Viele Hebammen haben sie in ihrem Geburtsvorbereitungskurs-Repertoire: die Gebärperformance, die den werdenden Eltern zeigen soll, wie sich Frauen unter der Geburt verhalten und anhören könnten. Eine jeweils simulierte Wehe in der Eröffungs bzw. Übergangsphase sowie beim Endspurt gibt einen kurzen Einblick in das Geburtsgeschehen. Aber warum machen wir das eigentlich?
Das „Vorspielen“ der Wehen hat tatsächlich einen Hintergrund. Eine Geburt ist eine Situation, die sich die meisten Eltern trotz aller Information nicht so recht vorstellen können. Das Bild, was uns medial vermittelt wird, kratzt tatsächlich nur an der Realität. Viele der heutigen Schwangeren waren noch nie selbst bei einer Geburt dabei, ebenso geht es ihren Partner_innen. Und dann kommt dieser große Tag und das begleitende Elternteil erlebt die Partnerinnen in einem so ganz anderen Zustand als jemals zuvor. Bei vielen löst das eine gewisse Hilflosigkeit aus.
Aber auch für viele Schwangere, die bisher ihr Leben sehr geordnet und kontrolliert gelebt habe, ist es nicht leicht, den Kopf auszuschalten und sich auf das einzulassen, was da gerade im Körper geschieht. Aber das ist das Wichtigste für ein gutes Voranschreiten der Geburt: sich dem Geschehen hingeben, ohne darüber nachzudenken. Deshalb dürfen, nein sollen, Frauen unter der Geburt auch laut werden. Stöhnen und Tönen unterstützt den Geburtsverlauf. Ein offener Mund sorgt für einen lockeren Beckenboden und unterstützt die Eröffnung des Muttermundes.
Offener Mund für einen lockeren Beckenboden
Gebärende sollen sich also nicht Gedanken darüber machen, wie sie möglichst leise durch die Geburt gehen, sondern wie sie das laute Atmen und Tönen für einen guten Geburtsfortschritt nutzen können. Im Geburtsvorbereitungs- oder Schwangerenyogakurs wirkt das manchmal doch eher belustigend. Das haben „Trockenübungen“ aber meistens so an sich. Aber unter der Geburt werden nicht zehn Frauen in einem Raum auf einmal laut losatmen und außerdem wird jede einzelne Frau erst dann spüren können, was für sie davon hilfreich bei der Geburt ist.
Und die Partner_innen? Die haben das Ganze im Kurs schon einmal bei der Hebamme gehört und gesehen und wissen nun also, dass das alles so gut und normal ist und sie nix tun müssen. Außer natürlich das, was der Gebärenden situativ angenehm ist. Vielleicht sind das Massagen, beim Halten unterstützen oder auch mitzuatmen. Und manchmal auch gar nichts von all dem.
- Wenn man Geburt mit sportlichen Höchstleistungen vergleicht, werden Parallelen sichtbar. Ein Gewichtheber hört sich durchaus ähnlich an, wenn er seine Kilos nach oben wuchtet.Gebärende leisten auch Schwerstarbeit.
- Damit die Gebärmuttermuskulatur gut arbeiten kann, braucht sie ebenso wie das Kind eine gute Sauerstoffversorgung. Das auf die Ausatmung fokussierte Atmen sorgt genau dafür und löst zudem überflüssige Anspannung im Körper. Tönen, Stöhnen, Singen oder Brüllen unter der Geburt ist Ausatmung. Die Einatmung geschieht dann ganz von allein. Und in den Wehenpausen wird dann einfach weitergeatmet wie immer und Kraft geschöpft für die nächste Wehe.
- Verhalte dich unter der Geburt so, wie es dir gut tut. Bewege dich, so wie es dir gerade angenehm ist. Das Üben der Gebärpositionen ist nur ein Angebot und kein Programm, was du „abturnen“ musst. „Aaahe“ und „Ohhhe“ dein Baby gerne lautstark heraus. Gib dich dem Geschehen hin und vertraue darauf dass dein Körper intuitiv das passende tut.
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