Babyhaut föhnen

Fragen an die Hebamme: Darf die Babyhaut geföhnt werden?

von Anja

Leider wird ja bei uns mittlerweile eher wenig Wissen zu Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit traditionell weitergegeben. Dennoch halten sich manche (nicht immer sinnvolle) Empfehlungen hartnäckig. So fragen mich Eltern immer wieder, ob es denn gut wäre, den Babypo nach dem Wickeln mit einem Föhn trocken zu pusten.

Der Grundgedanke ist immerhin richtig. Denn es ist sinnvoll, den Windelbereich nach dem Gebrauch von nassen Waschlappen oder Feuchttüchern zur Reinigung anschließend wieder zu trocknen. Das kann man einfach mit einem trockenen Moltontuch, einer Mullwindel oder einem Papiertuch tun. Für Wickelkinder ist es wichtig, genug Luft an die Windelzone zu lassen. Daher kann man den Po auch einfach an der Luft trocknen lassen. Trotzdem ist die Verwendung eines Föhns dafür eine Idee, die in vielen Elternköpfen vorhanden ist. Manche sagen, dass das Föhnrauschen beruhigend auf das Kind wirkt. Doch dafür gibt es sicherlich irgendeine App, die Föhn- oder Staubsaugergeräusche immitiert.

Babyhaut ist sehr empfindlich

Zum Trockenpusten indes ist der Föhn eben nicht ungefährlich. Sehr viele Kinder haben nach dem Ablegen der Windel das Bedürfnis, sich zu entleeren. Diese Beobachtung macht sich das Prinzip Windelfrei zunutze. Man könnte das Kind in diesen Momenten nämlich einfach über dem Waschbecken, der Toilette oder einem geeigneten Töpfchen abhalten. Wenn das Kind nun gleichzeitig mit dem laufenden Föhn seinen Urin entleert, kann der Urinstrahl auf das glühende Innere des Föhns kommen. Eine dadurch bedingte Explosion kann zu schweren Verbrennungen führen. Dies ist leider kein von mir erdachtes Horrorszenario. Es ist tragischerweise in der Realität bereits vorgekommen. Natürlich sind auch Stromschläge möglich. Diese können letztlich bis zum Herzstillstand führen.

Selbst bei Mädchen ist der Urinstrahl nicht verlässlich einschätzbar und kontrollierbar. Es käme also ohnehin maximal das Föhnen in Bauchlage in Frage. Doch auch hier besteht weiter die Gefahr, dass der Föhn zu dicht an die sehr viel empfindlichere Babyhaut kommt. Eine zu starke Wärmeentwicklung würde diese dann schädigen. Außerdem sind vor allem alte Geräte oft fiese Staub- und Bakterienschleudern. Letztere befinden sich im Inneren des Föhns. Sie werden erst mit dem Luftstrom verteilt. Bei intakter Haut wäre das zu verschmerzen. Aber für einen wunden und offenen Po ist das nicht gerade heilungsfördernd.

Mit Ruhe und Achtsamkeit wickeln

Es liest sich also schon heraus, dass ich als Hebamme das Föhnen der Babyhaut nicht empfehle. Auch nach dem Baden ist es für das Baby angenehmer, in einem warmen Raum (zum Beispiel durch eine Wärmelampe) mit einem vorgewärmten Tuch abgetrocknet zu werden, als von einem diffusen lauten Luftstrom trockengepustet zu werden. Zudem gilt: Alle pflegerischen Handgriffe am Kind sollten letztlich nicht nur schnelle Versorgungsmaßnahmen sein. Sie sollten mit Ruhe und Achtsamkeit geschehen. Gerade bei ganz kleinen Babys machen die Wickelzeiten einen Großteil der Wachphasen aus. Es ist also eine wunderbare Gelegenheit, sein Kind kennenzulernen und zu genießen.

Die Berührung durch die Hände der Eltern ist von großer Bedeutung für ein Baby – eine liebevolle Begegnung und gleichzeitig eine taktile Stimulation. Und vor allem ist es auch wichtig, das Kind mit einzubeziehen, wie es in diesem Blogbeitrag ganz wunderbar beschrieben ist. Zeit und Ruhe am Wickeltisch sind also wesentlich wichtiger als der Föhn, nach dem ich so oft gefragt werde.

Eine Hebammenkollegin hat von ihrem Elektriker übrigens noch die Information erhalten, dass der eingesteckte aber nicht eingeschaltete Föhn ebenfalls einen Stromschlag verursachen kann, wenn er mit Wasser in Kontakt kommt. Es gibt normalerweise einen Schutzschalter, der zwischengeschaltet ist. Auf diesen ist aber nicht generell Verlass. Das gilt vor allem für alte Föhnmodelle.

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13 Kommentare

Annette 2. März 2016 - 19:16

Find’s toll, dass da eine Stoffwindel liegt :o)

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Maike 14. Februar 2015 - 23:10

Ich bin selbst Hebamme und bald Dreifach-Mama und finde Fönen teils entspannter als abtrocknen. Ich weise IMMER auf diese vorhandene Gefahr des Stormschlags und Wege zur Vermeidungs hin und achte darauf, dass diese unbedingt umgesetzt werden. Es geht ja nicht um stundenlanges Fönen und ich finde auchc nicht, dass es den liebevollen Umgang „ersetzt“. Es ist ja auch deutlich zu erkennen, dass die allermeisten Babies darauf mit Entspannung und Zufriedenheit reagieren und das ist doch schön?

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Nicole 14. Februar 2015 - 14:37

Liebe Anja,

ich finde deinen Artikel gut! Bei uns war es auch die Hebamme, die uns auf das Fönen brachte, wenn auch nur nach dem Baden. Wir hatten es auch eine Zeit lang gemacht, aber dann nur noch die Haare gefönt, weil unsere Tochter sehr empfindliche Haut hat und diese regelrecht austrocknete (auch bei kleinster Fönstufe und groooßem Abstand). Empfehlung der Hebamme daraufhin: Olivenöl ins Badewasser (Auch nicht ganz ungefährlich: Einer aus dem Rückbildungskurs flutschte das Baby fast aus den Händen, obwohl sie nur ganz wenig nahm). Wir haben sie dann einfach wieder mit dem Handtuch abgetrocknet (eigentlich muss man das Baby auch nicht damit abreiben!) und ein gutes Bio-Babyöl ohne Zusätze direkt auf die Haut gegeben. Der Fön lag seither immer daneben, weil das Geräusch sie so beruhigte.
Bei uns am Krankenhaus waren fünf Hebammen tätig und jede empfahl bei jedem Thema was anderes und im Grunde haben wir nie einfach auf was gehört, sondern erst überlegt, dann ausprobiert und ggf. wieder abgeschafft. Das ist doch wirklich bei allem so, denn was bei dem einen gut ist, muss nicht für alle gelten. Dass aber die Kombi Fön und Nässe böse ausgehen KANN ist bei jedem so. Wie gesagt, ich finde deinen Artikel gut und eine Verteufelung des Föns konnte ich gar nicht so richtig herauslesen – nur wenn ich will 😉
Liebe Grüße, Nicole

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helen 13. Februar 2015 - 15:07

Nach jedem Wickeln wäre mir das viel zu anstrengend. Aber ich muss meinem Sohn seit der Geburt nach dem Baden die Haare föhnen, weil die so lang sind

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Katrin Levi 13. Februar 2015 - 14:21

Also wir wussten dass es zum Fönen von Babies Popo geteilte Meinungen gibt und wir haben es einfach für uns ausprobiert und Luisa hat es über alles geliebt nach dem Baden ganz sanft gefönt zu werden und wir gucken demnächst einfach wie es unserem Zweiten gefallen wird

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Nora 13. Februar 2015 - 13:47

Meine Hebamme meinte auch, die zarte Haut solle man nicht trockenrubbeln, leichtes föhnen mit ausreichend Sicherheitsabstand zum möglicen Pipistrahl sei viel schonender.
(Wir sind dann aber doch zum Abtrocknen übergegangen, weil mein Kleiner den Fön nicht mochte…)

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ein,zwei, drei,vierVIELE 13. Februar 2015 - 12:29

Also ich weiß ja nicht wie nah so manche*r mit dem Fön an Babys PoPo geht!? Allerdings bin ich mir recht sicher, dass dieses beschriebene Szenario so hier nie passiert wäre. Bei 4 Kinder (2Mädchen/2Jungen) hab dann wohl auch ich Glück gehabt 😉 Ich bin zwar nie auf die Idee gekommen nach dem Wickeln zu Föhnen, wohl aber nach dem Baden und immer mit genügend Abstand. Ich will das Kind ja nicht vom Wickeltisch fegen 😉 Wenn man also auf die Gefahr hinweist und den Tip mit genügend Abstand gibt finde ich das meiner Meinung nach sinnvoller, also es so zu verteufeln. Genauso finde ich es weit hergeholt, zu meinen, Fön = weniger: Hautkontakt, liebevolle Begegnung und gleichzeitig weniger taktile Stimulation etc. Fönen / Abtrocknen stellen den geringsten Teil der Zeit bei der Körperpflege da, bleibt also noch genügend Zeit und Tun für herrliche Babystreicheleinheiten usw.

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Sylvia 13. Februar 2015 - 11:10

Aus Mangel an Platz für einen Heizstrahler habe ich auch meinen Lütten gefönt (klingt ja fast wie eine Beichte…) Er hat es immer geliebt und verlangt noch heute, mit über 1 1/2 Jahren, nach dem Baden nach dem Fön.
Aufklärung über die Möglichkeit eines elektrischen Schlags oder der Überhitzung ist sicher sehr sinnvoll. Aber so strikte Ablehnung bin ich von diesem Blog bisher noch gar nicht gewohnt….

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Sylvia 13. Februar 2015 - 11:15

PS: Fönen schließt den liebevollen Kontakt mit dem Kind nicht aus. Ganz im Gegenteil ist der Hautkontakt unerlässlich. Um die Kontrolle über die Wärmezufuhr zu behalten habe ich immer eine Hand am Kind die ebenfalls angepustet wird.

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Frida 13. Februar 2015 - 10:27

Danke für den Beitrag – ich hab schon von so vielen gehört dass das Trockenföhnen so toll wäre und sozusagen auch als pädagogisch wertvoll angepriesen wird… sollte man echt mal verbreiten das Thema. Liebe Grüße!

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Gammay 13. Februar 2015 - 10:08

Auch uns wurde von der Hebamme das Fönen empfohlen. Sie hat es uns gleich bei ihrem ersten Besuch nach der Klinikentlassung beim Thema Säuglingspflege ans Herz gelegt und wir haben den Rat befolgt…

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Susann 13. Februar 2015 - 09:53

Bei uns hat auch erst die Hebamme vorgeschlagen zum Trocknen des Pos nach dem Wickeln einen Fön zu benutzen. Da wäre ich von allein auch nicht darauf gekommen. Ich muss auch gestehen, dass ich an dieses Horrorszenario nicht gedacht habe. Mittlerweile ist er zum Glück groß genug, dass er keine Windeln mehr braucht. Quasi Glück gehabt…

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Sophia 13. Februar 2015 - 09:29

Interessant. Die Hebamme in unserem Geburtsvorbereitungskurs hat uns überhaupt erst auf die Idee gebracht den Fön nach dem Baden zu nutzen.

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