Kristeller, Handgriff, Kristeller-Handgriff

Fragen an die Hebamme: Was ist der Kristeller-Handgriff?

von Anja

„Und dann hat sich der Arzt auf meinen Bauch geworfen und mitgedrückt“. So oder ähnlich beschreiben es manche Frauen nach der Geburt, wenn der Kristeller-Handgriff angewendet wurde. Und manchmal ist es sogar anhand von Hämatomen auf dem Bauch sichtbar, dass diese Technik zum Einsatz kam. Frauen erleben dies, ebenso wie anwesende Väter, als sehr unangenehm oder auch traumatisch.

Der Geburtshelfer Samuel Kristeller (1820-1900) entwickelte 1867 diesen Handgriff, um die Geburt in der letzten Geburtsphase zu beschleunigen. Dabei wird kräftiger Druck auf den oberen Teil der Gebärmutter (Fundus uteri) ausgeübt. Dieser wird von beiden, flach aufgelegten Händen umfasst. Dieser Druck soll die Bauchpresse der Mutter unterstützen und die Geburtsbeschleunigung herbeiführen. Natürlich muss dafür der Muttermund vollständig geöffnet sein. Zudem muss sich das Kind in entsprechender Position mit dem Köpfchen im Beckenausgang befinden. Es wird dann auf dem Höhepunkt der Wehe mitgedrückt, während die Mutter gleichzeitig mitschiebt. Idealerweise lässt sich so zum Beispiel eine vaginal-operative Entbindung (Saugglocken- oder Zangengeburt) vermeiden.

Geburtshilflich sehr umstrittener Eingriff

Natürlich muss die Schwangere auf jeden Fall vor der Anwendung darüber informiert werden. Ein „Wir drücken jetzt ein bisschen von oben mit“ ist für die meisten Frauen keine ausreichende Erklärung. Sie sind meist sehr erschrocken ob der Heftigkeit dieser Intervention. Der Kristeller-Handgriff ist zudem geburtshilflich ein sehr umstrittener Eingriff. Auch die Durchführung wird bisweilen unterschiedlich ausgelegt. In manchen Kliniken wird der Druck mittels des Unterarmes ausgeübt, der quer auf der Gebärmutterkante liegt. Da sich so der Druck nicht gut genug dosieren lässt, ist die Handhabung nicht korrekt.

Wie häufig der Kristeller-Handgriff zur Anwendung kommt, ist von Klinik zu Klinik beziehungsweise von Geburtshelfer zu Geburtshelfer sehr verschieden. Definitiv ist es aber kein „nur ein bisschen Mitdrücken“. Der Kristeller-Handgriff birgt zudem Verletzungsrisiken für Mutter und Kind. Es muss also eine klare Indikation für die Anwendung bestehen, zum Beispiel Hinweise auf eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes (Hypoxie). Und es darf auch keine Kontraindikation bestehen wie etwa der Umstand, dass sich das Kind noch zu weit oben im Becken befindet. Wie bei allen Eingriffen in das Geburtsgeschehen muss auch hier mit größter Sorgfalt vorgegangen werden.

Die Eltern müssen verständlich informiert werden. Auch in Notsituation bleibt Zeit für eine kurze Erklärung. Ganz wichtig ist auch, dass jede Intervention hinterher mit den Eltern nachbesprochen werden. Dass genau dies bisweilen nicht geschehen ist, hört man an den Geschichten, die Frauen nach der Geburt erzählen. Bei manchen bleibt sogar der Eindruck zurück, dass sie ihr Baby gar nicht selbst geboren haben, sondern es von den Geburtshelfern aus ihnen heraus geschoben wurde. Darum darf der Kristeller-Handgriff, wenn überhaupt – und wie jegliche andere Intervention ins Geburtsgeschehen – nur streng indiziert eingesetzt werden. Er darf keinesfalls zur geburtshilflichen Routine werden.

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33 Kommentare

Karo 30. August 2019 - 20:32

Bei mir auch – alle waren panisch und ich durfte nicht in eine von mir gewünschte Position, sondern musste auf dem Rücken liegen wegen dem Herztonmessgerät. Dann warfen sich zwei Menschen auf meinen Bauch und ich beobachtete das alles von weit weg. Im Nachhinein war dieser Apgarwertmeines Sohnes top und ich wünschte alle hätten mehr auf MEIN Gefühl gehört.

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Anna 30. April 2019 - 22:55

Für mich war der sogenannte Kristeller-Handgriff auch keine schön Erfahrung.
Meine Geburt liegt jetzt fast 2 Jahre zurück doch ich erinnere mich noch immer genau daran wie 2 Oberärzte sagten wir drücken jetzt zusammen von oben mit sobald eine wehe kommt.
Bei mir waren es gleich 2 Ärzte die mit ihrem Unterarm auf meinem Bauch lagen und gerufen haben jetzt feste pressen, ich war wie versteinert vor lauter druck auf den Bauch und es war mir fast unmöhlich ohne Luftholen zukömmen zu pressen.
Sie machten den Handgriff 3 mal hintereinander und dann war die kleine da.
Weshalb der Handgriff durchgeführt wurde kann ich bis heute nur erahnen ( schlechte Herztöne)
Eine Aufklärung gab es nie, bis heute wüsste ich gerne was genau in den Minuten vor sich ging.
Trotzdem bin ich den Ärzten sehr dankbar das meine kleine Maus kerngesund auf die Welt gekommen ist !! Und nach dem Anblick des gesunden schreienden Babys war der Schock schnell verkraftet !

Was ich noch dazu sagen wollte ich weis nicht ob es an dem Handgriff lag mir was über 2 Tage so übel das ich wirklich nichts essen konnte und Stuhlgang könnte ich 5 Tage lang nicht machen .

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Anika 5. Oktober 2018 - 21:16

Bei mir wurde der Kristeller Griff auch in der letzten Phase der Geburt ausgeführt…wusste gar nicht,dass dieser „Griff einen Namen hat.Ohne Vorankündigung und Erklärung band der Arzt ein Laken am Bettpfosten um mehr Kraft zu bekommen und drückte mit seinem Unterarm mein Baby raus,ohne Betäubung oder PDA…Ich habe das als sehr schmerzhaft empfunden und das anschließende Nähen war aufgrunddessen wohl auch umfangreicher als es normal gewesen wäre.
Danke für den Bericht…

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barbara bucher 12. Juni 2018 - 10:59

danke..jetzt hab ich auch einen Namen zu den Vorgangsweisen im Kreissaal.
Aber kurz auf den Punkt gebracht, ich war am Ende, eh schon mehr bewusstlos als lebendig und hab das gar nicht mehr so mitbekommen…mein Mann schon…..ich hab auch kein Trauma; nach stundenlangen Presswehen am Wehentropf…war ich nur mehr froh, dass es vorbei war und ich zwei GESUNDE JUNGS hatte…..eine Erklärung oder Aufklärung …es war vorher keine Zeit und nachher…es war vorbei…..Kinder sind ein großes Abenteuer…einwenig kann man mitsteuern; aber ganz ganz vieles kommt unvorhergesehen, unerwartet und unerklärlich und das Abenteuer Kind beginnt nicht erst mit der Geburt…

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Tina 2. Februar 2018 - 01:55

auch wenn es bei mir schon lange her ist, so weiß ich jetzt auch, dass es für den Vorgang einen Namen gibt. Einen besonderen Grund dafür wüsste ich nicht, ausser, dass es Zeit für den Feierabend war.
Morgens wurde eingeleitet (schön ordentlich mit Tropf und ohne PDA ) und pünklich zum Abendessen war meine Tochter auf der Welt. Ausgeführt wurde der Griff von einer diensthabenden Schwester, sie warnte mich vorher und meinte dazu, „nur nicht aufhören zu pressen“! Es war unangenehm, aber doch auch erleichternd. Über irgendwelche Folgen wurde vorehr und auch hinterher nicht gesprochen.

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Steffi 18. November 2017 - 22:25

Oha, jetzt weiß ich endlich, wie das heisst…
Meine Tochter blieb auf dem Weg in die Welt leider stecken. Plötzlich hiess es, die Herztöne würden sich verschlechtern. Ich konnte gar nicht so schnell schauen, wie sich plötzlich der Arzt auf mich warf…

Die Kleine ist gesund und wohlbehalten auf der Welt und heute 10 Monate alt. Osteopath und Co wurden nie benötigt. Nur ich habe einen Kreuzbeinbruch davon getragen… Der erst knapp 8 Monate nach der Geburt entdeckt wurde. Davor konnte ich vor Schmerzen kaum sitzen und habe bei jedem Stillen geheult und bin fast durchgedreht… Aber schon im Krankenhaus glaubte man mir nicht und speiste mich mit Ibuprofen und “Reissen sie sich zusammen, dass ist normal“ ab…

Ich kenne noch eine Dame, die hat durch diesen Griff einen Bauchdeckenabriss davon getragen. Gleiches Spiel und nach 1,5 Jahren wurde es endlich entdeckt.

Wenn der Griff schon nötig war, sollte man die “WehWehchen“ der Frauen hinterher wirklich ernster nehmen 🙁 Wenn schon vorher kaum bis gar keine Aufklärung stattfindet…

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Ha. 3. September 2019 - 16:47

Man liest immer nur schlechtes über diesen Handgriff und aus diesem Grund möchte ich mal etwas positives berichten. Unter der Geburt meines Kindes wurde dieser Handgriff von der Ärztin auch angewendet. Ich hatte erst angst als sie sagte, dass sie jetzt diesen Griff anwenden wird und war auch erst da gegen, aber dann haben ich ihr doch vertraut. Ich fand es dann auch gar nicht schlimm, ich hatte nicht den Eindruck als hätte sie mit aller Kraft geschoben, aber mein Mann sagt man hätte gesehen, dass sie all ihre Kraft benutzt hat. Die Ärztin hat auch mit den Händen geschoben und nicht mit den Unterarm.
Also wenn dieser Griff richtig angewendet wird, ist dieser kein bisschen schmerzhaft und kann die Geburt unterstützen.
Ich finde es traurig, dass anscheinend so wenige ihre Arbeit richtig machen und dass deshalb so viel Frauen schlechte Erfahrungen machen.
Ich hoffe das ändert sich noch und es darf jede Frau eine so schöne Geburt erleben wie ich sie hatte, trotz des Handgriffes.

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Mandy 26. November 2019 - 16:46

Ich hatte eine tolle Hebamme, die mir fast im Alleingang half meine Zwillinge auf die Welt zu bringen. Bei der zweiten Maus stellte mein Körper die Wehen ein und ich benötigte wieder einen Wehentropf und dabei half sie dann auch mit ihren Händen auf meinem Oberbauch mit. Es gab wenig Erklärung, aber ich fand es nicht unangenehm oder schmerzhaft.

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Susi 18. November 2017 - 18:52

Nun hat diese unschöne Erfahrung auch einen Namen.
Bei mir wurde es aber nach der Entbindung gemacht da war mein Käfer schon auf der Welt, nur löste sich die Plazenta wohl nicht richtig trotz allen möglichen Medikamenten. Und auf einmal hieß es dann auch vom Arzt ih drück jetzt mal auf den Bauch und die Hebamme zieht von unten und wenn das nicht reicht müssen wir in den OP. Sprachs und rammte mir seinen Ellenbogen in den Bauch und ich schnappte nach Luft. Keine Ahnung wie lange das ging weil ich kein Zeitgefühl mehr hatte. Aber es hat funktioniert und ich musste nicht in den OP

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Lina 18. November 2017 - 15:36

Hm, ich bin immer etwas konsterniert wenn ich höre, wie sich Mütter über Dammschnitte etc mokieren. Eine Geburt ist ja nicht immer unkompliziert und birgt auch viele Gefahren, Ich zum Beispiel hatte leider ALLES: eine Einleitung, Saugglocke, Dammriss und Schnitt, Kristallergriff und Schulterdystokie, d.h. das Baby steckt fest und 3 Mann haben meine Beine hinter meinen Kopf geworfen während der Kopf schon draußen war. Es war laut Hebamme die schwerste Geburt seit 20 Jahren in dieser riesigen Klinik. Ich hatte Hämatome und war wie durch den Fleischwolf gedreht, für Wochen unbrauchbar. Natürlich hat mir niemand etwas erklärt oder mich danach irgendwie behandelt. Rückblickend hätte ich mir einen Kaiserschnitt gewünscht, definitiv keine Einleitung (die plötzlichen Presswehen ohne Pause und Ankündigung waren unerträglich) und nur eine ganz leichte PdA, um weiter pressen zu können. Aber mein Baby ist gesund und das ist das Wichtigste. Ein Trauma bleibt, aber dann ist da mein Baby und alles hat sich gelohnt:)

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Anne 25. November 2017 - 07:54

Leider befürchte ich, dass die Einleitung plus pda nicht ganz unbeteiligt sind an deiner Geburtserfahrung. Dieser Wehensturm ist für Mutter und Baby sehr schlecht-es fehlen die Pausen.

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Jasmin 28. März 2017 - 14:21

Ich habe im November meinen ersten Sohn geboren. Die PDA lag zunächst nicht richtig, ich bekam dann quasi die „Pferdedosis“ bevor man mir eine neue legte. Hätte ja auch zu wenig sein könnte, ich bin groß. Kann passieren, ich bin selbst aus dem medizinischen Bereich, ich gebe niemandem die Schuld dafür 🙂 Nachdem ich dann elend viel PDA intus hatte, ging natürlich nix mehr vorwärts. Zuerst kristellerte meine wunderbare Gyn, eine tolle Frau! Sie hatte aber nicht genug „Power“ bzw. hantierte dann lieber mit der Saugglocke, während ein weiterer Arzt mit dem OBERARM und wesentlich temperamentvoller kristellerte (Aua!). Ich empfand das trotzdem irgendwie nicht als schlimm oder traumatisch, auch wenn es alles andere als angenehm war und mir teilweise richtig doll die Luft wegblieb. Aber schlimm? Da haben andere schlimmeres erlebt. Mein Sohn kam gesund zur Welt und mir ging es auch sofort gut. Informiert wurde ich ehrlich gesagt so gut wie gar nicht. Aber ich hatte 100%iges Vertrauen. Und die Alternative wäre die Sectio gewesen. Das wollte meine Gyn möglichst vermeiden. Sie behielt recht 🙂 Fazit: Nicht gerade angenehm, aber (in meinem Fall) auch echt ok.

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Valerie 16. Februar 2016 - 21:18

Danke für den Artikel! Bislang wusste ich gar nicht, dass dieser Griff einen Namen hat. Ich habe erst vor wenigen Monaten entbunden und der Arzt hat dabei die Unterlage auf der einen Seite und seinen Oberkörper auf der anderen Seite mit zum Einsatz gebracht und dann mit den Unterarmen mitgedrückt. Ich war darüber sehr froh. Denn die Hebamme sagte mir nach einem ziemlich schnellen Geburtsverlauf, dass in zwei Wehen das Kind da sein würde. Dem war leider nicht so, da der Kleine zwar seine Haare zeigen wollte, mehr aber nicht mehr. Die letzte Kurve wollte er so nicht nehmen. Und da ich schon sehr erschöpft und müde war, hatte ich nicht mehr die Kraft aufgebracht, noch einmal die Position zu wechseln (hatte die Hebamme mir dann vorgeschlagen). Also kam eine Presswehe nach der nächsten und es ging nichts vorwärts. Das empfinde ich bis heute als das schlimmste der gesamten Geburt. Die Wehen sind dann schwächer geworden, ich wurde an den Wehentropf gehängt und man wartete ab. Weiter ging es Presswehe für Presswehe, die nichts brachte. Dieser absolute Stillstand dauerte über eine Stunde an und ich war nur noch am Ende. Als der Arzt kam, hatte ich gar nicht realisiert, was passieren würde. Er setze einen Dammschnitt und meinte, dass in zwei Wehen das Kind da wäre. Ich dachte nur: Hoffentlich behältst Du jetzt Recht!!! – Denn den Satz hatte ich ja bereits einmal gehört. Und dann drückte er (für den Kopf) von oben mit – und was war ich froh, als er Recht behielt! In zwei Wehen mit diesem Griff war das Kind da und ich nur froh und glücklich, dass ich es endlich geschafft hatte. Mein Beckenboden hat sehr gelitten und ich trainiere ihn immer noch fleißig. Ich habe aber eher den Eindruck, dass dies besonders von dem Stillstand kam, den ich als sehr schmerzhaften Druck empfunden habe. Zumal der Bereich des Schnittes am schnellsten wieder stabil war… Dem Kind ging es die ganze Zeit über super. Aber ich hatte das Gefühl, wenn nicht irgendetwas passiert, dann verbringe ich noch Stunden in dieser misslichen Lage, aus der ich nicht mehr wusste, wie ich sie beenden konnte. Dieses Gefühl ist auch das negative (neben dem Beckenboden, der sich immer noch teils anfühlt, als wenn er nicht halten würde…), was ich aus der Geburt behalten habe. Mich beschäftigt es noch nach Monaten.

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Paula 8. Februar 2016 - 14:04

Es war keine schöne Geburt mit Kristaller, Saugglocke, Dammschnitt-&riss. Aber sie haben meine kleine rechtzeitig genug rausgeholt, bevor sie einen zu starken Sauerstoffmangel gehabt hätte. Nein, es wurde nicht über die Griffe gesprochen im Anschluss. Aber als ich vor Erleichterung und Erschöpfung in Tränen ausgebrochen bin, hat die Hebamme mich umarmt und einen Kuss auf die Stirn gegeben. Das war mir Wertschätzung der Leiden genug in diesem Augenblick! Den Beckenboden kann ich trainieren – ein Sauerstoffmangel behält seine Spuren ewig.

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Melissa 5. Februar 2016 - 19:02

Bei meiner ersten Geburt wurde der Handgriff bei mir ebenfalls durchgeführt. Allerdings auch wie oben beschrieben, mit dem Unterarm einer Hebamme und zusätzlich mit der Saugglocke ; (
Ich denke da nicht so gerne daran zurück…

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Annika 5. Februar 2016 - 17:45

Für mich war das Kristellern eine ziemliche Übergriffigkeit. Mir wurde nur gesagt, dass jetzt von oben mitgedrückt werden wird, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass die Hebamme da einfach nur mit der Geburt fertig werden wollte, weil ihre Schicht gleich zu ende sein würde. Für mich ist es immer noch schwer zu akzeptieren, dass man mich nicht angeleitet hat, sondern mich gezwungen hat die Geburt möglichst schnell hinter mich zu bringen, obwohl es uns beiden die ganze Zeit über gut ging. Wir hätten einfach noch etwas Zeit gebraucht, um die Geburt zu schaffen. Die Geburt hat im übrigen nur sechseinhalb Stunden gedauert, ich war die einzige Frau im Kreissaal und der kleine hatte auch einen Apgar-Score von 10 Punkten. Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum das mitschieben nötig gewesen sein sollte und möchte das bei meinem nächsten Kind auf keinen Fall wieder erleben müssen.

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Vivian 5. Februar 2016 - 09:06

Ich empfand es auch nicht als schlimm bei der Geburt meines Kindes. Generell habe ich aber auch nicht so viel mitbekommen. Die Ärztin und die Hebamme haben mehr oder weniger geflüstert oder zumindest so leise gesprochen, dass ich es bei meinem Schreien nicht gehört habe. Mein Freund empfand es aber als beängistigend.
Ich fand es dann eher beängstigend, dass auf einmal noch zwei Hebammen und ein Arzt herein kamen und mein Freund gefragt wurde, ober nicht eher rausgehen möchte. Ich stand dann kurz vor der Saugglocke und war sehr froh, dass der kleine Mann dann doch noch so kam.
Obwohl fleißig „ein bisschen mitgedrückt“ wurde und ich leider auch geschnitten wurde, hatte ich gar keine Probleme und konnte dann auch gleich wieder sitzen und laufen. War dann alles ok und ich bin froh, dass keine Saugglocke zum Einsatz kam.

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Lea 4. Februar 2016 - 19:09

So hieß das also, was die Ärztin bei der Geburt meines ersten Kindes gemacht hat. Mir wurde leider auch nichts erklärt und ich hatte danach eine fiese Rippenprellung, die das Stillen anfangs sehr schmerzhaft gemacht hat!

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Lea 8. Februar 2016 - 16:39

Als ich deinen Kommentar gelesen hatte musste ich innerlich ein wenig grinsen, denn genau das war auch mein Gedanke, als ich die Überschrift des Artikels gelesen habe. Bei mir wurde es eben auch gemacht, auch ohne Erklärung oder sonstiges, allerdings habe ich zum Gllück nichts davongetragen. Das tut mir Leid, dass es dir so ergangen ist.

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ulrike franck 4. Februar 2016 - 14:22

Bei meiner ersten Geburt vor 10 Jahren wurde bei mir auch kristellert – allerdings beim sekundären Kaiserschnitt nach Geburtsstillstand. Angekündigt hat mir das niemand und ich war sehr erschrocken, als ich plötzlich keine Luft mehr bekam, weil da jemand auf meinem Brustkorb lag und feste drückte… Hast Du eine Idee, aus welchen Gründen der Kristeller-Handgriff beim Kaiserschnitt notwendig sein kann? Hab damals vergessen, die Hebamme danach zu fragen.

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Anja 4. Februar 2016 - 15:12

Auch beim Kaiserschnitt kann die Entwicklung des Kindes erschwert sein, so dass da auch ab und an manuelle Hilfe eingesetzt wird. Der Schnitt selbst ist ja keine allzu große Öffnung beim Querschnitt. Bei sehr schwierigen Entwicklungen des Kindes wird in seltenen Fällen der quere Schnitt längs nach oben erweitert. Dies versucht man aber möglichst zu vermeiden, weil der T- Schnitt z. B. mehr Probleme bei Folgeschwangerschaften macht.

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Katrin 4. Februar 2016 - 21:38

Auf mir wurde während des KS beim ersten Kind auch richtig heftig rumgedrückt. Das tat wirklich extrem weh, und ich weiß noch, wie entsetzt ich war, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte – weder mit dem ganzen Gepresse auf mir noch damit, trotz der Betäubung solche Schmerzen zu haben. Es war wirklich ein schreckliches Erlebnis. Ich hatte gedacht, beim Kaiserschnitt würde das baby irgendwie recht problemlos aus mir raus gezogen, ich dachte, das würde so fluppen. Aber nichts da mit Fluppen, es war wie Ausgeweidet werden…

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kiddo the kid 5. Februar 2016 - 10:11

Ja, das war bei mir auch so. Ohne Vorankündigung. In dem Moment hab ich echt in Todesangst geschrien, weil ich dachte, der Druck bricht mir jetzt die Rippen und das Rückgrat gleich mit.

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Katrin 5. Februar 2016 - 10:28

Ohne Vorankündigung ist ja echt mies. Mir haben sie wenigstens gesagt, dass das jetzt etwas drücken wird und etwas unangenehm werden kann oder so. Was macht man nicht alles durch für sein Kind;-). Nach dieser Erfahrung, auch wenn die Ärzte alle freundlich waren und ihr Bestes taten -, war es für die zweite Geburt nach der Sicherheit des Kindes mein wichtigstes Ziel, dass ich nicht nochmal einen KS kriege. Das habe ich meiner Beleghamme (wahrscheinlich ziemlich penetrant, fürchte ich ) immer wieder deutlich gesagt, damit sie ja nicht auf die Idee kommt, mir unter der Geburt ohne echte Not einen Kaiserschnitt vorzuschlagen.

Nikola 4. Februar 2016 - 13:07

Bei mir wurde der Griff auch angewendet, nachdem die Herztöne schwächer wurden. Allerdings habe ich bis eben nicht gewusst wie der Griff heißt und auch nur ungefähr warum er gemacht wird (vielen Dank dafür!). Sprich mir wurde nichts erklört bzw. erinnere ich mich vielleicht nicht mehr an den kurzen Hinweis und wäre mit Sicherheit aufgrund der Schmerzen so und so einverstanden gewesen, einfach auch weil man es nicht besser weiß. Ich empfand es als sehr unangenehm, insbesondere da ich eh Magen- und Darmprobleme habe und beides dabei mitgedrückt wurde. Das hängt mir heute noch nach, nicht nur körperlich, auch psychisch. Bei der nächsten Geburt würde ich das dementsprechend auch gerne vermeiden 😉

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Anna 4. Februar 2016 - 10:20

Ganz am Schluss meiner sehr langen Geburt mit schon über 4 Stunden Presswehen haben die Hebammen im Geburtshaus kristellert. Ich bin da vielleicht die Ausnahme, aber ich empfand es einfach nur als ungeheuer erleichternd, da ich schon so erschöpft war. Mehr Schmerzen als ohnehin hatte ich dabei auch nicht. Ich wurde aber vorher gefragt, ob sie das jetzt machen können. Was das Verletzungsrisiko angeht: Ja, ich hatte dann einen Dammriss Grad II und mehr Beckenbodenprobleme als viele meiner Freundinnen, die unproblematischer geboren haben. Trotzdem war es meiner Meinung nach die richtige Entscheidung der Hebammen und ich habe auch diese letzte Phase der Geburt positiv in Erinnerung.

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Katrin 4. Februar 2016 - 21:34

Hmm, das finde ich interessant – ich habe meinen Dammriss (leider III. Gr.) und die ebenfalls erheblichen Beckenbodenprobleme immer eher auf die Saugglocke (und das schwere Baby) zurückgeführt, nicht auf das Kristellern. Aber klingt logisch, wahrscheinlich ist jede schnelle Art des „Rausholens“ eine Belastung für Damm und BB. Ich war aber trotzdem froh, dass mir kein Schnitt gemacht wurde, irgendwie konnte ich den Riss ganz gut hinnehmen, einen absichtlich herbeigeführten Schnitt – der ja ein weiteres Einreißen nicht unbedingt verhindert – hätte ich blöder gefunden.

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Mama Blume 4. Februar 2016 - 09:49

Den Handgriff hab ich auch kennengelernt bei der Geburt meines Sohnes, als mich die Kräfte verliessen und die Herztöne immer schlechter wurden. Die Ärztin rannte raus um die Saugglocke zu holen und meine Hebamme war der Meinung, es ein letztes mal im Guten zu versuchen und die zweite drückte dann von oben mit. Ob mir das jemand vorher gesagt oder erklärt hat, weiß ich bis heute nicht. Ich war soweit weg von gut und böse, dass ich nicht mal mehr die schlechten Herztöne registriert hab.
Als der Kleine dann da war, hieß sinngemäß, dass das in einem KS hätte enden können weil mein Sohn wohl in Sternguckerlage mit Gesicht voran zur Welt kam und damit den (ohnehin schon großen) KU von 36 cm aufs Maximum vergrößerte o.O Das blieb auch nicht ohne Folgen aber ohne den Kristeller-Handgriff hätte ich es vielleicht nicht geschafft ihn selbstständig und gesund zur Welt zu bringen.

Das alles ist im Oktober schon 15 Jahre her aber diesen Moment hab ich zum Glück nie als übergriffig oder schlimm empfunden. Ich denke, das lag wirklich an den heftigen Wehen und weil ich schon so erschöpft war, dass ich garnichts mehr um mich herum mitbekommen hab 🙂

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Susi 7. Juni 2019 - 08:16

Bei mir war es ähnlich und ist auch schon lange her. Meine Tochter hatte einen Kopfumfang von 36 cm, war 3800 g schwer und lag in Hinterhauptlage. Auch ich habe bis jetzt nichts über diese und vor allem andere und bessere „Techniken“ gewusst. Die Geburt wurde nachmittags mit Wehengel eingeleitet, weil die Fruchtblase frühmorgens geplatzt war. Die Wehen waren dann so fies, dass ich um 20:00 eine PDA bekam, die mich dann querschnittsgelähmt hat. Die ganze Nacht lag ich einfach rum. Auf die Aufforderung der Hebamme am nächsten Morgen, ich solle die Beine aufstellen, musste ich ihr zu ihrer Überraschung sagen, dass ich sie nicht bewegen konnte. Ich dachte, das gehört so. Ab 8:00 wurde dann langsam die PDA alle und wurde auch nicht nachgefüllt. Ich lag die ganze Zeit im Bett auf dem Rücken. Vier Stunden später und unter größten Schmerzen kristellerte der Arzt mit einem zusammengerollten Handtuch auf meinem Bauch meine Tochter aus mir raus, inklusive Dammschnitt und ohne jegliche Information oder Frage. Ich dachte, das muss alles so sein. Heute weiß ich, dass mir diverse Bänder gerissen sind und habe Senkungsprobleme. Durch Beckenbodentraining bin ich zwar (noch?) nicht inkontinent, aber eine Operation ist mittelfristig nicht vermeidbar. Würde ich heute nochmal gebären, würde ich mich nicht in die Rückenlage bringen lassen. Und ich würde mich viel ! besser informieren.

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Bine 4. Februar 2016 - 09:36

Danke für den Artikel. Mir läuft das heute teilweise noch nach. Die Ärztin sagte, ich drücke von oben mit, für meinen Mann sah es so aus, als würde sie auf mir knien und ich habe wirklich gedacht, ich sterbe. Entweder schaffe ich es jetzt mitzudrücken, oder sie bricht mich entzwei. Durch die PDA wußte ich aber nicht mehr wirklich, wohin ich drücken muss. Wenn ich noch mal die möglichkeit hätte, würde ich vieles anders machen. Wahrscheinlich würde es sogar eine Hausgeburt. Als ich hinterher mit meiner Hebamme darüber sprechen wollte, sagte sie nur, Du hast das doch toll gemacht, ist doch alles in Ordnung. Wo ich jetzt so darüber schreibe, merke ich auch noch mal wie nah mir es geht, darüber nach zu denken.

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Melanie 21. Mai 2017 - 19:43

Hallo Bine. Ja ich hatte auch damit noch lange zu kämpfen. Bei mir wurde es auch nicht angekündigt und ich fühlte mich irgendwie ‚vergewaltigt‘. Bei mir würde es wegen der schlechten Herztöne gemacht und weil mein Sohn festhing. Dir alles Gute

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Daniela 4. Februar 2016 - 09:35

Ich merkte nur das sich der Kreißsaal immer mehr füllte und hatte irgendwann 3 (!) Ärzte auf meinem Bauch liegen, aber mein einziger Gedanke war: „Ich muss da durch, sonst gibts gleich einen Kaiserschnitt“ und das war so ziemlich das Letzte was ich wollte. Aber ich kann mich nicht daran erinnern das jemand vor oder nach „dem Drücken“ mit mir darüber gesprochen hat…

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Katrin 4. Februar 2016 - 09:26

Vielen Dank für den interessanten Artikel! Bei meinem zweiten Kind wurde am Ende quasi alles aufgefahren, um die Geburt nach ca. 2 Stunden schwacher Herztöne zu Ende zu bringen: Wehentropf, Kristellergriff UND Saugglocke. Ich habe auch von anderen Müttern gehört, dass sie dieses Drücken schmerzhaft und schlimm fanden, und es klingt ja auch ziemlich brutal. Aber irgendwie fand ich es gar nicht schlimm oder schmerzhaft, sondern dieser „Endspurt“ bei der Geburt fand bei sehr heiterer Stimmung im Kreißsaal statt – da waren dann außer meiner Beleghebamme die sehr zierliche Ärztin, die den Kristellergriff anwandte und vor den anderen scherzte, dass sie richtig gut sei im Drücken und viel Kraft hätte, und die weitere Ärztin, die die Saugglocke (dort Kiwi genannt) betätigte. Ich habe natürlich weiterhin gepresst, so dass das alles zusammen auf mich den Eindruck einer Teamarbeit machte und eigentlich ganz lustig war. Ich hätte es wahrscheinlich nicht so gut gelaunt hingenommen, wenn ich nicht selber in den Stunden davor, in denen ich wegen PDA (die ich nach 12 Stunden Geburt und weit entfernt vom Ende selber gewünscht hatte) über das CTG die schwachen Herztöne mitbekommen hätte und nach dann ca. 17 Stunden wirklich das Ende der Geburt herbeigesehnt hätte. Zum Glück war ich mir über Verletzungsrisiken nicht so im Klaren – aber das hätte mir ja auch nicht geholfen, denn es war für mich aufgrund der über lange Zeit schwachen Herztöne eindeutig, dass das Baby jetzt wirklich mal raus musste. Und nachdem der Wehentropf alleine es nicht brachte, war ich dann auch mit allen weiteren Maßnahme sehr einverstanden. Für mich war eh die Hauptsache, dass es irgendwie ohne Kaiserschnitt über die Bühne ging, den ich beim ersten Kind gehabt hatte. Im Vergleich dazu fühlte sich die zweite Geburt für mich trotz der externen Hilfsmittel absolut wie ein eigens vollbrachter Erfolg an;-). Ich habe auch von einer Freundin, die selber Ärztin im Kreißsaal ist, gesagt bekommen, dass es auch bei Saugglocke und Kristellergriff sehr viel hilft, wenn die Mutter feste presst, also meine eigene Arbeit nicht etwa wirkungslos war. Ich war ganz froh, das zu hören, eben wegen des von Dir benannten psychologischen Effekts;-). Und mein Baby und ich waren auch unverletzt (ich jedenfalls, was den Bauch anbetrifft, vom Damm will ich mal nicht reden).

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