Legosteine in der Waschmaschine

von Christian

Letzte Woche haben wir mal wieder viele Waschmaschinenladungen mit dreckiger Wäsche gewaschen. Und eine mit Legosteinen, sicher verpackt in einem sauberen Kopfkissenbezug mit Reißverschluss. Legosteine, die irgendwann 1980 und in den Jahren danach produziert wurden. Es sind meine Legosteine, mit denen ich zahllose Stunden auf dem Boden gehockt und Dinge gebaut habe. Ich habe die geliebt, bis sie irgendwann auf dem Dachboden meines Elternhauses verschwunden sind, weil Dinge eben früher immer auf dem Dachboden verschwunden sind. Wir haben keinen Dachboden, aber bei uns verschwinden Sachen im Keller.

Eltern neigen dazu, Dinge aufheben zu wollen. Alle Eltern tun das, vermutlich auch deshalb, weil sie damit die Erinnerungen an schöne Zeiten konservieren wollen. Vielleicht wollten sie auch nur einfach etwas aufheben, mit dem dann die Enkel noch spielen können. Wie dem auch sei: Nicht alle Dinge, die unsere Eltern aufgehoben haben, lassen sich heute noch verwenden. Die Comics sind spröde geworden, die niedlichen Kinderschuhe mittlerweile knochenhart und die selbstgestrickten Wollpullis sind löcherig, aus der Mode oder beides. Aber aufheben ist trotzdem gut, man muss eben nur gucken, was man aufhebt. Das ist die große Kunst. Und Sachen kaufen, die sich aufheben lassen oder Generationen „überdauern“.

Dann schafft man echte Nachhaltigkeit, das geht nur eben nicht mit allen Produkten. Legosteine allerdings kann man ewig verwenden. Die Kids machen keinen Unterschied zwischen zwei Wochen oder 25 Jahre alten Klötzchen. Und das ist in mehrerlei Hinsicht wunderbar. Zuallererst bekommt man in jedem Augenblick, in dem man in diesem „alten“ Spielzeug wühlt, tatsächlich ein paar wunderbare Erinnerungen geschenkt, wenn man denn als Kind eine gute Zeit hatte. Ich konnte tatsächlich einzelne Legos mit relativ konkreten Momenten verknüpfen und mich zum Beispiel an schöne Tage erinnern, als meine Mutter noch lebte und ich zufrieden mit den Legos in meinem Zimmer auf dem Boden hockte und mir ferne Weltraumwelten baute. Auch ein guter Teil der Brio Holzeisenbahn hat die Zeit überdauert – und sowohl Anjas als auch meine Sachen mischen sich seither unter das „moderne“ Spielzeug.

Also: Gerade vor Weihnachten und den Wochen des Kommerzes sollte man auch mal darüber nachdenken, wie viel Dinge man wirklich kaufen muss und dass weniger nicht selten wirklich mehr ist. Und die Feiertage bei den Eltern unbedingt dazu nutzen, mal auf dem Dachboden oder im Keller nachzuschauen, was dort noch für Schätze lagern, die die eigenen Kinder womöglich genießen können. Ganz kostenlos.

7 Kommentare

Marleen 17. Dezember 2015 - 22:24

Ich hab mein lego und mein playmobil auch aufbewahrt. Hab das auch letztens von muttis Dachboden geholt. Das lego ging dann auch in beuteln in die Waschmaschine. Ist gut sauber geworden. Da ist sogar noch das lego von meiner Mama dabei. Beim playmobil habe ich aber sehr viel aussortiert. Das fand ich dann doch nicht mehr so schick.

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Katharina 8. Dezember 2015 - 15:13

Ich bin mitten in Berlin aufgewachsen, einen Keller hatten wir nicht und so war eigentlich immer klar, es muss ab und an aussortiert werden. Ich fand das als Kind nicht schlimm, ich hatte volles Mitbestimmungsrecht und ein paar wenige Sachen habe ich auch tatsächlich heute noch (ein Puppenhaus, das mein Opa damal für mich gebaut hat). Vieles ist aber (wie ich heute finde) leider nicht mehr da. Vieles habe ich selbst verkauft und mir dann davon als Kind neues gekauft. Heute ärgere ich mich darüber. Meinem Mann geht es ähnlich.
Ich möchte es bei meinen Kindern anders machen, mal sehen ob es mir gelingt. Der erste Schritt für uns dort hin ist, das wir versuchen nachhaltiges Spielzeug zu kaufen, bei dem immer mal etwas neues dazu kommen kann und dass möglichst lange bespielt werden kann: Duplo und nun auch Lego, Brio-Bahn und Holzbauklötze von Haba, die sich hervorragend mit der Murmelbahn kombinieren lassen. Aber natürlich werden auch wünsche erfüllt, die eventuell nicht so lange überleben, denn Kinder haben nur einen bedingten Sinn für Nachhaltigkeit 😉 Allen ein schönes Weihnachtsfest mit leuchtenden Kinderaugen.

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Lara 30. November 2015 - 16:01

Aufheben ist gut. Bei mir wurde früher alles verschenkt an andere Kinder ohne das ich gefragt wurde. Ich hatte nie einen Begriff davon wenn oder ob etwas wirklich mir gehörte, oder ob es nur “auf der durchreise” war. Deshalb fing ich in meiner Jugend auch an zu klauen. Ich hab alles mitgehen lassen was nicht angeschraubt war, Ware im Kaufladen, Spielzeug bei Freunden und Geld bei meinen Eltern.
Heute weiß ich natürlich das es falsch war. Aber ich weiß auch woran es lag. Bewahrt die Schätze eurer Kinder, Leute. Nicht die, die ihr selber toll findet, sondern die teilweise unmöglichen Sachen an denen eure Kleinen am meissten hängen.

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sb 30. November 2015 - 16:07

Bei uns wurde auch vieles weitergegeben (außer Lego und Playmobil), aber immer nur mit meinem Einverständnis. Und wenn z.B. Hörspiele ausgemustert wurden, durfte ich sagen, welche wegkönnen und welche ich behalten will, genauso bei Büchern und anderen Sachen. Ich hatte immer eine kleine Kiste, wo alte Sachen drin waren, von denen ich mich nicht trennen wollte. Oft habe ich sie ein Jahr später doch weggegeben.

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sb 30. November 2015 - 11:48

Ich hatte schon Legosteine von meinem Vater aus den 50ern und 60ern. Meine Kleine hat jetzt das Duplo aus meiner Kindheit und auch was eigenes dazu. Später bekommt sie dann das Lego von mir und meinem Vater.

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Andrea 30. November 2015 - 09:46

Ohhhh jaaa. Mein Sohn spielt liebend gern mit meiner alten, heiß geliebten Puppe. Und die Puppensachen, die meine Mama vor fast dreißig Jahren für sie gestrickt hat, existieren auch noch. <3

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Kiwimama 30. November 2015 - 09:12

Oh ja, die Legosteine von mir und meinen Geschwistern lauern auch immernoch bei meiner Mutter zu Hause und warten nur darauf, von Kiwi erobert zu werden 🙂 Meine Nichten haben damit früher auch schon gespielt. Auch sowas wie Gesellschaftsspiele und Holzbauklötze lagern noch auf Vorrat und ich wäre auch wirklich traurig, wenn die weggeschmissen worden wären, weil ich mich schon immer drauf gefreut habe, irgendwann mal meine eigenen Kinder damit spielen zu sehen 🙂

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