Kinder zu ärztlichen Untersuchungen begleiten

Ein Besuch in der kinderärztlichen Praxis ist für Eltern und Kinder nicht immer einfach. Vielleicht ist das Kind generell eher vorsichtig und zurückhaltend und fühlt sich bei Untersuchungen unwohl. Vielleicht hat es auch schon einmal unangenehme Erfahrungen gemacht bei Vorsorgen oder medizinisch notwendigen Eingriffen.

Auch negative Erfahrungen der Eltern in der eigenen Kindheit oder später im Leben können einen Besuch in einer ärztlichen Praxis erschweren. Sowohl Vorsorgeuntersuchungen als auch medizinische Eingriffe wie Impfungen oder zahnärztliche Kontrolltermine treten im Laufe von Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben immer wieder auf. Darum ist es sinnvoll, einen möglichst entspannten Umgang damit zu finden. Und einmal in den Blick zu nehmen, wie man damit in der Familie umgeht.

Gerade dann, wenn sich Kinder in emotional aufgeladenen Situationen befinden oder außerhalb der bekannten Komfortzone bewegen, werden sich Eltern oft der unterschiedlichen Temperamentsdimensionen bewusst. Während einige Kinder neugierig und entspannt auf ungewohnte Situationen zugehen, sind andere abwartender bis ängstlich.

Kinder reagieren unterschiedlich

Auch das Schmerzempfinden und die Tröstbarkeit von Kindern können sich erheblich unterscheiden. Während für einige Kinder der kleine Pieks weniger schmerzt, kann das für andere eine durchaus schmerzhafte Erfahrung sein. Wichtig ist deswegen auch hier, dass wir das Kind da abholen, wo es sich selbst befindet. Und es so annehmen, wie es ist.

Kinder, die mehr Schmerzen haben oder ängstlicher sind, profitieren nicht davon, wenn wir ihnen sagen, dass etwas nicht weh tun würde. Oder sie keine Angst zu haben bräuchten. Wesentlich hilfreicher ist es, ihre Angst und ihr Empfinden anzunehmen. Und ihnen Angebote zu machen, wie sie selbst damit gut umgehen können.

Es ist manchmal eine Gratwanderung, Ängste nicht noch weiter zu schüren, aber dennoch ehrlich zu sein. Wenn wir wissen, dass eine Untersuchung oder ein Eingriff schmerzhaft sind, kann es das Vertrauen des Kindes verletzen, wenn wir vorher erklären, dass nichts daran weh tun würde und alles völlig in Ordnung sei.

Keine Ängste schüren, aber ehrlich sein

An dieser Stelle ist es besser, dem Kind zu sagen, dass es durchaus weh tun kann. Man aber selbst nicht wisse, wie sich das genau für das Kind anfühlen wird. In Ergänzung dazu kann dann gemeinsam überlegt werden, wie mit der Angst oder dem Schmerz umgegangen werden kann. Was hilft dir, wenn es weh tut? Brauchst du etwas? Was können wir vielleicht danach gemeinsam Schönes tun? Was hilft dir in dem konkreten Moment: meine Hand, ein Kuscheltier, dein Schnuffeltuch?

Wichtig ist es natürlich auch, mit dem Fachpersonal in der Kinderarztpraxis oder bei der Kinderzahnärztin über die Ängste des Kindes zu sprechen. Glücklicherweise sind viele ärztliche Praxen heute darauf eingestellt, mit den Schmerzen von Kindern achtsam umzugehen und Ängste aufzugreifen und zu beheben.

Es sollte Zeit dafür geben, damit Eltern im Vorfeld die Ängste des Kindes ansprechen können. Aber auch Zeit bei konkreten Eingriffen reserviert sein, damit auf die Angst vor Ort einfühlsam eingegangen werden kann. Viele Fachpersonen erklären genau, welche Schritte gemacht machen und versichern dem Kind, dass nichts gemacht wird ohne Vorankündigung, wenn das dem Kind wichtig ist.

Spritzen als Gesundheitsbienchen

Manchmal gibt es auch spezielle Angebote für Kinder, damit ihnen Ängste genommen werden, beispielsweise in Zahnarztpraxen, wenn die Kinder erst einmal ganz in Ruhe und im spielerischen Kontext selber erfahren können, welche Geräte es da gibt. Der Schlürfi saugt die Spucke ab und das Kind darf mal eine ganze Wassertasse damit aussaugen. Der Spritzi spritzt das Wasser raus und der Bohrer darf mal in der Hand gehalten werden, um zu spüren, wie das ruckelt.

Auch mit Spritzen gehen viele Ärzt*innen heute anders um als in früheren Zeiten. Da fliegt ein Gesundheitsbienchen daher, das Medizin in den Arm gibt. Das Baby bekommt ein besonders schönes Spielzeug in die Hand, um sich kurz darauf zu fokussieren. Und für besonders empfindsame Kinder oder bei häufigen Eingriffen gibt es betäubende Pflaster vorab.

Glücklicherweise hat sich die medizinische Behandlung von Kindern in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Sie hat heute oft wenig gemein mit dem, was Eltern vielleicht selbst einmal erlebt haben. Es kann hilfreich sein, dem Anteil der eigenen Angst an der Angst des Kindes nachzugehen: Habe ich selbst negative Erfahrungen gemacht, die mich besonders angespannt in die Situation gehen lassen?

Vor- und Nachbereitung sind hilfreich

Kinder spüren auch hier die Nervosität und Angst der eigenen Eltern – auch wenn sie nicht ausgesprochen werden. Wenn große eigene Ängste einen entspannten Umgang behindern, kann es sinnvoll sein, wenn das Kind von einer anderen nahen Bezugsperson begleitet wird, damit das Kind die Chance hat, entspannte eigene Erfahrungen zu machen.

Zusätzlich zu einem achtsamen Umgang mit den Gefühlen des Kindes und unserer eigenen kann auch eine gute Vor- und Nachbereitung hilfreich sein. Mit guten Kinderbüchern können wir darüber sprechen, was das Kind bei einer Untersuchung erwartet. Nicht weniger wichtig ist es, auch im Nachgang die Aufbereitung zu ermöglichen.

Vielleicht möchte das Kind mit uns, Kuscheltieren oder Puppen einmal nachspielen, wie es die Untersuchung oder den Eingriff erlebt hat. Vielleicht möchte es auch ein Bild darüber malen oder sich anders ausdrücken. All diese Formen des Umgangs mit dem Erlebnis sollten erlaubt sein, denn Kinder verarbeiten ihre Erlebnisse im Spiel und Miteinander. 

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