igitt, Kochen, One-Pot-Drama

„Warum kochst du sowas igittiges?!“

von Christian

Ich koche gerne – und sicherlich auch halbwegs anständig, das werden auf Anfrage mehrere Quellen unabhängig voneinander bestätigen. Hoffentlich jedenfalls. Ich habe ein Faible für Risotto-Varianten, mag asiatische Wok-Gerichte, Eintöpfe und leckere Salate. Komplexes Essen habe ich mir im Alltag abgeschminkt, denn hier essen viele Kinder mit.

Und gerade kleinere Kinder essen gerne überschaubar beziehungsweise schätzen ihr Essen streng voneinander getrennt. Ich habe meine dreijährige Tochter schon mit einer ihr sonst eher fremden Ruhe einzelne Erbsen aus meinem Risotto picken sehen, damit das einzig grüne Element verschwindet. Immerhin hat sie den Rest gegessen. Sie hatte aber auch mal eine lange Phase, in der sie sich fast ausschließlich von Nudeln mit Pesto und Apfelschnitzern ohne Schale ernährt hat, zumindest bei uns zuhause. Ich lese trotzdem gerne Kochbücher und Food-Blogs und lasse mich inspirieren.

Dann ist da dieser Samstagabend. Ich hatte gekocht. One-Pot-Pasta – und ich hätte es vorher wissen müssen. Erster Fehler: Die Zutaten sind natürlich nicht voneinander getrennt. Zweiter Fehler: Es gibt mehr als drei Zutaten. Nun, man kann es ja mal wagen, immerhin mag der kleinste Esser mittlerweile ganz gerne so Sachen wie Paprika oder Smoothies mit mehr als vier Zutaten. Also habe ich Frühlingszwiebeln und Knoblauch angeschwitzt, Zucchini, Karotten und rote Paprika gewürfelt, alles in den Topf getan und Penne reingeworfen. Dann noch einen halben Liter Tomaten aus der Dose dazu und 300 ml Hafermilch. Und ein bisschen Curry, Pfeffer und Salz. 15 Minuten köcheln lassen und fertig.

„Das ist das ekeligste, was du je gekocht hast“

Das Resultat sieht lecker aus, duftet gut. Ich stelle Teller auf den Esstisch, den Topf mit den Nudeln in die Mitte. Rufe die Family zum Essen – und alle kommen. Klappt auch nicht immer, aber das ist eine andere Geschichte.

Der kleine Sohn ist der letzte. Er setzt sich hin, bäumt sich dann etwas auf, schaut in den Topf und dann: „Ihhhhhhh!!!!!“ Ein schriller Schrei. „Das ist das ekeligste, was du je gekocht hast“. Der Satz danach kippt schon ins Weinerliche. „Warum kochst du sowas igittiges?! Das ist ekelig.“ Dann rennt er meckernd in die Küche. Die Klarheit der Worte schockiert mich.

Anja kann sich das Lachen kaum noch verkneifen. Die große Schwester liegt innerlich schon am Boden, reißt sich aber erstaunlich gut zusammen. Ich schaue offenbar verzweifelt, denn meine andere Tochter steht jetzt auf, nimmt mich in den Arm und sagt: „Papa, ich mag dein Essen, ehrlich jetzt.“ Ich nicke, wohlwissend, dass das vielleicht sogar stimmt. Und schreibe mir hinter die Ohren, dass ich das nächste Mal wieder die Nudeln getrennt von den Zutaten koche und serviere. One-Pot-Pasta, wer hat sich den Quatsch eigentlich ausgedacht…

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10 Kommentare

Heidi 5. Mai 2017 - 20:24

Irgendwie tröstlich, dass andere Familien das gleiche Dilemma kennen: Für die Eltern ist One-Pot-Pasta ein Geschenk des Himmels an wuseligen Tagen und der Nachwuchs braucht’s separat…
Und wenn ich dann in 20 Jahren alle Freiheiten habe, so viele One-Pot-Pasta-Gerichte zu kochen wie ich möchte, dann habe ich auch wieder Zeit und Muße für ausgefallenere Sachen. Hat sich das jemand bei der Erfindung überlegt?
Vielen Dank für den Lacher am Abend 🙂

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Johanna 2. April 2017 - 00:24

Sowas würde mir nicht EINFALLEN, die Nudeln einfach in die Soße oder das Gemüse zu tun. Aber ich habe nur den einen Jungen da ist es leichter den Überblick zu behalten. Im Kindergarten hat er nun allerdings das erste Mal Nudelsuppe probiert und war begeistert von der Idee. “Nimmt man einfach Nudeln, tut sie in die Suppe, schwups schon hat man Nudelsuppe!” Vielleicht kann ich dann unser Speisen-Repertoire auch zuhause wieder erweitern. Aber ich glaube bei Curry wäre ich schon noch eher vorsichtig.

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Doro 31. März 2017 - 08:32

Wie habt ihr eigentlich auf Euren Sohn reagiert? Und hat er an dem Abend noch was gegessen?

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Christian 31. März 2017 - 22:22

Wir haben ihn machen lassen. Er hat sich in der Küche Haferflocken mit Apfelmark gemischt, sein Lieblingsfrühstück. Da sag ich dann mal: Igitti!!!

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Doro 2. April 2017 - 14:34

Unsere Tochter ist da im Moment sehr pflegeleicht. Sie ißt fast alles. Auch asiatische Nudelvarianten. Sie besteht nur vehement darauf, dass sie selbst rausschöpft. Wehe Papa oder Mama vergessen das im Eifer des Gefechts.
Mit 11 Monaten durfte allerdings noch gar nichts stückiges im Brei sein. Das wurde sofort wieder ausgespuckt. Der Kinderarzt fand das damals sehr befremdlich und riet mir dazu, Druck zu machen. Zwei Monate später aß sie dann aber doch einfach so am Familientisch mit.

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KriMaEm 31. März 2017 - 06:31

Tja, unser Sohn hat es anders gelöst, er isst einfach gar keine Sausen mehr. Es könnte ja was drin versteckt sein. Pesto geht manchmal. Meistens nur Ketschup. Muss mal nen Selbstgemachten versuchen…

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CarpeClaudiem 30. März 2017 - 11:17

Bei uns wird das Gemüse püriert in der Soße versteckt… was da dann alles an Gemüse durchgeht bei den Kindern… geht mit Tomatensoße, aber auch mit anderen Soßen…
Da wir eine Küchenmaschine haben, die auch anschwitzen und kochen kann, ist das bei uns kein zusätzlicher Aufwand mehr. Früher sind uns beim pürieren der Zwiebeln mit dem Mixstab auch mal Tränen gelaufen…

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Miriam 30. März 2017 - 09:50

Da musste ich dann doch lachen. Als das hier der Papa mal wagte ein aehnliches Gericht zu zaubern, rief der liebe Sohn nach einer aehnlichen Reaktion bie beiden Omas & Opas an, um dort sich gleich weiter zu beschweren. Danach wachte er mehrere Tage beim Kochen mit Argus-Augen am Herd, um sicherzustellen, dass nicht wieder was vermischt wird, was vermischt werden darf.

Herzlichste Glueckwuensche auch zur Geburt eurer Tochter.

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Key 30. März 2017 - 22:20

Womit die perfekte Berufswahl sichergestellt ist: Controller

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Katharina 30. März 2017 - 09:49

Herrlich!

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