altmodisches Wochenbett

Ist das Wochenbett altmodisch?

von Anja

Immer wieder lese ich im Netz Texte junger Mütter, in denen sie beschreiben, was sie in den ersten Wochen nach der Geburt alles schaffen und machen. Ich staune, wenn ich dabei an meine eigene Wochenbettzeit denke. Und an die vieler Mütter, die ich als Hebamme begleiten durfte. Doch es scheint den jungen Müttern gut damit zu gehen. Oft beschreiben sie, dass ihnen schnell die Decke auf den Kopf fallen würde, wenn sie neben dem Baby nicht noch arbeiten oder andere Dinge tun „dürften“.

Als Hebamme – aber auch als Mutter – ist das Wochenbett für mich ein bisschen eine heilige Zeit. Eine Zeit des Ankommens vor allen Dingen, nicht nur für das Baby, sondern auch für die Eltern in ihrer neuen Rolle. Es ist jene Zeit, in der sich der gerade außerordentlich kraftvoll arbeitende Körper der Mutter erholen soll. Schließlich hat er einen kleinen Menschen in sich wachsen lassen, geboren und sorgt nun durch das Stillen dafür, dass dieser kleine Mensch ernährt wird. Was für eine Leistung!

Das Wochenbett ist eine Zeit des Kennenlernens und des sich noch intensiver Ineinanderverliebens. Das was als „Liebe auf den ersten Blick“ direkt nach der Geburt beginnt, wird im Wochenbett fortgesetzt und intensiviert. Es ist eine Zeit, um langsam wieder in den Alltag zurückzukommen. In einen Alltag, der vertraut und doch jetzt so ganz anders mit Baby ist. Doch vielleicht passt diese totale Entschleunigung gar nicht mehr in unser hektisches und sich ständig weiter drehendes Leben? Den meisten von uns fällt es schon schwer, mal wirklich innezuhalten.

Wenn es Körper und Seele zu viel wird…

Ist es also womöglich eine altmodische Idee, wenn wir Hebammen darauf pochen, möglichst ausgiebig Wochenbett zu halten? Stresst es Frauen heutzutage vielleicht viel mehr, gefühlt tatenlos zu Hause zu sein, während auf Instagram oder wo auch immer scheinbar alle mühelos und gut gelaunt mit dem Baby durch den Alltag rennen? Fast könnte man es meinen.

Doch dann denke ich auch an die vielen Frauen, die ich durchs Wochenbett begleitet habe. Die unterschiedlichsten Frauen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen und Voraussetzungen. Doch sie alle vereinte nach der Geburt, dass sie emotional offen und deshalb auch schneller verletzlich waren in diesen ersten Lebenswochen. Genau diese Offenheit sorgt dafür, dass sie sich einfühlsam und liebevoll auf ihr Baby einlassen können.

Doch gleichzeitig prallen der Stress und die Belastungen des Alltags nicht mehr so leicht wie bisher an einem ab. Ganz im Gegenteil nimmt man sich vieles doppelt zu Herzen. Und wenn es dem Körper oder der Seele zu viel wird, zeigt sich das. Etwa durch einen Milchstau, eine verzögerte Rückbildung oder andere Symptome. Nicht wenige Frauen schlittern im ersten Babyjahr genau deswegen von einem Infekt in den nächsten hinein.

Wochenbetthöhle möglichst selten verlassen

Und vielleicht möchten wir Hebammen die Frauen genau davor bewahren, wenn wir ihnen empfehlen, in der ersten Zeit die „Wochenbetthöhle“ möglichst selten zu verlassen. Und ihnen raten, sich nur mit Leuten und Dingen zu umgeben, die gut tun. So werden nicht nur der Bauch und der Beckenboden, sondern die ganze Frau nach und nach wieder etwas stabiler.

Ich erlebe es oft, dass nach ein paar Monaten ein großer Einbruch kommt, wenn diese erste und wichtige Schutzphase ausgelassen wird. Mal drückt sich das in immer wiederkehrenden Milchstaus aus. Mal in Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen. Eine unzureichende Erholung nach der Geburt hat viele Gesichter. Es muss klar sein: Ein kleines Baby zu versorgen ist eine Vollzeitaufgabe. Selbst dann, wenn sich ein Paar dies möglichst paritätisch teilt.

Der Körper leistet so viel in dieser Lebensphase und hat deshalb auch Erholung verdient. Die meisten Frauen erwischt irgendwann die große Erschöpfung, wenn sie von Anfang an Vollgas geben. Und für eine sich ohnehin gerade neu definierende Beziehung ist es auch nicht die beste Ausgangssituation, wenn beide Eltern sich kaum Zeit zum Ankommen gönnen. Natürlich gibt es auch die wenigen Ausnahmen, die das alles wirklich nahezu mühelos mit links wuppen. Aber es ist nicht vorhersehbar, ob man selbst zu diesen seltenen Ausnahmen gehören wird.

Sich für den Anfang Zeit nehmen

Darum werde ich weiter für das Wochenbett „werben“. Denn der Anfang ist nicht nur für das Kind, sondern auch für die Eltern eine sehr wichtige Zeit. Und für die sollte man sich Zeit nehmen. Ich kann den Drang, „mehr“ tun zu wollen, durchaus nachvollziehen. Ich habe aber gleichzeitig auch immer vor Augen, wozu das häufig führt. Natürlich muss das nicht so sein. Aber die Gefahr, sich komplett zu übernehmen, ist einfach sehr hoch.

Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, was man gerade alles schon leistet. Es ist sicher die wundervollste aber auch die anstrengendste Aufgabe, umfassend für ein kleines Baby zu sorgen. Und selbst, wenn Partner, Oma oder andere liebe Bezugspersonen einen dabei unterstützen, bleibt nicht viel Zeit. Denn im Babyalltag kommen die einfachsten Dinge wie schlafen oder essen schnell zu kurz. Wenn dann noch zig andere Dinge oder gleich ein ganzer Job auf der To-do-Liste stehen, ist die Gefahr groß, dass man selbst einfachste Grundbedürfnisse vernachlässigt.

Die Geburt eines Babys darf die jungen Eltern also ruhig ein bisschen ausbremsen und zur Ruhe „zwingen“. Der normale Alltag nimmt ohnehin schnell genug wieder Fahrt auf. Leider sieht dies das Umfeld drumherum nicht immer so und baut damit unbeabsichtigt Druck auf. Deshalb ist es wohl wichtig, nicht nur den Eltern immer wieder zu erklären, was für eine besondere und schützenswerte Zeit das Wochenbett ist. Sondern auch dem Umfeld.

Wie wunderbar und entspannt kann diese Zeit verlaufen, wenn sie von Familien und Freunden gut unterstützt wird. Wenn ein gekochtes Essen nach Hause gebracht wird, anstatt zu erwarten, dass die Eltern mit Baby zum Brunchen ins Restaurant gefahren kommen. Wenn einfach alles, was stressen könnte, ein bisschen ferngehalten wird von der jungen Familie. So können im Wochenbett die Akkus gut aufgeladen werden, um bald die Alltagsherausforderungen mit Baby meistern zu können. Genau deshalb werde ich wohl nicht müde zu erzählen, warum das Wochenbett acht Wochen dauert.

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27 Kommentare

Esther 17. November 2017 - 23:39

Danke für diesen schönen Bericht! Wenn ich mich mit anderen Frauen über dieses Thema unterhalte komme ich mir vor, wie von einem anderen Stern und ernte meistens Unverständnis. Gerade wenn ich mich äußere wie wichtig doch das Wochenbett für Mutter und Kind ist. Für Körper, Psyche und Seele. Ich habe dann immer das Gefühl ein Ausnahmefall zu sein, – als sei das Wochenbett out. Mit vielen Kindern ist es sicher schwerer sich auszuruhen… ich habe erst zwei, aber werde es bei jedem weiteren Kind versuchen auch wieder umzusetzen bzw es einzufordern. Ich verstehe aber auch Frauen die gerne wieder “raus” gehen. Vielleicht beugt es eine Depression vor. Aber Pausen und Innehalten ist denke ich auch da trotzdem wichtig. Für mich ist die Ankunft eines neuen Babys etwas sehr intimes. Zwar das natürlichste auf der Welt, aber trotzdem hatte ich nach jeder Geburt das Gefühl mit meinem Kind gemeinsam frisch aus dem Himmel zu kommen.

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Suse 5. März 2017 - 23:43

Wir erleben grade ein ganz zauberhaftes Wochenbett- mit unserem dritten Kind.
Ganz ganz viele Bedingungen sind bei uns einfach sehr günstig. Angefangen bei den 2 Monaten Elternzeit, die mein Mann nimmt über die hilfreichen Schwiegereltern nebenan bis hin zur Tagesmutter-Freundin, die unseren bisher Jüngsten mit auffängt.
Zum Teil haben wir damit einfach Glück, zum Teil haben wir für uns gesorgt. Die Elternzeit der Väter erfordert manchmal viel Mut. Bei unserem zweiten Kind war mein Mann in der Schwangerschaft mehrere Monate arbeitslos, hat dann 3 Monate vor Geburt einen neuen Job angefangen. Dennoch hat er seinem seinem neuen Chef nach wenigen Wochen den Elternzeit Antrag auf den Tisch gelegt und war mitten in der Probezeit einen Monat zuhause, einen Monat hat er halbe Stundenzahl gearbeitet. Eine gewagte Entscheidung, für die wir auch nicht viel Verständnis im Freundeskreis und der Familie bekommen haben… Für uns als Familie aber einfach perfekt!

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liesi 2. Februar 2017 - 08:09

Da ich selbst krankenschwester bin mit wöch erfahrung habe ich es einen tag nach der ersten geburt nicht mehr ausgehalten und bin nach hause.ich hatte im kh dauernt s gefühl auf nachtschicht zu sein als in meinem eigenen wochenbett.zu hause war dann erstmal ufff und ruhe. Meine mama kam und half im haushalt.kochte mir und hielt mir z.t unangekündigten fernbefreundeter besuch so gut es geht vom leibe.mein mann schaute so oft es ging nach uns zwischen der heuernte.nach drei tagen fiel mir aber die besagte decke auf den kopf ich musste raus unter die menschen.ging ei kaufen mein baby zeigen und hatte am abend die quittung in der wochenbettbinde.meine hebi (die beste der welt:-) ) wurde zum ersten mal etwas laut mit mir.ich bekam extrem stärkere blutungen.mein körper zeigte mir die rote karte. Es ging mit lange wie ein pingpongball zwischen ruhe und ich muss raus. Leider hab ich oft zu spät gemerkt dass es au meiner tochter nicht bekam das jubel trubel baby herumreichen und es tut mir heute noch weh dass ich mich gegen dass nicht gewehrt habe.aber man lernt ja nie aus.bald kommt unser viertes kind.bin gespannt wies wobett wird. Ich hoffe die ambulante geburt klappt und freue mich auf ein organisiertes kuschliges “faules”wobett. 🙂

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Lilo 28. Januar 2017 - 21:16

Das ist gut, dass Du nicht müde wirst zu erwähnen, wie wichtig das Wochenbett ist. Ich habe gerade mein drittes Kind im Arm. 8 Wochen alt und erst jetzt beginnt der Alltag wieder. Ich habe die ersten Wochen mit meinem Kind sehr genossen und hatte soo viele Glücksgefühle. Wir haben uns eingeigelt. Mein Mann hat mit Alles mit den Kindern in Schule und Kindergarten gemanagt. Und ich mache mir keinen Stress mehr wie früher mit den ganzen Besuchen. Einmal habe ich eine Putzfrau hier gehabt. Einmal hat mein Mann geputzt. Enttäuschend fand ich die Erwartungshaltung der Hebammen, dass man in der Wochenbettzeit noch in einen ihrer Rückbildungskurse rennt. Das habe ich abgelehnt. Kann ich auch noch in ein paar Wochen machen und die Übungen mache ich bereits zuhause, denn ich kenne sie ja schon. Zwei, drei Monate sollte man frische Eltern nach der Geburt nicht mit irgendwelchen Sachen belasten.

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Linde 11. September 2016 - 21:47

Wochenbett beim großen war richtig scheisse. Viel zuviele Leute. Viel zu viel Stress. Stillen klappte nicht. Ich wollte nur meinen Sohn und alle sollten verschwinden. Es gab von überall Druck. Es war irgendwann so schlimm das ich beim Straßen überqueren fast in ein Motorrad gelaufen war. Ich hatte Panikanfälle. saß weinend vor dem Babybett und wünschte mir er wurde nicht weinen. Wochenbettdepression, Tabletten, Therapie.
Dann kündigt sich unsere Tochter an. Diesmal sagte ich, ich will keinen Besuch. Nur Hebamme, Mann und Sohn. Das tat ich auch. Viel netflix geschaut. Ewig gekuschelt. Mein Mann kochte, putzte. Der große war mal 1 Woche bei Oma. Ich war glücklich. Hatte ein entspanntes Baby, was sogar nachts min 5 Stunden durchschlief. Und auch heute sind wir alle noch ein gutes Team.

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Melina 12. Juni 2016 - 08:48

Ich habe mein Wochenbett geplant, mich darauf gefreut und dann hatte ich einen vorzeitigen Blasensprung 33. SSW. Das Kind war in der Kinderintensiv getrennt von mir, ich bin ab dem Tag nach der Entbindubg nehrmals täglich in die Kinderklinik gelaufen (10 Min Fußmarsch). Abpumpen musste ich, während fremde Menschen ein und aus gingen. Ich war insgesamt 6 Wochen als Begleitperson zumindest in der Nähe meines Sohnes, vier Wochen waren wir getrennt. Statt des Kindsvaters habe ich sieben verschiedene Mütter in meinem Zimmer kennengelernt.

Ich vermisse Tipps für Frühchenmütter, wie Sie diese schockierende Zeit möglichst schadlos überstehen. Ich weiß nicht mehr, wieviele Stunden ich alleine im Bett geweint habe. Als Trost musste mir genügen: ihrem Sohn geht es den Umständen entsprechend gut, während des Monitorgebimmels im Hintergrund rund um die Uhr und keine Aussicht auf Entlassung. Nun sind wir gut drei Monate zu Hause und ich muss mir vorwerfen lassen, ich trage das Kind zu viel, ich solle es auch mal ab legen und schreien lassen. Aber diese Tipps ignoriere ich.
P.s. Nach 10 Wochen fiel dann auf, dass ich noch Plazentareste in der Gebärmutter hatte (eine Hebamme habe ich nach drei Tagen nach Entbindung nicht mehr gesehen im Krankenhaus, und meine durfte nicht ins Krankenhaus kommen, Abrechnungsprobleme). Trotz allem habe ich geschafft, jetzt voll zu Stillen. Dafür bin ich dankbar und ich koste die Zeit im Stillsessel ausgiebig aus.

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Anja 12. Juni 2016 - 13:42

Liebe Melina,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Zu dem Thema “Wochenbett nach Frühgeburt” hatte ich diesen Blogbeitrag hier mal geschrieben:
http://www.vonguteneltern.de/?p=3314

Alles Gute für Euch und liebe Grüße,

Anja

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Chrissy 11. Juni 2016 - 23:48

Wie unterschiedlich die Ansichten doch immer wieder sind 🙂 nach der ersten Entbindung (per KS) habe ich genau das getan – einigeln/nur im Bett gelegen/gekuschelt/gestillt und bin immer noch tiefer in die Wochenbettdepression abgerutscht… hätten wir unseren Hund nicht gehabt wäre ich wohl nie mehr aus dem Bett geklettert und hätte überhaupt nie in einen Rythmus gefunden. Beim zweiten Kind (natürliche Entbindung) war ich einfach nur froh, dass ich direkt am nächsten Tag heim konnte, den Großen von der Kita holen, ne entspannte (sehr sehr kleine 😉 )Runde mit dem Hund (mit viel Kuscheln im Tragetuch) zusammen Essen kochen, Freunde einladen – für mich hat das bedeutet mit dem Baby am Leben teilzunehmen.

Ich denke jede Mama muss für sich den perfekten Weg finden, ganz gleich wie viel oder wenig Ruhe sie sich auch gönnt. Und dabei MUSS das Umfeld Rücksicht nehmen, wie auch immer sie sich entscheidet und wohl fühlt!!

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Kathinka 4. März 2016 - 09:21

Hallo,

der Artikel spricht mir aus der Seele. Wir sind gesellschaftlich leider nicht gut genug aufgeklärt besonders was die Rechte im KH oder hinsichtlich Hebammenbetreuung betrifft. Daher ist diese Botschaft so wichtig.

Druck habe ich auch verspürt zumal unsere Geburt sehr traumatisch War. Baby kam direkt auf die Intensiv und alle haben den Kreißsaal verlassen in dem ich dann fast verblutet wäre. Mein Mann hatte die Anweisung von mir sich um das Baby zu kümmern und mich zu informieren. Er durfte nicht zu ihr und kam zu mir und hat sofort reagiert.

Mein Freundeskreis nahm mir das übel dass ich mich so eingeigelt habe und da wir jetzt ein anderes Leben führen ist zu manch einem Funkstille. Die die meinen Wunsch respektiert haben sind dafür näher an uns gerückt. Meine Mutter wollte ihr Enkel gerne zeigen und ich habe mich unter Druck setzen lassen. Das werde ich nicht mehr tun. Die Schwiegermutter hat mich nach Monaten unter Druck gesetzt und vorgeworfen ich würde ihr das Kind vorenthalten. Bei mir hat sie dadurch für immer verloren. Eine große Stütze War sie nicht. Sie gehört zu den Menschen die mir nicht gut tun. Dem Baby zu liebe pflegen wir den Kontakt.

Hier sagt auch niemand dass bei mehreren Kindern Wochenbett eingehalten werden muss nur sehe ich das so, dass man es organisieren kann. Falls nicht und man das Risiko eingeht ohne Unterstützung ein weiteres Kind bekommt ist das gewagt aber dann darf man die Schuld daran dass man keine Wochenbettzeit hat nicht anderen geben.

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maria 11. Juni 2016 - 23:43

Hi Kathinka

deine Worte sprechen mir aus der Seele. ich habe mich wie du, unter Druck setzten lassen von personen, insbesondere auch meine Schwiegermutter, das Baby “zu zeigen”-es ist jetzt 9 Monate her aber es geht mir noch immer nach. Andere können es vielleicht nicht verstehen, aber dass ich mich damals völlig übernommen habe mit einer größeren reise um das Baby zu zeigen, fühlt sich an wie ein kleines Trauma in mir und ich kann es nicht verzeihen.

Danke, Anja, für diesen schönen Artikel und dass ihr Hebammen uns so eindringlich sagt, wie wichtig das Wochenbett ist. Dein Satz: “Doch sie alle vereinte nach der Geburt, dass sie emotional offen und deshalb auch schneller verletzlich waren in diesen ersten Lebenswochen.” ist genau das, was ich erlebt habe und ich wünschte, ich hätte Menschen die mich verletzen, ferngehalten. Die Wunden sitzen tief, so offen scheint man zu sein..

und ich wünsche allen jungen Eltern dass sie sich die Ruhe geben die sie brauchen. Ich habe es gelernt und es war sooo schön, so zauberhaft, nur mit dem Baby zuhause eingekuschelt die zeit verstreichen lassen und (außer Stillen, Tragen, Trösten, Stillen…:)) nichts zu tun außer das Kleine anzusehen und fast vor Liebe zu platzen.

Beste Grüße und danke nochmal

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A 1. Februar 2017 - 13:14

Euch beiden der Hinweis auf reddit.com/r/justnomil : Ein Forum, in dem Frauen ihre Schwiegermuttertraumata verarbeiten (auf Englisch). “You are keeping the baby from me!” ist ein Schwiegermutterklassiker.

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Melly 5. Dezember 2015 - 08:05

Ein wichtiger Artikel!
Ich habe auch schon die ein oder andere Freundin freundlich ‘ermahnt’ das WochenBETT durchaus wörtlich zu nehmen.
Beim ersten Kind hatte mein Mann keinen Urlaub. Aber wann immer er daheim war, haben wir uns zu dritt auf die Couch gekuschelt und einfach nur dagelegen. Ich hatte einen Kaiserschnitt und eh ziemliche Probleme mit dem Aufstehen, so dass ich auch die restliche Zeit eigentlich nur im Bett lag. Und ich habe diese Zeit als etwas total wundervolles abgespeichert.
Beim zweiten Kind hat mein Mann erst Urlaub genommen und dann gleich 2 Monate Elternzeit. Er hat die Große in den Kindergarten gebracht, sich um den Haushalt gekümmert und mir und dem Baby viel Ruhezeit verschafft. Die Große hat sich Nachmittags oft mit Büchern dazu gekuschelt und ich habe vorgelesen oder wir haben Hörbücher angehört. Auch hier empfand ich diesen Kokon, in dem wir die erste Zeit waren, als äußerst angenehm und wundervoll.
Ich habe nicht das Gefühl, durch das ‘nichts-tun’ etwas verpasst zu haben.

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Elisabeth 9. November 2015 - 14:49

Die ersten Wochen sind die kleinen Hasen meist ruhig und schlafen viel…meine Hebamme hat mich damals sehr bestimmt darauf hingewiesen das es nicht so bleiben wird und ich noch Kraft brauchen werde. Für diesen Tipp bin ich ihr heute noch dankbar!!!

Liebe Grüße,
Elisabeth

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Isi 7. November 2015 - 21:42

Ich finde das Wochenbett sehr wichtig. Mir ging es aber erst beim zweiten Kind so, dass ich es genießen konnte. Beim ersten Mal wollte ich unbedingt raus (gut, es war Frühling), aller Welt mein tolles Kind zeigen und so schnell wie möglich wieder so etwas wie Alltag einkehren lassen. Beim zweiten Kind ( Winter und Hausgeburt), wusste ich, wie der Alltag mit Kind und job ist: anstrengend. Da haben wir versucht, die Wochen auszukosten, viel gekuschelt, wenig unter Leute gegangen. Und das wieder neu zusammenwachsen zur vierköpfigen Familie brauchte mehr Zeit, als beim ersten Kind. Sollte noch ein drittes Kind kommen, freue ich mich auf diese besondere Zeit, die wirklich nie wieder kommt!

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AnnaMama 7. November 2015 - 18:34

Ja, das Wochenbett….irgendwie habe ich das beim ersten Kind “verpasst” und es erst einige Zeit später überhaupt bemerkt. Vermisst habe ich es also zur eigentlichen Wochenbettzeit nicht. Ich glaube nicht, dass ich sofort mit voller Kraft losgelegt habe und den Haushalt geschmissen habe, aber doch irgendwie wieder vieles einfach gemacht habe. Im April kommt das zweite Kind, mal sehen, ob ich es dann schaffe, mir eine kleine Auszeit zu nehmen, wäre schon schön, obwohl das mit der großen Schwester eher schwierig wird. Und die Oma im Haus…nee, muss nicht sein, da würde ich zusätzlich nervös (oder wahnsinnig…) werden. Lieber Pizzaservice oder vorkochen.
Danke fürs dran erinnern!

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Nina 6. November 2015 - 23:59

Bei uns ist es auch bald soweit und wir sind am überlegen ob wir es machen. Dein Beitrag hat mir dabei sehr gehiolfen! Ich werde mich noch ein wenig weiter einlesen und dann evtl. Bescheid geben, wofür ich mich entschieden habe.
Danke für deinen Hilfreichen Beitrag!

Liebe Grüße Nina 🙂

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Katharina 6. November 2015 - 16:31

Ach, das sollte man eigentlich schon in jeden Mutterpass drucken. Danke.

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Christine 6. November 2015 - 11:58

Liebe Anja,
Das Wochenbett ist wichtig und vor allem ist es wichtig dass es jrmandrn gibt der den Eltern diese Wichtigkeit vermittelt. Einerseits mag unsere schnelllebige Gesellschaft diese lange Zeit unnötig vorkommen, andererseits scheint mir das Wochenbett aber auch aus dem Bewusstsein vieler Menschen verschwunden zu sein. Mein Mann hätte gar nichts damit anfangen können hätten wir das nicht intensiv im Vorbereitungskurs besprochen. Dadurch hat er aber für die ersten zwei Monate Elternzeit genommen und wir haben uns wirklich zurückgezogen. Das war für uns auch bitter nötig nach einem Kaiserschnitt und großen Sorgen. Ich glaube aber dass unser Freundeskreis das zwar akzeptiert, aber wenig verstanden hat. Da ist es leider eher normal mit dem 6 Wochen alten Neugeborenem für zwei Wochen campen zu fahren….
Ich freue mich aber einfach dass es noch so tolle Hebammen wie dich gibt, die das Besondere dieser Zeit vermitteln. Vielen Dank dafür und lieben Gruß, Christine

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helen 6. November 2015 - 11:25

Ach ja, ich denke unglaublich gern an meine ” Wochenbetten” zurück. Ich war beide Male ein paar Stunden nach tollen Geburtshaus-Geburten wieder zu Hause und habe die ersten Wochen sehr genossen. Stillen, kuscheln, lesen, schlafen… voll toll. Als das zweite kam war die große grade in der Kita eingewöhnt. Perfekt. Der papa hat sie morgens hin gebracht, kam mit Brötchen wieder und hat sie um 12 schlafend zurück gebracht, so dass ich von acht bis zwei ungestörte Stunden mit dem Knirps hatte.

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Larissa//No Robots Magazine 6. November 2015 - 09:59

Ich muss zugeben, dass es mir im Wochenbett auch sehr schwer gefallen ist, mich auszuruhen. Das lag jetzt weniger an Instagram, als vielmehr, dass ich sowieso ein Mensch bin, dem schnell langweilig wird und der etwas zu tun haben will. Und da ich mich in den letzten Wochen der Schwangerschaft kaum bewegen konnte, war ich so froh über die “neue Leichtigkeit”. Die ersten acht Wochen waren auch noch verhältnismäßig einfach, weil mein Kind da noch sehr viel geschlafen hat. Dafür habe ich bestimmt acht bis zehn Stunden am Tag mit Stillen verbracht und das fand ich damals ziemlich langweilig. Vor allem, weil ich finde, die richtige Bindung zum Kind kommt erst so nach sechs bis acht Wochen, wenn es anfängt, sozial zu werden. Dafür war es dann nach sechs bis acht Wochen auch mit der Ruhe vorbei. Wenn ich ganz junge Mütter sehe, die ja so viel schaffen und meinen, es würde sich nicht so viel ändern, dann denke ich meistens: “Warte mal ab!”
Im Endeffekt hätte ich mich wohl auch viel mehr ausruhen müssen. Ich konnte die ganze Wochenbettzeit nur schlecht laufen (trotz natürlicher Geburt) und diesen Sommer war es ja auch so irre heiß. Was aber auch wieder dazu geführt hat, dass ich wochenlang praktisch das Haus nicht wirklich verlassen hab. Und das fand ich schon sehr bedrückend.

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Judith 6. November 2015 - 09:31

Ich muss Anni hier leider recht geben. Ab dem zweiten Kind ist das mit dem Wochenbett so eine Sache. Ich bin schon aus dem KH wenig erholt zurückgekommen. Und obwohl ich aus Erfahrung alle dreißigen Sachen weggelassen habe, war ich von Erholung leider weit entfernt. Und raus muss man dann ja leider schon allein wegen der ersten Artzuntersuchungen im MuKi Spaß. Das erste Kind will dann noch in den KiGa gebracht werden und das blöderweise zu einer Uhrzeit, wenn das zweite Hunger hat. Vielleicht mach ich es ja beim dritten besser und schaff es da. Brauchen tut es der Körper auf jeden Fall…

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Ines 6. November 2015 - 09:05

Vielleicht lässt sich das Wochenbett eher schätzen, wenn man es nicht hat ….
Unser Kind ist ein Frühchen gewesen, womit eine Wochenbettzeit komplett flach fiel. Im Krankenhaus gab es zweimal am Tag Besuchszeiten, nur einer von beiden durfte das Kind jeweils nehmen, und als Mutter war ich von der unerwarteten und nicht miterlebten Entbindung (erlebe ich jedenfalls so, da ich eine Amnesie habe) unter Vollnarkose auch ziemlich mitgenommen. Das wurde mit der Verlegung in die Kinderklinik nicht besser, da es dort hieß, dass wir unser Kind lieber “in Ruhe lassen” sollten, weil das wichtig für die Hirnentwicklung sei. Mit einiger Erfahrung mehr ärgere ich mich inzwischen schwarz darüber, dass wir das an den Monitor angeschlossene Kind nicht einfach aus dem Inkubator bzw. später dem Wärmebett genommen und auf uns haben schlafen lassen. Wir waren aber vollkommen unerfahren und komplett auf uns allein gestellt, keine Familie, die Kinderkrankenschwestern fühlten sich für uns logischerweise nicht zuständig und meine Hebamme wies jede Zuständigkeit von sich, solange wir im Krankenhaus waren.
Mit knapp einem Jahr Abstand ärgere ich mich, dass wir damals die Sache nicht einfach selber in die Hand genommen und uns in der Kinderklinik eine Art “Wochenbetthöhle” eingerichtet haben. Als wir nach Wochen entlassen wurden, war die “offizielle” Wochenbettzeit nahezu rum und es wurde erwartet, dass wir – ähnlich den anderen Eltern im Freundes- und Bekanntenkreis – ein normales Leben mit Kind aufnehmen, inklusive in der Welt herumfahren und Besuche absolvieren. Spätestens heute würde ich allen Eltern in ähnlichen Situationen raten, entweder bereits im Krankenhaus eine Art Wochenbettzeit zu versuchen (hängt natürlich auch davon ab, wie es dem Kind etc. geht) oder sich sonst anschließend bei Bedarf zu Hause zu verschanzen und die Zeit dort nachzuholen.

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Mathilde 6. November 2015 - 10:57

Liebe Ines,
Es tut mir leid, zu lesen, wie Du die Geburt und die Wochen danach erlebt hast…..noch mehr schätze ich unser Glück, dass wir es eben, trotz ebenfalls schwieriger Umstände, anders erlebt haben: unsere Zwillinge Sind Extremfrühchen gewesen, die Geburt war ein Notkaiserschnitt unter Vollnarkose und auch wir durften die kleinen 2,5 Tage nur durch das Fensterchen des Inkubators anfassen, um das Risiko für Hirnblutungen gering zu halten. Ab dem 3. Tag Nach der Geburt aber durften wir “kanguruhen”, was wir von da an über 2 Monate jeden Tag 8. Stunden gemacht haben. Klar war diese Zeit sehr speziell und nicht so, wie man sie sich wünscht aber im Rückblick kann ich sagen (das aber auch nur, weil es den Kindern heute sehr gut geht und sie absolut nichts von ihrer Frühgeburt zurückbehalten haben), dass sie doch was von einem Wochenbett hatte: es war eine Zeit des Rückzugs, unsere Art Höhle auf der Kinderintensivstation inmitten von nicht nur kompetenten aber auch sehr einfühlsamen und liebevollen Kinderärzten und -krankenschwestern, die uns immer eingebunden haben und uns immer mehr Aufgaben (bis hin zur Medis-Abreichung unter Anleitung) der Pflege und Versorgung der Kinder übertragen haben. Somit gehörte diese Zeit, ohne Besuch von Familie und Freunden, nur uns vier und hat uns ermöglicht, in das neue Familienleben trotz schwieriger Anfangssituation bestmöglichst reinzuwachsen. Dass Ihr es anders erlebt habt und die Ärzte so wenig einfühlsam und lieblos waren, wühlt mich auf – Ich wünschte, so was würde es nicht mehr geben, weiß man doch, dass Kanguruing und die Einbindung der Eltern einen großen Beitrag zur Guten Entwicklung von Frühchen leisten kann….Ich wünsche Dir jedenfalls, mit dieser Geschichte deinen Frieden machen zu können!

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Katharina 9. November 2015 - 15:57

Liebe Ines,

das klingt wirklich nicht schön, was euch da widerfahren ist. Meine beiden Kinder sind auch beide zu früh auf die Welt gekommen, aber zum Glück nicht so früh, dass die Intensivstion nötig gewesen wäre. Die Überwachungsstation war aber für mich genau so wenig ein Ort für ein entspanntes Wochenbett.
Trotzdem war ich den Kinderkrankenschwestern unglaublich dankbar für ihre Arbeit, denn sie haben viel Seelsorgerische Arbeit bei uns Eltern vollbracht. Sie hatten immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen.
Was mich auch traurig stimmt, ist, dass sich deine Hebamme nicht zuständig gefühlt hat. Meine Hebammen haben mich immer auch in der Kinderklinik betreut. Klar waren sie nicht so oft da und haben sich zunächst nur um mich gekümmert, aber als es dann z.B. ums stillen ging, hat sie mich bei Fragen dazu auch in der Klinik unterstütz.
Ich wünsche dir, dass du solch eine Erfahrung nicht noch einmal machen musst und in Zukunft einen guten Weg findest damit “abzuschließen” so weit das überhaupt geht . Eltern, deren Kinder einen schwierigen Start ins Leben haben, sollten nicht weniger Begleitung erhalten im eh schon schwierigen “Wochenbett”, sie sollten alle nur mögliche Unterstützung erhalten, denn gerade in so einer Situation ist es doch wichtig, dass alle unsere Kräfte für diesen kleinen Menschen zur Verfügung stehen.

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Melina 12. Juni 2016 - 09:01

Ich hatte es genauso wie vin Dir beschrieben! Nach vier Wochen durfte ich Philoan zu mir nehmen aufs Zimmer und ab da klappte endlich das Stillen. Nach weiteren 2 Wochen durften wir nach Hause. Und ab da musste man auch “funktionieren”.

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Anni 6. November 2015 - 08:26

Tja, das ist so eine Sache. Beim ersten Kind ist das Wochenbett möglicherweise in dieser ausgiebigen Form realistisch. Aber spätestens beim zweiten Kind nicht mehr. Und ja man versucht unliebsamen Besuch gar nicht erst zu haben, aber manchmal lässt es sich nicht gut vermeiden. Der Mann kann auch nicht immer frei haben und die gewohnte Routine für die bereits vorhandenen Kinder soll weitestgehend aufrecht erhalten werden. Beim ersten Kind hatte ich von nichts eeine Ahnung und im Geburtsvorbereitungskurs den Teil Wochenbett/Stillzeit verpasst und mich auch nie damit beschäftigt. Ich konnte mich auch schlecht entspannen. Ich kam also mit Baby nach Hause und hab mir erst mal den Wäschekorb geschnappt. Beim nächsten Kind habe ich mir mehr Zeit gegeben und genommen; aber da war es schon nicht mehr so leicht. Die große Tochter wurde kurz nach der Geburt vier. Die Familie kam zum Feiern; den Kindergeburtstag wollten wir ihr auch nicht verwehren.
Ich finde es gut, dass Du für das Wochenbett wirbst; das ist wichtig. Mich hat es jedoch fast mehr unter Druck gesetzt, zu wissen, dass es gut für mich wäre, ich mich aber nicht in dem Ausmaß dran halte.
LG von Anni

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KARIN 8. November 2015 - 19:24

Also, ich finde den Text sehr schön, frag mich aber auch nach der Umsetzbarkeit bei Frauen, die mehr als ein Kind kriegen. Ich komme aus Österreich, bei uns kriegt der Vater rechtlich bei der Geburt einen einzigen Tag frei (meistens der der Entbindung), solange die Mutter im Krankenhaus ist (4-4 Tage im Regelfall), kann er Pflegeurlaub nehmen. Danach war es das mit der Unterstützung.
Ich habe im Juni mein 3. Kind gekriegt und bekam in der Schwangerschaft auch Tipps von einer Hebamme wie “Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf!”, “Aktivieren Sie Ihre familiären Ressourcen”, etc. Nicht jeder hat eine Großfamilie, ein Dorf im Hintergrund, Kleinfamilien sind der Trend, ich habe auch keine gute Freundin, die mir 6-8 Wochen die älteren beiden Kinder abnehmen hätte können. iebendgern hätte ich das WOchenbett eingehalten und es war mir auch nicht langweilig; bloß ha man nach einer spontanen Entbindung auch keinen ANspruch auf eine Familienhelferin. Mich ärgert, wie ich grade merke, die Formulierung “heiligeZeit” ziemlich. Wie soll ich denn eine Zeit heiigen, wenn die gesellschaftlichen Umstände das nicht so vorsehen??

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