfach so nein sagen“ können.

Körperliche und seelische Narben

Ein Dammschnitt ist meist ein kleiner Schnitt, keine große Bauchoperation oder ähnliches. Aber er ist eine zugefügte Verletzung an einer extrem sensiblen und intimen Stelle. Deshalb sollte er niemals ohne wirklich Indikation vorgenommen werden, genauso wie andere geburtshilfliche operative Maßnahmen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Episiotomie den Frauen stärkere Schmerzen in der Heilungsphase macht als ein spontan entstandener Dammriss. Oft ist auch die Heilung generell komplizierter und Beschwerden im Wundbereich sehr lange anhaltend. Nicht wenige Frauen haben noch nach Jahren Empfindungsstörungen in diesem Bereich.

Aber auch psychisch macht es einen großen Unterschied, ob sich das Kind selbst mit seinem Köpfchen durch das Einreißen des Dammes etwas Platz geschaffen hat. Oder ob bewusst jemand eine Schere nimmt und damit mehr oder weniger weit in den Damm hineinschneidet. Viele Frauen reden gar nicht oder vielleicht nur mit der Hebamme darüber, weil sie befürchten, dass dafür ohnehin wenig Verständnis vorhanden ist. Schließlich haben unsere Mütter meist routinemäßig einen Dammschnitt bekommen – und „es ist ja nur ein kleiner Schnitt…“

Nein! Das ist es nicht für die Frau, der dies widerfährt. Und je sinnloser die Episiotomie durchgeführt wird, umso schwerer ist sie hinterher zu verarbeiten. Auch ein Dammschnitt hinterlässt Spuren, oft an Körper und Seele.

In der Hebammenkunde steht übrigens folgendes zum Thema: „Der Dammschnitt ist der häufigste chirurgische Eingriff bei Frauen weltweit. Ihm wurden diverse Vorteile für die mütterliche oder kindliche Gesundheit zugeschrieben, die bisher nicht belegt oder sogar widerlegt wurden. Er solte daher nur nach strenger Indikation und sachgemäß durchgeführt werden, um größeren Schaden zu vermeiden.“ (Carroli 2009, Hartmann 2005, David 2005, Gerdin 2007, Aukee 2006, WHO 1996)

Passend zum Thema

24 Kommentare

MamaBlume 19. Januar 2019 - 22:05

>>Wie sinnvoll das Halten des Dammes ist, ist nicht ganz klar erwiesen. Das Bremsen des Köpfchens in der Austrittsphase kann dazu führen, dass der Damm sich etwas besser anpassen kann und deshalb nicht reißt<<

Für mich persönlich der Schlüsselsatz. Ich hab drei Kinder geboren. K1 mit Dammschnitt und – Riss, K2 mit Riss und K3 hat mir nicht mal eine Abschürfung beschert. Es blieb alles heile. Wahrscheinlich weil die Hebamme mein Sternguckermädchen mit der Hand etwas gebremst hatte. Eigentlich ja nur, weil es zu schnell ging und der Arzt noch nicht da war. Schlussendlich kam sie dann trotzdem ohne Arzt zur Welt.
Die Verletzungen nach der Geburt von K1 waren schon heftig, ich bin nach dem Schnitt dann noch ziemlich doll gerissen, weil er aus der hinteren Hinterhauptlage geboren wurde. Vielleicht lag es an meinem Alter von damals 20 Jahren, dass ich die Verletzungen recht gut weg gesteckt habe? Es tat natürlich ein paar Tage weh, war aber schnell verheilt, schon weil die Ärztin da offensichtlich richtig gute Arbeit abgeliefert hatte. Das Glück hatte ich 13 Jahre später bei K2 leider nicht. Ebenfalls wie der Geschwister kam sie als Sterngucker zur Welt. Und obwohl sie die Kleinste und Leichteste von allen drei war, hat sie den größten Flurschaden angerichtet, den der Arzt hinterher sehr schlampig versorgt hatte. Meine Frauenärztin war bei der Nachsorge erschüttert. Den Dammriss hatte er noch halbwegs gescheit genäht. Den Scheidenriss spüre ich heute noch. K2 au grad vier Jahre alt geworden. Dass der nicht zwei Jahre später wieder aufgerissen ist, verdanke ich wohl vor allem der Hebamme, die meine Tochter abgebremst hatte 🙂 Ich bin bis heute sehr froh drum. Denn der diensthabende Arzt war dummerweise der selbe wie bei der Geburt von K2 o.O

Antworten
Karen 19. Januar 2019 - 20:54

Ich habe 3 Kinder geboren und 3 Mal um einen Dammschnitt gebeten dabei- ich habe es als sehr befreiend empfunden, diesen gezielten Schnitt. Das reißen finde ich wesentlich schlimmer. Ich war dankbar über die Möglichkeit, die Köpfe waren einfach sehr groß. Also das verteufeln finde ich etwas übertrieben…

Antworten
Ricarda 14. Februar 2017 - 05:36

Wo ich mir so Eure Kommentare durchgelesen habe, ist bei mir schlagartig wieder mein Dammschnitt-Trauma hochgekommen – und das ist sogar schon mehr als 18 Jahre her! Aber mir dreht sich immer noch der Magen um, wie Ärzte und Hebammen gegen den ausdrücklichen Wunsch der Patientinnen zuwider handeln –
Ich wollte auch keinen Dammschnitt – habe dies immer wieder wiederholt. Hebammen kamen und gingen und letztendlich saß ich mit einer riesigen, klaffenden ca. 8-10 Zentimeter langen Schnittwunde da, bzw. ich kauerte, weil man nach so einem Schnitt natürlich nicht einmal annähernd normal sitzen kann.
Komisch, was einem in der angeblich besten Geburtsklinik in Österreich ( Feldbach/Steiermark) widerfahren kann, wenn man eigentlich per Wassergeburt entbinden wollte, sogar dafür wochenlang vorab vorgemerkt war und dann wie ein sich windender Käfer ein „Elefantenbaby“ auf einem mit Papier ausgelegten Tisch aus sich herausdrücken soll – und das nur Mithilfe von dämlichen Kommentaren einer Hebamme jenseits der 65!!! Und meine Wunschhebamme zu Beginn war knapp 24 Jahre – aber die hat sich dann im Laufe meiner Geburt einfach verdrückt – und das obwohl meine Geburt (war meine erste) kaum 3 Stunden insgesamt gedauert hat !! Das muss man sich erst einmal vorstellen – die ging einfach nach Hause und meinte nur noch zu mir: Meine Kollegin kommt eh gleich und übernimmt – hallo, ich stand nicht etwa vor einer Wursttheke und habe gewartet, sondern ich lag in den Wehen!!!!!!!! So viel zur Einfühlsamkeit meiner Geburtshelferin – aber darauf bereitet einer keiner vor bei der Geburtsvorbereitung, dass die Hebamme einfach die Kurve kratzt!!!!!!!!!!!!!

Aber das Tüpfelchen auf dem i kommt noch: Ich wurde dann schließlich von einem Assistenzarzt zusammengenäht, weil eine Hebamme nur bis zu einer gewissen Schnittlänge zunähen darf (anscheinend doch nicht so unkompliziert einen so Riesendammschnitt wieder zusammen zu flicken) – ich hab dankend abgelehnt und nach einem erfahrenden Arzt verlangt, der meine klaffende Wunde wieder schließen sollte – immerhin konnte ich mir einen herumliegenden Spiegel schnappen und bekam so den Schnitt vor sich hin blutend zu sehen – live und in Farbe (war kein schöner Anblick und auch nix für Weicheier) – und ich hatte bis dato schon so einiges gesehen!!!!! Wie ein Schwein zum Ausbluten aufgehängt wurde und wie sich mal ein Kerl seinen Daumen vor mir abgehackt hat – aber selbst diese Erlebnisse waren kaum zu vergleichen, wenn man selber mit einer klaffenden Wunde dasitzt und vor sich hin blutet… man wünscht sich nur noch in Ohnmacht zu fallen, damit man den Scheiß nicht mehr mitbekommt!!!!

Und zusammen genäht wurde ich schließlich doch von dem unerfahrenen Assistenzarzt, der in der Klinik dort nur deswegen schalten und walten durfte wie er wollte, weil sein Bruder ein berühmter Skifahrer ist – und die haben in Österreich quasi die „Narrenfreiheit“ weg und dürfen sich so gut wie alles herausnehmen.
Und was dabei herauskam, war eine von vorne bis hinten verpfuschte Dammnaht – war für mich auch keine große Überraschung war – nur hat eben der ganze Geburtsstress dazu geführt, dass ich einen sogenannten Geburtsschock erlitten habe – und der hat dann wiederum dazu geführt, dass meine Milch nicht wie geplant „eingeschossen“ ist – also Dank der Horrorgeburt konnte ich auch nicht wie geplant stillen und entlassen wurde ich schließlich mit einem unerkannten MILCHSTAU. Und keine zwei Tage später saß ich wieder in einem Sprechzimmer einer Ärztin mit meinen Mega-Milchstaubrüsten, vor Schmerzen schon ganz grün im Gesicht !!! Denn weder Abpumpen, noch die Milch austropfen lassen, ließen meine schmerzenden Oberhämmer noch zu – die waren dicht. Und ich hatte nur noch eine Option – Abstillen im Eiltempo oder eine umgehende Not OP an den Brüsten. Aber das nennt sich die beste und fortschrittlichste Entbindungsstation Österreichs – wie schon erwähnt – FELDBACH in der STEIERMARK.
Aber wenn ich auch nur annähernd geahnt hätte, was mich dort erwartet, hätte ich eine Entbindung in einem Kuhstall mit einem Tierarzt als Geburtshelfer allemal vorgezogen – denn noch inkompetenter hätte man mich dort auch nicht behandeln können – und für so etwas zahlt man jahrelang in die Krankenkasse ein, damit man behandelt wird wie ein Stück Vieh ohne Stimmrecht –

Sorry, hört sich alles total krass an, aber es ist genau alles so passiert, wie hier geschildert. Denn Schmerzmittel während der Geburt – Fehlanzeige – danach hatte ich nämlich verlangt – ich wollte eine möglichst schmerzfreie Geburt/Wassergeburt – aber ich bekam NICHTS – absolut gar nichts zur Schmerzlinderung und deswegen habe ich auch keine einzelne Sekunde vernebelt erlebt. Und selbst nach 18 Jahren wache ich noch ab und zu Schweiß gebadet auf, den Albträume bleiben nach so einem Erlebnis natürlich nicht aus. Und die Dammnaht hat mehr als 10 Jahre noch nachher bei jeder Periode geschmerzt wie die Hölle – also von wegen ein kleiner Schnitt – nichts Weltbewegendes. Ich nenne es vorsätzliche Körperverletzung – insbesondere wenn der Schnitt gar nicht notwendig war. Denn eine Geburtsklinik, die keine 3 Stunden für eine Geburt erübrigen kann, sollte eigentlich geschlossen werden.

Ricarda

Antworten
Frau E. 30. März 2016 - 13:04

Hallo Anja,

ich habe gerade einen Artikel gelesen, der mich echt fassungslos und ärgerlich macht. Er liest sich wie eine große Werbetrommel für den Kaiserschnitt und wirkt auf mich (Mutter zweier Kinder) angstmachend vor einer natürlchen Geburt:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/natuerliche-geburten-koennen-dem-beckenboden-schaden-14059408.html

Habe nach dem Lesen des Artikels reflexartig die Autorin gegoogelt, weil ich diese Art Artikel nicht fassen konnte. Sie hat wohl unter anderem „Königsweg Kaiserschnitt“ verfasst. Wenn der Titel nicht etwas über die innere Haltung verrät…

Was denkst Du? Regst Du Dich über solche Artikel noch auf oder ist nach Jahren der Hebammerei eine besondere Art „Gelassenheit“ solchen Dingen gegenüber eingetreten?

Lieben Gruß
Frau E.

Antworten
Geburtswege 30. Juni 2015 - 07:40

[…] kenne das auch, als aus unserer ersten geplanten Hausgeburt plötzlich die Beckenendlagengeburt mit Dammschnitt in der Klinik wurde. Am Anfang sah ich auch auf den ersten Fotos primär den Venenzugang an meinem […]

Antworten
Magdalena 29. Juni 2015 - 22:49

Ich bin ganz glücklich, das hier hinschreiben zu dürfen: ich habe bei der letzten Wehe einen Schnitt bekommen. Die Geburt liegt bald ein Jahr zurück und es ist nie mehr das gleiche Gefühl gewesen, mit meinem Mann zu schlafen. Ich vermisse das alte Gefühl unendlich. Kann es je wiederkommen oder ist es für immer verloren?

Vielen Dank für diesen Blog! Beste Grüße, Magdalena

Antworten
Anja 29. Juni 2015 - 23:36

Liebe Magdalena,

narbenbedingte Schmerzen können sich durchaus noch bessern. Dieser Artikel gibt gute Anregungen zur Pflege:http://www.hebammenblog.de/dammpflege-nach-der-geburt/
Sonstige Veränderungen sind oft Beckenboden-bedingt und der ist, da ein Muskel, ein Leben lang trainierbar:)

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Anne 9. Juni 2015 - 22:01

Bei meiner ersten Geburt, die eingeleitet wurde und nach sehr schmerzhaften Stunden mit einer Saugglocke und dem dazugehörigen (so wurde es mir erklärt) Dammschnitt endete, konnte ich zwei Wochen lang nicht sitzen und hatte ziemliche Schmerzen. Die zweite Geburt, 2 jahre später, verlief zum Glück viel besser, jedoch kurz vor Austritt des Köpfchens sagte die Hebamme sie müsste mich schneiden denn das alte Narbengewebe sei sehr verhärtet und wenn sie nicht schneidet dann besteht die Gefahr, dass ich reiße bis zum Ar***. Im Wochenbett habe ich sie mal gefragt, ob ich bei einer weiteren Geburt wieder geschnitten werden würde und sie meinte die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch. Ich habe zum Glück eigentlich keine Probleme mit meiner Narbe aber ein mulmiges Gefühl hinsichtlich einer erneuten Geburt und der Optionen wieder geschnitten zu werden oder maximal aufzureißen…

Antworten
Maria 6. Juni 2015 - 22:59

„Als sich die Gesichtslage im Ultraschall als Beckenendlage entpuppte und die damit erfahrene Klinik mir trotzdem die Spontangeburt als Option anbot, hätte ich mir wahrscheinlich auch den kleinen Finger dafür abschneiden lassen. Denn ich hatte einfach Angst. Angst vor einem Kaiserschnitt. Angst um mein Kind. Angst um mich. Angst vor was auch immer…“

Du sprichst mir aus der Seele. Ich war beim Geburtsmodusgespräch wegen BEL. Da hab ich dann auch was unterschrieben. Vermutlich war da auch das Thema Dammschnitt dabei? Denn während der Geburt wurde ich nicht mehr gefragt. Und das habe ich auch nie in Frage gestellt, denn ich möchte nicht wissen, was ohne gewesen wäre. Unser Sohn musste mit der Zange geholt und reanimiert werden. 72 Stunden Kühlung und schlimmste Prognosen… Der Dammschnitt ist gut verheilt (nur ich fühl mich noch nicht wohl) und mein Sohn liegt nun in meinen Armen, wirkt gesund (LEBT und ist NICHT mehrfach schwerstbehindert). Darum ist dieser kleine Schnitt mir eigentlich total „egal“. Wenn er das Leben des Kindes rettet (gut, trotz Dammschnitt stand es auf Kipp), wenn jede Minute zählt…

Antworten
Anja 7. Juni 2015 - 20:41

Liebe Maria,

danke für Deinen persönlichen Kommentar. So wie Du es beschreibst, hört sich da der Dammschnitt als absolut indiziert an. Für geburtshilfliche Notfälle gibt es zum Glück die geburtshilflichen operativen Eingriffe, die oft Schlimmeres abwenden. Das steht völlig außer Frage. Es geht mir wirklich um die einfach routinemäßigen Interventionen, für die es keine Indikation gibt. Damit hadern Frauen (einschließlich mir) meist wesentlich mehr als mit Situationen, in denen es wirklich erforderlich war. Und natürlich ist bei so einem Verlauf, wie Du Ihn erlebt hast, der kleine Schnitt das „kleinste Übel“, weil sich sicherlich auch die Prioritäten komplett verschieben. Ich hoffe aber trotzdem, dass auch Du eine gute Begleitung hast, mit der Du das Erlebte gut verarbeiten kannst. Alles Gute für Euch und liebe Grüße, Anja

Antworten
Key 6. Juni 2015 - 21:59

Liebe carina,
Verbuch es besser unter besch…. Krankenhaus.
Ich hatte eine heftige (eingeleitete), aber schöne Geburt mit wenigen „schürfwunden“, weil super Hebamme! Ich kannte die nichtmal, weil gerade Schichtwechsel war und die nur tz dort arbeitete. Hatte ich eine Angst mit jmd zu arbeiten den ich gar nicht kannte….vielleicht war das auch unser Vorteil, weil wir gut aufeinander geachtet haben und meine Wünsche „gespürt“/ gehört wurden.
Die Ärzte im Vorfeld hätten mich am liebsten noch drei Wochen weiter tragen lassen und dann mit hauruck/ Schnitt/ Glocke (damit wollten die mir die Angst nehmen )
Ich habe dann mit meinem Mann genau durchgesprochen was ich will und was nicht (falls ich nicht mehr Herr meiner Sinne bin) und den Ärzten habe ich gesagt wie ich mir das vorstelle (da waren nämlich keine besonderen Wünsche bei außer „so wenig Eingriffe wie möglich) oder das Kind kommt woanders zur Welt….manchmal ist das denke ich nötig, damit man wieder ernst genommen wird.
In der rübi habe ich dann erfahren dass der Prof und der leitende OA immer schneiden-ungefragt- und dann noch bis zum After voll durch….schlimm sowas…dass Frau immer erst „zickig“ werden muss damit die Kerle einem zuhören

Antworten
Carina 8. Juni 2015 - 15:56

Danke Key, das versuche ich – bei uns schließen nur gerade die Geburtsstationen in der Umgebung und ich hab jetzt schon Schiss, dass ich bei einem eventuellen 2. wieder dahin muss. 🙁

Ich hab ja auch einen Schichtwechsel mitgemacht und vor dem Schichtwechsel war alles bestens. Nach dem Schichtwechsel wusste ich gleich, dass gar nix mehr passt, was in diesem Fall nicht an den Ärzten sondern an der anwesenden Hebi lag. Sie hat quasi nicht mit mir gesprochen, trotz Nachfragens, hat einfach gemacht und gegen Ende war ich dann so am Ende, dass ich gar nichts mehr auf die Reihe bekommen hab. Mein Mann war seinerseits zu nix mehr in der Lage und als dann unangekündigt kristellert wurde und ich schrie, dass ich Angst habe, wurde ich nur mehr oder minder belustigt gefragt, was ich denn habe und wovor ich denn bitte Angst habe. In dem Zusammenhang war der einfach durchgeführte Dammschnitt sicher das kleinere Übel. 🙁

Antworten
Rosalie 6. Juni 2015 - 21:21

2x Uniklinik, 1x lange und problematische Geburt – 0 Mal wär jemand auf die Idee gekommen zu schneiden. Dafür mit Phobie vor Nadeln 1x ohne Betäubung genäht, da es kleinere Risse gab. DAS war echt nicht schön. Aber mei, was macht man nicht alles für Kinder. Jedenfalls waren die Unikliniken in 2 versch. Ländern beide super besetzt – Hebis und Ärzte. Kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen.

Antworten
Kathrin 5. Juni 2015 - 22:24

Ich habe bei meiner ersten Geburt um einen Schnitt gebeten, da sich die Geburt schon recht lange hin zog und ich meine Kräfte schwinden merkte. Meine Beleghebamme hat’s dann auch getan, aber offensichtlich sehr geübt. Ich hab’s nicht gemerkt, mein Mann hat’s gehört. Auch das Nähen habe ich nicht gemerkt, ich hatte nur Augen für meinen Sohn ! Bei der Geburt meiner Tochter 2,5 Jahre später klappte es ohne Schnitt wieder mit der gleichen Beleghebamme. Allerdings kam die Plazenta nicht, nicht mit warten, nicht mit Eis, nicht mit Akkupunktur , nicht mit Globulis , nicht mit mehrmaligen Drücken und pressen auf meinem Bauch (am Ende 2 Ärztinnen, sie haben sich vorher entschuldigt, sie wollten mich vor der OP bewahren). Ich habe meine Hebamme auch gebettelt noch zu warten, doch dann begann ich zu bluten, also OP. Am Ende wurde aus der manuellen Nachtastung eine instrumentelle von 2 Std. Ich habe fast 1 l Blut verloren, meine Hebi meinte sie hat den Arzt überredet weiter zu machen, denn er wollte eigentlich meine Gebährmutter entfernen. Dabei wurde ich auch im Eifer des Gefechtes wohl wieder geschnitten. Meine Gebährmutter habe ich behalten, aber sonst habe ich mich gefühlt wie verprügelt. Mir tat der Bauch weh, mir tat alles unten herum weh. Die Nachuntersuchung 6 Wochen nach der Geburt war elend, das ist jetzt fast 2 Jahre her, es ist jetzt alles wieder in bester Ordnung, doch ich kann mir nicht vorstellen ein 3. Kind zu bekommen… Ich war mit allem unter der Geburt einverstanden und nachdem ich im OP war auch froh eine Vollnarkose zu bekommen. Ich war froh nach der OP, das alles gut gegangen ist, doch hängt mir der Schock über den Verlauf bis heute nach- ich hatte mein süßes Baby im Arm, habe sie das erste Mal gestillt und dann so ein Drama! Im KKH hat man mir alles gar nicht erzählt, erst zu Hause meine Hebi, die erleichtert war, dass ich mich körperlich so schnell und gut erholt habe (also mein Baby versorgt habe, rum gelaufen bin und so…). Der Schnitt war mein kleinstes Problem, mir hat gefühlt der ganze Geburtskanal zumindest bis zum Muttermund weh getan. Das hat ewig zum heilen gebraucht…

Antworten
Anna 5. Juni 2015 - 12:52

Meine Erfshrungen mit Dammschnitt:
In der Klinik weitaus häufiger weil die Frauen sehr oft auf dem Rücken liegen und der Damm viel mehr strapaziert wird beim Pressen. Ein Riss, bzw. ein Schnitt( weil die Geburtshelfer Angst haben, dass noch mehr kaputt geht) ist dann ja fast vorprogrammiert.
Im Geburtshaus und zu Hause habe ich als Hebamme kein einziges Mal geschnitten, am Ende habe ich noch nicht einmal mehr den Dammschutz gemacht, sondern die Frauen haben das selber gemacht. Und das war auch meine eigene Erfahrung: Bei der letzten Geburt habe ich keine Verletzung erlitten, obwohl ich bei den ersten beiden Geburten gerissen bin.
Das Risiko einer Dammverletzung wird minimiert durch das Selbstwählen der Geburtsposition, selber die Hand am Köpfchen des Kindes haben, Mitpressen nach Gefühl und generell eine einfühlsame Geburtsbegleitung, egal wo.
Wenn geschnitten werden muss, sollte IMMER, IMMER das Einverständnis der Frau eingeholt werden. So anwesend sind immer noch alle Frauen am Schluss der Geburt. Diese Zeit muss einfach sein.

Antworten
Kati 5. Juni 2015 - 10:47

Bei meiner 1. Geburt vor 10 Jahren hatte ich auch einen Schnitt. Auch ich habe diesen nicht als so schlimm empfunden. Allerdings erinnere ich mich, dass die Wochen hinterher schon sehr unangenehm waren. Zum Glück ist alles gut verheilt.

Bei meiner 2. Geburt (die ich ansonsten als sehr kraftgebend und „gut“ erlebt habe), hatte ich einen Dammriss 4. Grades (großes und schweres Baby mit breiten Schultern und rel. großem Kopf). Die Ärztin hat mich allerdings prima wieder zusammengeflickt. Die Narbe ist zwar sehr gut verheilt, jedoch sind nach der Geburt im Krankenhaus einige unglücklichen Dinge passiert, weswegen ich fast verblutet wäre. Ob diese im direkten Zusammengang mit dem Riss standen, lässt sich natürlich nicht klar sagen. Meine Hebamme meinte allerdings ja.

Risse wären sicherlich ein Thema für einen ganz eigenen Blogbeitrag (oder gibt es den schon?). Mich würde an dieser Stelle trotzdem interessieren, wie ein Dammriss 4. Grades eingeordnet werden sollte.

Bei meiner 3. Geburt (zu Hause, hab mich im KH nicht mehr sicher gefühlt) hatte meine Hebamme gemeint, dass ein Riss 4. Grades schon sehr heftig wäre und einer erfahrenen Hebamme eigentlich nicht passieren dürfte.

Antworten
Carolin 5. Juni 2015 - 09:58

Ich wollte mein Kind nach frühzeitigem Blasensprung (14 Tage vor ET) im Geburtshaus bekommen. Ich war super optimistisch, hatte keine Angst und fühlte mich gut vorbereitet. Hatte jedoch keine Wehen, bis ich von der Geburtshaushebamme Rizinusöl bekam.

Nur kurze Zeit später hatte ich unglaublich krasse Wehen. Ich lag schreiend im Bett und konnte mir NICHT vorstellen, wie ich auch nur eine weitere davon aushalten sollte (und bis jetzt bin ich der Meinung, dass diese Wehen bereits unglaublich krass waren, auch wenn sie selbstverständlich noch krasser wurden). Nach ca. 24 Std. im Geburtshaus unter unerträglichen Wehen und keinem fühl- oder sichtbaren Geburtsfortschritt wurde meine Hebamme sichtlich unsicherer. Sie war nicht in der Lage mir Geborgenheit oder Sicherheit zu geben. Das merkte ich erst als sie die zweite Hebamme rief, welche mir zumindest für kurze Zeit die Hand hielt und einfach da war, und ganz ruhig. Sie war übrigens auch der Meinung, dass ich ins Krankenhaus müsse – und zwar so schnell wie möglich.

Trotz Protest meiner Hebamme entschieden wir uns, in das benachbarte Krankenhaus umzuziehen. Mein Muttermund war nach wie vor zu und ich war am Ende meiner Kräfte. Meine Hebamme schien verunsichert und orientierungslos und ich war nach ca. 30 Std. ohne Schlaf und ca. 20 Std. Wehen völlig kraftlos.

Nach einem Tropf (Ich hatte seit Platzen der Fruchtblase nichts gegessen und mich mehrmals zwischen den Wehen übergeben, weil sie so krass waren – ich war völlig erschöpft und kurz vor der Ohnmacht), später einer (dringend notwendigen, obwohl ich vorher auf keinen (!) Fall eine wollte) PDA, im Resultat daraus eines Wehentropfes (Muttermund nach 25 Std. Wehen immer noch zu) und letztlich eines großen Dammschnitts, weil ich nach der langen Tortur und aufgrund der starken PDA nicht mehr in der Lage war zu pressen) wurde mein Sohn ca. 44 Std. nach vorzeitigen Blasensprung geboren.

Definitiv war der Dammschnitt eine schreckliche Geburtsverletzung, der ich auch so nicht zugestimmt hatte. Ich konnte knapp 3-4 Wochen nicht sitzen und habe sehr unter den Heilungsschmerzen sehr gelitten. Dennoch glaube ich, dass mein Sohn ohne diesen Schnitt nicht geboren worden wäre – sein Kopf war riesig und ich war nicht in der Lage, zielgerichtet zu pressen.

Mein Dammschnitt ist die schlimmste und traumatischste körperliche Verletzung, die mir bisher zugefügt wurde. Er bereitet mir bis heute teilweise Schmerzen. Jedoch war er in meinem Fall dringend notwendig und ich bin der Klinikhebamme (die übrigens fantastisch war) dankbar dafür, dass sie ihn gesetzt hat. Was ich daraus gelernt habe ist, sich die letzten Wochen vor der Geburt tatsächlich zu schonen und regelmäßig durchchecken zu lassen. Eine frühzeitiger Blasensprung (oft verursacht durch eine Infektion oder zu große körperliche Anstrengung) sollte unbedingt vermieden werden, da er in der Regel zu einer eingriffreichen Geburt führt. Angefangen bei wehenfürdernden Mitteln, Wehentropf, PDA, ggf. Dammschnitt, Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt – was sich alles auch oft bedingt. Meiner Meinung sollte im Geburtsvorbereitungskurs und auch von Hebammen mehr auf diesen Sonderfall vorbereitet werden, da er ja gar nicht so selten zu sein scheint (in meinem Geburtstvorbereitungskurs wurde eine vorzeitiger Blasensprung gar nicht beesprochen, weil er so selten sei!) – aber mindestens 30% der mir bekannten Geburtsgeschichten handeln davon und resultierten fast ausschließlich in einer extrem langen und eingriffreichen Klinikgeburt.

Antworten
Jana 5. Juni 2015 - 09:51

Die gleiche Geschichte habe ich erlebt. BEL und Dammschnitt (da ich von der BEL wußte, allerdings direkt in der Klinik). Ich hardere nicht so damit, denn es ist super verheilt und ich war einfach nur glücklich, um eine Sectio herum zu kommen, die mir sogar erfahrene Kolleginnen vorausgesagt haben (auch blöd, nicht?).
Aber ich weiß, dass es unnötig war. Es war einfach die übliche Routine, mangelndes Vertrauen in den weiblichen Körper, mangelnder Mut.
Da wo ich arbeite haben wir heute eine Dammschnittrate von unter 6%. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal geschnitten habe. Ich bin sehr froh darum. Wenn ich aber Frauen im häuslichen Wochenbett betreue, sind sie selten ohne Naht. Mich wundert und ärgert das immer sehr, zumal ich jetzt seit vielen Jahren sehe, wie gut es fast immer ohne Schnitt geht.
Es ist gut immer wieder auch auf das Recht „nein“ zu sagen hinzuweisen. Danke dafür!

Antworten
Linda Damianik 5. Juni 2015 - 09:50

Für die einen – meist den schulmedizinischen Arzt, für den die Geburt ein manueller Vorgang ist, bei dem es zu bewerten gilt – ähnlich wie bei einem guten Wettbewerb – dass alles nach Vorschrift abläuft und wenn dies ltaut Büchern (Betriebsanleitung) und CTG Messung nicht (mehr) der Fall zu sein scheint, dann wird eingegriffen, nachgeholfen, manipuliert, mit was auch immer zur Verfügung steht – ähnlich wie bei einem Formel I Rennen – wo um jeden Meter und Sekunden gerungen wird, aber eine Geburt ist kein Formel I Rennen, wo es um Sieg oder Niederlage geht, der Körper der Frau ist keine Maschine und auch kein Rennauto, dem man kurz vor Ende noch schnell die Reifen tauscht und durch eine direkte Leitung in den Puls Kraftstoff zur Verstärkung einleitet, damit noch ein paar Meter schneller herausgeholt werden können und damit das Auto nicht vielleicht auf der Zielgeraden Gefahr läuft, ab zu sterben und liegen zu bleiben, wird nachgeholfen, manipuliert, eingegriffen, aus der Sicht des schulmedizinischen Arztes prozessoptimiert, ohne zu fragen, was und wie sinnvoll diese Zielverherlichung ist, weil es geht ja scheinbar um das Gewinnen des Rennens und diesem muss alles unterworfen werden, nicht um das Erreichen größtmöglichen Glücks, Lebensqualität, denn das Auto, die Maschine, der Körper kann ja danach mit Ersatzteilen wieder aufgepeppt und so fit gemacht werden, dass das System auch ein weiteres Rennen überstehen kann, wo es ein weiteres Mal“nur“ um den Gewinn gehen wird, ABER Gewinn für wen? Aus meiner Sicht für den Rennstall (=KH), indem frau sich verpflichtet hat, alles zu geben, damit das Ergebnis stimmt und der Gewinn gesichert wird. Daher scheint´s auch, dass frau vorher den Vertrag unterschreiben muss, sich zu verpflichten, alles zu geben und jeder Maßnahme, die (aus der Sicht des Rennstalls) notwendig zu sein scheint zu zustimmen, alles das mit und zu ertragen, was für diesen Sieg getan werden kann und muss, um den Sieg heim zu tragen.

Aber eine Frau ist keine Maschine, kein Formel I Bullide mit Ersatzteillager, sondern ihr Körper ist eine lebende Maschine, die aus sich heraus in jeder Sekunde optimalst funktioniert, wo das Optimum schon seit Anbeginn gespeichert ist, in Testläufen davor noch die Feinabstimmung installiert werden kann, wo es dann keine Fehlschaltungen gibt und daher auch zu keinen Fehlleistungen kommen kann, weil sich dieser wunderbare, biologische Körper selbst einstellen, optimieren, programmieren und prozessoptimiert auch ausführen kann, was seine Aufgabe ist, nämlich Leben hervor zu bringen, ohne Hilfe von Außen oder irgendeines Zutuns, weil dies in jeder Zelle (somit sogar in den körpereigenen Ersatzteilen) gespeichert ist, somit jede Zelle ihre Aufgabe kennt und weiß, was zu tun ist, auch ohne einer Manipulation von Außen.

Geburt ist kein Autorennen, dies sollte frau mit dem Geburtshilfeteam vorher abklären und für sich und im eigenen Interesse verhandeln, was in dem Vertrag drinnen steht, dem sie zustimmen kann und nicht blind und unhinterfragt ausgeliefert unterschreiben, was sich dann in der Extremsituation, wo dann auch vertraglich abgesichert gegen den Willen der werdenden Mutter gehandelt werden kann, weil sie ihre Zustimmung gegeben hat, sich dem Rennstall zu unterwerfen, vorgegangen wird.

Die Hebamme scheint im Zusammenhang mit Geburt im KH fast wie ein Mechaniker im Rennstall, der die Zulieferarbeit erledigt, damit der Rennstall den Sieg einfahren kann.

Da stoßen 2 verschiedene Weltanschauungen aufeinander und jeder Mensch, in dem Fall eher die Frau muss sich VORHER überlegen, was und wie ihre Wünsche und Vorstellungen sind, welche Möglichkeiten sie aus sich heraus und ihrem Körper hat, ohne auf das Außen angewiesen zu sein und diese ureigentlichen Mechanismen, die in jeder Körperzelle gespeichert sind, im Falle der Notwendigkeit aktivieren zu können, dies auch vorher lernen, erfahren, verstehen, trainieren und dann optimalst in der Situation anwenden zu können. Dies ist möglich und jede Frau sollte sich daher in einer guten Vorbereitung, wo SIE das Gefühl hat, ihre ureigentlichen Fähigkeiten werden ernst genommen, anerkannt, geschätzt, gefördert und ihr damit möglich gemacht, dass sie als Mensch ein lebendiges Wesen ist, deren ureigentliche, weibliche Funktion es ist, Leben aus ihrem Körper heraus auf die Welt zu bringen, ohne dass es einen Prozessoptimierer von Außen braucht, dies auch in der Situation der Geburt auch zeigen zu können, was in ihr steckt.

Antworten
Sarah 5. Juni 2015 - 09:15

Und generell möchte ich noch hinzufügen: ich wurde über alles unter der Geburt informiert, immer gefragt was ich möchte und zu nichts gezwungen. Ich habe wollte keine PDA, habe aber ja zum Wehentropf gesagt. Meine Entscheidungen wurden immer akzeptiert. Dafür bin ich meiner Hebamme und Ärztin heute noch dankbar. Selbst als die Plazenta wirklich lange nicht geboren wurde, haben sie alles versucht um eine OP zu vermeiden – mit Erfolg. Dafür bin ich den beiden echt dankbar. Klinikgeburten können also auch schön und selbstbestimmt sein 🙂 Ich bin aber auch schon recht entspannt an die Geburt heran gegangen, weil ich durch meine Vorsorgehebamme toll informiert war, selbst viel Fachliteratur gelesen habe und einfach auch darauf vertraut habe, dass mein Körper weiß was er da machen soll 😉

Antworten
Sarah 5. Juni 2015 - 09:08

Ich war weder für noch gegen einen Dammschnitt, sondern habe es auf mich zukommen lassen. Als die (wirklich tolle!) Klinik-Hebamme dann sagte: „Wir würden gerne einen kleinen Schnitt machen“ habe ich zugestimmt. Da steckte meine Tochter schon ein paar Presswehen lang fest und es ging nicht vor und nicht zurück. Sofort nach dem Schnitt ist sie dann mit der nächsten Wehe geboren. Ich habe den Schnitt nicht gemerkt und meine Ärztin hat ihn hinter wunderbar genäht (in der Zeit saß der Papa mit meiner Tochter auf den Arm genau neben uns) und ich hatte kaum Schmerzen hinterher.

Es geht also auch ohne große Schmerzen, mit eigener Entscheidung und ohne Trauma. Das sollte man nicht vergessen! Vielleicht kannst du das in deinem Bericht vermerken? Es ist doch schade, wenn alle nur Angst vor dem Dammschnitt/-riss haben, es kann, aber muss nicht immer schlimm sein 🙂

Ansonsten wollte ich schon ewig sagen, wie gerne ich deine Artikel lese! Schon in der Schwangerschaft habe ich deinen Blog von vorne bis hinten durchgelesen und auch jetzt 8 Monate nach der Geburt freue ich mich über jeden Artikel!

Antworten
Anja 5. Juni 2015 - 10:31

Liebe Sarah,

danke für Deine Worte und das Teilen Deiner positiven Erfahrung. Die Notwendigkeit für die Epi und das selbstbestimmte Einverständnis dazu sind so oft der Schlüssel zu einem guten Geburtserlebnis TROTZ unangenehmer Interventionen. Deine Hebamme wird sicherlich auch nur ganz , ganz wenig geschnitten haben und wahrscheinlich median (also mittig), was meist auch besser heilt als ein seitlicher Schnitt.
Der Dammschnitt hat seine Berechtigung in der Geburtshilfe, ebenso wie die Saugglocke, der Kaiserschnitt oder die Geburtseinleitung. All das muss aber (wie ganz unten geschrieben) immer absolut indiziert sein und sollte weder prophylaktisch noch sonst irgendwie unüberlegt geschehen. Das ist es in Deinem Fall auch nicht.
Ich habe früher auch in den Kursen erzählt, dass die Epi meist auf dem Höhepunkt der Wehe geschnitten wird und deshalb kaum gespürt wird. Die Realität sah aber doch oft anders aus, weshalb es z.B. auch sinnvoll sein kann, eine Betäubung anzubieten, wenn noch Zeit da ist. Im Vergleich zu den Zeiten unserer Mütter hat sich bei dem Punkt Dammschnittrate schon vieles verbessert – siehe auch Janas Kommentar hier- doch jeder Schnitt ohne wirkliche Indikation ist einer zuviel:(

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Mia 5. Juni 2015 - 08:39

Ich habe zwei Kinder. Das erste mit Dammschnitt, das zweite mit Riss. Beide Krankenhausgeburten in einem kleinen Krankenhaus. Ich hatte vorher riesige Angst vor einer Dammverletzung auf welche Art auch immer. Bei der ersten Geburt waren das Baby und ich am Ende unserer Kräfte. Der Wehentropf half wohl nicht und die Herztöne fielen ab. Und da kommt das eigentlich schlimme. Ich hatte Angst. Und keine Ahnung von notwendigen oder nicht notwendigen Maßnahmen. Die Hebamme im Vorbereitunskurs warnte vorm Kristelleren, Die Oberärztin presste nun auf meinem Bauch herum und setzte zudem nach lokaler Betäubung die Saugglocke an. Ich wurde informiert „wir müssen jetzt“ aber nicht wirklich gefragt, Zumindest habe ich mir die Glocke vorher zeigen lassen. Aber nein hätte ich bestimmt nicht gesagt….. denn ich hatte – habe ja keine Ahnung…ist das jetzt notwendig? Oder doch nicht ? Das finde ich am Schlimmsten. Dieses Unwissen, was ich und mein Baby gerade brauchen. Mein zweites Kind kam mit Hebammenbegleitung, ohne anwesende Ärzte (bei Nummer eins Arzt und Oberarzt) zu Welt, ohne Wehentropf und Schnitt, ohne kristellern. Und ich hatte bei beiden Geburten das Glück, dass die Dammverletzungen schnell und problemlos heilten und es auch beiden Kindern gut ging.

Antworten
Carina 5. Juni 2015 - 07:58

Ich hab beim Aufnahmegspräch in meiner Akte explizit vermerken lassen, dass ich KEINEN Dammschnitt möchte. Bekommen habe ich ihn trotzdem, ohne auch nur einmal gefragt zu werden. Genauso wie es den Wehentropf gab, ohne dass ich gefragt wurde. Genauso wie ich gezwungen wurde über 4 Stunden wie ein Käfer auf dem Rücken zu liegen, obwohl ich mehrfach sagte, dass ich das nicht möchte. DAS ist Geburtshilfe in Deutschland im Jahr 2014 gewesen. Und genau wie von Dir so oft beschrieben, versteht kein Mensch, dass ich auch 2015 noch nicht damit abgeschlossen habe (obwohl ich Gott sei Dank wenigstens keine physischen Probleme nach dem Schnitt hatte) und man bekommt wieder und wieder zu hören, dass man froh sein solle, man habe doch ein so tolles und vor allem gesundes Kind.

Traurige Grüße und vielen Dank für all die guten Artikel auf Deiner Seite
Carina

Antworten

Kommentieren