Hebammen sind wichtig, auch für Väter

von Christian

Es wird (nicht nur hier) viel geschrieben über das Hebammendilemma. Darüber, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frauen in Gefahr ist, den Ort der Geburt für ihr Kind frei wählen zu können. Aber es gibt natürlich auch die Ebene des Vaters. Sie rückt bei der Diskussion häufig in den Hintergrund. Darum möchte ich nochmal aus der Perspektive eines Vaters erklären, wie wichtig Hebammen gerade auch für die Väter sind. Nicht nur, weil ich mit einer verheiratet bin.

Alle unsere Kinder sind mit der Hilfe von Hebammen auf die Welt gekommen, in den unterschiedlichsten Konstellationen. Im Kreissaal nach Beckenendlage, in der Wanne im Geburtshaus und zu Hause. Immer waren Hebammen dabei, als die Kinder auf die Welt kamen. Immer durfte ich als Vater diese wunderbaren, einzigartigen Momente selbst miterleben. Und immer waren es die Hebammen, wegen denen ich mich in dieser radikalen Ausnahmesituation für ein Paar trotzdem sicher, gut aufgehoben, verstanden und ernst genommen gefühlt habe. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, wenn man als „Patient“ im deutschen Gesundheitssystem unterwegs ist.

Auch wenn Männer sicherlich nicht in allen Situationen während der Geburt den richtigen Ton treffen, ist wohl fast immer auch für sie die Geburt eines Kindes der wichtigste Tag im Leben. Nichts jedenfalls fühlte sich für mich derart überwältigend an, wie die Geburt des eigenen Kindes zu erleben. Und keine Vorbereitung auf diesen Tag ist besser, als die einer Hebamme. Allerdings braucht sie ein ausreichendes Zeitkontingent, damit sie das für eine Mutter und einen Vater in der Geburtsvorbereitung und vor allen Dingen auch während der Geburt leisten kann.

Wie werden unsere Kinder die Geburten ihre Kinder erleben müssen?

Bei der ersten Geburt war es vor allem eine langjährige liebe Freundin und Hebamme, die mir als Vater die Ruhe mitgab, mich gemeinsam mit Anja auf das Abenteuer Geburt einlassen zu können. Und dann auch den Weg ins Krankenhaus zu wagen, den wir so gerne vermieden hätten damals. Doch auch dort sorgten gerade die Hebammen dafür, dass wir aufgeregten Ersteltern trotz leicht chaotischer Umstände relativ in Ruhe unser Kind zur Welt bringen konnten. Beim zweiten Kind im Geburtshaus war die Betreuung dann ganz wunderbar privat und zurückgenommen, dabei trotzdem intensiv und vor allen Dingen sehr persönlich.

Wieder waren es zwei erfahrene Hebammen, die uns als Familie ganz routiniert und liebevoll durch das neue Abenteuer begleitet haben. Die alles so souverän handhabten, dass eine kurz aufkommende Panik schnell wieder einem Sicherheitsgefühl wich. Unser drittes Kind erblickte vor dem heimischen Sofa das morgendliche Licht der Welt. Und auch hier waren es zwei noch recht junge Hebammen aus dem Team des Geburtshaus, die mitten in der Nacht zu uns nach Hause kamen, um uns zu unterstützen. Bei allen Geburten erlebte ich mit dem Eintreffen der Hebamme immer ein großes und gutes Gefühl der Entlastung, jetzt nicht mehr alles im Überblick behalten zu müssen. Ich konnte einfach nur so da sein, wie Anja es brauchte.

Wie soll es ohne Hebammen gehen?

Es sind also nicht nur die Frauen, die loslassen können, wenn sie sich unter der Geburt gut und sicher begleitet fühlen. Und es trifft auch für die Zeit nach der Geburt zu, in der auch ich immer mal wieder von der anderen Hebammenseite eine Bestätigung brauchte, dass alles so gut und normal ist. Denn nach der Geburt ist Anja als Hebamme auch „nur“ Mutter. Und das eigene Hebammenwissen steht ihr sicherlich auch das eine oder andere mal ein bisschen im Weg. Gut, dass die anderen weisen Frauen uns immer wieder beruhigt und bestärkt haben in den kleinen und mittelgroßen Krisen, die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eben mit sich bringen.

Ich kann mir weder als Vater noch als Mann einer Hebamme vorstellen, wie es in der Geburtshilfe je ohne Hebammen gehen soll. Wenn die Hebammen tatsächlich von der deutschen Versicherungswirtschaft und Politik abgeschafft werden, mag ich mir gar nicht ausmalen, wie unserer Kinder die Geburten ihre Kinder erleben müssen. Ich hoffe immer noch, dass der Gesundheitsminister und seine Mitarbeiter sich auf die Seite der starken und weisen Frauen stellen, die mir so viele Male so großartig geholfen haben. Und sich nicht zu Marionetten der Krankenversicherung degradieren lassen.

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4 Kommentare

Saphira 13. März 2015 - 20:41

Wieder ein sehr bewegender Artikel, der mich zu Tränen rührt. Zum einen vor Glück & Dankbarkeit wenn ich an meine Geburten & die tolle Unterstützung im Geburtshaus denke, aber auch vor Wut & Fassungslosigkeit, wenn ich an die schrecklichen Momente im Kreißsaal denke, die ich als Kinderärztin schon mit ansehen musste. Uns steht keine schöne Geburten-Zukunft bevor, das ist so traurig.

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Anja 13. März 2015 - 14:39

Eine Hebamme kann den motivierten und führsorglichen Mann aber auch zum Volldepp machen. Wie?
Ein hoffentlicher Einzellfall zum nachlesen und nachdenken.

https://kellerbande.wordpress.com/2015/03/07/irrtumer-oder-eine-hebamme-zu-viel-blogparade/

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Anja 13. März 2015 - 14:58

Liebe Anja,

oh jee, Dein Beitrag enthält leider alles, wofür ich mich bei manchen wenigen Kolleginnen auch fremdschäme. Ich lade Dich beim nächsten Kind herzlich in meinen Geburtsvorbereitungskurs ein, um hoffentlich Dein Hebammenbild noch mal zu verändern;) Garantiert keine Kennenlernspiele, keine Wollsockenpflicht, keine Hechelei und garantiert NEVER EVER Diabilder oder Power Point-Präsentationen meiner Geburten!!!
Und Väter ignorieren geht auch gar nicht und immer bitte nur soviel Esoterik, wie jede Frau braucht- aber darin bin ich eh nicht so gut;)

Liebe Grüße,

Anja

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angela 13. März 2015 - 08:52

Danke Christian, großartiger Artikel.

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