Fragen an die Hebamme: Liegendtransport bei Blasensprung?

von Anja

Bei meinem ersten Kind kündigte sich die Geburt mit einem Blasensprung an. Ich hatte gerade die Schuhe angezogen, um zur Tram zu gehen, als mir das Fruchtwasser die Beine herunterlief. Natürlich war ich froh, dass das Ganze nicht in der Straßenbahn passiert ist. Aber so spektakulär wie in Filmen oft dargestellt, ist ein Blasensprung meist nicht. Vor allem nicht, wenn es sich um einen vorzeitigen Blasensprung vor dem Beginn regelmäßiger Wehentätigkeit handelt. Viele Frauen rätseln sogar, ob das nun wirklich Fruchtwasser ist, was da das nasse Gefühl im Intimbereich verursacht.

Trotzdem ist in vielen Köpfen fest verankert, dass sich eine Frau nach einem Blasensprung sofort hinlegen muss. Ganz egal, ob sie gerade an der Käsetheke oder eben auch in der Straßenbahn steht. Manche Frauen kommen mit dieser Information auch aus einem Geburtsvorbereitungskurs oder vom Frauenarzt oder der Hebamme. Aber warum sollten sich Schwangere eigentlich überhaupt nach einem Blasensprung hinlegen?

Auch ich erlebe oft, dass Eltern gar nicht wissen, warum diese Empfehlung eigentlich ausgesprochen wird. Nicht wenige mutmaßen, dass es darum geht, dass das Baby nicht „auf dem Trockenen“ liegt. Aber keine Sorge, auch nach einem Blasensprung wird kontinuierlich neues Fruchtwasser nachgebildet. Am Ende der Schwangerschaft wird pro Stunde das Fruchtwasser etwa zu einem Drittel ausgetauscht. Dies geschieht durch Produktion und Resorption, zum Beispiel auch dadurch, dass das Baby einen Teil des Fruchtwassers schluckt und es so über seinen Kreislauf wieder zur Mutter zurückgelangt. Gebildet wird das Fruchtwasser über die Placenta, aber auch über die kindliche Lunge und die Bildung von Urin, sobald die Nierenfunktion des Babys entsprechend entwickelt ist.

Eine sehr selten auftretende Komplikation

Die Idee hinter der Liegeempfehlung ist es, einen so genannten Nabelschnurvorfall zu verhindern. Diese sehr seltene, aber höchst dramatische geburtshilfliche Komplikation entsteht, wenn sich die Nabelschnur vor den vorangehenden Teil des Kindes schiebt. Das ist in den meisten Fällen das Köpfchen. Dies könnte zum Beispiel bei einem Blasensprung geschehen, wenn der vorangehende Teil noch keinen Bezug zum Becken hat. Das eigentliche Problem entsteht dann, wenn dadurch Druck auf die Nabelschnur kommt und diese zusammengedrückt wird. Somit wird die Versorgung des Babys unterbrochen.

Das Zeitfenster, in dem die Geburtshelfer dann handeln können, ist sehr klein. Man versucht durch Hochschieben und Halten des vorangehenden Teiles bei einer vaginalen Untersuchung die Kompression zu mindern. Außerdem werden die Wehen medikamentös gebremst (Tokolyse). Dies dient nur der kurzfristigen Überbrückung, bis man das Baby umgehend mit einem Notkaiserschnitt auf die Welt holen kann. All diese Maßnahmen sind in der Regel nur in der Klinik möglich. Oft ist auch hier der Nabelschnurvorfall ein „Zufallsbefund“, wenn die Hebamme bei der vaginalen Untersuchung plötzlich die pulsierende Nabelschnur ertastet.

Würde diese Situation zu Hause oder in der Straßenbahn auftreten, wären diese Maßnahmen alle nicht möglich. Das reine Hinlegen würde dann wenig helfen, wenn die Nabelschnur tatsächlich mit einem großen Schwall Fruchtwasser am Köpfchen vorbei gespült wird und dann noch durch Wehentätigkeit zusätzlich komprimiert wird. Der Nabelschnurvorfall erfolgt also in der Regel bereits im Moment des Blasensprunges, den man ja nun mal nicht voraussehen kann. Zum Glück ist aber so ein Nabelschnurvorfall eine sehr selten auftretende Komplikation.

Evidenz für dieses Vorgehen gibt es nicht

Es gibt Faktoren, die dieses Geschehen etwas begünstigen, wie zum Beispiel, wenn das Kind quer im Bauch der Mutter liegt. Meist stellt dann aber der Vorfall der Nabelschnur weniger gefährlich dar, weil diese nicht so stark komprimiert wird. Auch bei einer Fuß- oder Steißlage sowie bei einem Kind mit eher kleinem Kopf (etwa auch bei Frühgeburtlichkeit) könnte die Nabelschnur eher mit nach vorne rutschen. Am seltensten kommt der Nabelschnurvorfall bei Schädellagen vor. Eine Eröffnung der Fruchtblase durch die Geburtshelfer kann ein Risiko darstellen, wenn das Köpfchen noch keinen Bezug zum Becken hat. Deshalb muss hier wie generell bei jedem invasiven Eingriff unter der Geburt zwischen Risiko und Nutzen abgewogen werden.

2013 lag die Häufigkeit für das Auftreten eines Nabelschnurvorfalls in Deutschland bei 0,06 Prozent. Also ist es tatsächlich ein seltenes Ereignis. In anderen vergleichbaren Ländern sehen die Zahlen ähnlich aus. Trotzdem sind die Empfehlungen, wie Mütter sich bei einem vorzeitigen Blasensprung verhalten sollen, sehr unterschiedlich. So steht in der Deutschen Hebammenzeitschrift (10/2015), dass in Norwegen (mit eher weiten Anfahrtswegen zur Klinik) die Frauen bei Blasensprung am Termin, mit normal aussehendem und riechenden Fruchtwasser und regelmäßigen Kindsbewegungen erst mal zu Hause bleiben können. Sie werden am Telefon entsprechend beraten. In den Niederlanden wird die betreuende Hebamme kontaktiert, die dann bei einem Hausbesuch kontrolliert, wie das Baby liegt. In Deutschland wird fast allen Frauen empfohlen, sich nach einem Blasensprung hinzulegen und den Rettungswagen zu rufen, wenn sie nicht sicher wissen, dass das Köpfchen des Babys bereits relativ fest im Beckeneingang sitzt. Eine wirklich Evidenz für dieses Vorgehen gibt es nicht.

Aber was genau ist eigentlich das Problem am Liegendtransport? Die Kosten für das Gesundheitssystem lasse ich jetzt mal außen vor. Wobei man mit dem Vermeiden von nicht evidenzbasiert sinnvollen Maßnahmen eine Menge Geld einsparen würde, das man dort einsetzen könnte, wo es wirklich sinnvoll ist. So ein Liegendtransport in die Klinik jedenfalls bedeutet für die meisten Eltern doch eher Stress. Das gilt gerade dann, wenn sich die Frau tatsächlich an Ort und Stelle hinlegt und dort liegenbleibt, bis der Rettungswagen eintrifft. Oft wird der Transport auch so durchgeführt, dass die eigentliche Idee dahinter komplett verloren geht. Nämlich dann, wenn die Frau nicht mit durchgehender Beckenhochlagerung transportiert wird. Einige Frauen laufen sogar selbst die Treppe in ihrem Wohnhaus herunter oder werden sitzend in die Klinik gebracht. Ich glaube, Situationen wie diese kennen alle Kreißsaalkolleginnen. Wenn eine Hebamme oder ein geburtshilflicher Arzt mit an Bord des Rettungswagens wären, könnte eventuell eine Untersuchung vor Ort vielleicht die Fahrt mit dem Krankenwagen komplett vermeiden. Allerdings ist nach einem vorzeitigen Blasensprung (vor Wehenbeginn) die Ultraschalluntersuchung das Mittel der Wahl, um den fetalen Zustand und die Fruchtwassermenge zu beurteilen. Eine vaginale Untersuchung könnte zwar Aufschluss darüber geben, ob die Nabelschnur vorliegt. Gleichzeitig erhöht sie aber das Infektionsrisiko und ist deshalb in den derzeitigen (sich in der Überarbeitung befindlichen) Leitlinien nicht empfohlen. In der Regel kommen jedoch Notfallsanitäter, die für diese speziellen Untersuchungen nicht ausgebildet sind. Zudem sind Ultraschallgeräte derzeit noch nicht flächendeckend im Rettungswagen verfügbar.

Liegendtransport nicht leichtfertig empfehlen

Ein weiteres „Problem“ ist, dass immer die nächste Klinik mit noch freien Kapazitäten angefahren wird. Und das ist hier in Berlin, wo es über 15 mögliche Geburtskliniken im Umkreis gibt, sehr häufig nicht die Wunschklinik, in der die Eltern zur Geburt angemeldet sind. Das bedeutet für viele Schwangere reichlich zusätzlichen Stress. Sie müssen sich in dieser Situation auf einen neuen Geburtsort einlassen. Und Stress und Angst sind immer schlechte Begleiter für eine Geburt.

Also sollte auch die Empfehlung für einen Liegendtransport nicht leichtfertig ausgesprochen werden, auch damit nicht unnötige Ängste bei Schwangeren geschürt werden. Die Kollegin Peggy Seehafer spricht sich in dem eingangs erwähnten Artikel in der Hebammenzeitschrift für die Leitlinie aus Dänemark (DSOG 2009) zum Umgang mit dem Blasenspung aus. Die erscheint auch mir sehr sinnvoll. Dort wird nur Schwangeren mit Quer- oder Schräglage oder bei Beckenendlage, wenn der Steiß noch nicht im Beckeneingang sitzt, oder bei einem Blasensprung vor der 34. Schwangerschaftswoche beim Abgang einer größeren Fruchtwassermenge der Liegendtransport empfohlen. Alle anderen Frauen können nach einem Blasensprung auf „normalem Wege“ zu ihrem Geburtsort fahren.

Dieses Vorgehen deckt sich auch mit den Ergebnissen der Arbeit der Hebamme Suniva Portz, die untersucht hat, welche Evidenzen für die Liegendtransport-Empfehlung bei vorzeitigen Blasensprung für Frauen mit einem Kind in Schädellage nach der 37+0 Schwangerschaftswoche eigentlich vorliegen. Sie fand auch keine Studien oder anderen Anhaltspunkte, die diese Empfehlung unterstützen würden.

Abschließend lässt sich also sagen, dass sich der Liegendtransport bei Blasensprung ohne Risikofaktoren eventuell sogar durch den häufig dabei entstehenden Stress negativ auf die mütterliche und kindliche Gesundheit auswirken könnte – und darum immer kritisch hinterfragt werden sollte. Eine generelle Empfehlung lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten und sollte auch so nicht an werdende Eltern weitervermittelt werden, da sie nur zu einer nicht nötigen Verunsicherung beiträgt.

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25 Kommentare

Miriam 22. Februar 2021 - 21:29

Hallo!
Ich bin selber Hebamme und finde deine Artikel sehr interessant
Mich interessiert woher du die Statistik hast, dass bei 0.06% der Geburten ein Nabelschnurvorfall vorliegt. Ich finde im Internet Angaben von 0.3 bis 0.5 % und finde diese Angaben gefühlt auch zu hoch.
Liebe Grüße
Miriam

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Anja 23. Februar 2021 - 10:59

Liebe Miriam,

die Zahl (nur für 2013) war aus der dem verlinkten DHZ-Artikel, der jetzt aber nur noch im Abo+ vorliegt. Ich habe einen Zugang, der aber technisch gerade streikt.Ich überprüfe die Zahl noch mal, sobald ich da weiter rein komme.
In „Die Geburtshilfe“ (Schneider, Husslein, Schneider, 5. Auflage) wird es mit 1-6% angegeben und bei den Risiken für das Kind die unbereinigte Mortalität bei ca. 10 % angebenen

Liebe Grüße,

Anja

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Maja 26. Mai 2019 - 13:10

Hallo,

Als Notfallsanitäterin kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, dass der NS-Vorfall selten ist, aber wenn es doch passiert hochbrisant ist.
Bei einer „Patientin“ war die Nabelschnur so weit vorgefallen, dass sie ein pulsieren in der Scheide spürte. Trotz jeglicher Anweisung eine Frau nicht vaginal zu untersuchen, hab ich es getan, da die Dame darauf bestand, dass etwas nicht stimmt. Tatsächlich konnte ich einen mittlerweile sehr schwach pulsiesrenden „Schlauch“ fühlen und etwas großes schweres darüber. Das schob ich weg und das Pulsieren wurde kräftiger. Umlagern ging nur mit Aufwand und Unterstützung der Feuerwehr. Ich schob dabei weiter den Kopf nach oben. Wir fuhren so in die Klinik bis in den Schockraum, wo schnellstmöglich alles so steril wie möglich gemacht wurde und die Notsectio durchgeführt wurde.
Ich arbeite in der Landrettung, bei der gerne mal 30 Minuten Fahrt in die Klinik an der Tagesordnung sind. Das war anstrengend, aber ich habe dem kleinen Mann das Leben gerettet bevor es anfing.
Um diese Problematik weiß ich auch nur, weil es in meiner Ausbildung eine Hebamme gab, die uns im Themenkomplex geburtshilfliche Notfälle ausgebildet hat. Da sollte angesetzt werden und den lieben Rettern bei der Ankunft im Kreißsaal erstmal nicht erstmal aufgezählt werden, was jetzt alles falsch war oder dass alles unnötig war, was an Maßnahmen ergriffen wurde. Das sorgt für Frustration und Resignation, woraufhin schwangere Damen nur noch eingeladen und einfach ohne alles in die Klinik gefahren werden. Das ist nämlich die andere Realität im Kreißsaal, die oftmals vorherrscht. Hebammen fühlen sich dort in ihrem Gebiet allen anderen überlegen und anderes medizinisches Personal kann in der Geburtshilfe nichts.

Von meiner ersten Geburt ganz zu schweigen, in der die Hebamme mein Kind fast auf dem Gewissen gehabt hätte. Aber CTGs sind eben nur medizinisch unnötiger Schnickschnack und stören den normalen Geburtsablauf.
Viele Grüße
Maja

PS: Rettungsanitäter gibt es, aber sind lediglich die zweite Person auf dem RTW und haben nur eine dreimonatige Ausbildung. Es wäre nett, wenn es wie versprochen im Artikel geändert wird. Ein RS trägt auf dem RTW keine medizinische Verantwortung

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Anja 26. Mai 2019 - 15:59

Liebe Maja,

vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Erfahrungen. Ich hatte das Wort noch nicht geändert, weil Thomas (der darauf hinwies) mir dann nicht mehr geantwortet hatte, wie es jetzt korrekt heisst. Das habe ich nun verändert und auch noch mal verlinkt. Den Untersuchungsteil habe ich auch noch mal etwas ausgeführt, damit deutlich wird, dass es hier spezielle Kenntnisse und ggf. auch Geräte braucht, um einen Nabelschnur-Vorfall zu diagnostizieren.
Dein in der Situation absolut richtiges Handeln beruht allerdings ja auch eher auf Erfahrung und der richtigen Intuition zum richtigen Zeitpunkt. Daraus ließe sich wiederum kein generelles Vorgehen ableiten. Denn eine routinemäßige vaginale Untersuchung bei einem vorzeitigen Blasensprung wäre eben kontraindiziert.
Deshalb muss dann doch wieder generell geschaut werden, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt aufgrund der aktuellen Datenlage sinnvoll sind.
Und mit den Baustellen in der interdisziplinären Zusammenarbeit gebe ich Dir sehr recht. Da ist auf vielen Ebenen noch mehr Kompetenzgerangel als ein Miteinander im Sinne der Patienten zu erleben 🙁
Ich mache meine nächste geplante Notfall-Fortbildung jedenfalls wieder bei Notfallmedizin-Trainern und denke generell, dass man vom Wissen der anderen immer profitieren kann 🙂

Viele Grüße,

Anja

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Maja 27. Mai 2019 - 13:37

Hallo Anja,

Danke für deine Antwort und das ändern der Berufsbezeichnung
Nein, natürlich ist mein Vorgehen von damals keine generelle Empfehlung. Ich lagere allerdings jede Schwangere mit Blasensprung mit dem Becken erhöht, bzw stelle den Tragentisch in eine leichte Kopftieflage und lege zusätzlich etwas unter das Becken. Das habe ich damals (2001) so in meiner Ausbildung gelernt.

Das Kompetenzgerangel ist wirklich immer sehr schade und verunsichert Schwangere immer ungemein. Wir werden es alleine nicht ändern können und ich habe mir einen kleinen Sprucj zurechtgelegt, wenn ich wieder mal ALLEs falsch gemacht habe. Ich biete der Hebamme dann gerne die Telefonnummer unseres Aus-und Fortbildungsbeauftragten an mit den Worzen, dass sie uns gerne fortbilden farf, damit wir in Zukunft keinen mehr gefährden
Mache ich aber auch bei dem hochheiligen Intensivpflegepersonal…

Lg
Maja

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Johanna 25. Februar 2019 - 04:19

Ich habe unser drittes Kind vor kurzem auch nach einem Blasensprung spontan aus BEL entbunden. Der Arzt aus der Klinik sagte auch, Ich soll im Falle eines Blasensprungs mit dem Rettungswagen kommen, Wenn der Po bis dahin nicht fest im Becken ist. Seine Begründung war allerdings nicht der Nabelschnurvorfall. Die Begründung war, dass es sein kann, dass das Kind sich nach der letzten Untersuchung in eine Lage gedreht hat, Die eine spontane Entbindung nicht mehr möglich macht (querlage, Füße nach unten o.ä.). Da nach einen Blasensprung die Entbindung sehr schnell gehen kann (war z.b. Bei meinen ersten beiden Geburten Der Fall) sollte ich so schnell wie möglich kommen. Denn käme ich mit weit vorangeschrittener und schnell voran gehender Geburt und das Kind hätte sich in eine Lage gedreht aus der sie nicht spontan entbinden können bliebe nur der Notkaiserschnitt mit Vollnarkose. Je mehr Zeit Die Geburtshelfer vor Ort haben, desto mehr Möglichkeiten gäbe es dann auch noch. Und die Argumentation erschien mir durchaus sinnvoll.
Viele Grüße
Johanna

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Petra 4. September 2018 - 22:15

Hallo Anja,
der Artikel ist ja schon etwas älter aber in der Thematik immer noch aktuell, hoffentlich verfolgst Du hier immer noch die Kommentare. Meine Frage wäre nämlich wie Deine Empfehlung lauten würde bezüglich Transport bei mono/di Zwillingsschwangerschaft und Fußlage mit vorgelagerter Nabelschnur des führenden Zwillings. Ist die vierte Schwangerschaft, die Geschwister sind 7, 4 und 2 Jahre alt, alle spontan und rasch entbunden. Hier würde mich einfach Deine Hebammeneinschätzung auf Basis vorliegender Fakten interessieren.
Vielen Dank schonmal im Voraus und weiter so mit Eurem Blog. Sehr gerne lese ich alles ums Thema Großfamilie, dann fühle ich mich nicht mehr so als Exot.

Antworten
Anja Constance Gaca 4. September 2018 - 23:53

Anja Constance

Antworten
Anja Constance Gaca 4. September 2018 - 23:57

Liebe Petra,

wie oben im Text geschrieben ist die Fußlage ein möglicher Risikofaktor. Deshalb in dem Fall Liegendtransport mit Beckenhochlagerung . Aber wahrscheinlich haben es Dir Deine Ärztin oder die Klinik auch so empfohlen oder?

Alles Gute für Dich und liebe Grüße , Anja

Antworten
Petra 5. September 2018 - 08:57

Hallo Anja,
vielen Dank für Deine superschnelle Antwort. Das haben die Ärzte (Maistraße München) in der Tat. Aber nach drei unkomplizierten Schwangerschaften mit Hausgeburten (1.45h, 2.50h und 1.20h) bin ich mir nur manchmal unsicher ab wann dann gerne überpathologisiert wird (soll kein Ärzte-bashing werden, aber Ärzte sind nun mal drauf trainiert Pathologien zu suchen und zu finden). Von daher wollte ich gerne Deine fachliche Meinung hören, vielen Dank dafür!
(Jetzt bleibt nur zu hoffen dass dann kein Thomas Hofmann vor der Tür steht und sich rundweg weigert…)
Viele liebe Grüße,
Petra

Antworten
Thomas Hofmann 24. Mai 2018 - 18:26

Als Notfallsanitäter werde ich regelmäßig mit eben jenen übervorsichtigen Frauen konfrontiert die dann auch noch den Anspruch haben aus höheren etagen getragen zu werden.

Wie gesagt, Evidenz ist nicht vorhanden, leider sind aber jener Frauen rational wenig zugänglich.

Dass Rettungssanitäter (das Nutzen der korrekten berufsbezeichnung wäre durchaus wertschätzender) wenig Erfahrung in der Geburtshilfe haben ist richtig, allerdings auch eben von jenen Kreissälen selbst verschuldet. So versuche ich z. B. seit über drei Jahren ein entsprechendes Praktikum (auf Eigeninitiative, in meiner Freizeit) zu machen und erhalte Absagen mit fadenscheinigsten Begründungen. Es lässt sich natürlich leicht aus dem Elfenbeinturm auf andere herabschauen, wenn man nicht bereit ist Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen zu teilen.

Viele Grüße,
Thomas Hofmann

Antworten
Anja 24. Mai 2018 - 18:49

Lieber Thomas,

danke für deine Ergänzung. Im Text habe ich Rettungssanitäter geschrieben- ist das nicht die korrekte Bezeichnung? Wenn nicht, tut es mir leid und ich korrigiere das gerne. Das fehlende geburtshilfliche Erfahrung ist gar keine Kritik oder gar mangelnde Wertschätzung, sondern soll eher erläutern, warum das ganze Prozedere, so wie es in hier läuft, eigentlich nichts bringt. Genauso sind wir Hebammen ja für viele Dinge nicht ausgebildet, die Ihr als Fachpersonal leistet. Berlin hatte ja ein paar Jahre lang den Storchenwagen, was sicherlich für solche Situationen ein ganz gutes gemeinsames Konzept war. Tatsächlich müsste man bei einem wirklichen NS-Vorfall den vorangehenden Teil ja sogar ununterbrochen hochschieben oder die Frau in Knie-Ellbogen-Lagerung transportieren, was doch relativ utopisch ist, gerade bei der von Dir beschriebenen Situation… und dann noch gerne aus dem 4. Stock Altbau.
Also wie gesagt, von meiner Seite weder mangelnde Wertschätzung noch Elfenbeinturm, sondern nur ein Erklärungsansatz, weshalb der „Liegendtarnsport“ eben nicht unbedingt empfehlenswert ist und ja auch Euren Arbeitsalltag eher erschwert 😉

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
Susanne 28. Februar 2017 - 11:59

Finde den Artikel unmöglich! Auch wenn die Komplikation selten ist, dient es zur Sicherheit im Fall der Fälle. Ob die Schwangere deshalb Stress hat sei mal dahingestellt, wo bitte ist hier der Stress, wenn man sich hinlegt? Bei den Schmerzen, die noch kommen, kommt es nach m.A. darauf nicht an.

Antworten
Anja 28. Februar 2017 - 12:10

Liebe Susanne,

hast Du den Artikel gelesen? Er legt die Datenlage und auch die Situationen dar, in welchen Fällen eventuell das Hinlegen einen Nutzen haben könnte. In sehr vielen Verlegungssituationen wird der Transport allerdings auch nicht so durchgeführt, dass die durchgehende Hochlagerung des Beckens gewährleistet ist. Das (derzeit sehr uneinheitliche) Vorgehen in D bringt keine höhere Sicherheit. Deshalb ist es doch meiner Meinung nach ganz sinnvoll zu schauen, welche Interventionen für welche Gruppe welchen Nutzen haben. Das passiert ja auch bei anderen geburtshilflichen Maßnahmen.

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
judith 27. April 2016 - 20:37

Liebe Anja!

Danke, danke, danke für diesen guten Artikel!
Er kommt gerade zur rechten Zeit – ich erwarte unser drittes Kind und mir wird gerade wiederholt von meiner FÄ gesagt, ich solle bei Blasensprung bloß liegend ins KH ….
Das werde ich nun nicht tun!

Toller Blog, tolle Artikel hier bei Euch!

Liebe Grüße, Judith

Antworten
Ute 30. März 2016 - 12:39

Ich sag einfach nur danke, danke danke für derartige Artikel. Bitte mehr davon.
Es ist schon schräg, was Frauen alles empfohlen wird, in Abwesenheit echter Evidenz.

Antworten
Johanna 30. März 2016 - 12:08

Hallo,
ich lese hier sehr gerne.
Meine Tochter war eine spontane BEL-Geburt.
Die Fruchtblase ist vorzeitig zuhause geplatzt.
Trotzdem bin ich, wenn auch relativ zügig, auf Nachfrage im Krankenhaus, mit dem Taxi zum Wunschkrankenhaus gefahren. Das war auch das nächste von unserem Wohnort aus gesehen.
Ich konnte das ruhigen Gewissens machen, weil kurz vorher der Arzt (einer von 2 Spezialisten für natürliche BEL-Geburten) abgeklärt hat, ob das Risiko eines Nabelschnurvorfalls besteht. Dieses bestand nicht.
Deswegen: Informiert euch, fragt nach, glaubt nicht alles, was man euch weis machen will.
Ich hatte aber auch großes Glück mit den Ärzten und Hebammen hier in München.
Falls Interesse besteht, kann ich gerne mal von der gesamten, komplikationslosen BEL-Geburt berichten.
Liebe Grüße,
Johanna

Antworten
Anja 31. März 2016 - 22:02

Liebe Johanna,

danke für Deinen passenden Bericht zum Thema. Unsere erste Tochter war ja auch eine BEL, was wir zu dem Zeitpunkt des Blasensprunges allerdings noch nicht wussten (sie hatte sich ein paar Wochen vorher von der Beckenendlage in die Schädellage) gedreht.
Ich wollte ohnehin mal einen Beitrag zum Thema „Spontane BEL-Geburt“ machen.
Da würde Dein Geburtsbericht gut dazu passen.
Schreib mir also gerne mal eine Email an [email protected]

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
katrin 29. März 2016 - 20:09

auch ich hatte aufgrund einer BEL vom arzt die empfehlung zum liegendtransport – allerdings hat er mir sehr genau erklärt, warum (okay, auf nachfragen).
und der blasensprung nachts im bett machte das liegenbleiben natürlich sehr einfach (naja, anziehen war etwas schwieriger), die rettungssanitäter haben verstanden, um was es geht – und so ist mein becken die ganze zeit über der höchste punkt geblieben 😉
für mich persönlich bedeutete es weniger stress, weil ich mir bis zum kreißsaal keine unnötigen sorgen gemacht hab. nach 2 stunden durfte ich dann allerdings aufstehn, da das ganze wohl eben doch nicht so gefährlich war..
nur eine sache noch zu der aussage mit den wunschkliniken in berlin:
wenn du kurz vor dem ET stehst, fahrn dich die sanitäter auch gern ein paar kilometer weiter bis zu dem krkhs., in dem du angemeldet bist. einfach beim notruf bescheid geben und dann den jungs nochmal sagen, wohin, meine haben den umweg ganz selbstverständlich gefahren und meinten, das sei normal.

Antworten
Anja 29. März 2016 - 20:36

Liebe Katrin,

fragen sollte man auf jeden Fall, ob sie weiter fahren würden. Aber es ist halt Glückssache. Ich habe letzte Woche erst wieder das Gegenteil erlebt:(
Ein Plan B wäre (für Berlin zumindest) der Storchenwagen:
http://www.ksb-krankentransport.de/storch.html

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
Carolin 29. März 2016 - 19:39

Ich möchte auf Christiane schwarz verweisen,die in diversen Tests an der MHH veranschaulicht hat das die sinkgeschwindigkeit der Nabelschnur sehr langsam ist,so dass ein NS Vorfall nur dann möglich ist,wenn die NS eh schon vor dem Kopf liegt. Sehr interessante Präsentation auf dem NDEUTSCHEN Hebammenkongress…

Antworten
Anja 29. März 2016 - 19:52

Danke, liebe Carolin.

Hier noch mal der Link dazu: https://www.hebammenverband.de/hebammenkongress/xiii-hebammenkongress-archiv/posterpraesentationen/p10-nabelschnurvorfall-bei-blasensprung/

Hoffentlich gibt es bald mal eine Leitlinie dazu, in die all diese Erkenntnisse einfließen.

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
FrauWenske 29. März 2016 - 14:04

Vielen Dank für diesen informativen Artikel! Hoffentlich kann er vielen Schwangeren die Angst nehmen.

Lg Kathi

Antworten
Tanja 29. März 2016 - 13:45

DANKE für diesen Artikel!
Auch hier in Österreich wird noch zum großen Teil der Liegendtransport bei Blasensprung empfohlen!

Ich finde, das macht viel unnötige Angst und unnötigen Streß! Es wird echt Zeit, dass diese Empfehlung, deren Nutzen ja nicht bewiesen ist, nicht mehr gegeben wird ( außer in den schon genannten Ausnahmen).

Liebe Grüße,
Tanja

Antworten
kathleen 29. März 2016 - 12:20

Auf das diesen Artikel viele, viele schwangere Frauen lesen!:)

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