Die Bedeutungslosigkeit des Stillens?

von Anja

Ich höre fast täglich irgendwelche Geschichten, in denen Müttern von jemandem aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen geraten wird, abzustillen. Vor allem dann, wenn das Kind nicht mehr ganz klein ist und damit „schließlich keine Muttermilch mehr braucht“. Mal ist es der Zahnarzt, der sagt, dass sonst keine Zahnbehandlung mit Betäubungsspritze möglich wäre. Mal ist es die Kitaerzieherin, die annimmt, dass das Stillen die Eingewöhnung nur schwieriger machen würde. Oder der Hausarzt rät zum Abstillen, weil die Mutter über eine allgemeine Erschöpfung geklagt hat. Manchmal ist es aber auch die eigene Mutter. Oder vielleicht der Partner, der meint, dass nun aber doch mal Schluss sein könnte mit der ganzen Stillerei.

Mutter und Kind sehen dies hingegen zumeist ganz anders. Und der Gedanke, von heute auf morgen abzustillen, ist nur schwer oder gar nicht vorstellbar. Das Stillen braucht meist am Anfang seine Zeit, bis sich Mutter und Kind optimal aufeinander eingespielt haben. Genauso braucht das Ende einer Stillbeziehung seine Zeit, damit es ein guter Abschied von dieser Lebensphase wird. Ich glaube, genau das wird viel zu oft vergessen, wenn schnell dahin gesagt wird, dass das Kind nun doch keine Muttermilch mehr brauchen würde. Stillen bedeutet mitnichten nur die Aufnahme von Muttermilch. Aber trotzdem ist genau diese auch noch wichtig und richtig jenseits der ersten Babymonate.

Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme

Gerade über die emotionale Ebene darf nicht einfach hinweggegangen werden. Man braucht eigentlich nur mal kurz dran zu denken, wie viele Eltern (und Kinder) der Abschied vom Schnuller beschäftigt – einem künstlichen, aber dennoch liebgewonnenen Saugersatz. Es gibt zahlreichen Foreneinträge, Blogartikel und sogar Serviceangebote zu diesem Thema. Sei es der Schnullerbaum oder das Angebot einer so genannten Schnullerfee, die sogar persönlich ins Haus kommt, um den Entwöhnungsprozess zu unterstützen. Und trotzdem braucht es einfach oft eine Weile. Auch Eltern überlegen sich „unterwegs“, ihrem Kind doch noch mehr Zeit für diesen Schritt einzuräumen.

Warum sollte es einem Kind, das an der Brust nicht nur Nahrung aufnimmt, sondern auch sein Saugbedürfnis bei Müdigkeit, Stress oder auch Schmerzen wie etwa beim Zahnen stillt, leichter fallen, darauf zu verzichten? Was genau meint also dieser Satz: „Das Kind braucht das doch nicht mehr?“ Und was ist mit der Mutter? Auch ihr Körper und ihre Seele sind auf das Stillen eingestellt. Sie genießt meist die innige Verbindung mit ihrem Kind. Natürlich tut sie das auch auf andere Weise. Aber es ist eben nicht bedeutungslos, ob sie stillt oder eben nicht.

Andere Wege suchen

Wäre es also nicht besser, statt der schnell dahin gesagten und oft stark verunsichernden Abstillempfehlungen einfach mal zu fragen, wie es Mutter und Kind überhaupt damit geht? Um dann entsprechend nach anderen Wegen zu suchen. Zum Beispiel nach dem stillverträglichen Medikament, mit dem die Zahnbehandlung der Mutter schmerzfrei möglich ist. Oder um den Blickwinkel zu ändern, denn vielleicht erschwert ja nicht das Stillen die Kitaeingewöhnung, sondern hilft dem Kind beim Verarbeiten der vielen neuen Eindrücke.

Irgendwann kommt ohnehin für jedes Mutter-Kind-Paar der Zeitpunkt, an dem die Stillbeziehung endet. Doch dieser ist höchst individuell und wird idealerweise von Mutter und Kind ganz natürlich selbst bestimmt. Ein Abstillen, das nicht von Mutter und Kind ausgeht, fühlt sich jedenfalls in aller Regel nicht gut an. Es sollte den extrem seltenen Fällen vorbehalten sein, in denen das wirklich (medizinisch) notwendig ist. Und gerade dann ist eine gute und liebevolle Unterstützung wichtig.

Es geht beim Stillen nicht nur darum, ob die Brust der Mutter Milch produziert. Und deshalb heißt Abstillen auch nicht nur, dass eine Tablette eingeworfen wird oder ein Tee getrunken, um die Milchbildung zu reduzieren. (Fach-)Personen, die das Abstillen aus welchen Gründen auch immer empfehlen, sollten deshalb das große Ganze stets im Blick haben, um Mütter nicht unnötig zu verunsichern oder in Entscheidungen zu drängen, die sich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht richtig anfühlen. Denn Stillen bedeutet etwas – für diese Mutter und für dieses Kind.

Passend zum Thema

22 Kommentare

Charlotte 2. November 2020 - 09:12

Bei meinem zweiten Kind war es tatsächlich ein Arzt samstags abends im Bereitschaftsdienst, den ich wegen einer Grippe aufgesucht hab. Der wollte mir ein Antibiotikum verschreiben und war fassungslos, als ich nach einem stillverträglichen gefragt hab…wie alt denn mein Kind sei, ach Gott 7 Monate, da könnt ich doch mal fix abstillen und dann sofort mit dem Antibiotikum anfangen, wenn ich das nicht heute anfangen würde, bestünde die Gefahr einer Sepsis, und überhaupt, das Kind bräuchte ja keine Milch mehr.

Wir sind dann extra noch in einen anderen Landkreis in eine andere Bereitschaftsdienstzentrale gefahren.

Antworten
Juliane 5. August 2017 - 10:33

Schöner Beitrag 🙂
Mein Kind ist 3 1/2 und wir stillen noch sehr viel. Wir genießen es beide. Klar, in manchen Situationen nervt es mich schon, aber das Positive ist viel stärker. Ich hatte bisher sehr viel Glück mit meinem Umfeld: keine komischen Kommentare, viel Unterstützung. Sogar als ich zweimal im Krankenhaus operiert werden musste (Sportunfall, denn Sport und Stillen geht schon immer gut bei uns), konnte mein Kind dort übernachten und ich hab eine Milchpulver in der nötigen 24-Std-Stillpause bekommen. Und das alles, obwohl mein Kind schon ein Kleinkind war. Super!

Antworten
Bianca 17. April 2017 - 16:52

Mir wurde bei der U6 letzte Woche auch geraten ich solle Abstillen. Ich wurde gefragt ob ich mit der Entwicklung von meinem Sohn zufrieden bin und ich habe gesagt das alles wunderbar ist, abgesehen davon das er die beikost immer noch nicht richtig annimmt, es sich immer noch um kleine Mengen handelt die er zu sich nimmt. Und daraufhin kam dann sofort der Rat abzustillen und dann lieber eine 1er Milch aus der Flasche zu geben, aber gleichzeitig die beikost Menge zu erhöhen, auf keinen Fall die Brust, medizinisch gesehen wäre da eh nichts sinnvolles mehr drin und er würde ja eh nicht mehr satt werden. -.-
Wie unlogisch ist das denn alles?! Wieso sollte ich nach einem Jahr anfangen die Flasche zu geben mit 1er Milch wenn doch die Mumi weiterhin fließt. Wenn der kleine Mann nicht satt wird, dann würde er doch mehr von der beikost essen. Und wieso da medizinisch gesehen nichts sinnvolles mehr drin wäre erschließt sich mir auch nicht, abgesehen davon das er genügend abwehrstoffe zu sich nimmt und er deswegen bisher nur einmal, abgesehen von den U’s, zum Arzt musste und sie an ihm dadurch nichts verdienen vielleicht.
Ich bin echt stink sauer auf die Ärztin, aber dass hat mich nun eines besseren belehrt, keine ernährungsfragen mit den Ärzten bereden. Gewichts- und Größenmäßig ist er immer noch gut dabei. Ich habe auch in Betracht gezogen die Ärztin zu wechseln, nachdem sie auch etwas rabiat mit dem kleinen umgegangen ist.
Ich Frage mich echt in welchem Jahrhundert einige Menschen leben und ob sie sich nicht weiterbilden.

Antworten
kony 1. Juli 2017 - 22:01

Hallo

Ich finde das sollte jeder selbst entscheiden, ich habe meine Tochter 3 Jahre und 6 Monate gestillt sie war krank auf der lntensivstation 3 Monate das hat ihr das Leben gerettet .Außerdem war es für meinen Geldbeutel gut. Ich rate allen zum Stillen .6 Monate sind Pflicht damit das Immunsystem stark wird.

Antworten
Cindy 5. August 2017 - 21:31

Naja Pflicht? ich bin grundsätzlich pro Stillen und jede soll so lang stillen, wie sie es für gut befindet. Es ist vollkommen natürlich und hat all die offensichtlichen Vorteile. Es ist aber nicht Pflicht. Ich habe nicht gestillt, aber abgepumpt, es hat besser zu unsrer Situation gepasst, und der Start war ohnehin sehr schwierig. Ich habe deswegen auch kein schlechtes Gewissen. Deswegen finde ich aber, sollte man nicht von Pflicht sprechen, das macht bloß indirekt Vorwürfe der Nicht-still-Fraktion und das ist absolut nicht notwendig.

Antworten
Marie 5. August 2017 - 09:45

Da würde ich aber auch sofort die Ärztin wechseln.

Antworten
Carla Eisenmann 29. Dezember 2016 - 13:00

„Die Theorie des Langzeitstillens“, da sieht man mal wie der Propagandafeldzug der Pulvermittelhersteller wirkt :‘-(
Ist es nicht eher so das dem „Normalzeitstillen“ im natürlichen Abstillalter ein künstliches verfrühtes Abstillen von Seiten der Mutter gegenüber steht? Mir erschließt sich diese Theorie des Verweigens der Brust bei einem Säugling nicht. Welche Vorteile hätte ich wohl davon? Die medizinischen Vorteile für Mutter und Kind sind hinreichend belegt. Praktischer und günstiger geht auch nicht. MMn fördert es auch deutlich die Selbständigkeit, wenn ein kleiner Mensch selbst entscheidet wann es Zeit ist von einem seiner ersten Bedürfnisse Abschied zu nehmen. Und, und, und… Einen Vorteil nicht zu stillen erschließt sich mir nicht, außer vielleicht dass eben weniger geredet wird von den Leuten… Mit mir können sie aber gerne reden, ich gebe mein Wissen gerne weiter 😉

Antworten
Peggy 29. Dezember 2016 - 12:44

Meine Maus ist jetzt 13 Monate alt, und ich kenne die Frage und den kopfschüttelnden Blick dazu gut. Da meine Tochter in wenigen Wochen in die Kita kommt, habe ich vor Kurzem begonnen, tagsüber nicht mehr zu stillen. Das funktioniert gut, und Ausnahmen bestimmen die Regel. Gestern, z. B. hat sie vehement das Mittagessen verweigert und die Brust verlangt. Ich, zuerst stolz, sie ihr nicht gegeben, sondern die trotz Geschrei anderweitig beruhigt zu haben, bekam die Quittung dafür nachts. Natürlich kann es auch sein, dass sie einfach nur unruhig schlief, weil die nächsten Zähne kommen. So, oder so, heute hat sie leicht erhöhte Temperatur, und selbstverständlich bekommt sie die Brust, wenn sie sie braucht. Artikel, wie Deiner, helfen mir dabei sehr, dabei die kopfschüttelnden Blicke zu ignorieren, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Danke!

Antworten
Catherine 3. April 2016 - 14:28

Schöner Text!
Ich habe meine Zwillinge 2 1/2 Jahre Gestillt. Auch das geht und es war eine schöne Zeit. Dann wurde mir Berufstätigkeit und Stillen zu viel und ich habe abgestillt. Wir haben noch heute eine sehr enge Bindung.

Antworten
Madeleine 3. März 2016 - 12:12

Schön geschrieben. Ich bin froh, mit meiner Tochter einen gemächlichen Abschied vom Stillen gehabt zu haben. Mit zweieinhalb Jahren hat sie sich so langsam davon verabschiedet, einfach so geriet es immer mehr in den Hintergrund.
Leider habe auch ich, je älter sie wurde, mir doofe Kommentare von fremden Personen anhören müssen. Was dann schleichend dazu geführt hat, dass wir weniger „öffentlich“ gestillt haben. Es war zwar gegen Ende hin sowieso nur nch Teil des Abendrituals, aber manchmal gab es auch draussen überfordende Situationen in denen sie „Brustmilch“ einforderte. Nun stillt sie schon fast drei Monate nicht mehr und machmal betrachte ich Stillfotos von uns etwas wehmütig. Vor allem aber fehlt es mir in den Situationen, in denen sie einfach nur so sehr überwältigt ist von ihren Emotionen und wir nun erst gemeinsam einen Weg aus der Wut/Angst/frust zu finden.

Antworten
Regine Gresens 24. Februar 2016 - 18:24

Liebe Anja,
vielen Dank für diesen Beitrag, da hast du mal wieder einen ganz wichtigen Punkt angesprochen.

In unserer Gesellschaft wird Stillen und Muttermilch vor allem nur als eine mögliche Ernährungsform für Babys gesehen, für die es ja auch die industrielle Nahrung gibt … und wenn das größere Kind schon anderes Essen bekommt, ist sie doch erst recht nicht mehr nötig. 🙁

Leider wird die Empfehlung oder die Anweisung in schwierigen Situationen abzustillen, aber auch sehr oft schon in den ersten Monaten der Stillzeit geäußert, ohne sich zu informieren, ob denn das Abstillen tatsächlich nötig wäre oder auf eine stillfreundliche Alternative hinzuweisen.

Herzliche Grüße, Regine

Antworten
Meli 24. Februar 2016 - 07:25

Hallo,
auch ich bin bei meinem zweiten Kind zur Langzeitstillenden geworden. Das hätte ich selbst nie gedacht. Eigentlich wollte ich zu ihrem zweiten Geburtstag (im Januar) aufhören, habe es aber nicht geschafft und auch die Kleine ist noch nicht bereit. Vor allem weiß ich, dass es bei mir definitv das letzte Mal sein wird. Meine Große hat sich nach einem Jahr selbst abgestillt. Bei der Kleinen sehe ich derzeit kein Ende… Als ich vor Weihnachten meine Stillberaterin anrief, um zu fragen, wie ich denn am besten abstillen könnte. hat sie schon gemerkt, dass ich an sich noch gar nicht bereit bin. Leider hatte ich in dieser Woche dreimal zu hören bekommen „Wie du stillst noch? Und was soll das für einen Nährwert haben?“ Den emotionalen „Nährwert“ übersehen eben viele… Meine Stillberaterin meinte also:“geht die Kleine schon zur Kommunion? Nein… dann ist doch alles gut… und beim Stillen ist lügen erlaubt.“ Also, erzähle ich niemandem mehr, von dem ich weiß, er versteht es eh nicht, dass wir noch Stillen (an sich doch auch krank, oder?). Ach, und wenn dann auch wieder die Frage aufkommt, ob ich denn auch genügend weggehen könne: ja, kann ich, die Kleine schläft nämlich auch ohne mich ein…
Ein Ende des Stillens ist derzeit nicht in Sicht. Ich denke, ich werde die Kleine entscheiden lassen!
Schöne Grüße

Antworten
josi 23. Februar 2016 - 20:08

Ein toller Text, der mir viel Mut macht! Von außen wird man komisch angeschaut, wenn man sagt, man stillt das Kind in den Schlaf. Von den Schwiegereltern kommen Kommentare „Das bissl Milch reicht doch nicht um satt zu werden“… Ich befasse mich jetzt schon eine Zeit damit, immer mal wieder mit einem unguten Gefühl – Man wird leicht unter Druck gesetzt. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, den Zwerg so lang zu stillen, wie er es braucht und ich es brauche. Ich möchte noch nicht loslassen und er auch nicht. Ich vertraue auf Mutter Natur. DANKE!

Antworten
Deva 23. Februar 2016 - 15:25

Gesellschaftliche Toleranz ist ja grundsätzlich so ein Ding…ob es nun um die Dauer des Stillens, Ein-/Durchschlafmethoden, Impfen oder was auch immer geht…ich bin selbst stillbegeisterte Mutter von 3 Kindern.
Langzeitstillen, also über die ersten 1,5 Jahre hinaus ist mir ehrlich gesagt fremd. Ob eine Frau lange oder gar nicht stillt, muss sie selbst entscheiden, dennoch frage ich mich, ob und wo der Vorteil des geplanten Langzeitstillens liegt?
Die Dauer des Stillens – so habe ich es jedenfalls erlebt – ist immer von der individuellen Situation abhängig und nicht von einer theoretischen Idee.

Erfahrungen mit dem Langzeitstillen habe ich nur von Berufs wegen. In meiner Heilpraxis erlebe ich oft Kinder, für die das Stillen (zumindest ab einem gewissen Alter) wie ein Kontrollmechanismus über die Mutter ausgelebt wird oder auch ein Frustrationsvermeider (ich meine bewusst nicht, dass Stillen durchaus auch tröstende Aspekte hat), sondern wenn ein Kind z. Bsp. nachts hysterische Anfälle bekommt, wenn die Mutter die Brust verweigert oder eben auch Kinder, die man in Interaktionen erlebt, wo sie keinerlei Frustration erleben und sofort zur Mutterbrust laufen.
Ich finde, keine Frau muss sich für ihr Stillen oder Nicht Stillen rechtfertigen, aber mir erschliesst sich das Langzeitstillen als „Theorie“ nicht.

Antworten
Lena 23. Februar 2016 - 22:13

Hallo Deva, Du schreibst, dass dir Langzeitstillen über 1,5 Jahre hinaus fremd ist. Ich frage mich, ob Du damit meinst, dass du es nicht kennst (weil selber nicht praktizierst) und auch nicht im Bekannten- oder Freundeskreis damit in Berührung gekommen bist, oder ob du nicht vielmehr sagen möchtest, dass du es „befremdlich“ findest.
Ich glaube, dass du die Antwort schon selbst gegeben hast, indem du nach dem Vorteil des GEPLANTEN Langzeitstillen fragst. Ich gehöre zu den Langzeitstillern (über das 4te Lebensjahr hinaus) und habe das mit Sicherheit nicht so geplant. Langzeitstillende sind keine Öko-Muttis, die sich nicht von ihren Kindern lösen können und von vornherein diesen Weg geplant und für richtig erachtet haben.‘ Ich hätte nie gedacht,’dass ich so lange Stillen würde, dss hat sich einfach so ergeben. Schnuller und Flasche wurden verweigert, Beikoststart war auch schwierig.
Da wo andere auf den Schnuller zum Trost zurück greifen konnten, war es bei mir eben das stillen. Und wer kennt nicht viele Kinder,’die auch mit 3 noch einen Schnuller haben. Stillen befriedigt ebenso wie ein Schnuller das natürliche saugbedürfnis, es geht dabei irgendwann nicht mehr um Nahrungsaufnahme sondern um Nähe, Sicherheit, Geborgenheit und zur Ruhe kommen. In vielen Phasen von Krankheit war ich mehr als froh, das Stillen als Mittel zur Flüssigkeitsaufnahme und Trost zu haben.
Warum glauben alle, dass die Mütter das so planen und ihre Kinder quasi dazu „zwingen“ den Weg des langzeitstillens mitzugehen? Kein Kind würde stillen, wenn es das nicht mehr will. Aber ein Kind ab einem gewissen Alter dazu zu zwingen damit aufzuhören ist ähnlich der Ferber-Methode zum einschlafen. Das ist nicht vereinbar mit einer Bedürfnisorientierten Erziehung.
Ich habe so lange gewartet, bis es keine reine Macht-Entscheidung meinerseits mehr war, sondern mein Kind in einem Alter war,’wo es vom Verstand her so weit war, zu akzeptieren, dass das Stillen jetzt vorbei ist. Und das war mit 4,5 Jahren. Ich akzeptiere aber auch absolut, wenn Mütter so lange warten, bis das Kind sich ganz von alleine abstillt.
Das natürliche Abstillalter liegt im übrigen bei mind. 2,3 Jahren und max 6-7 Jahren. Warum hat unsere Gesellschaft damit ein Problem? Es geht nur die Mutter und das Kind etwas an und die WHO empfiehlt, dass Kinder nach Einführung der Beikost weiter gestillt werden sollten bis zum zweiten Geburtstag oder darüber hinaus, solange Mutter und Kind das wollen.
Du schreibst doch selbst, die Dauer des Stillens ist immer von der individuellen Situation abhängig. Also überlass diese individuelle Entscheidung doch auch den Müttern und Kindern mit über 1,5 Jahren.
Langzeitstillen ist keine Theorie sondern sondern ganz einfach sich ergebenden Praxis, die jedem selbst überlassen werden sollte und nicht befremdlich, abstoßend oder unnatürlich ist.
Ein Kind in dem Alter hängt nicht den ganzen Tag an der Brust,es stillt nur selten zb. am Abend/morgens. Keine Mutter muss in den Kindergarten kommen, das Kind isst dort ganz normal mit.

Antworten
Corinne 30. März 2016 - 22:18

Danke Lena, du sprichst mir aus dem Herzen. Mir kullern die Tränen weil ich mich in deinen Worten widerfinde – du sagst das, was ich mir immer denke, wenn ich angegriffen werde, weil ich meinen zur Zeit 27 Monate alten Sohn noch stille. Es tut gut zu lesen und zu wissen, dass ich nicht krank oder abartig bin weil ich ihn noch trinken lasse wenn er es mag. er braucht es vllt vom Nährwert her nicht mehr aber das emotionale, die Nähe und Geborgenheit – die gibt ihm keine Käsestulle, auch wenn die inzwischen sicher mehr sättigt.

Antworten
Melanie 23. Februar 2016 - 13:41

Meine große Tochter stille ich nun 4,5 Jahre und seit 2,5 Jahren die Kleine noch dazu. Seit beide in den Kindergarten gehen, gibt es noch morgens und abends und am Wochenende auch mittags Milch für sie. Durch die Abwehrstoffe, die sie über die Muttermilch bekommen, sind sie kaum krank, so dass ich meinem Teilzeitjob sehr zuverlässig nachgehen kann. Solange ich noch Milch habe, können sie deshalb ruhig noch länger trinken.
Aus dem Kreis der Familie kommt manchmal die Frage „Wie, Du stillst immer noch?“, aber wohl eher aus Sorge um mein Wohlergehen. Ich antworte dann immer, dass mein Körper schon aufhören wird, Milch zu produzieren, wenn er nicht mehr kann. Da vertraue ich ganz auf die Weisheit der Natur.

LG, Melanie

Antworten
Mami Vollzeit 23. Februar 2016 - 13:35

Hallo. Bin vierfache Mami und habe alle gestillt. Mein kleinster war sehr auf das stillen zum einschlafen und nachts fixiert. Er nahm keinen Nuckel und schlief mit mir / uns im Ehebett.Als er 13 Monate alt wurde haben wir alles probiert.Z.b. Flasche=nix, nicht mal wenn sie mit Muttermilch gefüllt war. Nun war klar, dass die Trennung von der Brust sehr emotional für uns beide ist und wird. Ich legte mich mit ihm wie gewohnt hin und es gab keine Brust mehr. Dafür viel streicheln, erklären warum (er verstand es inhaltlich nicht aber auf den ruhigen Klang der Stimme kam es an) er weinte, ich wR ziiig mal kurz davor wieder auspacken und ihn zu stillen, aber wir hielten es durch. 3 Nächte lang. Wir entwickelten ein neues Einschlafritual…aus dem Erklären wurde Geschichten erzählen und beim streicheln oder Füßchen massieren blieb es. Es ist hart aber es geht schneller als man denkt.

Antworten
Ol Ja 23. Februar 2016 - 22:54

Liebe Mami Vollzeit,

Ich denke nicht, dass die Mamas, die länger sillen, es tun, weil sie nicht in der Lage sind ihre Kinder abzustillen. Das entnehme ich deinem Text. Sondern, eher aus anderen Gründen und Überzeugung.
Ich habe meinen Sohn auch 3 1/2 Jahre gestillt, geplant war es nicht, es hat sich so ergeben. Ich habe versucht ihn früher abzustillen, da war er aber noch nicht bereit, das zeigte er mir ganz deutlich, mit Weinen usw. Mit 3 1/2 konnte ich mit ihm über das Abstillen reden, zusammen einen Zeitpunkt abmachen etc. Und als der geplanter Zeitpunkt kam, gab es keine Tränen, kein Geschrei, sondern ein letztes entspanntes Trinken.

Antworten
Julia 23. Februar 2016 - 12:42

Liebe Anja, ein schöner Text…
beim 2. Kind „Langzeitstillende“, kenne ich auch zahlreiche solche Kommentare!
Allerdings: was macht man denn, wenn man nun wirklich abstillen will, aber das Kind wehrt sich sehr dagegen? Meine Tochter wird jetzt 2 nächsten Monat und es ist tatsächlich „nur noch“ Gewohnheit, nachts zum Wiedereinschlafen und abends beim Einschlafen. Da wirkt es aber auch nicht mehr immer einschläfernd und es wird oft erzählt, gesungen, ich soll ihren Bauch streicheln etc.
Nachts nervt es mich leider mittlerweile sehr, weil sie so rumzerrt und zieht und ich einfach nicht mehr einschlafen kann dabei…
ich habe es schon mal versucht vor ein paar Monaten und dann es aber aufgegeben, weil sie dann immer 1 Std. geweint/gebrüllt hat abends.. 🙁
Ich will wirklich nicht mehr… Die ganzen Erklärungen „Du bist jetzt ein großes Mädchen“ versteht sie noch nicht so ganz, denk ich…
LG, Julia

Antworten
Anja 23. Februar 2016 - 12:55

Liebe Julia,

schau mal in diesem Artikel von mir, ob Du da ein paar Anregungen für Eure Situation finden kannst:

http://www.vonguteneltern.de/?p=5092

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
AnnaMama 23. Februar 2016 - 11:36

Schön geschrieben!
Ich habe leider auch die Erfahrung gemacht, dass u.a. die Schwiegermutter und auch fast fremde Menschen mir erklären wollten, dass es doch auch mal reicht mit dem Stillen. Ich habe „nur“ fast 9 Monate voll gestillt, weil die Kleine noch nicht „normal“ (was immer das auch ist) essen wollte und danach noch fast 6 Monate hauptsächlich in der Nacht.

In 6 Wochen kommt mein 2. Kind und schon jetzt werde ich aufgefordert, diese Mal aber nicht so lange zu Stillen, beim 2. Kind würde man bestimmt nichtmehr so einen Aufwand und Theater drum machen. Das Kind würde besser schlafen, wenn es die Flasche bekäme und dann könnte auch mein Mann sich mehr kümmern (als würde er in der Nacht auch nur einen Mucks hören und dann auch noch freiwillig aufstehen, um Fläschchen anzurühren… ;)).

Ich werde stillen solange es dem Baby und mir damit gut geht! Und ich werde es bestimmt wieder gerne tun!

Viele Grüße

Antworten

Kommentieren