Meine Mutter war früher mal Hebamme...

Meine Mutter war früher mal Hebamme…

Der Deutschlandfunk-Journalist, der vor einigen Wochen eine Kollegin und mich zur schwierigen Lage der Hebammen interviewte, erzählte mir, dass seine Mutter früher auch mal Hebamme war. Schon lange hat sie sich aber beruflich verändert, zu Gunsten besserer Arbeitszeiten und einer gerechteren Bezahlung. Nun sitze ich selbst hier und denke darüber nach, ob auch meine Töchter das bald mal über mich sagen werden. Der kleine Sohn wird sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern können, was seine Mama damals gemacht hat. Die beiden Mädchen waren zumindest noch vorletzte Woche recht stolz, als ich im Hebammenunterricht in der Grundschule nicht nur etwas zu Schwangerschaft, Geburt und der ersten Babyzeit erzählte, sondern auch zum Beruf der Hebamme. Auch die anderen Kinder wussten alle, dass eine Hebamme sie ins Leben begleitet hat. Manche kannten sogar den Namen ihrer Hebamme von damals.

Und dann heute die Botschaft, dass nach der 20-prozentigen Erhöhung der Haftpflichtgebühr im Sommer 2014 die Versicherer 2015 ganz aussteigen. Das kommt quasi einem Berufsverbot gleich, denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen einfach nicht arbeiten. Und es betrifft nicht nur die Kolleginnen, die in der Klinik, zu Hause oder im Geburtshaus Geburten anbieten. Auch die Hebammen, die primär in der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung arbeiten sind beim gleichen Anbieter haftpflichtversichert.

Wahrscheinlich wird es auch weiterhin Hebammen geben. Denn auch in den USA, wo ein ähnlicher Weg zum „Aussterben“ der Hebammen geführt hat, gibt es weiter Hebammen. Teilweise arbeiten sie ohne Versicherung – ein Risiko für alle Beteiligten. Oder die exorbitanten Kosten für eine individuelle Haftpflichtversicherung werden durch die Eltern getragen. Eine Abrechnung über die Krankenkasse ist nicht möglich und so ist es eine Frage des Geldbeutels, wer sich die Betreuung durch eine Hebamme leisten kann und wird.

Sind wir nun in Deutschland tatsächlich kurz vor einem ähnlichen System? Heißt das wirklich, dass etliche Kolleginnen und auch ich die Hebammentasche nächsten Sommer einmotten und uns überlegen, was wir jetzt tun? Viele Kolleginnen gehen diesen Weg bereits, arbeiten in anderen Bereichen, studieren, planen den Ausstieg. Denn ganz ehrlich: Wer möchte in einem Beruf arbeiten, für den er jedes Jahr aufs Neue zittert, ob er ihn überhaupt noch unter erträglichen Bedingungen ausüben kann…

Aber bei allen anderen Wegen, die diese Kolleginnen und auch ich teilweise gehen … es ist nicht das, was wir wollen, denn wir machen trotz aller wiedrigen Umstände die Hebammenarbeit von Herzen gerne. Und der endgültige Ausstieg ist schmerzhaft, denn Hebamme ist und bleibt man irgendwie doch für immer. Mir fehlen wieder einmal die Worte, für das was gerade passiert – wie so oft in den letzten Jahren, wenn es um die Umstände geht, unter denen wir diesen Beruf ausüben. Es sind nicht die (werdenden) Eltern, die uns die Steine in den Weg rollen, ganz im Gegenteil. Es sind scheinbar Menschen, denen die Kinder und ganz besonders der Lebensanfang für diese kleinen Menschen und ihren Eltern nicht wichtig sind. Diese Rechnung wird aber nicht aufgehen. So wie es nie aufgeht, wenn wir uns nicht um gute Bedingungen für das Leben und das Großwerden unserer Kinder kümmern.

Der Scheiterhaufen für die Hexenverbrennung 2.0 ist jedenfalls nun scheinbar bereits angezündet…