Darf die stillende Mutter auch mal raus hier?

von Anja

Häufig fragen Müttern sich, wie sie mit einem Kind, das das Einschlafstillen gewohnt ist, auch mal zu abendlicher babyfreier Zeit kommen. Der Vater kann ja schließlich nicht stillen. Da mir diese Frage im Hebammenalltag auch ständig begegnet und ich sie auch oft in der Stillgruppe beantworte, hier mein Wissen, meine Gedanken und meine eigenen Erfahrungen dazu…

Sehr viele gestillte Kinder werden auch in den Schlaf gestillt, das funktioniert meist recht gut, schnell und zuverlässig. Wenn man denn Brüste hat, die Milch produzieren. Und da geht das Kopfkino los, lange bevor tatsächlich der erste abendliche Termin ohne Baby für die Mutter ansteht.

Wie kann es jemals eine andere Bezugsperson des Babys schaffen (meist der Vater, aber auch eine liebe und vertraute Oma oder Freundin), mein Baby genauso gut in den Schlaf begleiten? Und es stimmt: GENAU SO wird das nicht funktionieren. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht auch andere Wege gibt, die es der stillenden Mutter ermöglichen, auch mal ohne das Baby unterwegs zu sein.

Entschluss zur Stillauszeit

Wichtigste Voraussetzung ist aber, dass die Mutter das auch möchte. Also dass sie wirklich Lust hat, abends mit der besten Freundin mal essen zu gehen. Wenn man sich abends gerade sowieso zu fertig und müde fühlt, ist vielleicht das ausgiebige Freundinnenfrühstück im Lieblingscafé am Wochenende die bessere Wahl. Ist der berufliche Abendtermin wirklich wichtig, schön und interessant oder ist es nur die Angst, den Anschluss im Job zu verlieren? Wenn eine Mutter also wirklich die feste Absicht hat abends rauszugehen und sich auch auf diese kleine Babyauszeit freuen kann, steht das Stillen dem sicher nicht im Wege.

Für manche Mütter entsteht dieser Wunsch nach drei Monaten, für andere auch erst, wenn das Kind „schon“ 14 Monate alt ist. Beides ist okay und gut. Weder ist erstere eine Rabenmutter, noch letztere eine Superglucke. Verschiedene Mütter, verschiedene Bedürfnisse. Ja, und selbst von Kind zu Kind ist das verschieden.

Beim Babysohn „gluckte“ ich sogar etwas mehr als bei den Mädchen. Vielleicht, weil die Babyzeit mit jedem Kind schneller vergeht. Vielleicht aber auch, weil er mein erster Sohn ist. Vielleicht war auch einfach nur der Prolaktinspiegel höher (das Stillhormon Prolaktin löst unter anderem bei Säugetieren das Brutpflegeverhalten aus). Also, genau in sich reinhorchen, wann es sich passend anfühlt. Das weiß nur jede Mutter selbst. Und nicht die schlaue Nachbarin, Schwiegermutter – und auch nicht die Hebamme.

Mama nebenan unentspannt auf dem Sofa

So, nun sind vielleicht die Konzertkarten gekauft. Oder die Teilnahme an einer Abendveranstaltung zugesagt. Das heißt, es wird ernst. Muss man von nun an dem Kind jeden Abend erzählen, dass und wann man demnächst weg geht? Oder gleich versuchen, ein künstliches Weggehszenario zu erschaffen. Da muss dann Papa versuchen, die abgepumpte Milch zu füttern, während Mama nebenan unentspannt auf dem Sofa lauert. Und dann beim wahrscheinlichen Protest des Kindes sagt: „Ich wusste ja, dass es nicht klappt.“

Nein. Alles was man an Vorbereitung tun muss, ist sich auf die Babyauszeit zu freuen und dem Vater (oder der anderen lieben Bezugsperson des Kindes) zu vertrauen. Das ist nicht immer einfach. Viele Eltern kaufen sich Unmengen von Flaschen und Saugern, um damit die abgepumpte Muttermilch in das Kind zu bekommen. Denn es wäre ja ungemein beruhigend, vorab zu sehen, dass das funktioniert.

Wird es aber wahrscheinlich nicht. Denn für das Kind besteht keine Notwendigkeit dazu, wenn die bekannte Milchquelle nebenan wartet. Je nach Dauer der geplanten Abwesenheit und je nach Alter des Kindes ist es sicher sinnvoll, eine kleine Menge Muttermilch abzupumpen. Aber sehr viele Kinder stillen vorher und nach Mamas Rückkehr. Die ist darüber meist auch recht dankbar, wenn die Brust bereits etwas spannt…

Baby nicht mit Einschlafversuchen stressen

Wenn ein Baby bisher immer nur durch Stillen in den Schlaf begleitet wurde, wird es verständlicherweise irritiert reagieren, wenn der Vater es versucht, einfach so schlafen zu legen. Auch dann vermutlich, wenn er sich mit dazu legt. Ja, Kinder sind kleine Gewohnheitstiere, aber doch durchaus so flexibel, dass in anderen Situationen andere Dinge funktionieren. Also ist es vielleicht sinnvoller, das Kind im Tragetuch in den Schlaf zu begleiten. Auch ein Abendspaziergang, ob nun mit Tuch oder Kinderwagen, kann Baby und Papa gleichermaßen entspannen. Bis zur mütterlichen Rückkehr schläft es dann dort einfach weiter. Wer will schon das friedlich schlafende Baby damit aufwecken, es ins Bett umzulagern?

Manchmal ist es auch sinnvoller, länger mit dem Kind zu spielen, anstatt sich selbst und das Baby mit Einschlafversuchen zu stressen. Hier gibt es kein Patentrezept, außer zu schauen, was das Bedürfnis des Kindes ist und wie man liebevoll damit umgeht. Es gibt so viele Einflussfaktoren wie das Alter des Babys, seine momentane Verfassung, den bisherigen Tagesablauf, Wachstumsschübe und so weiter. Deshalb ist zu viel planen eher sinnlos.

Väter sind auch kreativer als manche Mütter denken, wenn es darum geht, das Baby auch ohne Stillen empathisch zu beruhigen. Ja, und das Baby darf auch darüber schimpfen, dass Mama nicht da ist. Liebevoll begleitet ist das in Ordnung und wenn mal alles ganz, ganz schief läuft, darf ein für den Moment überforderter Vater auch seine Partnerin anrufen und bitten, früher zu kommen. Oder ihr das Kind zum Stillen bringen. Ein „gescheiterter“ Weggehversuch heißt auch nicht, dass die stillende Mutter nie wieder alleine raus kann. Eine Woche später kann die Situation schon ganz anders aussehen.

Ohne Riesenstress geschaukelt

Aus eigener aber auch beruflicher Erfahrung mit diesen Situationen weiß ich, dass der Stress vorab meist wesentlich größer ist als an dem Abend selbst. Bei meiner ersten Tochter habe ich nach etwa fünf Monaten wieder angefangen, Geburtsvorbereitungskurse zu geben – also ein abendlicher Jobtermin, bei dem man nicht eben mal schnell rausspringen kann. Was habe ich mir für Gedanken gemacht, literweise Milch abgepumpt und so weiter. Die Babytochter hat die drei Stunden meist entspannt an Papa gekuschelt im Tragetuch geschlafen. Klar gab es auch Kursabende, zu denen sie wach und quengelig war. Aber auch das haben Vater und Kind ohne Riesenstress geschaukelt. Die abgepumpte Milch wurde aber eigentlich nie gebraucht…

Ich kenne viele Szenarien von gestillten Kindern und kurzfristig abwesenden Müttern, die meistens gut funktionieren, wenn die Eltern flexibel bleiben. Eine Mutter hat sogar mit großen „Bauchschmerzen“ die dreitägige, für sie sehr wichtige Dienstreise ohne Stillkind angetreten. Natürlich mit größter Sorge, dass sich das acht Monate alte Baby abstillen würde. Sie hat mit Abpumpen ihre Milchproduktion aufrecht erhalten und der kleine Mann hat nach ihrer Rückkehr ohne Probleme weitergestillt. Ich kenne Orchestermusikerinnen, die mehrere Abende in der Woche beruflich eingespannt waren. Oder geburtshilflich arbeitende Kolleginnen, die noch stillend wieder Geburten begleitet haben, die ja bekanntermaßen zeitlich nicht wirklich gut planbar sind.

Letzten Endes muss es für die jeweilige Familie und ihre Situation passen. Abstillen oder das Einschlafstillen weglassen muss man auf jeden Fall dafür nicht. Und schon gar nicht für einen Kinobesuch oder die wöchentliche Yogastunde am Abend. Meist geht es ja auch wirklich nur um ein paar wenige kinderfreie Stunden.

Vielleicht macht der erste Abendausflug ohne Kind Lust auf mehr. Vielleicht ist aber auch die Sehnsucht größer und es reicht erst mal. Alles ist gut so, wie es ist. Es ist wirklich wichtig als Mutter, gut für sich selbst zu sorgen, damit die Kraft für den Alltag mit einem Baby oder sehr kleinen Kindern erhalten bleibt. Ob das eine Stunde in der häuslichen Badewanne ist oder drei Stunden im Kino, muss jede Mutter selbst für sich entscheiden. Und wenn es sich trotzdem noch kompliziert anfühlt, immer daran denken, dass es nur eine relativ kurze Zeit ist, in der unsere Kinder uns derart intensiv brauchen.

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19 Kommentare

Suse 22. Februar 2019 - 16:26

Wirklich ein schöner Artikel, der Mut macht. Und an dieser Stelle auch Respekt für all die Männer, die ihre Partnerin auf diese Art unterstützen und die Stillzeit nicht als Vorwand nehmen „sowieso keine Chance haben“ und bereit sind, den Unmut der Krümel, sollte er überhaupt aufkommen, zu begleiten. So wie es die Mamis in anderen Situationen eben auch tun.

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Kathi 7. Oktober 2018 - 22:44

Dankedankedanke für diesen Artikel – nein, vielmehr Kommentar! Er macht mir so Mut, ein bisschen mehr Vertrauen in mich, meine Tochter und meinen Freund zu haben. Grade jetzt: unsere Tochter ist jetzt acht Monate und mittlerweile ist die Abhängigkeit von der Brust Amt abend und in der Nacht auf einem nie dagewesene Höhepunkt. Bisher hatte ich schlichtweg einfach nie wirklich ein Problem mit dem vielen Stillen, mit der ständigen Verfügbarkeit und den Einschränkungen, die damit einhergehen. Aber seit sie mir Abends und Nachts so auf der Pelle liegt, fühle ich mich eingeengt und habe einen stärkeren Freiheitsdrang. Mein Freund und ich haben immer eher resigniert und gesagt: „Dann geht es jetzt doch nicht, dann lege ich meine Pläne wieder auf Eis“. Dass es aber durchaus möglich ist, das Kind ohne Stillen abends ruhig zu kriegen, vielleicht nicht von mir, aber von einer anderen Person, das macht wirklich Mut! Ich muss ganz bald unbedingt mal raus aus dem Tigerkäfig, möchte so gern mal ins Kino oder was essen gehen. Ich werde meinen Freund bestärken, Vertrauen in sich und die Kleine zu haben, dass für ein paar Stunden zu schaukeln.

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Melody 22. Juni 2018 - 23:25

Mein kleiner ist jetzt knapp 6 Monate alt und ich stille ihn voll. Bald bin ich auf einem lang ersehnten Konzert in einer anderen Stadt und werde nach dem Konzert noch mit Freundinnen in die Disco gehen…
Ich frage mich wie ich unterwegs Milch abpumpen soll damit mir nicht die brüste platzen?! Möchte auf keinen Fall abstillen wegen einem Tag “ Auszeit “
Hat jemand Erfahrungen ???

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Von der Nacht, in der wir doch nicht abstillten - mein Erfahrungsbericht • MINI AND ME 10. Januar 2018 - 09:44

[…] Von Guten Eltern: Darf die stillende Mutter auch mal raus hier? […]

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Miriam 20. August 2016 - 20:47

Toller Artikel!
Ich selbst bin 6 Wochen nach der Entbindung meiner Tochter wieder 1x wöchentlich arbeiten gegangen. Jetzt, 7 Monate später, stille ich sie immer noch voll. Teilweise bin ich berufsbedingt 12 Stunden am Stück weg, und mein Mann bekommt es jedes Mal hin, sie ins Bett zu bringen. 😉 Abgepumpte Muttermilch ist jedes Mal umsonst – sie wartet immer auf mich.
Ich kann jeder Frau wirklich den Tip geben: ruhig Blut! Es ist alles halb so wild, wenn man entspannt ist. 🙂

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Anke Zander 3. August 2016 - 11:48

Vielen Dank für den liebevollen Beitrag! Er macht mir Mut, kann mir meine Angst aber trotzdem nicht ganz nehmen. Ich fange im November wieder an zu arbeiten und stille unsere Tochter, bis auf die dadurch bedingten 2 Mahlzeiten voll- auch in den Schlaf, vormittags, mittags und natürlich auch abends. Uns geht es gut dabei, ich liebe diese Vertrautheit und das Geborgenheitsgefühl und freue mich zu sehen, dass es ihr gut geht.. Was soll ich nun tun. Ihr die Brust verwehren will ich nicht. Mein Mann meinte, sie sollte so langsam mal lernen ohne mich einzuschlafen bzw. durch eine andere Person. Ist das der Weg? Sie schläft auch im Kinderwagen, Tagebuch oder Auto…also generell auch ohne meine Brust. Denke, dass ich das üben sollte. Wie kann ich ihr und uns helfen? Ich habe die Hoffnung, dass sie vormittags nach Ihrem Brei satt uns zufrieden ist und gut einschlafen kann. Sie ist kein Flaschen oder Schnuller Kind…somit, müsste wir das Flaschentrinken evtl auch noch lernen. Meine Hebamme ist ganz entspannt und meint, dass ich mir keinen Druck machen soll. Vielleicht wollte sie in 3 Monaten auch gar nicht mehr gestillt werden und schläft ganz zufrieden ein…Wäre über Hilfe wirklich dankbar:-(

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Anja 3. August 2016 - 18:33

Liebe Anke,

Deine Sorgen haben ganz viele Mütter. Deshalb habe ich dazu auch mal etwas geschrieben: http://www.vonguteneltern.de/?p=9616
Ich hoffe, das entspannt Dich etwas und Du kannst den Sommer und Herbst mit Deinem Baby einfach genießen und dann in Ruhe Kitaeingewöhnung und Arbeitsleben angehen:)
Alles Gute für Euch und liebe Grüße,

Anja

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AnnaMama 21. Juli 2016 - 09:09

Dein Artikel kommt zur richtigen Zeit – Danke dafür! Mein Kleiner ist nun 3,5 Monate alt und bald beginnt mein Rückbildungskurs – am Abend und ohne Kind. Bei der Großen gab es noch einen Kurs am Vormittag mit Kind, da bei mir das Abpumpen nicht klappen wollte und sie die Flasche auch nicht nehmen wollte, habe ich den Kurs mit Kind gemacht.
Dieses Mal habe ich keine Wahl und bin als „erfahrene“ Mama hoffentlich lockerer. Aber ich habs ausprobiert, das Abpumpen will wieder nicht klappen…aber ich werde jetzt wohl versuchen, vorher zu stillen und dann schnell wieder zurückzukommen. Und inzwischen weiß ich ja, dass mein Kind beim Papa gut bekuschelt wird und auch nicht sooo schnell verhungert, wenn es dann doch mal 10 min warten müsste.
Ich rede mir da jetzt selber mal gut zu. Das wird schon.

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Kristin 20. Juli 2016 - 21:05

Hallo! Unser Kleiner hat sowohl die Flasche, als auch die Brust genommen. Dadurch war ich sehr flexibel. Papa hat abends ein Fläschchen gemacht, wenn der Hunger zu groß wurde und wenn ich wieder da war, habe ich in den Schlaf gestillt. So einfach!

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Yve 16. November 2015 - 20:05

Hach. Herrlich. Das macht ja Mut. Ich möchte ab Januar wieder einmal wöchentlich zum Zumba, da ist meine Bohne 8 Monate alt. Und ich werd sicherlich noch stillen. Auch zum Einschlafen. Manchmal nervt mich das, aber ich bin überzeugt, dass das am besten für sie ist. Schnuller nimmt sie auch hin und wieder, aber nur, wenn sie nicht hungrig ist. Und ich hatte bis eben Angst, dass das nie, nie, nie klappen wird. Aber wahrscheinlich muss man wirklich entspannt bleiben, vielleicht läuft es ja besser als gedacht?
Im Moment stillen wir noch alle 2 Stunden. Beikost ist noch nicht. Na. Mal abwarten.
Lieben Gruß aus Berlin und weiter so!

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marie 16. Mai 2015 - 11:48

ich wünschte meine 21 monate alte tochter würde sich abstillen wollen! aber kein bedarf…

ich arbeite an 4 tagen die woche und bin jeweils ca. 11 std von ihr getrennt – die milchprpduktion hat sich ganz hervorragend angepasst, ich muss über mittag nicht mal abpumpen. es ist also weniger kompliziert als befürchtet! 🙂

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Lorelai 10. Juni 2013 - 16:32

Ich habe sehr lange gebraucht bis ich abends überhaupt mal kurz weg bin beim 2. Kind, zum Einschlafen war ich aber gleich wieder zuhause… Das oben beschriebene funktioniert sicher wunderbar mit einem Kind (mein Erstgeborener hat aber immer geweint beim Vater und der war überfordert also erwartete mich bei der Heimkehr aus der Rückbildung jeweils ein komplett genervter Vater :/ ) aber wir haben nun 2 und auch ich bringe ungern beide alleine zu Bett weil ich den Grossen dann sprichwörtlich vor dem TV parken muss während ich die Kleine (18 Monate) in den Schlaf stille bzw. begleite… Ich weiss, dass der Papa sie auch zu BEtt bringen kann aber er ist mit den Nerven oft schnell am Ende, die Geduld fehlt, deshalb verbarrikadiere ich mich wohl für die nächsten Jahre zuhause 😀
Bisher habe ich mich auch nicht getraut, beide Kinder über Nacht auswärts zu lassen. Ich hätte wirklich grosse Angst, dass sich die Kleine dann abstillt weil auf den Geschmack der Kuhmilch/Flasche gekommen… das will ich auf keinen Fall riskieren 😉

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Katharina 3. März 2015 - 12:05

Ich habe da mal eine Frage: Was wäre denn so schlimm daran, wenn Deine 18 Monate alte Tochter sich selbst abstillt? Ich habe manchmal echt das Gefühl, dass eher die Mütter am Stillen festhalten möchten, während die Kinder schon längst bereit wären, sich abzustillen…

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Anglana 10. Juni 2013 - 11:01

Toller Beitrag!
Hat mich zum Nachdenken angeregt, da ich es Freitag das erste Mal versucht hatte.
Ich hatte mich für die Variante entschieden, die Weib schon beschrieben hatte. Der Papa hielt sich mit Tragetuch in der Nähe des Restaurants auf, indem ich mit meinen Freundinnen gegessen hatte.
Nach 1 1/2 Stunden kam eine Nachricht, dass Mäuschen Hunger hatte und ich bin dann zur verabredeten Stelle gegangen. Da wir immer recht kurze Stillmahlzeiten haben, war ich nach 10 Minuten auch wieder bei meinen Freundinnen.

Die fanden die ganze Situation einfach nur merkwürdig. Sie dachten, dass ich wohl auch mal 2 Stunden ohne Baby kann.

Ich hab nur gemerkt, dass ich noch gar nicht bereit bin. Mäuschen ist auch erst fünf Monate und der Punkt ist bei mir noch nicht da, mal was allein machen zu wollen. Und irgendwie hat das Ganze auch nicht geklappt, ohne mich aus zukommen.

Aber vielleicht hat mein Freund mich auch zu früh gerufen und Mäuschen hätte es noch „ausgehalten“? Denn sie hatte nicht geweint als ich kam.

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Martin 20. Juli 2016 - 09:59

Nur weil der/die Kleine nicht weint, kann er/sie trotzdem schon Hunger haben. Ich bin der Meinung, dass Babies Bedürfnisse haben, die für sie einfach notwendig sind. Deshalb muss ich als Vater (oder auch die Mutter) diese Bedürfnisse befriedigen, weil das Baby die einfach braucht. Und warum muss dann ein Kind, wenn es Hunger hat, erst weinen, bis es was bekommt? Insbesondere wenn Vater/Mutter vorher schon an vielen kleinen Zeichen feststellen, dass das Kind Hunger hat, und keine Umstände dagegen sprechen, das Kind zu füttern.
Wenn du sowieso das Kind stillen wolltest, dann ist es für dich egal, ob du das Kind jetzt oder in 20 Minuten stillst. Für das Kind spielt es eine große Rolle, denn Babies weinen und schreien erst in einer späteren Eskalationsstufe, wenn das Bedürfnis extrem groß ist. Denn sie können sich ja nicht selber helfen. Wenn du Hunger hast, dann isst du was, und wartest nicht noch extra.

Wenn dein Freund dich also gerufen hat und das Kind wirklich Hunger hatte, dann hat er dich nicht zu früh gerufen. Ein Kind muss nicht erst schreien, bis es was bekommt.

Bei vielen Kommentaren, auch bei deinem, habe ich das Gefühl, dass die Mütter schwer loslassen können. Meine Frau hat mir schon von Anfang an gesagt, dass sie absolut keine Bedenken hat,mich mit unserem Kind allein zu lassen. Ich denke, das Wichtigste für diese Voraussetzung ist, dass ihr den Vätern (oder eben einer anderen Vertrauensperson) die Möglichkeit gebt, auf ihre Art und Weise eine Bindung aufzubauen. Dann erst kann und muss diese Person den Mut fassen, sich mit dem Kind auseinander zu setzen.
Ich habe von Anfang an während der Elternzeit und danach nach der Arbeit mein Kind abends noch eine Runde durch den Park getragen, bis sich mit etwa 7 Monaten das Schlafverhalten so geändert hat, dass es nicht mehr praktikabel war.
Aber ich konnte dabei gut vom Tag abschalten, das Kind gut schlummern und meine Frau hatte eine Stunde für sich.
Mittlerweile bin ich derjenige, der unsere 14 Monate alte Tochter ohne Stillen besser zur Ruhe bringt. Und wenn sie auch tagsüber müde ist und ich die Trage anlege, kommt sie gerne zu mir.

Ich glaube, sie war 4 Monate alt, als meine Frau das erste mal abends weg war. Ich hatte ein Fläschchen mit abgepumpter Milch. Für alle Fälle hatten wir auch Milchpulver, aber das habe ich in der ganzen Zeit nur einmal benötigt. Ich hatte auch ein bisschen Bammel, aber es lief alles wunderbar und nachdem ich sie in den Schlaf getragen hatte,konnte ich sie auch ablegen.
Wie ich schon sagte: Die Mutter muss „loslassen“ und dem Vater einfach vertrauen können. Darauf müssen beide hinarbeiten. Der Rest klappt automatisch. Denn wie im Hauptbeitrag erwähnt stellen sich die Kinder (nur dann) relativ problemlos um, wenn Mama und ihre Milch nicht da sind.

Ich entnehme deinem Beitrag, dass dein Freund die besten Voraussetzungen dafür mitbringt, dass auch du zukünftig entspannter sein kannst. Trau ihm und dem Baby mal mehr zu.

Tipp: Geh einfach nicht so weit weg und bleib nach dem Abendessen (auch mit Stillen für das Kind) nur so 2-3 Stunden weg. Dann bist du ggf. schnell da, wenn er wirklich anrufen muss. Und so lange wird das Kind das auch aushalten, wenn es vorher gestillt wurde.

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Andrea 7. Juni 2013 - 21:52

Also zu den wenigen Terminen, die mir wirklich wichtig waren (unter 1,5 J. beim Kind) , habe ich es einfach mitgenommen (die Firmenweihnachtsfeier z.B.). Und ich bin etwas früher wieder weggegangen.Das Kindlein ist längst im Tuch eingeschlafen. Sonst würde ich auch eher frühstücken gehen oder so was bevorziehen. Man teilt sich die Sachen einfach anders ein. Mit 2 oder so konnte ich auch so ausgehen. Wenn ich da war, wurde gestillt. Wenn nicht, wurde nicht. Das war gar kein Problem. Ein Kakao war auch lecker. 🙂

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wolldrache 7. Juni 2013 - 13:57

Bei uns hat’s geklappt, sobald der Papa nicht mehr versucht hat, alles „genau so“ wie die Mama zu machen.
Das hat ihn gestresst, den Kleinen irritiert.
Also, wie Anja schon sagt:
die Papas einfach machen lassen!

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Diane 7. Juni 2013 - 13:43

Oh, das hast Du schön geschrieben. Mußte über das Nachfüllen sehr lachen. Und schön, wie entspannt es bei zugeht. Total sympathisch.

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weib yvonne 7. Juni 2013 - 12:21

Ich habe beim großen Sohn zum Testen nachmittags einen Kinobesuch organisiert, Babysitterin in der Nähe des Kinos mit Tragetuch und Tragling spazierengehend….Klappte prima.
Beim kleinen Sohn ähnlich locker, Termine möglichst nachmittags, dann entfiel der Einschlafstillstreß schon mal ganz und ich konnte abends mit den Jungs geruhsam einschlafen. 😀
Demnächst steht ein Abendtermin an(Einlaß 17:30 Uhr Freiluftveranstaltung bis ca. 22:30 Uhr), da wird dann die 6monatige Tragetochter mitgenommen, die Jungs von unserer wunderbaren Babysitterin in den Schlaf begleitet.

Ich genieße den Luxus, dass ich zwar weggehen KÖNNTE; aber nicht MUSS(schon alleine das Wissen, DASS es ginge, hilft mir sehr, wenn eine Budenkollerzeit sich ankündigt 🙂 )

Oftmals ist der Papa hier auch im Einschlafschuckeleinsatz, wenn ich zu Hause bin – und die Jungs abends mehr Kuschelzeit brauchen. Dann wird die Babytochter gestillt und dann dem Papa ins Wohnzimmer gebracht. Er trägt und wiegt und summt das Baby in den Schlaf, während ich die Jungs bekuschele. Dann bekomme ich die schlafende Milchverwerterin ins Bett(Brust schon parat), wo mit Bettberührung die Nachfüllung einsetzt, sie jedoch gut weiterschläft.

Ich wünsche allen mitlesenden Müttern und Vätern eine streßfreie Lösungsfindung und gutes Genießen der Auszeit! 🙂

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