Hebammen verschwunden

Wo sind all die Hebammen hin?

von Anja

Als ich auf dem Weg zum Hausbesuch zu einer Schwangeren war, fiel mir auf, dass ich schon seit Ewigkeiten unterwegs keine Kolleginnen mehr treffe. Natürlich sehe ich meine Vertretungskolleginnen regelmäßig. Aber einfach so auf der Straße begegne ich kaum noch Hebammen. Klar, sind diese nicht alle beschriftet. Aber in der Regel sind es die typische Hebammentasche oder das „Hebamme im Einsatz“- Schild an Auto oder Fahrrad, die den Beruf verraten.

Außerdem kenne ich viele Hebammengesichter aus Fortbildungen und von ähnlichen Veranstaltungen. Da wir Hebammen ja recht viel unterwegs für die Hausbesuche sind, läuft man sich eigentlich immer mal über den Weg – gerade in einer Gegend wie Prenzlauer Berg, in der es nun mal viele Schwangere und Babys gibt. Aber seit geraumer Zeit passiert das irgendwie nicht mehr…

Während man über die ausbleibenden Begegnungen auf der Straße ja noch mutmaßen könnte, dass das zufällig so sei, sprechen andere Sachverhalte ganz konkret dafür, dass das „Hebammensterben“ schon längst in vollem Gange ist. Allein in meinem direkten Umfeld fallen mir spontan mindestens sieben Kolleginnen ein, die unmittelbar aufgehört haben, als Hebamme zu arbeiten oder dies bis Jahresende geplant haben.

Hebammensuche schon vor der Empfängnis

Sämtliche Hebammenpraxen und Geburtshäuser suchen permanent und Hände ringend nach neuen Kolleginnen. In den Kreißsäalen der Kliniken sieht es oft nicht anders aus. Und das mittlerweile nicht mehr nur dann, wenn jemand aus dem Team wegen Schwangerschaft oder gar nicht so selten auch wegen eines Burnouts ausfällt. Viele Hebammen hören einfach ganz auf, studieren etwas anderes oder kehren in ihre vorherigen Berufe zurück. Selbst in dem Café, in dem wir gerne unsere Teamtreffen machen, steht nun eine ehemalige Hebamme hinter der Bar. Mit diesem Job kann sie nach eigener Aussage wesentlich einfacher und stressfreier ihr Studium finanzieren, erzählte sie. Und das, obwohl man im Gastronomiebereich sicherlich auch nicht überbezahlt wird.

Und dann sind da die Anfragen der Frauen. Mittlerweile wissen viele, dass man sich recht früh um eine Hebamme kümmern muss und das nicht nur, wenn man eine außerklinische Geburt plant oder eine Beleghebamme sucht. Doch häufig ist man auch jenseits der zwölften Schwangerschaftswoche schon zu spät dran. Wie oft steht mittlerweile in den Anfragen so etwas wie „Suche verzweifelt…“ oder „Habe schon über zehn Hebammen erfolglos angeschrieben…“

Kürzlich bekam ich sogar die Anfrage einer Frau, die ein weiteres Kind plant und davon ausging, recht bald wieder schwanger zu sein, dann aber keine Hebamme mehr zu finden. Und ich konnte ihr tatsächlich nicht sagen, ob überhaupt jemand und wer sie dann eventuell betreuen könne. Ich überlege ja selbst gerade, ob ich mir eine erneute Erhöhung der Berufshaftpflichtversicherungskosten um weitere 20 Prozent im nächsten Sommer noch leisten kann und will. Auch ohne Geburtshilfe wird die Versicherung „alleine“ für Schwangeren- und Wochenbettbetreuung langsam nicht mehr tragbar. Oder nur noch, wenn man die Tätigkeit in Vollzeit (was bei Hebammen oft eine 60-Stunden-Woche bedeutet) ausübt, was aber nicht für jede Hebamme aus unterschiedlichen Gründen ein gangbarer Weg ist.

Selbstsubventionierung

Mein persönliches Beispiel ist nur eines von vielen: Da ich viel im Bereich Fort- und Weiterbildung arbeite und auch das Schreiben natürlich Zeit braucht, vor allem aber unsere drei Kinder – ist Vollzeit-Hebamme keine Option für mich. Als selbständige Still-und Laktationsberaterin IBCLC, eine meiner weiteren beruflichen Qualifikationen, könnte ich mich für einen Bruchteil der Hebammenversicherungskosten ausreichend versichern lassen. Gleichzeitig wäre ich nicht auf die unzureichende Vergütung der Krankenkassen angewiesen.

Warum mache ich das also alles noch? Die Frage stelle ich mir genau wie viele Kolleginnen immer häufiger. Insgeheim beneide ich die aufhörenden Kolleginnen ein bisschen um ihre Klarheit, denn ich habe sie für mich noch nicht gefunden. Aber irgendwie will ich auch nicht weiter meine eigentliche Hebammenarbeit durch andere Tätigkeiten mitfinanzieren. Diese Selbstsubventionierung fühlt sich einfach falsch an. Die Hebammenarbeit hingegen fühlt sich so richtig an. Und ja, ich bin Hebamme. Nein, ich bin nicht hauptberuflich Bloggerin, Autorin oder Fortbildungsreferentin, auch wenn das manchmal irgendwo steht und auch wenn ich das alles ebenfalls sehr gerne mache. Ich möchte es aber nicht stattdessen tun und irgendwie habe ich immer mehr das Gefühl, mich entscheiden zu müssen. Genau wie die vielen Kolleginnen, die aufhören. Oder auch die wenigen, die ganz überraschend den komplett anderen Weg gehen und trotz aller Widrigkeiten neue Hebammenpraxen gründen oder einen Vertrag als Beleghebamme in einer Klinik unterschreiben. Die, die auch einfach nur weiterhin Hebamme sein wollen!

Kreißsaal wegen Überfüllung geschlossen

Und ja, auch ich denke sogar gerade darüber nach, wieder in den Klinikkreißsaal zurückzukehren – zumindest für ein paar Dienste im Monat. Bin ich eigentlich verrückt? Ich höre doch täglich von meinen Kolleginnen dort, dass sie längst am Limit arbeiten. Ständig müssen Überlastungsanzeigen ausgefüllt werden müssen, weil keine sichere Versorgung der Frauen mehr gewährleistet ist.

Die Beschäftigten sind nach §§ 15 und 16 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) verpflichtet, festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für Sicherheit und Gesundheit ihrer selbst und der Patienten dem zuständigen Vorgesetzten zu melden.

Die geburtenstärksten und größten Kliniken hier in Berlin müssen mittlerweile Schwangere an der Kreißsaaltür abweisen, weil wegen Überfüllung in Kombination mit Personalmangel sich nicht mehr um die Gebärenden gekümmert werden kann. Die Überstundenkonten sind prall gefüllt. Ich höre täglich die Geschichten der Frauen, die „Opfer“ der fehlenden Betreuung werden. Will man sich das wirklich antun? Oder vielleicht gerade jetzt? Denn Fakt ist: Irgendwas muss sich ändern. Und das eher heute als morgen. Wenn dann aber alle Hebammen bereits das Handtuch geschmissen haben…

Lösungen, die keine sind

Ich bin müde, die verfahrene Situation immer wieder erklären zu müssen. Denen, die denken, dass es nur um Hausgeburten geht. Oder dass es doch in der Klinik auf jeden Fall sicher ist. Nein, ohne bzw. mit völlig überlastetem Personal ist es das nicht. Ich mag nicht mehr erklären, dass die in der Presse „gefeierten Lösungen“ keine Lösungen sind. Ich mag nicht mehr mit Krankenkassenmitarbeitern diskutieren, die zum Teil willkürlich Rechnungen um ein paar Cent kürzen, weil irgendwo auf dem Dokumentationsblatt ein Punkt im Datum vergessen wurde. Noch mehr Auflagen will ich auch nicht bekommen. Zeug, dass einfach nur mehr Papierkram bedeutet, aber sonst überhaupt nichts mit Qualitätssicherung zu tun hat.

Ich will nicht mehr kämpfen, sondern möchte „einfach nur“ als Hebamme Familien in dieser besonderen Lebensphase ihren Bedürfnissen entsprechend begleiten.

Ich weiß, dass es auch außerhalb der Hebammenbetreuung viele gute Beratungs- und Unterstützungsangebote gibt. In der Praxis würde es aber auch bedeuten, dass die Familien von diversen Menschen begleitet werden und bei medizinischen Fragen dann sofort und immer den Arzt aufsuchen werden. Darum werden diese Angebote die Hebammen langfristig nicht ersetzen können. Zudem sind diese in der Regel nur für besser informierte und auch finanziell besser gestellte Familien finanzierbar. Was ist mit den Familien, die sich das Zukaufen von Hilfe nicht leisten können, wenn es gar keine Hebammen mehr gibt? Was nützt die Familienhebamme auf dem Papier, wenn es sich in der Praxis keine Kollegin mehr leisten kann, diese in der Regel noch zeitintensivere Arbeit zu leisten? Eine Betreuung vor, während und nach der Geburt muss weiterhin allen Frauen zugänglich und nicht vom Kontostand abhängig sein.

Spontangeburten lohnen sich nicht

Ich möchte auch nicht weiter zusehen, wie Frauen traumatisiert aus Geburten hervorgehen, weil das wirtschaftliche Denken einer Klinik eine einfühlsame, sichere und gute Betreuung verhindert. Denn es gilt: Interventionsarme und unkomplizierte Spontangeburten lohnen sich nicht, wenn man die Geburtshilfe aus Sicht des Klinikbuchhalters betrachtet. Gesunde Mütter und gesunde Kinder bringen nun mal kaum Geld in die Klinikkasse.

Ich möchte nicht mehr ständig Stillprobleme lösen, die daraus resultieren, dass keiner Zeit für eine gute Stillbegleitung in den ersten Tagen hatte. Ich möchte nicht mehr und mehr Kolleginnen dabei zusehen, wie sie unaufhaltsam aufgrund permanenter Überlastung ins Burnout rutschen und oft selbst traumatisiert aus vielen geburtshilflichen Situationen herausgehen müssen, ohne sich die eigentlich dann dringend nötige Supervision leisten zu können – zeitlich und finanziell.

Vielleicht also doch besser Bloggerin, Autorin oder Referentin?

Trotz allem mich bisweilen überkommenden Pessimismus bin ich sicher, dass sich doch absehbar etwas ändern wird. Ab Juli 2015 haben die Kolleginnen des kleineren der beiden Hebammenberufssverbände dort gar keine Versicherungsoption mehr. Natürlich wäre noch ein Wechsel in den größeren Berufsverband möglich, der zumindest bis Sommer 2016 eine Versicherungsoption anbietet – mit erneuter 20-prozentiger Erhöhung. Doch wie demokratisch ist es, wenn ich mir aufgrund fehlender Versicherungsangebote nicht mehr aussuchen kann, in welchem Berufsverband ich Mitglied sein möchte? Nur noch mal zur Erinnerung: der Hebammenberuf ist ein staatlich examinierter und damit anerkannter Beruf. Die Hebammenbetreuung gehört zum regulären Leistungsangebot für gesetzlich Krankenversicherte. Nur, dass halt bald niemand mehr da ist, der diese Leistung noch anbieten wird.

Ständige Zitterpartie…

Auch die Hebammenschulen merken längst, dass die einst extrem hohen Bewerberzahlen drastisch zurückgehen. Im Studiengang „Hebammenkunde“, den meine Freundin Luise gerade absolviert, haben bereits im ersten Jahr ein Fünftel der angehenden Hebammen wieder aufgegeben. Und auch ich würde als Mutter meinen Töchtern diesen Beruf, den ich von Herzen liebe, nicht mehr empfehlen. Doch wenn es keinen Hebammennachwuchs mehr gibt, wird es bald auch keine Hebammen mehr geben.

Die französischen und englischen Hebammen streiken bereits. Für Großbritanien gab es dieser Tage zumindest endlich mal die offizielle Empfehlung, dass für die mütterliche und kindliche Gesundheit die 1:1-Betreuung durch vollqualifizierte Hebammen unter der Geburt unabdingbar ist. Im besten Fall wird aus dieser Empfehlung noch in diesem Jahr eine Leitlinie, die von den Akteuren im Gesundheitswesen umgesetzt werden muss. Dafür müssen natürlich auch ausreichend viele Hebammen zur Verfügung stehen.

Ich hoffe noch immer, dass sich auch hier in Deutschland ein so sinnvolles Betreuungssystem mit belegten positiven Auswirkungen auf die mütterliche und kindliche Gesundheit tatsächlich nicht erst einmal komplett selbst zerstören muss, damit es dann mühsam wieder aufgebaut wird. Ich verstehe jede Kollegin, der für diese ständige Zitterpartie um akzeptable Arbeitsbedingungen die Kraft, die Nerven und irgendwann auch das Geld fehlen. Noch reihe ich mich nicht ein in die Schlange derjenigen, die schon aufgegeben haben. Denn ich bin Hebamme und ich möchte es einfach weiterhin sein…

Weitere Informationen:
Hebammen für Deutschland | Hebammenunterstützung | Deutscher Hebammenverband | Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands

Passend zum Thema

46 Kommentare

Bea 1. Juli 2015 - 10:18

ich finde das so traurig. am traurigsten macht mich, dass ich aufgrund dieser Problematik ein gefühl von Erleichterung verspüre, weil ich 2 kinder habe und die Familienplanung für uns abgeschlossen ist.
ich weiß nicht, was in mir vorgehen würde, wenn ich aktuell schwanger wäre! 🙁
und es tut mir so wahnsinnig leid für meine kinder, besonders meine tochter.

ich hoffe sehr, dass sich bald eine vertretbare lösung findet. ich selbst hatte eine tolle Hebamme in der Klinik und eine, die meine Situation falsch eingeschätzt hat und dann damit überfordert war. eine Hebamme und ausreichend zeit/fürsorge ist so wichtig!!

bitte hört nicht auf zu kämpfen!!!!

Antworten
Zukunft des Gebärens – Was ich mir für meine Tochter nicht wünsche | Geborgen Wachsen 1. Januar 2015 - 22:47

[…] wird das möglich sein? Gerade erst in dieser Woche las ich bei Anja “Wo sind all die Hebammen hin?”, worin es darum geht, dass sie immer weniger Hebammen bei ihren Arbeitsrunden durch Berlin trifft. […]

Antworten
Sophie (kinderhaben.de) 8. Dezember 2014 - 10:10

Gerade habe ich auch einen Beitrag zur Hebammenproblematik verfasst (http://kinderhaben.de/post/104659765721/warum-hebammen-so-wichtig-sind), da lese ich hier noch in deinem Archiv deinen passenden Eintrag. Ich bin vor allem der Meinung, dass wir viel mehr über das Problem sprechen müssen: Ich kenne so viele Frauen (und erst recht Männer), die gar keine Ahnung haben, dass der ganze Berufsstand bedroht ist und dass es heute schon eine Unterversorgung gibt! Mir ging es da vor der Geburt meines Kindes ähnlich, ich hatte einfach Glück, dass ich in der 14. Schwangerschaftswoche doch noch eine Hebamme gefunden habe.

Vielleicht hilft irgendwann wirklich nur der Streik, aber da müssten dann möglichst auch alle Klinikhebammen mitmachen. Und ich kann verstehen, wie schwer es einer Hebamme fällt, zu streiken – die armen Frauen, die in der Zeit Kinder kriegen! Aber irgendwie muss Aufmerksamkeit erregt werden, ich habe das Gefühl, das momentan die meisten Aktionen nur verpuffen und immer noch niemand sich so wirklich dafür interessiert…

Antworten
Sylvia 3. November 2014 - 10:09

Liebe Hebammen,

Bitte gebt nicht auf!
Es muss politisch und gesundheitpolitisch viel passieren, aber: bis dahin denken Sie dich bitte über Zuzahlungensmöglichkeiteb für Patienten nach.
Ich selbst möchte mir keine meiner Schwangerschaften und Geburten ohne meine tolle Hebamme vorstellen.
Überall in der Medizin muss man zuzahlen. Das ist nicht schön, aber Alltag.

Für eine gute Hebamme zahle ich gern privat dazu! Nur: bitte nicht aufgeben.

Beste Grüße
Sylvia Engel

Antworten
Stella 2. November 2014 - 02:53

Ich bin seit März Hebamme und arbeite freiberuflich. Für diesen Beruf habe ich ein Studium an den Nagel gehängt, weil es mein Traum war, Hebamme zu sein. Und was soll ich jetzt sagen? Ich arbeite tatsächlich 60 Stunden in der Woche, hetze mich ab, hab aber trotzdem das Gefühl, nicht allen Frauen gerecht zu werden, mein Privatleben bleibt teilweise auf der Strecke und ich ertappe mich dabei, zu denken, wie das weiter gehen soll. So schaff ich das mit Sicherheit nicht die nächsten Jahre. Und ich habe keine Familie, die auch ihre Aufmerksamkeit braucht. Wie schaffen das die Kolleginnen mit Kindern? Ich hab keinen blassen Schimmer. Aber es ist bewundernswert.

Eine 1:1-Betreuung wäre das absolute Ideal.
Meine Hausbesuche dauern auch ca. 45-60 Minuten, und die Zeit nehme ich mir auch. Wenn ich die Frau wäre, möchte ich nicht das Gefühl haben, nur von einer Liste abgearbeitet zu werden. Ich würde mir eine persönliche und individuelle Betreuung wünschen. Und das kostet seine Zeit nun mal. Die gebe ich ja auch gerne.

Antworten
Leseempfehlung: Wo sind all die Hebammen hin? | Elternprotest Düsseldorf und Umgebung 23. Oktober 2014 - 22:07

[…] Wo sind all die Hebammen hin? | Von guten Eltern: […]

Antworten
Hebamme A. 23. Oktober 2014 - 13:49

Guten Tag. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, der mir aus der Seele spricht!! Ich liebe meinen Job als Hebamme,dennoch bin ich nach einem Jahr Kreißsaal und Freiberuflichkeit bereits dabei,mir nun ein zweites Standbein aufzubauen. Ich studiere ab sofort. Der Beruf ist toll, unglaublich facettenreich,aber man verdient für die Verantwortung die man trägt zu wenig. Die Zukunftsperspektiven sind sehr mau. Ich wollte immer als Beleghebamme arbeiten,aber das werde ich wohl nie machen können 🙁 Es ist sehr sehr traurig, Deutschland wo soll das hinführen??? Ich möchte selbst in 1-2 Jahren Kinder bekommen, und auch ich als Hebamme wünsche mir dann Hebammenbetreuung. Ist die dann noch gewährleistet? Traurige und kopfschüttelnde Grüße..

Antworten
Lisa 21. Oktober 2014 - 23:08

Ich hatte das “Glück” das ich in der ersten Schwangerschaft in der Klinik gelandet bin wo eine ehemalige Azubi von mir als hebamme arbeitet die mich bis zum Schichtwechsel (kurz vor der Notsectio) betreute. Danach mich auch an eine liebe Kollegin übergeben hat. (Ich arbeite selbst in der Pflege, da ist es genau so katastrophal mit Personalbesetzung deswegen war ich darüber wirklich erfreut). Auch das die hebamme mich nachts um 3 mit auf die frühchenintensiv begleitet hatte und mir immer wieder mut zugesprochen hat, danke! (Selten hab ich jemanden so herzhaft freudig kreischen gehört nach sectio das die Milch schon einschießt wo ich noch total überfordert mit allem war). Trotz Trauma frühgeburt haben sie es alle super gemacht 🙂
Leider war das Ende der 2. Schwangerschaft ein wahrer Alptraum dagegen. Mir wurde erst nach 26h wehen nach Einleitung gesagt was ich machen muss. Es wurde sich für eine sectio entschieden obwohl ich 2 Wochen vorher mit reellen Wehen in die Klinik kam und bettelte das sie weiter einleiten weil ich es mir schon dachte das es bei einer normalen nichts wird. Ich wollte gern das mir die fruchtblase angestochen wird, aber das wurde aufgrund von Infektionsgefahr nicht gemacht (ehrlich? Dann müssten ja alle Frauen nach blasensprung sofort ne sectio,bekommen… Zumal ich vorher Zig antibiosen wegen vorzeitiger wehen schon genommen hatte). Leider alles durch minimalbesetzung und Max Auslastung. Sectios gehen halt schneller…
Ja einiges mit Sarkasmus geschrieben. Ich kann es nachvollziehen wie die Hebammen sich fühlen. (Wie gesagt, selbst Pflegekraft) und nach fast 10 Jahren nach Ausbildungsende überlege ich was anderes zu machen. Obwohl ich meinen Job wirklich gern mache. eine gute hebamme ist wirklich unersetzlich. Das habe ich beim 2. schmerzhaft gemerkt….
(Aber Hey, wenigstens tut nach der 2. sectio die Naht von der ersten nicht mehr weh! -.-)

Antworten
Lisa 21. Oktober 2014 - 23:19

Mit Glück meinte ich: in der 26ssw durfte ich halt nicht in meiner Wunschklinik bleiben. Dank der klink wo ich dann lag und dem Personal dort die mich immer wider runter geholt haben (gerade nach der Botschaft morgen holen wir ihr kind, 31/3) und ich einen psychischen hatte bin ich meiner Hebamme damals die mich betreuute im kh wirklich dankbar (sonst hätte ich sie , die beiden, nicht gehabt)
Leider wurde die Klinik kurz danach geschlossen (Neoits wie auch Geburtshilfe) und damit fing die Überlastung der umliegenden Kliniken an, denn 1400 Geburten zu verteilen ist nicht einfach und plötzlich nur noch eine its für frühchen waren eindeutig zu wenig für diesen Ballungsraum. Und das ist es jetzt immer noch….

Antworten
Abby 21. Oktober 2014 - 21:42

Das ist einfach ein Teufelskreis.
Ich würde so gerne Hebamme werden, auch ungeachtet der momentanen Situation.
Aber ohne Praktika kann man sich die Bewerbung schenken.
Die Kliniken nehmen nur Praktikanten die mind. 4 Wochen hospitieren.
Die Beleghebammen sind verschwunden, die wenigen Geburtshäuser voll mit Hebammenschülerinnen.

Wie soll man ohne Lehrende lernen?

Ich verstehe nicht, dass, auch in vielen Pflegeberufen, es den Anwärtern so schwer gemacht wird, eine Ausbildung zu bekommen und durchzuhalten. Wo du so ein Mangel besteht.
Das alles auf Kosten der Belegschaft, denn die Zahlt das, was die Arbeitgeber am Stellenschlüssel zahlen.

liebe und hoffnungsvolle Grüße,
Abby

Antworten
Blume 21. Oktober 2014 - 15:36

Ein wunderbarer Blogeintrag, danke dafür 🙂

aus der Sicht einer werdenden Mutter kann ich sagen, dass die Lage wirklich sehr ernst ist! Ich lebe in einer Gegend, die chronisch massiv unterversorgt ist. Obwohl ich mich ab der 10. Woche bemüht habe, habe ich beim besten Willen keine Hebamme gefunden, die bei mir zumindest die Nachsorge macht. Von Vorsorge und Geburtsvorbereitungskurs ganz zu schweigen!
Ich bin nun in der 31. Woche und weil meine Kleine immernoch in BEL liegt, bekomm ich es langsam mit der Angst zu tun, ob sie sich noch dreht. Mit einer Hebamme könnte ich jetzt darüber reden. Sie wäre qualifiziert und könnte mir sicherlich meine Ängste nehmen und mit Akupunktur, Gymnastik und Moxen die Kleine zum drehen bewegen. Ich hab eine wundervolle Frauenärztin aber das ist eben nicht das gleiche. Das nächste Krankenhaus, dass natürliche Entbindungen aus der BEL durchführen würde, ist gute 40 Km entfernt. Das ist mir zu weit weg um ggf. bei Schnee und Glätte mit alle paar Minuten Wehen hinzufahren und hier hab ich niemanden, der mir die Ängste nehmen könnte.
Es ist jetzt schon eine ganz fatale Situation und sie wird wirklich nicht besser werden.

Liebe Hebammen, ich hab jede Petition unterschrieben, habe mit demonstriert und gehofft, dass sich etwas ändert aber es wird sich nichts ändern weil die Machträger schlichtweg nicht wissen, was wir Frauen wirklich brauchen. Ein Streik würde vermutlich an dieser Stelle nichts bringen denn die Machträger sind zu alt um direkt von den Konsequenzen betroffen zu sein 🙁

Ich wünsche, dass es doch noch zu einer Lösung kommt. Dass Hebammen wieder gern in ihrem Beruf arbeiten und nicht ihren Beruf an den Nagel hängen müssen weil es sich nicht mehr lohnt. Ihr habt mein vollstes Verständnis, obwohl ich eine Betroffene bin.

Herzlichste, traurige Grüße,
Blume

Antworten
Tanja 21. Oktober 2014 - 15:00

Hallo,
ich bin dankbar dafür das ich zwei wundervolle Hebamen bei der Geburt meiner drei Töchter hätte und wolle sie nicht missen.

Antworten
Sylvia 21. Oktober 2014 - 12:21

Was können wir noch für euch tun, liebe Hebammen? Wie kann es sein, dass der wichtigste Beruf, den es gibt, für die wichtigste Zeit im Leben eines Menschen nicht mehr ausgeübt werden kann?
Liebe Grüße
Sylvia

Antworten
katja 21. Oktober 2014 - 12:07

ich erwarte in zwei wochen mein zweites kind und habe mit bluthochdruck und drohender gestose mal wieder erlebt, wie wichtig es ist, dass hebammen zu jeder zeit des kinderkriegens (vor, während, nach der geburt) sehr wichtig sind für die familien. statt einer frauenärztin, die nur von einleiten etc. faselt und mich immer mehr verrückt gemacht hat, was zu viel höherem blutdruck führte, waren es “meine” hebammen und die hebammen im krankenhaus, die mich immer wieder runtergeholt haben und mir die kraft, auch die letzten tage einigermaßen entspannt anzugehen. außerdem möchte ich natürlich nicht auf meine christine verzichten, die uns nach der geburt versorgt und uns wieder das vertrauen gibt, auch beim zweiten kind entspannt zu bleiben, auf unseren bauch zu hören etc.
was können wir nicht-hebammen noch machen, um euch zu helfen?????????????? ich habe bei jeder petition unterschrieben, habe an bundestagsabgeordnete geschrieben usw. und so fort. vielleicht sollten wir familien streiken und gar keine kinder mehr bekommen? aber mal ernsthaft: liebe hebammen, gibt es etwas, was ich konkret noch machen kann, um euch in dieser situation zu unterstützen? um die bedingungen zu verbessern?
ich wünsche allen hebammen alles gute für die zukunft, wie auch immer die aussehen mag. und allen familien auch zukünftig ausreichend hebammenunterstützung rund ums kinderkriegen, weil es soooooooooooooooooooooooooooooo wichtig ist!!!

Antworten
Peggy Seehafer 21. Oktober 2014 - 10:26

Sehr gut geschrieben, danke. Es tragisch, dass es so ausgeht mit dem Arbeiten. Ich persönlich bevorzuge inzwischen auch die Arbeit als Hebamme im Ausland, um meinen Frust und meine kraftraubenden Arbeit hier zu reduzieren.
Dabei bin ich gern Hebamme, aber nicht zu jeder Bedingung.

Antworten
Daniela 21. Oktober 2014 - 08:25

Liebe Anja.
Ich danke dir herzlich für diesen Blogeintrag.
Du sprichst/schreibst mir damit aus der Seele.
Ich selbst bin auch Hebamme (und ein Teil von mir wird das auch immer bleiben), aber ich kann nicht mehr!
Die Gründe dafür hast du wunderbar beschrieben. Genau so ist.
Ich habe lange mit mir gerungen, habe nach Lösungen Möglichkeiten gesucht weiter so zu arbeiten, dass es mir gut damit geht. Aber es ist mir nicht geglückt.
Seit 1.10 studiere ich Soziale Arbeit.
Es macht mit Freude und ich hoffe,
dass ich irgendwann die Chance habe beide Berufe
miteinander zuverbinden. Der Gedanke fühlt sich gut an.
Der Rest wird sich weisen.
Dir wünsche ich viel Kraft und Freude.
Du machst eine tolle Arbeit!
Liebe Grüße.
Daniela

Antworten
Mami0813 21. Oktober 2014 - 08:24

Hallo
es ist schon traurig.
Würde ja gerne den Beruf erlernen, geht aber nicht da ich nur Hauptschule habe.
Von einer die gerade Hebamme lernt habe ich erfahren, dass die Anforderungen geändert werden sollen. Dass nämlich nur noch Abiturienteb Hebamme lernen kœnnen.

Also ich glaube Deutschland möchte gar nicht, dass viele Hebammen lernen. Sonst würden ja eher die Anforderunheng runtergesetzt.
Und man würde viell. etwas mehr verdienen.

Meine persönliche Meinung ist, dass man versucht dass so Berufe aussterben damit man nur noch zu Ärzten geht. Denn mit Hebammen kann man ja auch Hausgeburten machen und in ein Geburtshaus gehen.
Und die pharma verdient auch nix da Hebammen ja eher natürlivhe Dinge gebn 😉

Antworten
Katharina Sykes 21. Oktober 2014 - 07:48

Selbst in der Rezession wurde ich in Großbritannien besser bezahlt als in Deutschland…
Es ist so schade, dass so viele Hebammen mit Berufserfahrung sich aus dem Beruf verabschieden, wer soll den Ärzten im Kreisssaal Geburtshilfe nahebringen?

Antworten
Melanie Krebs 21. Oktober 2014 - 07:17

Tja, ich kann mich den Vorrednern und der Blogschreiberin nur anschließen. Meine Lust und mein Idealismus als Hebamme zu arbeiten schwinden zunehmend und ich frage mich schon was ich dann mache. Immer erreichbar zu sein, die Organisation und Abrechnung immer irgendwie irgendwo dazwischen quetschen… Nö, ich werde den Frauen so nicht gerecht und was viel schlimmer ist- auch meiner Familie und meinen Kindern nicht und mir selbst am allerwenigsten. Für mich kristallisiert sich immer mehr heraus dass ich schon in wenigen Monaten das Handtuch werfen werde. Und das obwohl ich so viel arbeiten könnte- aber zu welchem Preis???

Antworten
Nadine 20. Oktober 2014 - 22:22

Es stimmt mich so unendlich traurig was da passiert! Ich selbst lebe auch in Berlin und habe letztes Jahr mein Baby nach einer wunderschönen Haus- und Wassergeburt bekommen. Unsere Hebamme hat uns vor, während und nach der Geburt so toll und kompetent begleitet, dass ich ihr für immer unendlich dankbar sein werde! Sie ist einer der bewundernswertesten Menschen die ich kenne!
Nun frage ich mich wie es wohl in der nächsten Schwangerschaft sein wird…. eine Geburt im Krankenhaus kann und will ich mir nach so einer Erfahrung nicht vorstellen (und vielleicht auch gerade, weil ich selbst Ärztin bin).
Es muss etwas passieren!!!!! Ein Hoch auf die Hebammenarbeit!

Antworten
Petra Schaefer 20. Oktober 2014 - 22:16

Ja, genau so fühlt es sich an, wenn die Freude und Lust am Beruf schwindet … mich zieht es inzwischen zu den Pferden, sie sind sensible Wesen, es macht Spass und es ist sehr anspruchsvoll mit ihnen zu arbeiten … Ich habe herausgefunden, dass es mir die fehlende Geburtsarbeit ersetzt! Und ich kann in Ruhe arbeiten!
Ist das nicht verrückt? Ich würde gerne meine Erfahrung als Hebamme weitergeben, damit es den nächsten Generationen erhalten bleibt ….
An wen?

Antworten
Putte 20. Oktober 2014 - 22:08

Ich bin ganz traurig diese verzweifelten Worte zu lesen.

Ich habe drei Kinder,hatte bei allen Kindern die gleiche Hebamme.
Sie begleitete uns in der schlimmen Zeit mit meinem behinderten ersten Kind,bis hin zur zweiten Schwangerschaft mit Vor- und Nachsorge samt den Ängsten ein weiteres behindertes Kind zu bekommen, inklusive Kaiserschnitttränen trocknen und beim letzten Kind uns bei der Geburt zu begleiten was spontan zu uns kam- ich bin so dankbar und bin mir sicher, ich hätte mich nicht getraut so, nach den vielen Erfahrungen zu gebären wenn sie nicht da gewesen wäre.
Eine solche liebe und vertrauensvolle Frau bei mir gehabt zu haben, die vielleicht täglich die gleichen Sorgen und Bedürfnisse hört aber mir nie das Gefühl gab,dass dem so ist, ist ganz besonders!
Es ist zum Heulen wie sich alles entwickelt und was den Frauen, Männern mit ihren kleinen Geschenken fehlen wird!
Raus mit Euch, geht auf die Straße und seid laut, so richtig laut!-Ich mache mit

Antworten
Myriam 20. Oktober 2014 - 21:52

Als ich im dritten Monat schwanger im Oktober letzten Jahres auf Hebammensuche ging, dachte ich noch, ich wäre ziemlich früh dran. Erst später ist mir klar geworden, dass ich wohl Glück hatte, ohne Probleme eine Hebamme zu bekommen, obwohl ich eine außerklinische Geburt wollte und auch im Prenzlauer Berg wohne. Ich bin so glücklich mit der Entscheidung, die ich getroffen hatte, dass es mir Angst bereitet, daran zu denken, die nächste Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett nicht genauso gestalten zu können.
Meine Hebamme meinte, sie wird ins Ausland gehen, wenn sich die Situation hier nicht klärt…

Antworten
Ju -dith 20. Oktober 2014 - 21:49

Eine Stunde braucht man für einen Hausbesuch. Es geht schließlich um mehr als körperliche Befunde und Kindsgewicht.28Eur pro Stunde ohne An und Abfahrt.Ruf mal den Schlüsseldienst oder Heizungsmonteur an.Unter 200 Eur geht da nix.Ohne Verantwortung für Menschenleben. Da sind 60 Eur doch gerechtfertigt. Manchmal ärgere ich mich auch über die Frauen.Solange alles die Kasse bezahlt, sollen wir 24 h erreichbar sein. Whats app, sms.Hausbesuch wegen Blähungen Sonntags um drei.Aber 60 Eur für die Babymassage ist zu viel.Man muss die Konsequenzen ziehen. Ich liebe meinen Beruf aber auch meine Familie.Ende des Jahres wird es nur noch die Klinik geben. Keinen persönlichen Bezug.Dienst abarbeiten-Feierabend.Und es kommen immer mehr Hebammen aus den Geburtshäusern zu uns.

Antworten
roni 21. Oktober 2014 - 03:26

Ich habe nie gesagt es ist nicht gerechtfertigt. BEi meiner Hebamme war das bei Kind 1 auch noch so,
BEi Kind 3 bestand der hausbesuch aber nur noch aus Kind wiegen, nabel anschauen ggf sauber machen und weg..
Einmal dann noch naht bei mir angesehen..

BAbymassage habe ich mit allen gemacht.
Anfangs waren wir zu viert (2008). 2011 schon zu siebt.
JEtzt waren wir 12..
Da macht es keinen Sinn mehr für die kleinen.. und für 5 mal 30 Minuten 40 Euro, wenn Ich da mit 11 anderen sitze, würde ich mir künftig sparen.

Und ICh habe nie wegen irgend einem scheiss angerufen..
Mich ärgert ja nur, dass die Hebamme, die ihren job weiter machen will, solche Maßnahmen ergreifen muss und letztendlich hat man dann als Mama bzw baby die Konsequenzen zu tragen.
Für keinen schön..

Antworten
Erse 20. Oktober 2014 - 21:38

Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich habe gerade mein drittes Kind bekommen und genieße meine Elternzeit. Aber ich liebe meinen Hebammenberuf und habe keine Ahnung, wie es nach der Elternzeit weitergeht, da es mir nicht möglich scheint kostendeckend und familienfreundlich in meinem Beruf zu arbeiten.
Danke!

Antworten
roni 20. Oktober 2014 - 21:02

ICh habe auch drei Kinder und bei uns gibt es eigentlich nur noch eine Hebamme in der Nähe.
Vom ersten bis zum dritten Kind konnte ich den verfall der qualifizierten Betreuung erleben.
Meine Hebamme nimmt alle Frauen an, egal wie viele. SIe Hat mittlerweile vier Geburtstagsvorbereitungskurse pro Woche und noch die ganzen anderen.
BEratung, Akkupunktur usw, geht nicht mehr vertraulich, es sitzen immer mindestens fünf Frauen da.. die Kurse sind ohne Konzept, es wird einfach ein bisschen geredet und gut ist..

UNd nun mein aber.
Die Bezahlung muss gut sein, bei ihr.
SIe Hat 10-12 Geburten im Monat, wo alleine die pauschale über 300 Euro sind.
DAnn wird jedes bisschen nebenher wie Pflaster kleben mit 30 Minuten Beschwerden a 26 Euro abgerechnet.
HAusbesuche hinterher dauern keine 15 Minuten und kosten 60 Euro Plus Fahrtkosten. (Bin privat).

ICh kritisiere nicht, dass sie das macht, sondern dass das System sie quasi dazu zwingt.. qualifizierte Betreuung ist das auf jeden Fall nicht mehr.

Antworten
Anja 20. Oktober 2014 - 21:22

Liebe Roni,

das hört sich nicht gut an- weder für die betreuten Frauen noch für die Hebamme. Bei so einem Pensum kann keine gute Arbeit mehr geleistet werden und dieser permanente Überarbeitung halte ich zudem auch für gefährlich. Es ist für Hebammen ein ewiger Spagat, Frauen abzusagen oder eben nicht. Aber an dem Punkt, an dem ich nicht mehr gut betreuen kann, ist keiner Schwangeren geholfen, wenn ich sie trotzdem noch in meinen vollen Terminkalender ” quetsche”. Manche Frauen verstehen das oft nicht und sind sehr enttäuscht oder wütend, wenn man absagt. Aber sie können ja auch noch nicht erahnen, was es ausmacht, ob meine Hebamme mit Zeit, Kopf und Herz für mich da ist oder nur von Hausbesuch zu Hausbesuch hetzt. Übrigens sind die Privatpatienten mittlerweile auch eine Art “Selbstsubvention” (genau wie bei den Ärzten) geworden, denn durch den Umstand, dass etwas mehr abgerechnet werden kann, kommt man nicht ganz so ins Minus, wenn man nicht die von der Krankenkasse als zeitlich und wirtschaftlich sinnvoll erachteten 25 Minuten- Hausbesuche macht. Ich brauche auch nach zig Jahren durchschnittlich noch immer circa eine Stunde pro Hausbesuch. Meine Erkenntnis daraus ist aber nicht, dass ich zu langsam bin, sondern dass Mutter und Kind im Wochenbett einfach Zeit und Ruhe brauchen und das auch bei den Wochenbettbesuchen der Hebamme. Wirtschaftlich sind natürlich 15-Minuten-Besuche schlauer, aber wie Du selbst schon schreibst, es ist nicht dass, was Mütter brauchen. Und für mich auch nicht das, was Hebammen wollen! Liebe Grüße, Anja

Antworten
Kathi J. 20. Oktober 2014 - 19:30

Als Mutter zweier Kinder mit jeweiliger Begleitung durch “meine” Hebamme während der Schwangerschaften, einer Klinik- und einer Geburtshausgeburt, vor allem aber als Frau, die nur allzu gerne diesen wundervollen Beruf erlernen würde, frage mich mich immer mehr, wie das überhaupt gehen soll. Für den Fall, dass meine Bewerbung erfolgreich wäre, stünde ich immer noch von der Frage, ob und wie ich davon meine Familie finanzieren könnte, ob ganzheitliche Betreuung der schwangeren Frauen überhaupt noch möglich wäre.
Zum schreien! Mehr fällt mir nicht ein!

Danke für diesen Bericht aus dem eigenen Erleben. Ich hoffe, es ändert sich noch was…

Antworten
Maria 20. Oktober 2014 - 18:22

Und wann streiken die deutschen Hebammen?

Antworten
Anja 20. Oktober 2014 - 21:10

Liebe Maria,

das frage ich mich schon lange. Alle Versuche in der Richtung sind bisher gescheitert, weil viele Kolleginnen nicht mitmachen wollten. Man kann ja schließlich die Frauen nicht im Stich lassen…
Aber lassen wir die Frauen nicht viel mehr im Stich, wenn wir das alles “kommentarlos” geschehen lassen und am Ende gar keine Hebammen mehr da sind?
Ich persönlich wäre längst für einen Streik.

Liebe Grüße,
Anja

Antworten
Hawwedampknopp 20. Oktober 2014 - 15:45

Ich kann und will es nicht verstehen. Und ich habe auch keine Ahnung, warum wir als Bevölkerung uns das bieten lassen.

Sind Kinder inzwischen so unwichtig geworden für uns alle, das es uns schlichtweg egal ist, wie und wo sie zur Welt kommen? Wer sind die Leute, die solche wirtschalichen Entscheidungen treffen? Und warum, mit Blick auf die dringend benötigte Geburtenrate reagiert die Politik nicht?

Vor 2 Jahren bin ich Papa geworden, und muss heute rückblickend sagen, dass die Geburt weit weg von optimal gelaufen ist. Am Morgen vor dem Blasensprung, 2 Wochen vor dem erechneten Termin hat der Frauenarzt festgestellt, dass das Kind etwas falsch liegt.
Nunja wir mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus… dort wurde meine Frau sich selbst überlassen… alles sei doch halb so schlimm, warum wir denn nicht selbst gefahren wären. Supi…
Also erstmal hoch auf Station….Aus den Augen aus dem Sinn… bis 8 sollten wir warten, es war 3 Uhr Nachts… um 6 signalisierte mir meine Frau, sie gehe jetzt runter, egal was die sagen.

Tjo und dann im Kreissaal…. 12 Stunden Schmerzen, alle 30-45 Minuten mal ne Hebamme kurz da und wir alleine.
irgendwann kam die Ärztin und sofortige Analyse … Kaiserschnitt.

Ein nächstes Kind gibts bei uns nur mit Beleghebamme, und wenn ich eine einfliegen lassen muss, privat bezahlen muss, oder bestechen muss 🙂

Antworten
Larissa//No Robots Magazine 20. Oktober 2014 - 14:31

Als junge Frau, die gerne mal Kinder möchte, denke ich bald: Okay, ich muss mein Kind alleine zu Hause kriegen, weil es kein Klinikpersonal gibt. Dann gibt es keine Hebamme, die mir zeigt, was ich tun muss. Nach einem Jahr muss und will ich wieder arbeiten gehen, weil ich dann keine finanzielle Unterstützung mehr bekomme – geht aber nicht, weil es keine Jobs gibt und selbst wenn ich Arbeit hätte, bekomme ich niemals einen Kita-Platz. Schöne Aussichten sind das.

Antworten
Katharina von Samson 20. Oktober 2014 - 13:59

Der-für mich- bisher beste Artikel in diesem sowieso tollen blog! Bin auch Hebamme und merke wie passiert was ich nie für mögl. hielt : mein Idealismus verabschiedet sich. So nicht… Die Worte hier sprechen mir aus dem Herzen. Danke!

Antworten
Jenny Köppen 20. Oktober 2014 - 16:03

Dem schließe ich mich vollkommen an!
Ich liebe meinen Beruf als Hebamme, werde ihn mir aber aus all den zu lesenden Gründen vielleicht bald nicht mehr leisten können und wollen.

Antworten
Doris 20. Oktober 2014 - 13:13

Irgendwann fehlen einem nur noch die Worte. Ich bin vor vier Monaten selbst zum dritten Mal mama geworden und selbst beim dritten kind war für mich die nachsorgehebamme unersetzlich wichtig. Ganz zu schweigen von der Begleitung während der Geburt. Ich finde es erschreckend, wievielen Frauen, die zur Geburt in die Klinik kommen (sei es in einer frühen geburtsphase oder bei blasensprung mit beginnender wehentätigkeit) geraten wird, doch erstmal noch auszuruhe, bis es “los” geht. Dann werden diese frauen sich selbst überlassen, weil nicht annähernd die Zeit da ist, sich um sie zu kümmern. Wie oft endet diese Situation im Kaiserschnitt? Hätten die Hebammen – wie es sein sollte – die zeit sich schon in der frühen Phase der Geburt mit den Frauen zu beschäftigen, sie zu animieren sich zu bewegen und die wehen “anzukurbeln” und “willkommen zu heißen” und sie nicht über sich ergehen zu lassen, könnten so viele ks und sicherlich auch traumatische geburtserlebnisse vermieden werden. Es ist einfach nur noch traurig mit anzusehen, was aus unserer Geburtshilfe gemacht wird.. ich hoffe so sehr für alle Frauen und babys, dass ihnen auch in Zukunft noch bzw. Wieder ein schöner Start ins Leben und den Frauen ein selbstbestimmter geburtsweg ermöglicht wird. In jedem Bereich – sei es beim kennenlernen eines neuen Menschen, beim Start in einem neuen job oder einer neuen Herausforderung – heißt es “die ersten Stunden sind die wichtigsten” – aber für unser Leben gilt dies anscheinend nicht.. das ist einfach nur unsagbar traurig.

Antworten
Landhebamme&Familienhebamme Katrin Körber-Renzel 20. Oktober 2014 - 13:09

Danke Anja ! ! !
Du hast meine
denken und fühlen
absolut perfekt
auf den Punkt gebracht.

Antworten
Christina 20. Oktober 2014 - 12:00

Dein Beitrag stimmt mich so traurig! Doch leider ist er die Realität! 🙁

Antworten
Tina 20. Oktober 2014 - 11:56

Mein Traum von der Ausbildung zur Hebamme wandert wieder ein Stück in die Ferne. Ich würde so gerne diesen Beruf erlernen 🙁

Antworten
Juliane 20. Oktober 2014 - 11:08

Und dann liest man, das Großbritanien jetzt die 1:1 Betreung per Gesetz geregelt hat!!! Zum kotzen, vielleicht mal nen Seitenblick wagen lieber Herr Gröhe…

Antworten
Dana 20. Oktober 2014 - 09:57

Traurig, aber wahr.
Hoffentlich haben nun alle verstanden, worum es geht!

Antworten
Jitka 20. Oktober 2014 - 09:45

Danke, Anja! Mir geht es ganz genauso. Ich sehe auch keine Chance mehr für mich in Deutschland als Hebamme glücklich zu werden. Und auch ich bin voller Herzblut für diesen Beruf! Die Alternativen? Umschulung oder Auswandern. Ein Hoch auf das deutsche Gesundheitssystem!

Antworten
Anja 20. Oktober 2014 - 21:07

Eine meiner besten Hebammenfreundinnen wandert jetzt tatsächlich nach Australien aus. Umschulen bzw. etwas anderes studieren oder lernen machen wirklich viele mittlerweile. Es wird wirklich langsam einsam, wenn man weiter als Hebamme arbeitet 🙁 LG, Anja

Antworten
Frische Brise 20. Oktober 2014 - 09:28

Danke für diesen Bericht.

Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll.

Antworten
Katrin Müller 20. Oktober 2014 - 09:19

Danke, Anja! Sehr gut geschrieben, ich kann allem (leider) nur zustimmen.
LG, Katrin

Antworten
Anna 20. Oktober 2014 - 08:16

Dito!
Und danke, Anja, dass Du mal wieder die ganz genauen Worte für diese entsetzlich frustrierende, vertrackte Situation findest.

Antworten

Kommentieren