Mehr Holz auf den Scheiterhaufen der Hebammen

von Anja

Eigentlich halte ich die taz ja für eine der besseren und lesbaren Tageszeitungen. Doch vielleicht hätte ich mich schon wundern müssen, als vor ein paar Tagen in der Rubrik Streitfrage nach der persönlichen Meinung der Leser zum Thema Hausgeburt gefragt wurde. Ich kenne die Grabenkämpfe dazu und bin es bisweilen ein bisschen leid, immer wieder zu erklären, was eigentlich wichtig ist. Trotzdem habe ich ebenfalls ein Statement an die Redaktion geschickt. Und zwar folgendes:

„Meine Jahre als Kreißsaalhebamme haben mir leider bestätigt, dass die Klinik definitiv nicht unbedingt der sicherere Ort ist, um ein Kind zu gebären. Es ist einfach Glückssache, ob eine Hebamme kontinuierlich für mich da ist und damit auch eventuelle Risikofaktoren entsprechend schnell erkennt. Das gilt auch für die Ärzte, die zwischen OP, gynäkologischer Ambulanz und Kreißsaal hin und her springen.

Die vielen „lebensrettenden Eingriffe und Kaiserschnitte“ sind zum Teil hausgemacht. 
Es geht aber letztendlich nicht um den Geburtsort, sondern darum, was dort geschieht und wie gut, einfühlsam und respektvoll die Gebärenden begleitet werden. Eine Hebamme, die zwischen drei Geburten gleichzeitig hin und her rennt, kann einfach keine gute Betreuung gewährleisten. Das könnte sie weder zu Hause noch in der Klinik.

Es geht also nicht um ideologische Grabenkämpfe, sondern um eine gute Versorgung aller Mütter und ihrer Babys – egal wo. Doch die Bedingungen dafür werden in Deutschland gerade systematisch zerstört, so dass Fragen nach dem Geburtsort wohl in ein paar Jahren erst gar nicht mehr gestellt werden müssen…“

Hebamme und Mutter von drei Kindern (in der Klinik, im Geburtshaus und zu Hause geboren)

Hebammen sind keine Gewerbetreibenden

Generell freut es mich ja , wenn die Presse das Dilemma der Geburtshilfe in Deutschland aufgreift und bei der taz habe ich einen guten und differenzierten Artikel erwartet. Leider trat das genaue Gegenteil ein. Schon die Online-Ankündigung der heutigen Wochenendausgabe mit der Überschrift „Stirbt das älteste Gewerbe der Welt aus?“ irritierte mich sehr. Denn Hebammen sind keine Gewerbetreibenden, sondern freiberuflich tätig. Wir üben selbständig einen Beruf mit besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten aus und unterliegen keiner Gewerbeordnung.

Eine kurze Netzrecherche oder Anfrage bei einer Hebamme hätte diese falsche Überschrift verhindern können. Zudem ist der Begriff des „ältesten Gewerbes der Welt“ landläufig mit der Prostitution verbunden. Aber auch die wird ja meist von Frauen ausgeübt und dies oft unter schwersten Bedingungen. Mit der unpassenden Überschrift hätte man noch leben können, wenn danach nicht ein mehrseitiger Verriss der außerklinischen Geburtshilfe gekommen wäre.

Eingebettet ist das ganze in die wirklich tragische Geschichte eines kleinen Jungen, der nach einer abgebrochenen außerklinischen Geburt nahezu leblos geboren wurde. Er konnte reanimiert werden, ist aber als Folge eines Sauerstoffmangels schwerst behindert. Die taz-Autorin nimmt uns mit in den belasteten Alltag dieser Familie, die ihr drittes Kind seit nun acht Jahren zu Hause pflegt. Der Text geht nah. Ich bin selbst Mutter von drei Kindern…

Die Anklage zwischen den Zeilen

Der Geburtsverlauf des Kindes ist retrospektiv in die Geschichte eingebunden, primär aus Sicht der betroffenen Eltern. Die Hebamme selbst äußert sich nicht zu dem Fall. Doch es geht mir gar nicht darum anzuzweifeln, dass hier sehr wahrscheinlich medizinisch falsch gehandelt wurde mit dramatischen Folgen. Doch aus dem Geschriebenen klärt sich die alleinige Schuldfrage nicht, weil auch in der Klinik noch über eine Stunde verging, bevor die Geburt per Kaiserschnitt beendet wurde. Viele Fragen bleiben offen, aber auch darum geht es hier gar nicht. Die Beschreibung dieses Falls ist im Artikel immer wieder mit der aktuellen berufspolitischen Lage der Hebammen verknüpft. Was da zwischen den Zeilen über die außerklinische Geburtshilfe und auch allgemein über die Hebammen gesagt wird, ist sehr eindeutig.

Der Autorin ist scheinbar auch entgangen, dass es mitnichten „nur“ um die knapp zwei Prozent der außerklinischen Geburten in Deutschland geht. Auch in Kliniken arbeiten Hebammen. In Bayern arbeiten knapp 60 Prozent der Klinikhebammen im Belegsystem und damit freiberuflich.
Richtig abenteuerlich wird der Artikel aber an dieser Stelle:

„Jährlich landen etwa 100 Personenschäden nach außerklinischen Geburten vor Gericht. Das ist etwa jede hundertste außerklinische Geburt. In den meisten Fällen sind es Kleinigkeiten, bei denen Gerichte den Geschädigten bis zu 1.000 Euro zusprechen. Rund zwölf Fälle allerdings gelten als Personengroßschäden, in denen die Geschädigten mehr als 100.000 Euro bekommen.
Diese Zahlen dienen den Versicherern als Grundlage, ihre Beitragssätze zu berechnen…“

Auch falsche Zahlen wirken

Würde ich das als Schwangere lesen, bekäme ich große Sorge, wenn ich über eine außerklinische Geburt nachdenke und lesen muss, dass jede 100. Geburt vor Gericht landet. Die zwölf genannten Schadensfälle beziehen sich aber auf alle Geburten die durch freiberufliche Hebammen begleitet wurden, also auch die Klinikgeburten. Dies ergibt ein völlig anderes Bild. Für die Schadensfälle durch von angestellten Gynäkologen, Belegärzten oder auch angestellten Hebammen verursachten Fehler gibt es gar keine konkreten Zahlen. Diese Zahlen wären aber wichtig, um objektiv zu vergleichen, wie es generell mit der Sicherheit in der Geburtshilfe aussieht. Doch für diesen Artikel wurde scheinbar überhaupt nicht mit Geburtshelfern gesprochen, sonst hätte es nicht zu solchen eklatanten Falschaussagen kommen können. Auch eine Anfrage beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaft hätte hilfreich sein können. So bekam die Elterninitiative Hebammenunterstützung folgende Antwort vom GDV auf Nachfrage nach den Ursachen für die drastische Erhöhung der Versicherungsprämie: „Entscheidend für die heutige Situation ist die Entwicklung des Schadenvolumens: Von 2003-2012 stiegen die Kosten für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent.“ Die Anzahl der Schadensfälle ist also nicht gestiegen. Zudem gibt es zu den im Artikel genannten Zahlen weder konkrete Angaben der GDV zum Geburtsort, noch ob der Schaden bei der Geburt oder im anschließenden Wochenbett entstanden ist. Deshalb ist wohl auch keine nachvollziehbare Quelle genannt..

Auch wenn ich und sicher viele Kollegen und einige Eltern wissen, dass die im Artikel genannten Zahlen falsch sind – die Mehrheit der Leser wird es einfach glauben. Und sich denken, wie gut dass diese riskante Variante der Geburtshilfe sich nun scheinbar endlich selbst abschafft. Zahlen wirken, auch falsche. Das haben wir anhand von Studien gesehen, die jahrelang die spontane Geburt aus Beckenendlage fälschlicherweise als wesentlich riskanter gegenüber einem Kaiserschnitt einstuften oder aber auch, als etliche Mütter mit der Studie zum Eisenmangel bei Stillkindern verunsichert wurden.

Ich habe in meiner Arbeit täglich damit zu tun, die Ängste von Eltern zu relativieren, weil in der Apothekenzeitschrift oder an anderer Stelle wieder etwas stand, was einfach nicht stimmt. Doch im heutigen Fall betrifft es mich selbst und ich merke, wie es mich wütend und irgendwie hilflos macht. Gefühlt rechtfertige ich unseren Beruf seit Jahren, auch auf diesem Blog immer wieder. Vielleicht werden mich Leute auf den taz-Artikel ansprechen und man kann es erklären. Doch die meisten werden es lesen und glauben, was da steht. Weil sie unterstellen, das gut recherchiert wurde. Was nicht der Fall ist. Sie werden denken, dass außerklinische Geburten hochgefährlich sind und Hebammen recht häufig schwere Fehler in ihrer Arbeit unterlaufen und sie deshalb zu Recht keiner mehr versichern will.

Vorurteile und Falschaussagen

Artikel wie diese werden auch wieder etliche Kolleginnen dazu bewegen, den Hebammenkoffer endgültig hinzuwerfen. Einen Beruf, mit dem man sich finanziell ohnehin nur mehr schlecht als recht nur über Wasser halten kann, auch noch ständig gegen Vorurteile und Falschaussagen verteidigen zu müssen, macht mürbe. Auch ich merke, wie ich immer müder werde, solche Artikel zu lesen und noch etwas dazu zu sagen. Oft spüre ich eine richtige Hilflosigkeit gegenüber der Macht der Medien, der Lobbyisten und der Politik. Der Mehrheit ist es scheinbar völlig egal, wie gut begleitet unsere Kinder ins Leben kommen oder wie es Müttern nach der Geburt geht. Doch wenn das so weiter geht, wird man ohnehin bald nur noch über die Hebammen aus der Retrospektive schreiben können. Einfach weil es dann keine mehr gibt…

Das Bild zu diesem Artikel zeigt einen Screenshot der taz-Website vom 12.12.2014. Das dort zu sehende Bild wurde nach Rücksprache mit einer taz-Redakteurin zwischenzeitlich auf der taz-Website geändert. Das Bild eines beatmeten, zu früh geborenen Kindes ist im Kontext mit der außerklinischen Geburtshilfe völlig zusammenhangslos, weil außerklinische Geburten erst ab der 37+0 Schwangerschaftswoche möglich sind. Ich bezweifle allerdings, dass das jeder Leser sofort durchschaut und bin deshalb dankbar für die Bildänderung.

Passend zum Thema

15 Kommentare

Bernhard Münzer 7. Januar 2015 - 21:55

Heute Abend habe ich für meine Frau einen besorgten Anruf vom Abonnentenservice der taz entgegengenommen.
Offenbar hatten noch mehr Hebammen den Artikel als Grund für eine Kündigung ihres taz-Abos angegeben.

Bei der taz hatte es wohl aufgrund der Kündigungen eine interne Diskussion über den Artikel gegeben; dort hatte keiner den Artikel als Polemik gegen Hausgeburten empfunden und war erstaunt, dass Hebammen offenbar so empfindlich reagierten.

Offenbar ist augenblicklich die offizielle taz-Linie: Der Artikel war wohlwollend gemeint; es sei bedauerlich, dass für die im Artikel genannten Zahlen nicht der korrekte Kontext genannt wurde und deswegen ein falscher Eindruck entstehen könne, aber technisch gesehen stehe dort keine falsche Tatsachenbehauptung und es gebe deswegen auch keinen Grund für eine Richtigstellung.

Mein Gesprächspartner räumte schließlich ein, dass es wohl nicht aussichtsreich wäre, mich zu einer Rücknahme der Kündigung zu bewegen und meinte, ich brauche wohl erst mal eine „tazPause“.

So richtig zufrieden war am Ende wohl keiner von uns beiden.

Antworten
Wir am Wochenende – 13. und 14. Dezember 2. Januar 2015 - 21:15

[…] verdirbt mir am Samstagmorgen der taz-Artikel zum Hebammendilemma die Kaffeelaune. Werde demnächst nur noch die Bilderbücher und höchstens noch die Gala im […]

Antworten
Frida Maria 16. Dezember 2014 - 11:59

Leider wird das Thema Schwangerschaft und Geburt (meiner Meinung nach) unglaublich verzerrt wahrgenommen.

Der Druck auf Frauen bei dem Thema ist enorm und wird von Feministinnen seltsamerweise fast gänzlich ignoriert. Den Frauen wird (vielleicht unbeabsichtigt) aber systematisch Angst gemacht bei diesem Thema. Der Artikel der TAZ gießt Öl in Feuer dieser Angstmacherei und der Abwertung des Hebammenberufes. Das das nicht förderlich ist den Hebammenberuf zu retten wurde oben schon mehrmals angesprochen.

Zur angeblich immer sicheren Klinikgeburt ist schon genug gesagt worden, aber ein Punkt erscheint mir noch ganz wichtig und en möchte ich mit Euch teilen und hoffe es regt den ein
oder anderen Hebammen-unnötig-Finder zum Nachdenken an:

Wenn eine Frau im Krankenhaus nicht schnell genug entspannen kann und ihr Kind nicht bei drei geboren hat, wird interveniert, das ist Euch ja bekannt. Die Ärzte drohen mit dem Tod des Kindes und schon ist jede Mutter bereit alles über sich ergehen zu lassen. Außerdem kann von der Mutter unter Wehen und auch aus fachlichen Gründen nicht beurteilt werden, was medizinisch angebracht ist und was nur zur Absicherung dient (rechtliche Absicherung wegen Regresskosten).
Also stimmen die Frauen zu, voller Angst um ihr Kind. Um das Erlebte besser integrieren zu können, glauben die Mütter und auch die Vater nur all zu gerne ganz fest daran, dass es ja nötig war, denn sonst wäre das Kind ja gestorben.
Die Zusammenhänge zwischen Stress, Interventionen und Gefährdung für Mutter und Kind werden überhaupt nicht wahrgenommen. Enden Geburten nach den sogenannten Interventionskaskaden glimpflich und/oder im Kaiserschnitt sehen das Eltern und oft auch das Klinikpersonal als Beweis für die „Gefährlichkeit“ des Gebärens an. Für das Klinikpersonal werden solche Geburten zum Normalzustand, also schein es normal zu sein, dass Frauen nicht gebären können. Das wird dann auch so innerhalb von Familie und Freundeskreis weitergegeben. Die Angst wird aufrecht erhalten weitergegeben und in übersteigerter Form fortgepflanzt. Ein sich selbst erhaltender Kreislauf…

Forschung in der klinischen Geburtshilfe gibt es (nach meiner „Recherche“)nur wenig. Es wird in vielen Häusern seit Jahren einfach immer das Gleiche gemacht, weil man das „immer schon so“ gemacht hat. Der gewünschte Effekt bleibt seltsamer weise meistens aus. Das liegt dann aber natürlich nicht an der fehlenden evidenzbasierten Medizin sondern am unzulänglichen Körper der Frau. (Beispiel: Das sich während einer Geburt ein Muttermund grundsätzlich und immer 1 cm in der Stunde öffnen muss, wurde als Richtlinie in den 50er Jahren festgelegt und soweit ich weiß nicht mehr kritisch hinterfragt sondern in der Krankenhauspraxis beibehalten, seit dem.)

Wer gut recherchiert wird auch das herausfinden: Als es modern wurde den Gebärenden das Kind während der Geburt rumzudrehen um es dann an den Füßen (!) herauszuziehen, verkauften das die damaligen Ärzte auch als eine hochmoderne, wissenschaftliche und einzig richtige Art zu gebären. Und: NEIN. Die Zeiten haben sich nicht geändert. Die Menschen glauben immer in ihre jeweiligen Epoche wäre die Spitze der Heilkunst erreicht und nie ist es war. Das 19. Jahrhundert sitzt uns noch tief in den Knochen mit seiner unsägliche Sicht auf Frauenkörper, Hebammen und die Weiblichkeit im Allgemeinen.
Ich habe leider nicht die Zeit alle meine Behauptungen mit Quellen zu belegen und zu zitieren.

Wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei folgendes Buch als einstieg ans Herz gelegt: „Gebären ohne Aberglaube: Fibel und Plädoyer für die Hebammenkunst“,
Von Alfred Rockenschaub, ehemaliger Leiter der Ignaz-Semmelweis Frauen Klinik in Wien 1965 bis 1985 und ist seit den Sechzigerjahren Dozent für Geburtshilfe/Gynäkologie an der Universität Wien und Lehrer an der Hebammenlehranstalt und -akademie in Wien. Schwerpunkte seiner Arbeit sind hygienische Probleme und endokrinologische Gesichtspunkte der Geburtshilfe.(Sectioquote unter seiner Leitung: 1 % bei 44000 Geburten (nein kein Schreibfehler…) 😉 ).

Noch etwas zu dem ewigen Totschlagargument, dass Frauen „früher“ bei der Geburt „ganz oft“ verstorben sind“ :
Was heißt früher? Wann genau? Woran sind die Frauen denn gestorben? Wie viele sind tatsächlich gestorben? Wer hat die Frauen „früher“ entbunden? Auf welche weise wurden die Frauen entbunden? Wie waren die sozialen Bedingungen? Bestehen die Gefahren von „früher“ noch?

Weiteres Gegenargument: „In Drittweltländern sterben auch ganz viele Frauen und Kinder weil keine Krankenhäuser in der nähe sind.“ Wirklich? Oder liegt es vielleicht daran, dass es keine ausgebildeten HEBAMMEN gibt? Das die Frauen durch Beschneidung vernarbt sind? Oder gar an Unterernährung, unhygienischen Zuständen oder sozialen Missständen? Krieg? Armut?

Eigentlich fehlt nur noch die Mär vom engen Becken… ach ich lass es jetzt einfach. Ich habe das Gefühl gegen Windmühlen anzukämpfen. Im Jahr 2014 schreibt eine Jornalistin die nicht in der Geburtshilfe arbeitet über das Klischee vom unzulänglichen Frauenkörper, der ebenso wie das Ungeborene „gerettet“ werden muss im Krankenhaus von Ärzten, so das Hebammen quasi überflüssig sind…

Und JA es gibt Problem-Schwangerschaften und JA Geburten KÖNNEN eine Gefahr darstellen.
Und JA ich bin froh, dass es die moderne Apparatemedizin mit Frühchenstationen gibt.

Aber vor allem bin ich froh, das es einfühlsame HEBAMMEN, Blutkonserven, Antibiotika und Desinfektionsmittel in der Geburtshilfe gibt. 😉

Liebe Hebammen lasst Euch nicht unterkriegen!

Antworten
Anna 15. Dezember 2014 - 11:52

Liebe Anja!
Danke, dass Du Dich trotz Verteidigungsmüdigkeit noch äußerst und versuchst den Scherbenhaufen aufzukehren.
Du hast Recht: Es ist eine Hexenjagd 2.0.
Ich denke da auch an den Prozess mit Totschlagsurteil einer Kollegin. Hebammen sind und waren immer irgendwie bedrohlich für viele Menschen( wahrscheinlich vor allem Männer), weil sie die Frauen in ihren ureigenen Kräften gestärkt haben. Und starke Frauen will niemand so wirklich..!
Ich gebe dennoch nicht auf! Solange Frauen Kinder kriegen wird es Hebammen geben. Und trotz der ganzen Misere ist es einfach das schönste und sinnvollste 2 Menschen zusammenwachsen zu sehen( Mutter und Kind) und zu erleben zu wieviel Liebe und Hingabe ein Mensch fähig ist. Diese Stärke wird auch uns am Leben erhalten!
Liebe Grüße!

Antworten
Katharina 14. Dezember 2014 - 23:27

Liebe Anja,
sende doch den vollständigen Text aus deinem Blog-Eintrag als Leserbrief an die TAZ mit der Aufforderung, dass die falsch dargestellte Faktenlage in der nächsten Ausgabe richtig gestellt wird.

Vermutlich wird das nicht alle Leser des o. gen. Artikels erreichen, aber zumindest sollte die Zeitung sich öffentlich zu ihrer schlechten Recherche bekennen!

Antworten
Maike 14. Dezember 2014 - 23:15

Ich habe aufgrund dieses Artikeld auch sofort einen Leserbrief geschrieben und verstehe nicht, wie so etwas passieren kann. Gibt es in der taz-Redaktion keine Mutter oder Vater, die sich etwas besser mit diesem Thema auskennt als die Verfasserin? Soviele Fehler – und das fängt beim Foto an. Das erinnert mich an diesen Fernsehkommentar, wo ständig ‚Fehler bei der Geburt‘ statt ‚Fehlgeburt‘ gesagt wurde.
Das ist doch peinlich! Und traurig.

Antworten
Maike 14. Dezember 2014 - 23:20

Umgekehrt! 🙂
Es wurde Fehlgeburt gesagt, statt Fehler bei der Geburt. Na, wenigstens lese ich meine Texte nochmal gegen!

Antworten
Petra Sood 14. Dezember 2014 - 15:08

Die TAZ zeichnet sich bei Frauenthemen oft durch Unkenntniss, Desinteresse oder was kann das sein, aus.

Antworten
Maria 14. Dezember 2014 - 13:19

Die Überschrift „Stirbt das älteste Gewerbe der Welt aus?“ ist einfach nur dreckiger Journalismus und es braucht niemand zu sagen, daß die keine Absicht war.

Mit Erstaunen las ich dies: “ So bekam die Elterninitiative Hebammenunterstützung folgende Antwort vom GDV auf Nachfrage nach den Ursachen für die drastische Erhöhung der Versicherungsprämie: “Entscheidend für die heutige Situation ist die Entwicklung des Schadenvolumens: Von 2003-2012 stiegen die Kosten für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent.” “ Ich frage mich, wie ein Anstieg des Schadenvolumens von 80% innerhalb von 10 Jahren eine mehr als Verdreifachung (2003 – 1352,56 Euro , ab Juli 2012 – 4242,45 Euro bzw. 5302,64 Euro (ohne bzw. mit Vorschaden) Zahlen von hier http://www.hebammenfuerdeutschland.de/hintergrundwissen) der Versicherung rechtfertigt?

Antworten
Bernhard Münzer 15. Dezember 2014 - 11:36

Versicherungsmathematisch ist das durchaus gerechtfertigt; es gibt nämlich einen Rückkopplungseffekt, der diese Entwicklung verstärkt.
Durch die höheren Beitragssätze steigen nämlich immer mehr Hebammen – vornehmlich die, die wenige Geburten im Jahr betreuten – aus der Geburtshilfe aus. Die verbleibenden, noch geburtshilflich arbeitenden Hebammen betreuen dann eben mehr Geburten pro Jahr (und können dann evtl. Vor- und Nachsorge für Frauen, die in der Klinik gebären, nicht mehr übernehmen).
In Nürnberg arbeiteten beispielsweisenoch 2011 16 Hebammen in der außerklinischen Geburtshilfe, ein Jahr später hatten außer 4 Hebammen alle aufgegeben.
Die Versicherungen hätten somit das gleiche Risiko zu versichern, das sie aber auf weniger BeitragszahlerInnen verteilen müssen.

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Neumann 14. Dezember 2014 - 12:06

Als ich schwanger wurde habe ich mich ganz bewusst für den natürlichesten Weg entschieden, den ich meinem Baby bieten und den ich verantworten konnte! So wurde ich bereits ab der 7. SSW sehr kompetent und umfassend betreut! Für mich war selbstverständlich, dass ich unser Baby auch dort zur Welt bringe! Lediglich die Ultraschalluntersuchungen hat der Gynäkologe gemacht. Auch gegen jegliche Extrauntersuchungen aufgrund meiner ‚Risikoschwangerschaft‘, wie das ab 35 heißt, haben wir verzichtet. Das Geburtshaus hat mit uns eine ausführliche Anamnese durchgeführt und uns darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir bei Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt mit einer Abgabe der Betreuung, bzw Verlegung rechen müssen. Die Geburt verlief schnell, aber dennoch so wie gewünscht! Ich habe mich in der mir vertrauten Umgebung, betreut von drei Hebammen sehr sicher gefühlt! Außerdem wurde auf unsere im Geburtsplan angegeben Bedürfnisse absolut Rücksicht genommen. Leider konnte ich meinem Baby, das es sehr eilig hatte auf die Welt zu kommen dennoch nicht die angemessene Ruhe vermitteln, sodass es grünes Fruchtwasser in der Lunge hatte. Der Notarzt wurde sofort gerufen – seit dessen Eintreffen wurde alles anders! Während sich ca 5 fremde Männer in dem Geburtszimmer zusammendrängten und mein Baby begutachten, versuchte ich noch auf die Schnelle die Plazenta zu gebären! Danach wurden wir ins 5 Minuten entfernte Krankenhaus gebracht! Ich will nicht auf alles eingehen was ich dort erleben musste, das Krankenhaus wird noch einen entsprechenden offenen Brief von mir bekommen, aber so viel Fremdbestimmung, veraltetes Wissen und Entscheidungen, angeblich zu Gunsten des Kindes, wie im Krankenhaus hatte ich noch nie erlebt und will ich auch nie wieder erleben! Ja, ich bin dankbar das die Lungenentzündung meines Kindes geheilt wurde, aber ich sehe sehr viel mehr Verschulden z.B. im Verhalten der Notärzte (mein Kind war erst ca eine Stunde!!! später in der Neo) und in dem unmenschlichen Verhalten im Krankenhaus, dass es meinen Baby zuerst so schlecht ging. Wir wünschen uns noch ein Kind – sollte die Möglichkeit einer selbstbestimmten Geburt im Geburtshaus jedoch aufgrund der Problematik nicht mehr gegeben sein und ich gezwungen werden mein Baby im Krankenhaus auf die Welt zu bringen, werde ich dem Staat keinen weiteren Steuerzahler schenken! Aus diesem Grunde finde ich Artikel, die die aktuelle Entwicklung unterstützen wollen absolut unangemessen! Wir brauchen Hebammen, besonders solche die Schwangeren ein Gefühl von Sicherheit für eine Situation mir auf den Weg geben, in der sie sich der Natur völlig ausliefern müssen.

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Stella 14. Dezember 2014 - 23:06

@ Neumann: Ohne Worte… natürlich sind die Ärzte und das Krankenhaus schuld, dass es Ihrem Kind zunächst so schlecht ging. Dass es ganz einfach das grüne Fruchtwasser war – nicht mehr und nicht weniger – scheint zu simpel?!

Antworten
Jaques 14. Dezember 2014 - 11:33

Blauäugig, die „Taz“, tatsächlich als „[bessere] und [lesbare] [Tageszeitung]“ zu bezeichnen!

Die Linken haben kein Interesse daran, die Kindeserziehung von elterlicher Hand zuzulassen. Ihnen wird immer ein Anliegen sein, Kinder frühestens im Kleinkindalter in die „KiTa“ zu schicken und somit den Eltern schnellstmöglich zu entreißen.

Die Eltern sind nur noch zum Kinderkriegen da und nicht mehr zur Erziehung ihres Nachwuchs. Deswegen schon alleine wird der Staat ein Interesse am Aussterben einer ganzen honorigen Berufsgruppe haben!

Von Geburt an, bis zum Sterbebett wird man in „staatlicher Obhut“ zu leben haben. Selbstbestimmung Fehlanzeige…

Also bitte nicht zu blauäugig sein, sonst schaut man schon bald mit dem Ofenrohr ins Gebirge!

Jaques, ein junger Familienvater.

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Mascha 14. Dezember 2014 - 00:20

Danke (!) für diese Stellungnahme. Viel lieber hätte ich Deinen Kommentar heute in der TAZ gelesen – diese drei bewegenden Seiten über eine abgebrochene Geburtshausgeburt, die so viel suggerieren, verwoben mit diesen Fehlinformationen und obendrein ungeschickt verknüpft mit der Hebammenhaftpflichtproblematik („Die Hebamme entscheidet sich zu verlegen. Zu spät […]. 8:12 Uhr: Anruf bei Rettungsleitstelle. Die Hebammenverbände haben im Sommer gedroht: Wenn uns die Politik nicht hilft, …“) – es ist nicht nur Holz auf den Scheiterhaufen, es ist ein Schlag ins Gesicht. Und zwar für jede gebärende Frau, wenn die ‚dahinterstehende‘ Frage aufgeworfen wird: „Ist die Geburt eines Kindes eine Privatentscheidung?“
Wir haben uns in mehreren Gruppen heute ausgetauscht: Es wird Folgen haben, dass eine Zeitung wie die TAZ in diesem Stil, in diesem Umfang (!) und dabei so schlecht recherchiert schreibt.
Die Hilflosigkeit, von der Du sprichst – ist heute noch etwas mehr geworden. Mich hat es eigentlich einfach nur sprachlos gemacht…, ja und auch müde, sich hierzu zu äußern. Wie oft wurden jetzt schon Fakten ausgetauscht, Märchen widerlegt… Und am Ende bleibt wirklich die (Deine) Frage: Ist es der „Mehrheit…scheinbar völlig egal, wie gut begleitet unsere Kinder ins Leben kommen oder wie es Müttern nach der Geburt geht“? Das wäre doch mal eine Streitfrage!

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Patrizia 13. Dezember 2014 - 22:21

Der Mehrheit ist es nicht egal, sie weiß es nur nicht. Es ist „normal“ ein Kind im Krankenhaus zu bekommen, ich dachte das auch immer bis ist selber schwanger war. Und dann wird einem natürlich sofort Angst gemacht, damit man auch ja ins Krankenhaus geht. Vor einer Schwangerschaft haben die meisten Menschen doch noch nie von freiberuflichen Hebammen gehört. Das man Kinder zuhause bekommt, das wird auf mindestens anno 1900 geschoben, wenn nicht gleich ins Mittelalter.
Ich glaube das ist ein wichtiger Punkt, an dem die Hebammen und wir alle ansetzen können – der breiten Masse Aufklärung und Sicherheit geben. Sonst hält man euch Hebammen wirklich bald für Hexen oder Kräuterfrauen.

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