Wo schläft der Vater nach der Geburt?

Wo schläft der Vater nach der Geburt?

In diese Frage sollten tatsächlich mehr Überlegungen investiert werden, als in die Suche nach dem perfekten Kinderbett. Denn sehr wahrscheinlich wird es NICHT so sein, dass Mann und Frau entspannt im Bett liegen und das Kind im hübschen Bettchen daneben seelig schlummert. Zum Stillen meldet es sich alle drei bis vier Stunden, die Mutter schlüpft dafür leise aus dem Bett, stillt, legt das Kind und sich wieder hin und alle schlummern seelig weiter … wer bereits ein Kind hat, hat hier spätestens aufgehört zu lesen.

Die meisten Erwachsenen wollen nicht alleine schlafen und Babys schon mal gar nicht. Also ist vielleicht ein Beistellbett oder Babybalkon eine gute Option. In der Tat sind diese sinnvoll, weil sie einen guten Rausfallschutz bieten – der Kaufpreis allerdings wird meist auch hier nicht abgeschlafen. Aber es lässt sich auch gut als Bücherablage, Wickeltisch oder Platz für das Frühstück im Bett nutzen.

Das Baby braucht also Nähe und will häufig stillen – dafür sollte man es sich so einfach wie möglich machen. Wenn die Mutter das Baby bei den ersten Hungerzeichen schnell zu sich ran zieht, anlegt und weiter döst, wird das zur geringsten Schlafunterbrechung führen. Da sich aber auch das Stillen anfangs erst mal einspielen muss, das viel spuckende Baby eventuell nachts noch aufstoßen muss oder sonstige Bedürfnisse hat, wird mit Sicherheit auch der daneben liegende Vater immer wieder wach werden. Jetzt stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, wenn zwei schlafbedürftige Erwachsene gleichzeitig wach sind und sich um das Kind kümmern bzw. der Vater wach daneben liegt, wenn die Mutter stillt.

Selbst das Szenario, dass der Mann schnarchend daneben liegt, wenn man das fünfte Mal in dieser Nacht stillt, ist nicht gerade erquickend. Zwei gleichzeitig in der Nacht wach seiende Eltern mit einem sich letztendlich nur artgerecht verhaltenden Baby sind nicht gerade beziehungsfördernd (ein Durchschlafen wäre übrigens tatsächlich gefährlich für kleine Babys). Ein halbwegs ausgeschlafener Vater, der vielleicht um sechs oder sieben Uhr morgens das meist recht vergnügte Baby abnimmt und der Mutter noch mal zwei Stunden ungestörten Schlaf ermöglich, ist Gold wert.

Damit es sich auch um einen ausgeschlafenen Vater handelt, muss man sich vielleicht andere Schlafarrangements überlegen. Und ja, es ist völlig okay und nicht der Anfang vom Ende, wenn man das in getrennten Betten tut. Schlaf bekommt in der Babyzeit einen anderen Stellenwert. Beide Eltern müssen schauen, ein Mindestmaß davon zu bekommen, um ihren neuen 24/7-Job halbwegs gut erledigen zu können. Schlafmangel kann den Zombie in jedem eigentlich noch so friedfertigen Menschen wecken.

Die Investition in ein bequemes, großes Sofa oder ein Gästebett in einem anderen Raum als dem Schlafzimmer wird so manche Beziehung retten. Auch die Vereinbarung „Ab 5,6 oder 7 Uhr ist es DEIN Kind“ hilft durch die Dauerstillnächte, wenn das Baby gerade mal wieder einen Wachstumsschub hat, zahnt oder sich einfach verhält, wie Babys sich nun mal verhalten. Man kann auch sicher sein, dass keine Babyschlafphase verlässlich ist. Hat man die ersten zwölf Wochen geschafft, kommt meist eine Phase, in der die Kinder jetzt wesentlich seltener wach werden. Spätestens mit sechs Monaten wird das wieder ganz anders aussehen (über die 6-to-9-Monate-Krise schreibe ich hier an späterer Stelle) und immer wieder ist es so ganz anders, als man gerade noch dachte…

Wenn schon Geschwisterkinder da sind, wird das Ganze noch interessanter, denn auch diese haben nächtliche Bedürfnisse. Und ja, ein Vater kann auch wunderbar neben einer kuschelbedürftigen Vierjährigen in einem ein Meter breiten Hochbett schlafen. Eltern können irgendwann überall schlafen. Die Männer auf den Parkbänken auf Spielplätzen im Sommer sind nämlich keine Obdachlosen, sondern einfach nur müde Väter…

Ein paar Tipps für maximal viel und guten Schlaf:

  • Macht es euch so einfach wie möglich für die nächtlichen Unterbrechungen. Wenn das Baby nah bei der Mutter schläft, synchronisieren sich die Schlafrhythmen der beiden. Mütter werden wach, wenn das Baby stillen möchte, ohne dass es sich lautstark bemerkbar machen muss. Mütter sollten sich unbedingt das richtige Anlegen für das Stillen im Liegen zeigen lassen. Wenn eine Mutter nicht stillen kann (hoffentlich hat sie aber vorab alles an guter Beratung bekommen) oder möchte, sind die nächtlichen Unterbrechungen wesentlich massiver. Hier ist tatsächlich eine Arbeitsteilung sinnvoll, bei der auch der Vater nachts füttert.
  • Sorgt für einen zweiten bequemen Schlafplatz außerhalb des eigenen Schlafzimmers. Der „Auszug“ aus dem Schlafzimmer ist erstens nur vorübergehend und sorgt für einen Vater, der die Nerven behält, wenn sie bei der Mutter nur noch hauchdünn sind.
  • Schlaft, wenn das Baby schläft. Und zwar auch am Tag. Der „Nachtschlaf“ reicht nicht aus. Mittagsschlaf ist kein Luxus, sondern Pflicht. Und wer jetzt mit dem Argument kommt, am Tage nicht schlafen zu können… Eltern können irgendwann immer und überall schlafen
  • Prioritäten setzen. Eine endlich mal wieder aufgeräumte Wohnung ist sicher schön, aber wenn einem vor Müdigkeit ständig die Augen zufallen, hat man auch nichts davon…
  • Es geht vorbei. Ein bisschen weniger Schlaf wird bleiben, solange die Kinder klein sind, aber die Babyphase ist eindeutig am anstrengendsten…
  • Für alle, die eine größere Familie planen. Erstens vergisst man anscheinend, wie stressig die erste Zeit ist und zweitens wird man tatsächlich mit jedem Kind belastbarer, was das Schlafdefizit angeht. Oder anders gesagt, es ist nie wieder eine so große Umstellung wie beim ersten Kind.
  • Es lohnt sich immer, in die Bedürfnisse seiner Kinder zu investieren. Sie lieben einen vorbehaltlos dafür, egal wie dunkel die Augenringe sind. Es ist keine Phrase, wenn Eltern sagen, dass mit dem ersten zahnlosen Lächeln (ersten Lachen, Greifen, Krabbeln, Wort etc.) aller Stress ganz schnell vergessen ist.