Abstillgrund: Personalmangel?

von Anja

„Meine“ Feiertagskinder sind alle geboren und nach mehr oder weniger vielen Tagen in der Klinik wieder zu Hause. Der per Kaiserschnitt geborene kleine Junge durfte am fünften Tag mit seiner Mutter gehen. Und erst da wurde den Eltern klar, in was für einem Stillchaos sie sich da bereits befanden. Ausgestattet mit einer Milchpumpe, einer Spritze zum Füttern und ohne jegliche, aber dringend notwendige Stillinformationen saßen sie plötzlich mit dem hungrigen Kind im häuslichen Schlafzimmer…

Durch den Kaiserschnitt war, wie es häufiger der Fall ist, der Stillstart recht holprig. Und schnell ging in der Klinik die typische Interventionskaskade los. Das Kind trinkt nicht. Es ist nicht genug Personal für die zeitlich aufwändige Stillunterstützung vorhanden. Das Kind nimmt ab – und zack ist die erste Flasche Säuglingsnahrung gefüttert. Erst dann – und damit häufig viel zu spät – zeigt jemand der Mutter, wie sich die Milchproduktion mit einer Milchpumpe ankurbeln lässt. Der Stress aus Pumpen, Füttern und Anlegeversuchen ist nachvollziehbar groß für die im Wochenbett erholungsbedürftige Mutter.

Durch den Kaiserschnitt eingeschränkt hätte die Mutter des kleinen Weihnachtsbabys anfangs gute Unterstützung beim Stillen und generell beim Handling mit dem Kind gebraucht. Anstatt ihr zu zeigen, wie sie ihr Kind anlegen kann, wurde es mehrmals täglich an die Brust „gepresst“. Das ist natürlich nicht im Sinne des Kindes und führte auch nicht zum Erfolg. An den Tagen Drei bis Fünf wurde das Baby gar nicht mehr angelegt. Niemand hat die Mutter dazu motiviert noch ihr dabei geholfen. Und das sicher nicht, weil keiner wollte. Sondern weil schlicht und einfach niemand Zeit hatte für eine vernünftige Stillunterstützung.

Das alles spielte sich übrigens in einem „Babyfreundlichen Krankenhaus“ ab. Also einer Klinik, die Bonding und Stillen explizit sehr unterstützt und diesen Umstand sogar zertifiziert bekommen hat. Aber die WHO-Plakette ist und bleibt letztendlich nur ein Etikettenschwindel, wenn kein Personal vorhanden ist, das Zeit hat, die Mütter und Kinder entsprechend zu versorgen.

Timing und Glück für Stillerfolg?

Wir Hebammen weisen die Familien in Vorgesprächen und Kursen vor der Geburt immer wieder darauf hin, Hilfe zu holen, wenn das Stillen sich schwierig gestaltet. Aber die Eltern sind oft überfordert – gerade nach komplizierteren Geburtsverläufen. Viele Informationen, die sie vor der Geburt bekommen haben, werden im Hormon- und Gefühlsstrudel schlicht und einfach vergessen, den die Ankunft des Kindes, insbesondere des ersten, mit sich bringt. Eltern vertrauen darauf, dass das anwesende Fachpersonal sie schon adäquat unterstützt. Sie verpassen häufig den Punkt, an dem sie sich vielleicht doch mehr selbst kümmern müssen.

Aber auch das ist nicht so einfach. Die Gebührenordnung sieht nicht mehr vor, dass die betreuende Hebamme Wochenbettbesuche in der Klinik bezahlt bekommt. Schließlich ist hier ja Personal für die Wochenbettbetreuung anwesend. Dass sich ein oder zwei Schwestern oder Hebammen in der Klinik nicht ausreichend um zahlreiche Mütter und Babys kümmern können, dürfte jedem klar sein. Deshalb ist es genau wie in der Geburtshilfe einfach Glückssache, ob man die Hilfe bekommt, die man braucht. Gerade an Feiertagen ist nur eine Minimalbesetzung in der Klinik vorhanden. Kinder werden natürlich trotzdem genauso viele geboren. Dazu kommen zahlreiche zusätzliche Patienten mit Beschwerden oder zur CTG-Kontrolle, da die Arztpraxen geschlossen haben. Timing und Glück scheinen also über den Stillerfolg zu entscheiden.

Sehr wahrscheinlich wäre der eingangs geschilderte Fall wesentlich leichter verlaufen, wenn die Mutter in den ersten Tagen gut unterstützt worden wäre. Und nein, das ist kein tragischer Einzelfall. Freiberuflich arbeitende Hebammenkolleginnen kennen diese Verläufe nur allzu gut. Und nicht immer kann eine Mutter die Kraft und Nerven aufbringen, diesen holperigen Weg aus dem Dilemma heraus zu gehen, wenn die Stillinterventionskaskade erst einmal in Gang gekommen ist.

Zeit, Bestärkung und Unterstützung

Die Entscheidung über eine erfolgreiche und für Mutter und Kind als schön erlebte Stillzeit fällt in den ersten Tagen. Was hier investiert wird, zahlt sich die ganze Stillzeit über aus. Aber was macht man, wenn niemand da ist, der Zeit investieren kann? Einfach weil die Klinikroutine es nicht zulässt. Es ist dasselbe Dilemma, welches auch zunehmend die Geburtshilfe bedroht. Mütter brauchen Zeit, Bestärkung und Unterstützung – und zwar vor, während und nach der Geburt. Dann läuft so vieles einfacher. Das Wochenbett wird als Babyflitterwochen erlebbar. Und nicht als eine Spirale aus Stillversuchen, Abpumpen, Zufüttern und der daraus resultierenden großen Erschöpfung und Enttäuschung.

Der kleine Junge aus dem Intro dieses Textes hat 13 Tage nach seiner Geburt das erste Mal länger und ohne jegliche Hilfsmittel wie Stillhütchen und Co. an der Brust getrunken. Ein wirklich schöner und berührender Moment. Anstrengende Tage mit vielen Auf und Abs lagen hinter den Eltern. Und auch hinter der Hebamme…

36 Kommentare

Ella 12. Februar 2014 - 12:44

Hallo, hab jetzt auch nicht alle Kommentare gelesen. Aber ich habe es ähnlich erlebt. Ich hatte zwar ein paar nette Schwestern aber jede sagte es anders und keine hat richtig begleitet. Meine Brustwarzen wurden wunder und wunder, mein Sohn trank immer weniger und ich ging in ein Meideverhalten. Zjm Schluss waren wir beim Abpumpen und beim Stillhütchen. Meine Hebamme hat mich dann sozusagen da raus geholt und wir haben zuhause erst nur abgepumpt und immer wieder auch mit Stillhütchen versucht anzulegen. Und als mein Sohn endlich wieder genug Gewicht hatte haben wir wieder auf Brust umgestellt. Das ging dann sogar recht schnell und ohne weitere Schmerzen. Der Hartnäckigkeit meiner Hebamme sei Dank!

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Sue 14. Januar 2014 - 11:20

Ich hatte jetzt keine Gelegenheit alles zu lesen, möchte aber mal die Lanze für die Krankenhäuser brechen. Als ich nach dem Kaiserschnitt Hilfe beim Stillen brauchte und sehr unsicher war, haben die Schwestern in der Klinik wirklich alles getan um zu helfen. Es waren erfahrene Frauen, die mir in der einen Woche im KH alles beigebracht haben, was ich für einen entspannten Start zu Hause mit meiner Tochter brauchte, nicht nur im Hinblick auf das Stillen. Und ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass aus Zeitmangel die hungrigen Kinder mal eben mit der Flasche abgefertigt werden, im Gegenteil. Als meine Tochter die erste Nacht nur schrie, weil sie Hunger hatte und von mir logischerweise noch nicht genug bekam, wurde sie zugefüttert, aber nur ungern und unter der Vorgabe, dass die Brust IMMER an erster Stelle steht. Am vierten Tag konnte ich sie dank unermüdlichen Anlegens, immer ermutigt von den Schwestern, selbst satt bekommen. Und ich bekam keine Milch zum Zufüttern mehr. Sondern den Rat, sie ständig anzulegen, bis sie satt ist, und wenn es stündlich ist. Dadurch hatten wir einen guten Stillstart, keine Probleme mit dem Milcheinschuss, wie es viele berichten. All das verdanke ich den tollen Schwestern. Ich denke noch gerne an diese Woche zurück, da sie für mich optimal verlief. Die Schmerzen und Probleme nach dem Kaiserschnitt gehen bei so guter Versorgung völlig unter.
Nach dem Krankenhaus half mir meine Hebamme bei Anflügen von Brustentzündung etc. Aber die meiste Hilfe erhielt ich tatsächlich in der Klinik Bethel 🙂

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Nicola 16. Januar 2014 - 00:13

Bei mir war es auch super.. Hatte Kaiserschnitt, meine Kleine musste direkt danach kurz ins Wärmebettchen, kam aber sofort zu mir als ich fertig war.. Die Hebamme legte sie mir gleich an und es klappte schon recht gut.. Auch in den 5 Tagen war immer jemand da, der sich kümmerte, trotz Hochphase zum Ende Juli mit 8 Geburten an einem Tage (viel für meine kleine “Provinzstadt) ..auch mal die Hand anlegte um wieder die richtige Position zu finden.. selbst als am letzten Tag im KH die Kleine fast permanent an der Brust hing (ich wollte schon nach Flaschennahrung fragen) da sagten sie mir, das wäre ok so, Flasche wäre nicht notwendig.. Wir haben den Luxus, das wir hier in Hildesheim zwei Level 1 Pränatal Zentren haben.. das eine mit Stillplakete (wo viele nicht zufrieden sind bezgl. der Stillbetreuung) und dann das KH, in dem ich war, das zwar alle Vorraussetzungen erfüllt, aber bewußt keine Plakete nutzen möchte..

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Susanne 14. Januar 2014 - 10:52

Hallo ihr lieben,

Mich macht dieser Artikel und die Reaktionen sehr traurig! Ich bin Kinderkrankenschwester auf einer Entbindungssstation und hab schon sehr vielen Müttern geholfen auch einige die schon Entlassen waren und in die Stillambulanz kamen!
Für mich hört sich das so an als würden wir alles falsch machen und die Hebammen immer alles retten müssten!
Ja wir haben zu wenig Zeit, das stimmt aber ich gebe alles um meine großen und kleinen Patienten in einer glücklichen Stillbezienug zu entlassen! Dafür verzichten wir auf unsere Pausen und mehr!
Ich bin selber Mutter und Stille und weis wie wichtig der Start in den ersten Tagen ist.
Aber es spielen hier auch andere Dinge mit ein, die die Hebammen zu Hause nicht haben.
< Der ständige und übermäßig Besuch! Die Frauen trauen sich nichts zu sagen. Sie wollen aber auch nicht vor allen stillen. Das Baby schläft vor lauter Überforderung und so wird einfach mal eine stillmahlzeit übergangen.
<Medikamenten gaben während der Geburt
<Erschöpfte Mütter ( was absolut gerechtfertigt ist)
<Neugeborenen Infektionen und Ikterus

Ich möchte einfach klar stellen das meine Kolleginnen und ich jeden Tag unser bestes geben, trotz starken Personalmangel!
Hebammen un Kinderkrankenschwestern sollten Hand in Hand mit den Eltern arbeiten nur so kann es funktionieren!
Ich glaube aber in den meisten Fällen funktioniert das schon!!!

Ich wünsche allen einen wunderschöne stillzeit

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Anja 14. Januar 2014 - 11:09

Liebe Susanne,

ich glaube, da hast Du zumindest meinen Artikel missverstanden- man kann noch so engagiert und auch kompetent sein und trotzdem ist es nicht machbar, daß zwei oder weniger Schwestern oder Hebammen pro Schicht die Frauen ausreichend beraten können. Ich kenne das Dilemma selbst, als ich auf der Wochenbettstation gearbeitet habe. Es ist soviel andere Arbeit da und der Papierkram frisst mehr und mehr Zeit. Ich hatte am Samstag einen Vortrag im Hamburger Marienkrankenhaus, welches BFHI-zertifiziert ist mit dadurch auch stark gestiegenen Geburtenzahlen. Sowohl der sehr engagierte Chef als auch das hoch motivierte Personal bestätigten, daß sie bei voller Station nicht die Stillberatung leisten können, die erforderlich wäre. Und auch die freiberuflichen Hebammen können das in den 20-30 Minuten, die eigentlich von der KK als Hausbesuchsdauer bezahlt werden, nicht leisten. Da wird die eigene unbezahlte Freizeit investiert, was natürlich auch nur begrenzt möglich ist… Ich sehe ganz deutlich den Unterschied, wenn die Station nicht übervoll ist. Die Frauen werden mit wesentlich weniger Stillproblemen entlassen. Aber mehr als arbeiten könnt Ihr auch in den Kliniken nicht. “Wenn nicht genug Personal da ist, nützt das beste Konzept nichts”, hat der Chefarzt Dr. Maul so treffend am Samstag gesagt. Dem stimme ich voll zu. Also danke an Dich für Deine gute Arbeit. Ich wünsche uns ALLEN Arbeitsbedingungen, die nicht permanent an der Burnout-Grenze liegen!! Liebe Grüße, Anja

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steffi 14. Januar 2014 - 09:03

Hi erstmal, hab die Kommentare nicht gelesen, da zu viele. Ich habe genau diese Beobachtung gemacht, wir waren von Mittwoch bis Montag in der Klinik und ich hab den Vergleich von werktags zu Wochenende. Unter der Woche gibt es für jeden Handschlag ob es Handtücher wechseln, Windeln auffüllen, Fieber messen, stillberatung extra Personal am Wochenende machen 2 Schwestern ALLES!!!!! Es ist furchtbar, ich hätte mich dank meiner Hebamme vorher durch ein vorbereitungsseminar vorbereitet, zudem hatte ich eine stillberaterin die mir per Chat zur Verfügung stand und mir seelisch und mental super zur Seite Stand, nichtvsi gut geschafft. Sie Hebammen und Schwestern sind im Krankenhaus sehr bemüht aber es gibt welche die nehmen sich einfach die Zeit und es gibt welche die sind den ganzen Tag gestresst und genervt und dann traut man such gar nicht mehr um Hilfe zu bitten. Und das bei einem der BESTEN geburtskliniken in München find ich erschreckend. Meine Hebamme erzählte mir auch dass sie die meiste Zeit damit verbringt den missglückten stillstart zu beheben was wahnsinnig aufwendig und Kräftezehrend ist. Ich kann da nur empfehlen sich vorab such gut zu informieren, eine stillfreundkiche Hebamme zu suchen und eine stillberaterin an der Hand zu haben. Das alles hat bei uns dazu geführt, dass wir seit 7 monaten erfolgreich und gerne stillen <3

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Burny 14. Januar 2014 - 00:20

Wow, da hatte ich ja richtig Glück. Auch mein Sohn kam per Notsectio zur Welt. Nachdem ich aufgewacht war, wollte ich ihn sogleich anlegen. Am ersten, sowie am zweiten Tag hatte ich keine Milch, und der Kleine war fast stündlich an der Brust! Doch die Schwestern und Hebammen motivierten mich immer wieder, unterstützen mich, und sorgten dafür dass es klappte. Sie brachten mir Quarkwickel aus dem Schwesternzimmer, machten mir extra Salbeitee als meine Brüste zu explodieren drohten , und sprachen mir immer wieder Mut zu. Schade dass nicht alle Frauen eine solche Erfahrung machen dürfen. Das Wochenbett würde ich aufgrund von Erschöpfung und Schlafmangel nicht unbedingt als Babyflitterwochen bezeichnen, aber mit dem Stillen hat es super geklappt!

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krisha 14. Januar 2014 - 00:15

Wie es der Mutter ging kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir war es damals nicht der Personalmangel, sondern “meine” Hebamme ist nicht in das Krankenhaus mitgegangen, das ich wegen Überbelegung meines ursprünglich gewählten Krankenhauses dann aufgesucht habe. Das wurde auch deswegen notwendig, da ich mitten in der Nacht einen Blasensprung hatte, und sozusagen auch keine Zeit zu verlieren hatte. Zu dem auch das ursprüngliche Krankenhaus auch kein Rooming In anbieten konnte, da diese Zi bereits belegt waren.
Fremde Hebamme, lustlos, desinteressiert eher entmutigend als hilfreich. Komplikationen bei der Entbindung, Dammschnitt – mit anschließenden Komplikationen, kurz das ganze Programm. Ich konnte ein Jahr danach noch nicht richtig sitzen ohne Schmerzen – sog. Baby Schock. Daß mir dann nach 2 Tagen gesagt wurde ich kann nicht stillen das gibt es manchmal war dann der Abschluß, keinerlei Aufklärung od. Anleitung – ich glaubte ich war gut vorbereitet, aber weit gefehlt. Ich bin heute noch traurig daß es mir nicht gelungen ist zu Stillen, hatte niemand der mich beraten konnte. Und erst im Laufe der Zeit haben sich Stillberatungen etabliert.

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Katrin 13. Januar 2014 - 23:39

Mir ging es auch so, leider. Hatte eine normale Geburt… am Ende mit Saugglocke. Das Anlegen wurde mir in der Klinik von mehreren Schwestern jeweils kurz gezeigt. Dabei wurde meinem Baby meine Brustwarze in den Mund gerammt. Schlimm. Nachdem es nicht geklappt hat, gab man mir ein Stillhütchen. Man brachte eine Milchpumpe. Es kamen nur Tropfen an Milch also wurde meinem Kind die Flasche gegeben. Ich wurde aus der Klinik entlassen total verunsichert, nur am Weinen. Meine Hebamme hat mir zuhause das Anlegen dann nochmal richtig und in Ruhe gezeigt. Anfangs habe ich gestillt und zugefüttert, zwischendurch abgepumpt. Ich wollte das Stillen so sehr! Ich bin dran geblieben. Dann klappte es immer besser und so habe ich mein Kind 14 Monate gestillt, nachts alle 2 Stunden! Es hat sich gelohnt und ich bin mit Recht stolz auf mich.

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Rita E. 10. Januar 2014 - 22:23

Das ist mir leider auch passiert. Nach einem Notkaiserschnitt eine Woche im Spital gelandet (geplant war zu Hause zu entbinden), Kind auf der Neo wegen grünem Fruchtwasser. Kind wurde gegen 2 Uhr Nachts geholt, irgendwann so gegen Mittag wurde ich dann gefragt, ob ich das Kind sehen möchte und, nachdem man mich hingefahren hatte, ob ich eventuell anlegen möchte. (Stillfreundliches Krankenhaus). Technisch hätte das von uns aus gut geklappt, aber Kind war zu müde und wollte lieber schlafen. Am Anfang war das OK, dann kam die Panik: Kind nimmt ab und muß die Flasche kriegen. Die Schwestern auf der Station meinten, ach Milcheinschuss kommt, der kommt, der kommt. Ich warte noch heute. Im Endeffekt habe ich dann am 4. Tag (wenn ich mich nicht irre) selber die Pumpe verlangt. Beratung: Jeder eine andere Meinung, Fachwissen teilweise sehr veraltet. Station hat zwar 1 IBCLC Beraterin, gesehen habe ich sie nicht. Nach Hause gingen wir pumpend und Muttermilch/Pre mit Flasche fütternd. Die Nachsorgehebamme war leider auch nicht hilfreich; hilfreiche Tipps zur raschen Umstellung auf nur Stillen Fehlanzeige. Anstelle von Hilfe zur Selbsthilfe (wie organisiere ich Tag mit Säugling möglichst rationell, damit Kind und Mutter sich erholen können und endlich mal “ankommen”) hörte ich: “Sie müssen dies noch machen und sie müssen auch das noch machen”. Leider war ich dermaßen neben der Spur, dass ich mich nicht durchsetzen konnte.
Schlußendlich habe ich mich schweren Herzens für die Flasche entschieden, weil wir Vater, Mutter, Kind, mit dem Streß Pumpen/Stillen/Füttern nicht zurecht kamen. Nebenbei gesagt hat das Kind im Krankenhaus nicht wirklich abgenommen, sondern in 10 Tagen ca. 1/4 kg zugenommen (und das Muster über die nächsten Wochen beibehalten). Trotzdem wurde Panik gemacht. Auch hier: viel zu wenig Personal, die Geburtshilfe musste sich Schwestern von der benachbarten Abteilung “ausleihen”, etliche “Mitmütter” haben sichdann bei mir ausgeweint und mich um Rat gefragt (wie Pumpt man, Stillberatung woher, Brustwarzen wund was tun).
Fazit: Unbedingt vorher informieren, auch für den Fall, dass es nicht sofort klappen sollte. Auf keinen Fall alleine auf die Beratung von Spitalund Nachsorgehebamme verlassen! Lieber vorsorgen und dann nicht brauchen; im Wochenbett hat man nicht die Möglichkeit weitreichende Fachrecherchen zu machen oder Ratgeberliteratur zu wälzen. Ich hätte mir intensiv eine verlässliche Stillberaterin gewünscht, die nach Hause kommt. Ich wußte leider nicht woher oder wie bekommen.

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Julchen 10. Januar 2014 - 11:38

Ich habe auch kurz vor Weihnachten entbunden und leider lief die Entbindung nicht komplikationslos ab. In der Klinik haben mir viele Schwestern geholfen beim Stillen durchzuhalten. Nichtsdestotrotz mußte der Kleine mit Flasche nachgefüttert werden, da er zuviel Gewicht verloren hat. In manchen Nächten war auch ich verzweifelt und die Erfahrung deiner Patientinkann ich gut nachempfinden.
Nachdem mir eine nette Schwester gezeigt, wie das Abpumpen funktioniert, kam der Milcheinschuss und wir mußten nur noch wenige Tage zufüttern. Mittlerweile trinkt der Kleine reichlich und hat schon ordentlich zugelegt. Aber an manche Nacht im Krankenhaus möchte ich nicht zurückdenken.

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Isabel 8. Januar 2014 - 10:07

Wie schade das ist. Und ich verstehe es nicht! Ich glaube es ist wichtig, dass die ersten Male anlegen richtig gut gezeigt werden, zur Not ein bisschen rabiat aber MIT ERKLÄRUNG! Dann kapieren Mama und Baby das meistens sehr schnell und das Stillen klappt nach einer Weile recht problemlos. Das ist doch nicht so zeitaufwendig, bzw. dafür muss doch Zeit sein! Wenn nämlich am Anfang die Unterstützung fehlt, dann geben die Frauen schnell auf. Die einzige Erklärung für mich ist, dass das Stillen nicht so wertgeschätzt wird, oder dass viele Hebammen nicht wissen, wie wichtig diese ersten Male anlegen sind. Und das ist einfach nur traurig. Säuglingsnahrung hat in den ersten Tagen nix bei einem gesunden Kind mit Normalgewicht und einer gesunden Mama verloren und Babies nehmen doch am Anfang immer erstmal ab, oder?

PS: Ich liebe den Begriff “Babyflitterwochen” Genau so war es bei mir, vor allem wegen toller Hebammen-Unterstützung und weil ich direkt nach der Geburt nach hause konnte. Das war einfach nur schön, ich würde niemandem empfehlen auch nur eine Sekunde länger als nötig im Krankenhaus zu bleiben!

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Tina 7. Januar 2014 - 21:07

Da wird den Müttern, die ihr Kind per Kaiserschnitt geboren haben, mal wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet – wie so oft –
auch ich gebar mein Kind per Kaiserschnitt und – oh Wunder – ich konnte stillen , volle 5 Monate lang.
Womit dieses Klischee auch widerlegt wäre…..

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Katrin Müller 7. Januar 2014 - 21:55

Liebe Tina,

meiner Meinung nach hast Du den Artikel leider komplett falsch aufgefasst. Es geht in keinster Weise darum, den Müttern die, aus welchem Grund auch immer, per Sectio gebären, ein schlechtes Gewissen einzureden. In dem geschilderten Fall war es eben eine Sectio, genauso passiert sowas aber auch nach Spontangeburten. Wie schrieb Anja: “Timing und Glück scheinen also über den Stillerfolg zu entscheiden”. Darum ging es! Es ging vorallem um das Problem des Personalmangels.
Und: trotz allem kann auch ich aus meinem Hebammenalltag bestätigen, dass es tendenziell nach Kaiserschnitt etwas häufiger holpert. Aber diese Erfahrung hier zu formulieren ist nicht gleich ein Vorwurf an die Mütter. Wieso auch.

Lg, KAtrin

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Ines 7. Januar 2014 - 12:32

Im Übrigen: Seine eigene Story ERZÄHLEN finde ich wichtig sowohl in Sachen Stillstart als auch möglichst natürliche Geburt: Als Erstgebärende habe ich auf all die eindringlichen Hinweise aus Kursen (von Geburtshilfeprofis) nicht hören können, weil einfach die Maschinerie KH-Geburtshilfe zuschnappte und meine vordefinierte Willensbekundung völlig ignorant und mit mir als willenlose “Statistin” behandelte. Ich hätte mehr “Storys” erzählt bekommen müssen, mit allen möglichen Weggabelungen, an denen man seine Entscheidungsfreiheit nutzen kann!

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Ines 7. Januar 2014 - 12:22

“Interventionskaskade” – tolles Wort! Ich habe auch ähnliches durch, aber zum Glück eine stillberatende Nachsorgehebamme schon vorher gesucht (auch wegen Hohlwarzen). Ich könnte das Kh auf den Mond schnipsen für die “Flaschenintervention”, weil das Kind >10% abgenommen hat. 10% schwebt da wie ein Damokles-Schwert, dabei war mein Kind da immernoch viel schwerer als andere mit ihrem Geburtsgewicht… derweil wurde die Saugschwäche aber nicht erkannt. Ich war richtig verwundert, als mir meine Hebamme zuhause das erste Mal minutenlang über die Schulter schaute beim Anlegen! Wir haben dann das Kind gemeinsam “trainiert”, wachmassiert und animiert richtig zu saugen 🙂 Wir haben immernoch eine wunderschöne Stillzeit, mein Kind verweigert auch jeglichen “Ersatz” wie Milchfläschchen oder Nuckel!

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Tatjana 7. Januar 2014 - 10:14

Ich hatte auch nach nem Notkaiserschnitt so meine Probleme. Aber ich wollte unbedingt stillen. Anfänglich (im KH) hatte ich angst das sie nicht satt wird und schwubs hatte sie auch schon so nen “energiedrink” in der Pulle. Aus unerfahrenheit und weil mir keine Rede und Antwort stand geschweige denn sich Zeit nahm, stillte ich teilweise stundenlang. Bis mir, kurz vor dem Ende meines Aufenthalts eine Schwester sagte “Wenn ihr jetzt schon so ein Drama habt wird das nichts, nach ca 15 bis 20 Minuten saugen ist die Brust einfach mal leer, da brauch das Kind nicht stundenlang nuckeln.” Das war mein Stichwort, das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen 😉 Hinzu kam das die Schwestern auf der Wöchnerinnenstation sagten ich könne im Zimmer stillen und die Schwestern auf der Kinderstation meinten ich MÜSSE ins Stillzimmer kommen. Zu hause funktionierte es dann immer besser und wir hatten ruck zuck unseren Rhythmus gefunden. Die Ruhe und das Wohlgefühl endlich zu Hause zu sein und uns selbst genug sein zu dürfen hat Wunder bewirkt. Unsere Tochter hat sich mit knapp drei Jahren, als sie in den Kindergarten kam, nach einer wundervollen Stillzeit (mit Höhen und Tiefen) selbst abgestillt. Sie hatte einfach “keine Zeit” mehr dafür 😉 🙂

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Rosalie 7. Januar 2014 - 10:13

Ich kenne es eher anders herum. Nach beiden Geburten wurde ich vehement zum Stillen gedrängt. Da bei mir der Milcheinschuss etwas geringer auszufallen scheint, gabs beim ersten Kind einen diesen Aufwand. Ständiges Pumpen inklusive. Ich fühlte mich damit sehr sehr unwohl, dass auch nachts eine Hebamme kam und mir ständig zeigen wollte, wie man stillt. Ich hab mir damals ernsthaft überlegt abzustillen, weil ich total genervt davon war. Und es hat mich so gestresst, dass nicht genug Milch kam und der Start noch holpriger wurde. Ich habe dann recht schnell Flasche und Brust kombiniert und das ging super! Ich finde auch Hebammen sollten darauf hinweisen, dass man es so machen kann. Beim 2. Kind bin ich gleich aus der Klinik verschwunden und hab trotz sehr guter Stillsituation immer die Flasche dabei. Damit gestaltet sich der Milcheinschuss und die phasenbedingten Fressattacken des Babys total entspannt.
Stillberatung ist für jede Mutter eine feine Sache. Nur das entweder-oder-Gerede finde ich sehr daneben. Ich bin sogar beim Abstillen mal von einer Hebamme angefahren worden, warum ich den abstillen wolle. Sehr unfreundlich war die, dabei wollte ich guten Rat von der Frau Stillberaterin, wie man am besten abstillt.
Ich hab aber auch sehr pragmatische Hebammen kennen gelernt, die mich so machen kiesen, wie ich wollte, ohne Unterton. Ich finde, das ist mit am wichtigsten – der Unterton. Denn ich möchte meine Wahlfreiheit nur ungern an eine mir recht fremde Hebamme abtreten.

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jaja 6. Januar 2014 - 21:59

oh jeh denke ich mir, ja, bei mir war das auch so und alles ziemlich fürterlich. keine hausgeburt sondern geburtseinleitung im kh und dann ein kaiserschnitt und dann kam noch ein völliges stilldrama dazu, füttern mit sonde, ich wusste überhaupt nicht wie mir geschah und meinem söhnchen auch nicht. auch ein krankenhaus mit zertifikat, kein personalmangel, eher ständiger wechsel das problem, und jetzt im nachhinein denke ich wurde einfach eine riesen aufruhr gemacht wo nur eines von nöten war nämlich ruhe und jemand der mich tatsächlich auffangen kann. das konnte auch die wochenbetthebamme nicht (die alles eher locke nahm und so versuchte ruhe zu vermitteln), auch die stillberaterin nicht (IBCLC zertifiziert) die nur von gedeihstörung sprach und mich völlig versunsicherte und in eine krasse pump- und zufüttermaschine zerrte. die nächste hebamme die versuchte mich da wieder rauszubringen — monate vergingen, extrem viel stress.
will mal schnell zur lösung forwarden: eine flasche NACH jeder stillmahlzeit (kind war inzwischen … mhh so um die 4 monate glaube ich), außerdem baderitual und unterstützungsempfehlung für zur verarbeitung der traumatischen geburt. so. und obwohl es vorher immer hieß: NICHT die flasche geben!! (nur “sonde” oder “tentakelflasche” – vergessen wie das ding hieß) und: das kind MUSS an der brust sattwerden sonst hört es auf zu stillen (das kann ja auch sein, fütterte aber nur meine extreme panik das stillen gänzlich zu “verlieren”, nachdem ich ja schon das gefühl hatte die geburt verloren zu haben). nun denn. irgendwann, nach vielen monaten trat entspannung ein, söhnchen trank brust, söhnchen trank flasche, söhnchen trank wieder brust. söhnchen nahm zu und war zufrieden. dann wurde die flasche zugunsten von beikost wieder abgeschafft und gestillt wird immernoch viel (17 monate) und inzwischen ganz entspannt. tagsüber zumindest. nachts ist es mir manchmal doch auch bisschen viel, aber das ist ein anderes thema.
aber nach diesem artikel dachte ich doch wieder: wie, und der ganze stress, vielleicht hätte mir das komplett “erspart” bleiben können?? ich weiß es nicht. bin im nachhinein überwiegend froh, lange durchgehalten zu haben, aber es war eine wirklich schwere zeit für uns alle, mit “tentakelflasche”, pumpe und co. und immer wieder habe ich mir gewünscht ich könnte einfach entspannt auf flasche umstellen, aber das konnte ich nicht. das fläschchen war mir das größte übel, was mir letztlich nicht geholfen hat …
nun denn.

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Kathi 6. Januar 2014 - 21:24

Bei uns war es genau so, nur ohne Kaiserschnitt. Auch ein Krankenhaus mit Zertifikat. Zum Glück bin ich nach der Nacht gleich nach Hause und hatte dort meine Hebamme. Alle Schwestern die zu uns kamen, es waren in der Nacht drei verschiedenen, hatten auch alle verschiedene Methoden und Ansichten, so hätte das mit dem stillen nie geklappt.

Meine Brüste waren so stramm das meine Tochter die Brustwarzen nicht richtig packen konnte. Dadurch waren nach einer Nacht meine Brustwarzen total hin.
Sie hat mir dann geholfen, mir Salbe und Stillhuetchen gegeben und sofort ging es besser.

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Mo 6. Januar 2014 - 20:51

Ach, ich hoch grad fast heulend vor dem Artikel. Könnte mein Bericht sein: Kaiserschnitt, holprig, überfordert (von dem unerwarteten Kaiserschnitt, den Schmerzen, einem schreienden Kind, zuwenig Betreuung), unfreundliche Nachtschwester (ich hab geheult als ich nur sah dass sie schon wieder Dienst hat). Eine,nein zwei Schwester waren kompetent oder zumindest sehr nett, zwar war’s dann schon fast zu spät, aber mann war ich froh, dass sie mir wenigstens Mut gemacht haben. Doof war auch dass jede Schicht etwas anderes gesagt hat. Ja Cappelli super, nein lieber nicht, ja doch,…. Bei Entlassung am 6. Tag: blutige Brustwarze, abpumpen und Pre-Nahrung zufüttern…Zuhause war das Umstellen auf voll stillen sehr schwierig. Als meine Hebamme mit ihrem Latein am Ende war hab ich uns noch eine Stillberaterin-Stunde geleistet und Osteopathie. Und dann oh Wunder ging es nach Kampf -ich wollte einfach nicht aufgeben (meine Hebamme war baff erstaunt). Und wir waren froh,denn der Stress mit Abpumpen ist nicht zu unterschätzen…
Danke für deinen Artikel!!
Und ich frage mich, was können wir dagegen tun??
Wo muss man ansetzen, wohin könnten wir uns wenden, wo protestieren?
Liebe Grüsse, Mo

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susanne 6. Januar 2014 - 20:10

War in dem Krankenhaus, in dem ich unser zweites Kind entbunden hatte, genauso. Meine Bettnachbarin war am Verzweifeln, das Kind nur am Brüllen… eine einzige Schwester (nicht Hebamme) hat sich ein wenig Zeit für sie genommen. Gott sei Dank war es mein zweites Kind. Sie hat mich um Rat gefragt und ich hab ihr wenigstens ein wenig helfen können, wenn natürlich auch nicht professionell. Ich fand das echt schlimm und war sehr sehr froh dass es für mich das zweite Mal war und ich deswegen nicht ganz hilflos war wie beim ersten Mal. Da war unsere Tochter gleich nach der Geburt auf der Intensivstation. Dort haben sich alle extrem viel Zeit genommen.

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Marilena 6. Januar 2014 - 16:12

Es kann auch anders laufen….
Als ich nach meinem Kaiserschnitt zurück in den Kreißsaal geschoben wurde, hat mir die Hebamme die Kleine direkt angelegt, die auch prompt den Weg fand. Und da ich am nächsten Tag aufstehen konnte/wollte/sollte, konnte ich in der Stillecke des Kinderzimmers sitzen und mich dort bei Fragen an die dortigen Schwestern wenden, von denen eine speziell für Stillfragen da war. (Nein, dort herrschte keine Personalschwemme und die Schwestern hatten aufgrund vieler Geburten gut zu tun.)
Klar war es trotzdem die ersten Tage im Krankenhaus nicht immer einfach, weil man ja in allen Dingen unsicher ist, und ich hatte oft das Gefühl, dass sie nicht satt wurde, so dass zweimal mit der Spritze zugefüttert wurde.
Aber nach vier Tagen ging ich mit der Zuverrsicht nach Hause, dass ich zumindest das Stillen einigermaßen im Griff habe.
Und jetzt, nach fast 8 Monaten, stille ich immer noch und bin sehr froh darüber.

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Anja Chevalier 6. Januar 2014 - 13:41

… sehr guter Artikel … Ich möchte noch anmerken: Neben den Hebammen stehen noch Laktationsberaterinnen IBCLC und Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen, sowie der La Leche Liga zur Verfügung, um sich Rat und Hilfe zu holen. Wie froh wäre ich, müsste ich diesen Job nicht mehr anbieten, weil im KH alles “seinen Gang ” geht… und auch alle freien Hebis dementsprechend geschult wären… Viele, viele Hebis machen einen sehr sehr guten Job, was das Stillmanagement betrifft, doch eben noch nicht alle…

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Kerstin 6. Januar 2014 - 13:39

Bei mir war es ähnlich, Kaiserschnitt am Montag, am Samstag entlassen und dazwischen die Spirale aus Kind nimmt ab – es muss Essen ins Kind – Zufüttern mit Flasche, Spritze, Löffel, dazu Abpumpversuche, Stillhütchen, blutige Brustwarzen, Sorge statt Schlaf und einer Stillberaterin im Krankenhaus, die mir erzählte, sie würde sich eine Viertelstelle mit einer anderen Beraterin teilen und wäre für Anlegeberatung nicht zuständig. Besonders verwirrend fand ich, dass mit jeder Schwester und jedem Schichtwechsel ein anderer Rat kam.
Geklappt hat es mit dem Stillen erst zuhause, unter Anleitung meiner Nachsorgehebamme, die am Sonntag kam, obwohl sie bestimmt lieber Freizeit gehabt hätte (mich das aber nicht im Geringsten spüren ließ.) Nun stillen wir seit 14 Monaten und ein Ende ist nicht abzusehen. Hut ab vor eurem Berufsstand!

Antworten
Maike 6. Januar 2014 - 10:39

Meine Tochter kam im Geburtshaus zur Welt und hat ohne ersichtliche Gründe die ersten 5 Tage ncht an der Brust getrunken. Meine allerliebste Hebamme hat jeden Tag stundenlang mit uns alles erdenkliche probiert, einmal strich sie sogar eigenhändig anderthalb Stunden lang meine Brust aus, die zwar randvoll war, aber aus der die Milchpumpe nichts mehr rausbekam.
Wir haben unser Kind die ersten Tag mit Spritzen in den Mund ernährt, bis sie dann aus heiterem Himmel von alleine die Brust nahm. Ab da hatte ich die beste Stillzeit ever. Ich wünsche jeder Frau soviel Unterstützung und es schockiert mich wieder mal, was Krankenhäuser für Mogelpackungen sind. Sehr viel Geld für fragwürdige Technik (in den meisten Fällen) und kein Personal für die wirklich wichtige Unterstützung, die langfristig alle entlastet, auch finanziell. Gestillte Kinder sind seltener krank.

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mamafraumenscb 6. Januar 2014 - 10:30

Bei mir war es ähnlich, was die Betreuung durch das Klinikpersonal anging. In 4 Wochen Klinikaufenthalt habe ich nur eine einzige Krankenschwester getroffen, die mich fragte, wie es mit dem Stillen klappt und die sich, als ich in Tränen ausbrach, länger mit mir beschäftigte, anlegen übte und mir Mut machte. Auch das Abpumpen wurde nicht weiter erklärt. Man bekam das sterile Set in die Hand und der Raum mit den Pumpen wurde gezeigt. Das war’s. Schade ist es auch, dass meine Hebamme im Kurs nie von Stillschwierigkeiten sprach und nach der Geburt nicht einmal zugab, dass sie am Ende ihres Lateins war (wenigstens kannte sie das Brusternährungsset von Medela) und einfach mal auf die Stillberatung der LLL hinwies… Trotzdem habe ich es mühsam geschafft, 8 Monate wenigstens teilzusillen und bin sehr froh darüber!
Beim zweiten Kind weiß ich mehr und werde sicher schneller selbst aktiv.

Lg, Anja

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Eva 6. Januar 2014 - 10:08

Leider ein sehr realistisches Bild, da hier gezeichnet wird.
Als Wochenbett-betreuende Hebamme ist man in der Klinik nicht erwünscht – aber wenn eine Frau mit massiven Stillschwierigkeiten und vor allem verunsichert Bis zum Kragen nach Hause geht, dann darf die Wochrnbetthebamme das schon richten.

Daß diese eigentlich für 25 min bezahlt wird und man innerhalb dieser Zeit natürlich nicht sowohl die Stillprobleme lösen als auch die restlichen Dinge erledigen kann interessiert keinen.

Es ist so frustrierend, wenn jede 2. Frau pumpend oder mit Stillhütchen versehen, mindestens aber mal mit blutenden Brustwarzen entlassen wird – obwohl man doch in der Geburtstag vorbereitung immer wieder betont hat, worauf zu achten ist.

“Meine” Frauen stillen zu einem sehr großen Teil am Ende voll – die Kosten dafür (meine Freizeit!) Trage ich als Hebamme . 🙁

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svenja 6. Januar 2014 - 10:04

das kenne ich von bekannten sehr gut. ich selbst hatte Glück, ich habe am 4.1 letztes jahr in einem babyfreundlichen krankenhaus natürlich entbunden und habe dank zahlreicher hebammenschülerinnen ganz viel liebe Unterstützung bekommen und dank meiner vor-, geburts- und nachsorgehebamme stillen wir immer noch 🙂

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Angela 6. Januar 2014 - 09:26

Danke. Genau das erleben wir auch hier immer wieder. Es ist sooooo traurig.

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chris 6. Januar 2014 - 09:25

jaja… kommt mir auch bekannt vor. mein erster kam zu früh, das personal nervte sich wenn ich um Hilfe rupfte. ich Kamm nur knapp einer Mastitis vorbei, und dies nur dank der lernenden Hebamme die ein Praktikum auf der Neonatologie machte. die Stillberatung war im Frauenspital eine Katastrophe. ich fühlt mich einfach im stich gelassen. beim zweiten konnte ich endlich im Geburtshaus gebären, und alles war entspannt. meine Hebamme Kamm täglich zu mir und half mir mit dem stillen. kein stress, keine Hektik, kein schlechtes gewissen. ich konnte auch in der Nacht anrufen wenn etwas nicht ging. für mich ist klar, nie wider in einem Spital ( natürlich nur wenn nichts dagegen spricht)

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Katrin 6. Januar 2014 - 09:03

Da kommen auch bei mir wieder Erinnerungen hoch. Meine erste Tochter musste aus dem Kreißsaal in die Kinderklinik verlegt werden. Ich war ein paar Stunden später als Begleitung bei ihr. Da war ich sehr froh, dass meine Hebamme in die Klinik kommen konnte. Die Säuglingsschwestern waren auch sehr bemüht. Aber es war schon schwierig mit abpumpen, Flasche füttern, …
Aber wir konnten wir nach einer guten Woche das Krankenhaus mit vollgestilltem Kind verlassen. Wenn auch anfangs noch mit Stillhütchen. Bei Nummer zwei war dank Hausgeburt alles entspannter.

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Susa 13. Januar 2014 - 23:41

Ich finde es aber auch nicht in Ordnung, das nicht erfolgreiche Stillen auf “andere” zu schieben, sei es das Krankenhaus, die Schwestern oder die Nachsorgehebamme.

Es gibt genug Informationen zum Thema Stillen, die sich so leicht beschaffen lassen.
Natürlich ist es da leichter mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich selbst in die Opferrolle zu begeben.

Andererseits: einfach mal Vertrauen haben. Sich selbst vertrauen, seinem Kind vertrauen.
“Froher Hoffnung sein”, in allen Dingen, wie man so schön sagt. Seiner Intuition folgen.
Aber dazu muss man Sie erstmal haben. Leider ist die in meinen Augen bei den meisten verloren gegangen.
Es wird lieber herumdiskutiert, wer jetzt schuldig daran ist, dass es mit dem Stillen nicht klappt.

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Jennifer D. 6. Januar 2014 - 08:49

Der Text hätte mit jedem einzelnen Wort von mir sein können. Leider war es bei uns in einem stillfreundlichen Krankenhaus Haar genauso. Aber trotzdem haben wir uns durchgekämpft und ich habe 5 volle Monate gestillt. Aber der Stress eine ganze zeit lang war unbeschreiblich, weil ich mir vorher nie Gedanken über eine Flasche gemacht habe, sondern lange und gerne Stillen wollte .

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k. 6. Januar 2014 - 08:45

meine hebamme durfte mir nach dem kaiserschnitt nicht weiterhelfen, was stillen betraf.
es ist in der klinik nicht erwünscht, da eine der säuglingsschwestern als stillberaterin tätig ist und ihr veraltetes wissen an alle weitergibt. 4-stunden-abstand etc. und wenn ein kind nicht kann, wird die Flasche in den mund gepfropft. “zum füttern per spritze ist keine zeit!” und selbiges wird den müttern daher auch nicht gezeigt.

wer keine stillerfahrung hat, hat schnell die flasche in der hand… 🙁

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Antje 6. Januar 2014 - 08:42

Das erinnert mich sofort wieder an mein 1. Kind. Das war haargenau das gleiche. Kaiserschnitt, eine Woche Krankenhaus und dann war’s das mit stillen. Ich wollte dieses “Drama” einfach nicht länger. Kind wurde in der Klinik auch immer schön gefüttert und sollte dann noch stillen. Wie denn?
Wenn ich nur damals schon gewusst hätte, was ich heute weiß…
Jetz beim 2. eine Geburtshausgeburt (auch nicht ganz einfach) und alles perfekt.
Auch wenn unsere Hebamme vom stillen nicht zwingend das Wissen hat, aber dafür gibts im Notfall immer noch LLL. Es sollte sich jede Schwangere schon vor der Geburt mit einer Stillberaterin vertraut machen. Dann würde das viel weniger passieren.
Es ist schön, dass “Deine” Mütter Dich haben. Ich find es ganz toll, was Du machst!

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