Hebammenmama

An die Hebamme, die jetzt Mutter ist

von Anja

Vielleicht dachtest du, genau wie ich, dass man dieses ganze Mutterding ein bisschen besser absehen oder sogar planen kann. Schließlich begleitest du seit Jahren souverän Paare und ihre Kinder auf dem Weg ins Elternleben. Du kennst die Ängste und Sorgen und meistens hast du eine Antwort oder zumindest ein paar tröstende Worte für die vielen Fragen und Sorgen der Eltern. Und du kennst die mehr oder weniger gute Geburtshilfe in der Klinik und hast dich bewusst für eine außerklinische Geburt entschieden. Oder dich zumindest früh genug um eine Beleghebamme im Wunschkrankenhaus gekümmert.

Du bestärkst die dir anvertrauten Schwangeren, ein gutes Bauchgefühl zu entwickeln, um dann selbst in der 13. Schwangerschaftswoche panisch die Herztöne mit dem Doptone zu suchen. Hoffentlich hast du eine Kollegin zur Seite, die dich in der Schwangerschaft immer wieder beruhigt, dass alles gut und normal ist, wie es ist.

Zumindest bist du auf die Geburt bestens vorbereitet, schließlich machst du das selbst seit Jahren in Geburtsvorbereitungskursen. Und du hast so viele Geburten in deinem Hebammenleben begleitet, dass du genau weißt, was förderlich ist für einen guten Geburtsverlauf. Du bist entschlossen und bereit, das alles umzusetzen. Du gehst vielleicht sogar mit einer großen Vorfreude in die Geburt.

Zwischen Gebärwanne und OP-Tisch

Vielleicht überraschen dich schon die ersten Wehen mit dieser Heftigkeit, mit der sie dich überrollen. Und du beginnst zu zweifeln, ob du das über lange Zeit aushalten wirst. Vielleicht veratmest du auch ganz souverän deine Wehen. Und dein Kind überrascht dich mit so ganz anderen Geburtsplänen, weil es eine Position einnimmt, die all deine Geburtspläne über Bord werfen. Vielleicht gehört es zu den Kindern, die zu früh auf die Welt kommen oder die so viel Stress haben, dass die Geburt mit einem Kaiserschnitt beendet wird. Die ganze Bandbreite an Geburtsverläufen, die du als Hebamme kennst, sie kann auch dich treffen.

Dein Gefühl hat dir aber wahrscheinlich vermittelt, dass alle deine Hebammenkolleginnen ihre Kinder lächelnd in der heimischen Badewanne herausgeatmet haben. Wo ist da ein Platz für die Periduralänästhesie, die du nach 15 Stunden doch angenommen hast? Oder den Wehentropf, dem du an einer Stelle der Geburt dann doch zugestimmt hast? Keine Hebamme sonst hat doch ihr Kind in Rückenlage geboren oder gar auf dem OP-Tisch!? Natürlich weißt du, dass das nicht stimmt. Aber irgendwie fühlt sich trotzdem genauso an.

Und während du im Wochenbett vielleicht langsam Abschied nimmst von deiner idealen Geburt und hoffentlich sehen kannst, dass du alles getan hast, was du konntest, hetzt schon der der kleine Stillteufel um die Ecke. Natürlich möchtest du stillen. Auch hier kennst du aus deiner Arbeit alle Hürden und auch die Lösungen dafür. Und nun sitzt du da mit diesem kleinen Menschen, der vielleicht nicht genug trinkt an einer Brust, die so schmerzt, dass dir bei jedem Anlegen die Tränen in die Augen schießen. Und deine Berufsehre verbietet es dir vielleicht, dich so konsequent um Hilfe zu bemühen, wie es nötig wäre. Schließlich bist du doch die Fachfrau.

Wenn der Plan nicht aufgeht…

Du bist diejenige, die weiß, wie man ein Baby trägt, wiegt oder auf sonstige Weise liebevoll beruhigt, wenn es untröstlich weint. Und jetzt läufst du hier seit Stunden auf und ab mit einem Kind, das so verzweifelt weint, dass es dir selbst die Tränen in die Augen treibt. Gedanklich hast du in der Zwischenzeit schon mehrmals den Notarzt angerufen, weil dir plötzlich sämtliche schlimme Diagnosen im Neugeborenenalter einfallen. Da funktionert es plötzlich wieder, das Hebammenhirn.

Du denkst an deine eigenen Worte zum Wochenbett und stellst fest, dass manche Tage so gar nichts mit Babyflitterwochen zu tun haben. Du fühlst dich einfach nur unendlich erschöpft und irgendwie inkompetent. Die Belastungen, die ein Baby für die Partnerschaft bedeutet, kennst du. Du hast das vorher alles mit deinem Mann besprochen. Und jetzt steht ihr hier trotzdem nachts um zwei im Flur und schreit euch an. Dabei solltet ihr euch mit dem Trösten des von Gebärmutterheimweh geplagten Babys abwechseln. Du kennst Schlafmangel nur zu gut aus deinem Job. Nie hättest du gedacht, dass dich der durchs Baby bedingte Schlafentzug so umhauen wird…

Aber: Jede Mutter macht bei ihrem ersten Kind ähnliche Erfahrungen. Nämlich die, dass Wunsch und Wirklichkeit oft ganz anders aussehen. Wenn man von Berufswegen mit Menschen in dieser besonderere Lebensphase arbeitet, fühlt man sich vielleicht ein bisschen besser gewappnet. Im Idealfall sind die Erwartungen nämlich etwas realistischer. Gleichzeitig ist aber oft der Perfektionsdruck um einiges höher, eben weil man scheinbar weiß, was „richtig“ ist. Und wenn dieser Plan dann nicht aufgeht, zweifelt man nicht nur an seinen mütterlichen Kompetenzen. Es stehen auch noch gleich an die fachlichen zur Disposition. Ich glaube, dass das viele Kolleginnen bestätigen können.

Taumelig und unsicher

Aber du bist auch weiterhin die kompetente Hebamme, die du schon vorher warst! Aber vor allem bist du jetzt gerade Mutter. Und für alle Mütter dieser Welt ist wohl eines nicht plan- und vorhersebar: Nämlich wie tief einen jeden Menschen sein Kind im Inneren berührt. Du wirst mit keinem der Kinder, die du als Hebamme begleitest, so mitleiden wie mit deinem eigenen Kind, wenn es ihm wirklich oder auch nur scheinbar nicht gut geht. Kein anderes Kind wird dich diese große Liebe, aber auch gleichzeitig enorme Verantwortung spüren lassen.

Es ist eine Verantwortung, die weit über berufliche Kompetenz und auch damit verbundene hohe Verantwortung hinaus geht. Auch wenn wir als Hebamme mit Familien oft viele steinige Wege mitgehen, kommt irgendwann der Punkt, wo diese Familie den Weg alleine weiter geht. Manche Geschichten lassen einen ein Hebammenleben lang nicht los. Aber das ist nicht ansatzweise mit jenen Sorgen vergleichbar, die du dir nun um dein eigenes Kind machst. Und jenen, die du dir in Zukunft machen wirst.

Und ja, auch du darfst dich von all dem überfordert fühlen und auch um Hilfe bitten. Genauso, wie du es all den Müttern immer sagst. Du darfst die gleichen Fragen stellen. Und ja, auch mehrfach, weil Müdigkeit und Stillen dich genauso vergesslich machen, wie die Wöchnerinnen in deinem Arbeitsleben.

Tröstend auf der Wochenbettkante

Du magst dich jetzt vielleicht taumelig und unsicher fühlen in deinen ersten Wochen als Mama. Aber du wirst spüren, dass auch du mit jedem Tag ein bisschen mehr in deine neue Rolle hinein findest. Auch du wirst vielleicht über deine jetzigen Sorgen in einem Jahr schmunzeln können. Aber jetzt darfst du auch weinen darüber. Was du gerade erlebst kannst du später als intensivste Fortbildung in deinem Hebammenleben mit in deinen Beruf einfließen lassen. Dann, wenn du wieder tröstend auf der Bettkante von jungen Müttern sitzt, die sich genauso weich und verletzlich erleben, wie du es gerade tust.

Vielleicht wirst du zukünftig noch ein bisschen mehr verstehen, warum die Frauen in dieser Zeit so stark und gleichzeitig so extrem verletzlich sind. Wichtig ist es aber, sich mit seiner eigenen Geschichte zu versöhnen oder das eigene Erleben nicht als Maß aller Dinge mit in die Arbeit zu nehmen. Sei deshalb jetzt genauso mitfühlend und geduldig mit dir und erwarte einfach nicht mehr von dir, nur weil du Hebamme bist. Und hoffentlich hast du eine Hebamme an deiner Wochenbettkante sitzen, die dir genau das jetzt immer wieder sagt…

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19 Kommentare

Tanja Liebl 9. Juli 2017 - 06:09

Liebe Anja,

danke für diesen Text.
Ich habe als Hebamme auch den (von mir selbst auferlegten) Gebärdruck gespürt. Ich wünschte mir sehr eine spontane Geburt nach Kaiserschnitt. “Zwischen Gebärwanne und OP-Tisch” beschreibt genau die Geburtsreise, die ich dann mit meinem Baby und meinem Mann gegangen bin. Und natürlich haben wir dann auch das Still-Teufelchen im Wochenbett kennengelernt….

Ich finde es toll, dass in den Kommentare viele Hebammen-Kolleginnen ihre Erfahrungen aufschreiben. Auch für Hebammen hängt der Himmel während der Geburt nicht immer voller Geigen. Ich glaube, dass diese Erfahrungsberichte von Expertinnen Schwangere vom “Gebärdruck” entlasten kann. Dieses Wissen, dass auch Hebammen schwierige Geburten mit PDA’s, Schmerzmitteln, Kaiserschnitten und Co haben, entlastet Frauen.

Liebe Grüße,
Tanja

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Janine Schulte 8. Juli 2017 - 22:31

Hallo,
Wieder einmal trift mich einer deiner Beiträge mitten ins Herz!
Man wünscht sich so eine tolle Geburt und dann kommt alles anders.

Seit Anfang an BEL, riesiges Kind im US, Plazenta Granum III… Nocht im Doppler…
Geplante sectio in der 36SSW. Dann zum Glück spontaner BS und WTK… aber sectio in Spinaler.
Es war schrecklich! Ich hab mich so ausgeliefert gefühlt …und habe immer gedacht, “wann kommt die Mutter denn ihr Kind abholen”….. (36+1SSW 51cm 38,5cm 3560g)

Im Krankenhaus wollte die kleine nicht trinken und nach 48h immer noch kein Stuhlgang. Dann nur weißer Stuhlgang. Und die Kinderärztin machte uns Angst. Evtl. Mukoviszidose… im Screenings zum Glück negativ! Die Woche war ein Horror! Stillen klappt auch nur mäßig … ich habe viel zu wenig Milch! Meine Hebamme und ich haben alles versucht. Ich pumpe und bekomme maximal 70ml zusammen. Also füttere ich zu. Das halte ich leider nur 7 Wochen durch … es wird immer weniger…

Wir kommen nach Hause und ich muss erst mal die Wohnung putzen. Und Hebammenhirn sei dank, jeden Tag mein Kind wiegen
Bei runterbücken macht es “knack” (der faden ist gerissen)
Nachts werde ich wach und das ganze Bett ist nass. Leider Wundwasser. Wir fahren in die Klinik. Nachts um 3 Uhr. Papa, Baby und ich… und ich werde in Vollnarkose noch einmal genäht. Die kleine und ich bleiben eine Nacht da….

Danach hat mich zum Glück meine Mutter zu Hause unterstützt und wir konnten endlich zusammen ankommen. Es hat aber sehr lange gedauert, bis ich das alles überwinden konnte.
Jetzt ist unsere Maus 13 Monate alt und wir sind überglücklich und wollen noch 2 Kinder! Mal sehen ob es besser läuft. Ich bin optimistisch!!

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Hannah 8. Juli 2017 - 15:57

Liebe Anja,
Der Artikel spricht mir so sehr auf dem Herzen und ich Kämpfe Phasenweise immer noch mit meinem Hebammenhirn. Nach unproblematischer Schwangerschaft, 20 h Hausgeburt die mich so zwei Zweifeln ließ und ein kack Wochenbett mit bakt. Mastitis und völlig Zerstörten Brustwarzen. Einer Tochter die lautstark alles sofort einfordert und mich manchmal in den Wahnsinn treibt . Es tut gut zu lesen das auch andere Hebammen mit ihrer Mamarolle erst Mal so knappern und ankommen müssen..

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Anja 21. Februar 2016 - 11:08

Danke liebe Kolleginnen, auch dass Ihr hier so ehrlich über Eure eigenen Geburtserfahrungen geschrieben habt. Alles, was wir aus unserer Arbeit kennen, gibt es auch unter Hebammen. Egal wie viel wir wissen oder was wir vorher auch immer geplant haben. Das Leben mit (und manchmal auch ohne) Kinder geht seine ganz eigenen Wege, die wir nur allzu oft gar nicht beeinflussen können…

Alles Liebe und Gute für Euch <3, Anja

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Junxmam 21. Februar 2016 - 11:00

Danke für diesen Beitrag!
Bin auch so eine Hebamme mit Plan B Mutterschaft….
Sehr treffend beschrieben.
Habe ebenso nach abgebrochener HG mit PDA, Synto und viel Kristeller meinen ersten Sohn geboren….. natürlich in Rückenlage mit, vom erfahrenen Oberarzt rasch gelöster Schulterdystokie (wenn man als gebärende Hebamme die hängengebliebene Schulter vorne durchs Becken rattern spürt ist das ein echt erleichterndes Gott-sei-Dank-Gefühl). Dann am vierten Tag Hals-über-Kopf-Übersiedlung ins Kinderspital wegen eines komplexenVitiums. Wieder Gott sei Dank sehr erfolgreich 3x operiert. Ein Hoch auf die Schulmedizin!
Seitdem tu ich mich echt schwer mit Eltern, die hundertmal überlegen EINMALEIN Schmerzmittel bei Mittelohrentzündung zu geben …. wo es doch sooooo schädlich ist….. mein Sohn hatte Wochenlang Dipidolor, Dormicum, Lasix, Renitec, Wincoram, Vancomycin, Dalacin,… (15 Stück Perfusoren glz) als Dauertropf und ist jetzt gesund.
Natürlich mit Arnica, Osteopathie und allen möglichen sonstigen alternativen und therapeutischen Unterstützungsformen. Es war ein harter und steiniger Weg, der uns allen viel Tiefe geschenkt hat.
Der zweite ist dann heimlich geplant zuhause geschlüpft, und auch da kann ich nur einem Kommentar von oben sehr zustimmen, dass in einem weiteren Wochenbett die Wunden eines vorigen heilen können. Hier erlebten wir eine wundersame Zeit und dafür bin ich dem Universum wirklich dankbar.
Allen hier wünsche ich solch heilsame Zeiten nach derart intensiven aber lehrreichen Lebenstiefen.

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TR 20. Februar 2016 - 20:48

Hallo!
Ich bin der Inbegriff des Nicht-Gewünschten rund um Geburt und Kinderkriegen (trotzdem hör ich nicht damit auf 😉 )
1. Kind: Viele Ängste, da 3. Schwangerschaft nach zwei Spätaborten. Also ständig Dopton. Dann sek. Sectio bei geburtsunmöglicher BEL. Natürlich hatten wir Monate vorher die Hausgeburt vorbereitet und uns wegen der BEL schweren Herzend fürs Krankenhaus, aber auf jeden Fall für vaginal entschieden. Dann wunde Brustwarzen bis zum Gehtnichtmehr. Und Schreikind. Schreikindschreikindschreikind. Fast bis zum ersten Geburtstag Schreikind.
2. Kind: Nach 18 Stunden regelm. und heftiger Wehentätigkeit ins Krankenhaus (zu der Zeit natürlich Kind Nr 1 mit Windpocken zu Hause….), nach 22 Stunden PDA, nach 24 Stunden weiter ohne PDA, dafür mit Wehentropf. Nach 26 Stunden Geburt – immerhin in die eigenen Hände – dank herausschießendem Ellenbogen aber mit DR3, der nicht verheilen möchte. Nächste Woche Nahtrevision. Achja: Diesmal so schlimm wunde Brustwarzen, dass ich zwei Wochen Stillhütchen mitgenommen habe.

Ommm… meine Kinder machen mich weise und ich lerne viel fürs Leben.

Nummer 3 soll trotzdem kommen 😉

LG
T:R

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Eva 20. Februar 2016 - 20:17

Sehr gut geschrieben!
Es ist einfach wirklich schwierig- dieser Rollenwechsel von Fachfrau zu schwangerer/Mutter…
Habe bei meinem ersten kind eine bilderbuch- hausgeburt im Pool gemacht. So, wie ich vorher Frauen begleitete und nach gefühl geholfen hab, wie ich konnte, fühlte es sich aus der Innensicht auch an- das war ein tolles Erlebnis- hat mich sehr bestätigt in dem, wie ich gearbeitet hab..
Ich hab mir vorher Sorgen vor allem gemacht, was passieren könnte- vor allem dachte ich an eine atonie nach der Geburt- aber mit keinem einzigen Gedanken dachte ich daran, dass beim Stillen irgendwas nicht klappen könnte..
Und so erwischte es mich mit voller Wucht- milchmangel vom feinsten.. Und dann der blöde hebammen-Perfektionismus… Muttermilch- Wahn usw.. Dazu ein Kind, was sich nicht ablegen ließ und nur ruhig war in Bewegung oder an der Brust…
Der ganze Spaß führte dann zu Überlastung und Überforderung, schön gefüttert von meinem perfektionistischen hebammen – druck- und nach sechs Wochen p.p. Zu einer fetten Wochenbettdepression. Ich wollte eine adoptivfamilie für mein Kind suchen (grad frisch fortgebildet zum Thema “Kinder depressiver Mütter), und hatte das Gefühl, dass ich nie wieder im Leben als Hebamme arbeiten kann, wenn ich es ja selbst mit meinem Kind nicht hinkriege…
Mittlerweile kann ich auch von dieser sehr schlimmen und harten Erfahrung zehren und diese positiv in meine Arbeit einfließen lassen.
Zwei Jahre dachte ich, dass ich nie wieder ein Kind kriegen könnte- als sie drei war und mit sehr intensiver ärztlicher und medikamentöser Betreuung, konnte ich es mir ganz vorsichtig und in weiter Ferne vorstellen- mit großem Hilfssystem und viel Prävention…
Und jetzt ist es soweit- mein 2.kind ist sieben Monate alt, wieder ganz toll Zuhause im Wasser geboren, ich hatte eine scheiss schwangerschaft, hätte mir in der 34.ssw das kind am liebsten rausschneiden lassen wollen und alle nie wieder sehen- und einem richtig guten wochenbett mit maximaler Prävention durch hilfe und Unterstützung.
Ich hab immernoch hilfe, jeden Tag morgens, damit ich schlaf nachholen kann und meine Psyche damit stabilisieren kann- und erlebe jetzt Mutter-sein nochmal ganz neu- und noch heute, obwohl er jetzt 7monate alt ist, heilen mit jedem Tag meine alten Wunden von damals… Ich kann den halben Tag mit dem baby im Bett rumgammeln, mit ihm spielen, nichts von mir erwarten und die ganze Nummer richtig genießen!
DANKE an meine tolle Therapeutin- spezialisiert auf Bindung zwischen Mutter und Kind;-)

Antworten
Rikki 8. Mai 2015 - 13:43

Liebe Anja,

vielen vielen Dank für diesen Artikel! Es hat so gut getan ihn zu lesen, auch wenn er mich zum Weinen gebracht hat, weil ich mich darin so sehr wiedergefunden habe (und außerdem den Umständen entsprechend zur Zeit sehr sensibel bin). Ich bin eine junge Hebamme und stehe derzeit kurz vor der Geburt meines ersten Kindes.
Und ich muss sagen, ganz leicht finde ich es nicht als “Fachfrau” selber schwanger zu sein.
Allein die Erwartungen der Menschen in meiner Umgebung an mich empfinde ich öfters als sehr belastend. Wie oft ich Sätze hören musste wie “Na dir muss man das ja nicht erklären, du kennst dich ja eh aus” kann ich nicht mehr zählen. Und natürlich “weiß” ich das meiste selbst, habe es in meiner Ausbildung gelernt und in meinem Berufsalltag oft erlebt…. und trotzdem ist für mich auf einmal alles anders. Jetzt ist es mein Bauch um den es da geht, es geht um mich und mein Kind. Und auf einmal sind da Sorgen, Ängste und Gedanken von denen man nicht dachte, dass man diese haben würde. Man kennt sich doch aus und weiß, was man selbst Frauen raten und sagen würde, kommen sie damit zu einem. Trotzdem schafft man es einfach nicht, das auf sich selbst anzuwenden (zumindest ich derzeit nicht 🙂 )
Ich hatte beispielsweise um die 32. Woche herum eine Phase, wo meine Frauenärztin eine Bemerkung darüber machte, dass mein Kind “recht groß für die Woche” sei und ich daraufhin die fixe Idee entwickelte, der Bauch sei viel zu groß und Panik davor schob, wie groß er bis zur Geburt noch werden würde, dass mein Kind zu groß sei und mir eine schwere Geburt bevorstehen würde, etc.. ein paar Tage steigerte ich mich da richtiggehend hinein, weinte täglich und war einfach fertig. Und weil ich ja “vom Fach” bin traute ich mich partout nicht meine Wahlhebamme und Arbeitskollegin anzurufen. Ich hatte das Gefühl mit allem alleine fertig werden zu müssen und als würde ich meine berufliche Kompetenz verlieren, riefe ich wegen so etwas Banalem an. Gott sei Dank hat mich mein Mann letzlich zu dem Anruf gezwungen! Meine Kollegin kam vorbei, wir redeten und auf einmal ging alles wieder. Ich konnte einfach mal loslassen und eine verunsicherte, nervöse Schwangere sein, die von ihrer Hebamme im Gespräch beruhigt und aufgefangen wurde. (Und jetzt, wo mein Zwergerl eigentlich jeden Tag kommen kann, schaue ich auf meinen wunderschönen großen Babybauch, der einfach perfekt zu mir passt und freue mich)

Auch über den Geburtsverlauf mache ich mir natürlich Gedanken. Ich habe mich entschieden im Spital, in dem ich auch arbeite zu entbinden. Mein Mann und ich sind im Gespräch einfach überein gekommen, dass wir uns mit einer Hausgeburt einfach beide nicht ganz wohl fühlen. Nur interessanterweise gehen fast alle meiner Freunde, Bekannte und sogar meine Frauenärztin fast selbstverständlich davon aus, dass ich zu Hause entbinden werde. “Du bist doch Hebamme!” Ja, bin ich und ich bin auch absolut für Hausgeburten, aber für mich persönlich ist es (zumindest für diese Geburt) nicht das Richtige. Aber wenn ich das sagte, habe ich sogar von Kolleginnen einige irritierte Blicke und zum Teil auch Kommentare geerntet. Als Hebamme habe ich doch quasi die Verpflichtung das Kind, wie hast du es in deinem Artikel geschrieben, “das Kind in der heimischen Badewanne lächelnd herauszuatmen”. Aber wenn es nun einmal für mich nicht passt? Und wer weiß? Ich stelle mir eine ruhige, selbstbestimmte Geburt ohne Interventionen in Anwesenheit meiner Hebamme und meines Mannes vor, aber wer sagt, dass alles so kommt? Trotzdem empfinde ich wirklich Druck, quasi wegen meines Berufes eine “Traumgeburt” haben zu müssen. Und etwas Angst davor, dass es vielleicht anders kommt und ich mich dann als Versagerin fühle.

Und daher hat mir dein Artikel so gut getan! Er hat mich darin bestärkt, dass auch ich einfach eine schwangere Frau, mit allen Unsicherheiten, Ängsten und Sorgen sein darf, ohne meine berufliche Kompetenz zu verlieren. Und wie es dann mit dem Baby und dem Stillen wird…auch da werde ich deinen Text sicher wieder lesen und mich garantiert wiederfinden 😉

Antworten
Jule 22. April 2015 - 23:48

Vielen Dank für deinen Artikel!

Eine Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht. Sie meinte, dass du mir auf meinen Geburtsbericht, den ich vor einigen Tagen auf meinem Blog veröffentlicht habe, ( https://hebammezauberschoen.wordpress.com/2015/04/18/meine-geburt/) geantwortet hast.

Und es passt tatsächlich soooo gut zu dem was ich erlebt habe. Aber ich weiß auch, dass es ganz vielen Hebammenkolleginnen ähnlich ergeht.

Alles Liebe!

Antworten
Anja 22. April 2015 - 23:59

Liebe Jule,

Deinen Geburtsbericht kannte ich noch nicht, aber auch da passt wohl der Post hier ganz gut…
Mich haben mehrere Kolleginnen dazu inspiriert und nicht zuletzt die eigenen Erfahrungen.
Ein schönes Blog hast Du da übrigens:) Liebe Grüße, Anja

Antworten
Nina 22. April 2015 - 17:59

Danke, danke, danke!!! Ich habe deinen Artikel mit einem dicken Grinsen im Gesicht gelesen und hatte trotzdem teilweise die Tränen in den Augen stehen. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

Antworten
Ilka 22. April 2015 - 13:24

Danke für diesen wunderbaren so treffenden Bericht!!!

Mir ist es genauso ergangen und es war oft schmerzlich die eigenen Vorstellungen und Ansprüche über Bord zu werfen!Aber es hat sich gelohnt und man kommt immer mehr an in der Wirklichkeit!

Ich bin froh all diese Erfahrungen gemacht zu haben um dann noch empathischer als vorher begleiten zu können!!!

danke

Antworten
Sandra 22. April 2015 - 11:52

Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Es hat so gut getan ihn zu lesen. Ich bin zwar auch keine Hebamme, aber es ist beruhigend zu wissen dass es anderen genauso geht in der Eltern-werd-Findungsphase, vielleicht auch besonders wenn es einer Fachfrau ähnlich ergeht.

Antworten
Dominique 22. April 2015 - 08:17

hallo, ich bin zwar keine hebamme, aber Erzieherin. Diese Ängste und Erwartungen der Anderen kommt dann später;)
Der Beitrag ist so toll geschrieben. Jetzt, in der 33. Woche gehen die Ängste und Bedenken und Sorgen wieder los.
Und jeder Mutter, egal welchen Beruf sie vorher ausgeübt hat, hat Angst und Sorge uns eigene Kind.

Antworten
katrin 21. April 2015 - 16:44

So schön und treffend geschrieben!
Ich bin zwar keine Hebamme aber zum ersten Mal Mama geworden. Ich war so unglaublich begeistert von der Arbeit welche die Hebammen um mich herum geleistet haben ( mit und ohne eigene Kinder), dass ich am liebsten den Beruf wechseln würde 🙂 Ich habe mich so unglaublich gut aufgehoben gefühlt und denke so gerne an diese unendlich langen Stunden zurück!

Antworten
Frühlingskindermama 21. April 2015 - 13:52

Danke für diesen unglaublich menschlichen und berührenden Text! Ja, ich kann es mir vorstellen, dass der Druck noch einmal höher ist für eine Frau vom Fach. Interessanterweise kann ich aus meiner eigenen Erfahrung beisteuern, dass meine zweite, kinderlose Hebamme wesentlich verständnisvoller, zugewandter, hilfreicher und herzlicher war als meine erste Hebamme, die schon eine Tochter hatte.

Habe darüber auch geschrieben:
http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/01/gute-und-schlechte-hebammen.html

Es ist also nicht unbedingt so, dass Schwangere und Wöchnerinnen besser von Hebammen verstanden werden, wenn sie die Erfahrungen selbst durchgemacht haben.
Liebe Grüße!

Antworten
Anja 21. April 2015 - 14:33

Liebe Frühlingskindermama,

da hast Du recht. Dazu hatte ich schon mal das hier gebloggt: http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=1747

Ich sehe sogar auch die ” Gefahr” dass man evt. eigenen Erfahrungen als Maßstab nimmt. Aber den meisten gelingt die Balance:) Liebe Grüße, Anja

Antworten
vroni 21. April 2015 - 10:36

So wahr dein Text, ich habe mich so sehr darin gefunden. Ich bin auch vom Fach, allerdings als Pädagogin und habe mich so auf die Geburt im Geburtshaus gefreut und dann kam alles anders. Ich landete völlig erschöpft in einem scheußlichen Kreißsaal mit einer schrecklichen Hebamme in Rückenlage verkabelt auf dem Bett und sollte mich entspannen. Pustekuchen. Ich wollte stillen und keiner wollte mir zeigen wie es geht. Meine Wirklichkeit sah anders aus als unsere Wünsche und ausgemalten Erwartungen. Danke schön für deine Beschreibung. Es ist tröstend zu wissen man ist nicht allein mit seiner Enttäuschung.
LG

Antworten
Fräulein Sonnenschein 21. April 2015 - 08:29

Was für ein wunderschöner Text, vielen dank dafür!

Bisher habe ich darüber noch gar nicht so nachgedacht, aber ich kann mir so gut vorstellen, dass sich Hebammen und auch sonst alle, die hauptberuflich Schwangere und Neugeborene begleiten, unter noch stärkeren Druck setzen als so manche “Normalmama” … aber es haben ja auch nicht alle Finanzberater eine Millionen auf dem Konto zu liegen, nicht wahr?

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